Guilty Gear Xrd Rev 2 im Test

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Rev 2 ist das Update zu Guilty Gear Revelator, dem zweiten Teil der 2014 mit -Sign- gestarteten Xrd-Reihe. Im Gegensatz zu King of Fighters XIV, SFV oder Mortal Kombat X hält Arc System Works ihr Flaggschiff nicht nur mit Patches auf dem aktuellen Stand, sondern nach klassischer Manier auch per physisch erwerbbaren Neuauflagen.

 

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Die Guilty Gear Reihe ist vielleicht DER Vertreter des Kampfiel-Subgenres der Airdasher. Dieser zeichnet sich durch ein größeres Spektrum an Bewegungsoptionen aus, was zu einem komplexeren und rasanteren Spielablauf führt. Andere aktuelle Genrevertreter sind beispielsweise Dragonball FighterZ, BlazBlue: CrossTag Battle und Marvel vs Capcom Infinite.

Im Vergleich mit Revelator ändert sich in Rev 2 nicht viel. Wer nur offline mit Freunden zockt, hat relativ wenig Grund zu wechseln. Wer jedoch Lust auf Online-Kämpfe hat, sollte sich bewusst machen, dass die allermeisten Guilty Gear Xrd-Fans nur noch Rev 2 spielen werden. Hier ist also zwangsläufig nachziehen angesagt. Dies gilt erst recht für die Turnierszene. Leider muss aber erwähnt werden, dass zum Zeitpunkt dieses Tests (November 2018) die Online-Lobby weitestgehend leer ist. Zum heutigen Tag wären demnach Verabredungen über Kampfspiel-Communities unabdingbar.

GG_Rev2_01Das von mir im Revelator-Text beschriebene Gameplay wird fast ohne Änderungen übernommen. Lediglich die fragwürdige -unter anderem weil zufällige- Danger Time generiert nun für beide Spieler etwas »Tension« (das Äquivalent der Super-Leiste der Street Fighter-Reihe). Dadurch kann anschließend theoretisch noch stärker Druck ausgeübt werden, wobei auch dem defensiven Spieler mehr Energie für die verstärkte Abwehr (Faultless Defense) zur Verfügung steht, um sich den Aggressor effektiver vom Hals zu halten. Ansonsten gab es kaum Bedarf zum Handeln. So ist die Xrd-Reihe zwar etwas weniger komplex (und kompliziert), als Guilty Gear XX ab Accent Core, aber in der aktuellen Kampfspielgeneration immer noch jenes mit dem meisten Tiefgang. Nirgendwo (in Ansätzen höchstens bei Killer Instinct) unterscheiden sich die Charaktere derart eklatant voneinander und gewähren dem Spieler so viel Raum für einen eigenen Spielstil. Nirgendwo gibt es so viele Gameplayelemente für alle Situationen. Auch die Technik und vor allem der Grafikstil gehören weiterhin zum Stärksten, was das Genre zu bieten hat. Der Japan-Rock/-Metal bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks, ist aber sehr eigenständig.

GG_Rev2_02Andererseits muss man sagen, dass Revelator-Käufern, nicht gerade viel geboten wird. Auch bei den physisch erwerbbaren Add-Ons von bspw. Street Fighter IV gab es neben den obligatorischen Änderungen an der Charakterbalance mehr als nur zwei neue Kämpfer und Hintergründe. Zumal die DLC-Charaktere aus Revelator (Dizzy und Kum Haehyun) zumindest in der Downloadversion von Rev 2 noch nicht einmal enthalten sind. So kann man Rev 2 als eine kleine Finanzspritze an Arc System verstehen, die durch ihren hochwertigen Grafikstil auch weniger Geld durch alberne Weihnachtskostüme à la Street Fighter V abschöpfen können oder wollen. Außerdem beinhaltet die Balanceänderung für Ramlethal, Ky, Millia, Axl, Venom und Bedman sogar komplett neue Special Moves, was ihren Spilstil teilweise deutlich stärker ändert, als nur angepasste Framedaten und Hitboxen allein. Weiterhin wurden die Story-Modi aufgestockt.

Zumal Revelator bereits mehr als so ziemlich jedes andere Kampfspiel der aktuellen Generation bot. Allein die verschiedenen Tutorials, die sowohl für blutige Anfänger, als auch für absolute Profis einiges zu bieten haben. Bspw. eine Reihe von Kontertechniken für besonders starke und dominante Angriffe für alle Charaktere und Combos für eine Vielzahl der gängigsten Situationen. Hier noch daran zu denken, dass in SFV derart rudimentärer Inhalt wie ein Arcade-Modus nachgeliefert werden musste, macht im Vergleich mit Rev 2 abermals einen absurden (oder dreisten) Eindruck.

GG_Rev2_07Bei den neuen Charakteren handelt es sich zum einen mit Answer um einen kompletten Neuzugang, der zuvor lediglich in der Xrd Story aufgetaucht ist. Zum anderen mit der einarmigen, einäugigen Baiken um einen zurückkehrenden Veteranen des aller ersten Guilty Gear für die PS1 aus dem Jahr 1998. Zuletzt war sie im Xrd -Sign- -Vorgänger Accent Core +R von 2012 spielbar. Beide sind wie zu erwarten sehr cool gezeichnet und toll animiert. Im Fall von Baiken wird natürlich, wie in Xrd typisch, der zeitgenössische, pubertäre Anime-Stil mit riesigen, geradezu wabernden Busen bemüht. Wie bei einigen anderen Kämpferinnen sind sie unheimlich aufdringlich und plastisch in Szene gesetzt. Glanzeffekt inklusive. Speziell die Geh-Animation, in welcher sie ihre Brüste weit heraus steckt und sie wie Wackelpudding genüsslich von Links nach Rechts schlackern lässt, schlägt dem Fass den Boden aus. Mir persönlich ist das in den GG Xrd Spielen schlicht zu penetrant, momentan eine wahre Krankheit japanischer Kampfspiele und lässt mir abermals meine Hand ins Gesicht wandern. Die Dead or Alive-Schule hat sich klar durchgesetzt.

Answer ist ein sehr mobiler, offensiv orientierter Kämpfer ohne allzu ausgeprägten Glaskanonen-Effekt. Im Nahkampf greift er mit seinen Visitenkarten an (sieht ein bisschen nach Oswald aus KoF XI aus), kann sich teleportieren und Schriftrollen in der Luft platzieren. Hat er sich zu diesen aufgeschwungen, erhält er Zugriff auf eine Reihe spezieller Angriffe. Beispielsweise führt er durch sie einen mächtigen Dashangriff aus. Werden mehrere platziert, können so schwer zu verteidigende Crossupsituationen und lange Juggle-Combos generiert werden.

GG_Rev2_04Ganz anders ist Baikens Kampfstil ausgelegt. Wie in den Guilty Gear XX Titeln ist sie ein defensiv orientierter Konter-Charakter, der dem Gegner das Fürchten lehrt, wenn er seine Attacken zu offensichtlich platziert. Mit dem Konter Azami lassen sich gegnerische Angriffe parieren und erlauben per simplem Knopfdruck im Anschluss eine Reihe von verschiedenen Folge-Spezialmoves. Dies lässt sich sogar im Block durchführen und ermöglicht somit das Auflösen jeglichen Offensivmomentums. Baikens Guard Break-Mechanik funktioniert in Rev 2 also anders als in GG Accent Core +R. Dafür ist aber ein ähnlich flexibler Einsatz dieser Folgeangriffe möglich. Auch hier können sie während des teilweise unverwundbaren Sprints Suzuran eingesetzt werden. Ansonsten verfügt Baiken noch über das fast identische Angriffsrepertoire aus den XX-Teilen. Statt ihres alten Hard Slash in der Hocke mit mehreren Treffern steht ihr in Rev 2 ein tief zu blockender, weit reichender Schwerthieb zur Verfügung, der sich sogar in einen Supermove canceln lässt. Alles in allem bleibt Baiken weitestgehend intakt, bietet aber dennoch einige spannende Änderungen, um nicht zu bekannt zu wirken. Besonders gefreut habe ich mich über die wunderbar originalgetreue Umsetzung ihrer Siegesanimation aus GG XX, in welcher sie blitzartig ein Blatt Papier zerschneidet. Schmerzlich vermisst werden nur ihre EX-artigen Force Break Angriffe, über die Baiken in Accent Core mit Baku den Gegner mit lästigen Flüchen versehen konnte. Außerdem sah ihr schlichter animierter Overdrive (Super Move Äquivalen) Tsurane Zanzu Watashi in den Vorgängern wuchtiger aus.


GG_Rev2_14Leider verpassen Arc System Works die Gelegenheit, die Revelator-Tierlist (Gruppierung in starke und schwache Charaktere meist anhand ihres Turniererfolgs) wirklich durcheinander zu würfeln. Denn obwohl bis heute ein weiterer großer Patch zur Charakterbalance erschien, sind manche recht dominante Kämpfer aus Revelator immer noch extrem stark und viele schwache immer noch schwach. Dies führt zum kleinen Makel, dass man in Turnieren einige Kämpfer weiterhin nur selten sieht. Übertrieben weit auseinander liegen die Extreme aber nicht.

 

 

 

 

Andreas meint:

Andreas

Die Xrd-Generation von Guilty Gear zählt auch mit Rev 2 zum Stärksten, was das Kampfspiel-Genre zu bieten hat. Eine geniale Präsentation trifft auf ein äußerst tiefgründiges Kampfsystem und einen höchst vorbildlichen Umfang. Das Einzige was man Rev 2 vorwerfen kann, sind die wenigen Änderungen seit Revelator. Doch wer bspw. bei Street Fighter V, was Charaktere und Arenen angeht, auf dem aktuellen Stand bleiben will, muss letzten Endes noch mehr Geld ausgeben. Zumindest solange er nicht zu den wenigen Spielern gehört, die derart viel zocken, dass sie alles per -Ingame-Währung kaufen können. Da Rev 2 online nicht mit Revelator kompatibel ist, stutzt es die aktive Community ungewollt leider etwas zurück.

Positiv

  • Immer noch in seiner Summe das vielleicht beste und komplexeste Kampfspiel dieser Generation
  • Perfekte Tutorials für breites Spielerspektrum
  • Phantastische Anime-Grafik

Negativ

  • Wenig Neues seit Revelator
  • Danger Time für Turnierkämpde immer noch arg fragwürdig
  • Pubertäre Darstellung der meisten weiblichen Kämpfer
Userwertung
9.2 1 Stimmen
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Forum
  • von Azazel:

    Prügelexperte @khaos hat sich den neuesten Teil im Detail angesehen: Nexgam schrieb: Rev 2 ist das Update zu Guilty Gear Revelator, dem zweiten Teil der 2014 mit -Sign- gestarteten Xrd-Reihe. Im Gegensatz zu King of Fighters XIV, SFV oder Mortal Kombat X hält Arc System Works ihr Flaggschiff...

  • von The_Clown:

    @Jadakiss Kann ich dir nicht sagen, leider. Habe Revelator nur als DL-Version und mir das Update zu Rev 2 noch immer nicht geholt. Bei dem kaufbaren DL-Update ist, so weit ich das richtig verstanden habe, nicht alles dabei. Man musste wohl 2 Charaktere extra kaufen die von Revelator kamen. Dafür...

  • von Jadakiss:

    Keiner eine Antwort ??

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