BattleSphere im Test

Jaguar

Wie beginnt man ein Review zu einem Spiel, zu welchem man mehr Storys zur Entstehung und Bedeutung schreiben kann, als zum Spiel selbst? Mit Battlesphere, dem heiligen Gral der Jaguar Spiele, zieht das wohl berüchtigste und wertvollste Spiel in die neXGam-Datenbank ein…

BattleSphere-1Das besondere an Battlesphere ist - neben seinem heutigen enormen Marktwert von ca. 350$ für die Standard-Edition und bis zu 700$ für die Gold-Edition (welche limitiert zugunsten einer Diabetes Organisation released wurde) - die Entstehungsgeschichte. Mit der Entwicklung des Spiels wurde bereits zu Lebzeiten des Jaguars 1995 begonnen. Das junge und kleine 3-Mann – bzw. 2 Mann und eine Frau – Entwicklerteam 4-Play hatte damals die Vision dem Jaguar ein Space-Combat-Spiel auf den Leib zu schneidern, welches die Atari-Hardware nicht nur ausreizen soll, sondern den Multiplayer-Spielspaß via Vernetzung von bis zu 16 Jaguars in unbegrenzte Höhen zu treiben. Die Entwicklung zögerte sich hinaus, Ataris Gelder flossen spärlich. Man feilte unentwegt am Spiel und baute immer neue Details sowie massig Schiffe ein und feilte am Netzwerkcode. Auf der E3 1995 wurde das Spiel bereits spielbar vorgestellt, zusammen mit der Ankündigung der Catbox, welche Netzwerkspiele ermöglichen sollte. Die Pforten von Atari schlossen sich 1996.


Doch die Entwicklung von Battlesphere ging weiter und alle 3 Entwickler bastelten in ihrer Freizeit weiter am ehrgeizigen Projekt. Die Jahre gingen ins Land, bis man gegen Ende 1998 sich der Fertigstellung näherte. Mittlerweile ist auch die Catbox in lächerlich geringen Zahlen von ICD ausgeliefert worden, so dass zumindest das Netzwerk-Gameplay nicht unmöglich wurde.

Nach Beendigung der Entwicklung sah man sich nun einem weitern Problem gegenüber: Hasbro hatte sämtliche Atari-Rechte gekauft und demnach auch die Encryption Routinen. Lange wurde seitens 4-Play um eine Freigabe seitens Hasbro gekämpft, jedoch mit zunächst wenig Erfolg. Erst nach über einem Jahr des Tauziehens hat man sich bei Hasbro erbarmt und den Jaguar für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So musste keine Lizenz und Freigabe mehr von Hasbro zur Jaguar-Entwicklung erworben werden.


BattleSphere-2Jeder der wollte, konnte nun auf der Raubkatze entwickeln und lizenzfrei Spiele releasen. Dies war der erste Verdienst von Battlesphere an der Entstehung einer florierenden Homebrew-Community. Weiterhin hatte man keine Routinen zur Encryption mehr. Diese wurden aber benötigt um Code auf kommerziellen Heimgeräten laufen zu lassen. In monatelanger Tüftelei wurde eine Möglichkeit gefunden diese Routinen zu umgehen. Diese Encryption Routinen, welche es erlauben unsignierten Code auf dem Jaguar laufen zu lassen, wurden später auch in die Protector SE und Battlesphere Gold Module gebaut.

Ende 1999 war es schließlich soweit. Jeder Interessierte konnte sich Battlesphere für 69$ direkt bei den Entwicklern bestellen. Die Nachfrage war riesig und die Produktionsmenge war entsprechend schnell vergriffen. Schnell schossen die Preise in die Höhe, weil die Nachfrage die Produktionsmenge deutlich überschritten hatte. 2 Jahre später entschloss man sich zu einer Neuauflage, deren Erlöse Diabeteskranken zu Gute kommen sollten. Die Gold-Version wurde noch einmal optimiert, einige Kleinigkeiten hinzugefügt. Das Spiel kam nun in einem schönen transparenten Modul.


Weiterhin fanden sich auf 2 CDs noch Entwicklungstools für den ambitionierten Hobbyentwickler. Für 160$ konnte das Spiel ebenfalls im Web bestellt werden. Auch hier war die Auflage gering, so dass auch die Gold-Version schnell vergriffen war und die Preise weiter anstiegen. Die Verbindung aus extremen Hype, einem wirklich guten Spiel und den geringen Auflagen sorgten für Ebay-Preise jenseits der 300$. Sich der Umstände der gering verbreiteten Catbox bewusst, wurde von den Entwicklern noch ein eigenes Modell, die sogenannte Scatbox entwickelt, welche die gleichen Funktionen bot wie die Catbox und ebenfalls an den Extension-Port des Jaguars verbunden wurde. Diese Scatbox – oder eben eine Catbox – war nötig um Battlesphere (sowie Aircars) mit mindestens 3 Jaguars im Netzwerk zu spielen. Auch die Auflage der Scatbox war gering, so dass Preise für die Scatbox sich im Bereich der Catbox aufhalten.


BattleSphere-6Battlesphere gilt bis heute als das ambitionierteste Homebrew-Projekt auf dem Jaguar, welches als kommerzieller Titel begonnen wurde und in Heimarbeit fertig gestellt wurde. Leider wurden keine Neuauflagen nach der Gold-Edition mehr geplant, was dafür sorgte, dass die Preise bis heute steigen. Erst kürzlich ging ein neues Battlesphere Gold bei Ebay für 725$ weg. Gut, Battlesphere ist teuer und selten, sowie hat eine bewegte Geschichte, doch was kann das Spiel überhaupt? Nach einer ungewöhnlich langen Einleitung wollen wir uns auch einmal dem eigentlichen Spiel widmen.

Battlesphere ist ein klassischer Space-Combat-Simulator. In der fernen Zukunft befinden sich mehrere Rassen im Krieg. Die finale Schlacht soll entscheiden, welche Rasse Herrscher über die Galaxie werden soll. In der so genannten Battlesphere beginnt die Schlacht um Planeten und strategisch wichtige Starbasen. Im Hauptmenü hat der Spieler erst einmal die Wahl zwischen Single Player, Multiplayer und Netzwerkmodus sowie kann einem Pilotentraining beitreten. Dies ist gar nicht so falsch, denn die Steuerung ist relativ komplex und nutzt sämtliche 17 Buttons des Jaguar Controllers aus. Optional gibt es noch eine Steuerung speziell für den Pro Controller, der das Gaming noch angenehmer gestaltet. Als Einzelspieler hat man die Wahl zwischen dem „Alone against the Empire“ Modus, dem Gauntlet-Modus und einem Free-for-all-Modus. Kernpunkt des Single-Players ist der Alone-against-the-empire-Modus. Hier schlägt man sich auf die Seite einer Rasse und versucht den Sektor und seine Starbasen zu verteidigen.

 

BattleSphere-7Das Spielgeschehen orientiert sich ein wenig an Star Raiders und Wing Commander. Man sieht sein Schiff aus der Ego Perspektive. Via Steuerkreuz verändert ihr eure Sicht, ein Front und Rückradar hilft bei der Orientierung. Mittels der Option-Taste ruft man die Sternenkarte auf. Hier kann man seine Position und die Position der eigenen Flotte und der feindlichen flotte sowie der eigenen Starbasen erkennen. Via C Knopf kann man alliierte Einheiten ziehen und gegen Feinde kämpfen lassen. Mittels Hyperspace-Jumps kann man von Sektor zu Sektor springen und selber ins Geschehen eingreifen. Vor Ort gilt es nun alle Gegner auszuschalten, bevor diese die eigenen Basen vernichtet haben. Geschieht dies in einem anderen Sektor, erhaltet ihr eine entsprechende Benachrichtigung. Durch die alliierten Truppen kommt noch eine gewisse taktische Komponente ins Spiel, da man die anfliegenden Geschwader durch geschickte Platzierung der Schiffe abfangen kann. Der Modus gibt sich zwar nicht storylastig, aber spielerisch doch durchaus komplex, zumal KI und Schwierigkeitsgrad nicht ohne sind.


Im Gauntlet Modus muss der Spieler seine Starbasen gegen immer stärker werdende Feindeswellen verteidigen, alles natürlich für den Highscore. Denn wie viele Spiele aus dieser Ära geht es darum sich auf Platz eins der Highscore-Liste zu platzieren. Natürlich speichert eine interne Batterie Einstellungen, Highscores und freigeschaltete Schiffe. Apropos freigeschaltete Schiffe: Davon gibt es in Battlesphere reichlich. Jede der 7 Rassen hat unterschiedliche Schiffe und Schiffsklassen. Zudem sind die Schiffe auch noch anders mit Waffen bestückt, so dass schon eine gewisse Abwechslung und taktische Komponente bei der Auswahl gegeben ist. Der Free-for-all Modus ist ein simpler "Zerstöre alle Gegner" Modus, bei dem es nur gilt so lange wie möglich durchzuhalten und seinen Highscore zu maxen.

BattleSphere-3Ein nicht unwesentlicher Spaßfaktor liegt im Multiplayer-Modus. Wer in den – unwahrscheinlichen – Genuss kommt 2 Battlesphere Module, 2 Jaguars und ein Linkkabel zu besitzen kann sich mit einem Kumpel zusammen gemeinsam in die Schlacht stürzen, oder sich gegenseitig bekriegen. Wer steinreich ist, kauft sich 16x Battlesphere, 16 Cat- bzw. Scatboxen und linkt alles zusammen. Der Tester kam leider nicht in die Gelegenheit das zu probieren, aber der Spielspaß dürfte ordentlich sein, wenn 32 Mann (je 2 an einer Konsole) sich im Weltall bekriegen. Doch auch im 3er Netzwerk auf dem e-jagfest hat Battlesphere eine Menge Spaß bereitet, auch wenn der Netzwerkmodus biestig zu aktivieren war und nicht immer einwandfrei starten wollte.

Technisch ist Battlesphere enorm beeindruckend. Zumindest aus subjektiver Sicht. Viel wurde um die Technik des Spiels debattiert. Freie Navigation im dreidimensionalen Raum, optische Effekte wie Rotation und auch der Hyperspace-Jump können überzeugen. Am beeindruckendsten ist jedoch die absolut flüssige Framerate, welche mit 60fps angegeben ist. Sicherlich ist nie allzu viel los auf dem Bildschirm, dass der Jaguar Probleme mit der Berechnung bekommen würde, angenehm ist es dennoch, zumal eine derart flüssige Darstellung auf dem Jaguar ein Novum ist. Ein weiteres optisches Schmankerl sind die Auswahlscreens, welche am Auswahlcursor mit netten Transparenzeffekten und Spiegelungen aufwarten.


Auch akustisch wurde geklotzt anstatt gekleckert. Die Musik bietet abwechslungsreiche Synthie-Sounds und ein gutes Sci-fi-Feeling. Im Weltraum wird geballert was das Zeug hält und mit einer ebenfalls gelungenen spaßigen Musik untermalt. Es ist kein Tempest 2000, aber trotzdem noch deutliche Oberklasse auf dem Jaguar.




 

Videoreview zu Battlesphere:

Heiko meint:

Heiko

Schade, dass Battlesphere so unglaublich teuer ist, sonst wäre das Spiel neben einem Sammlerstück auch ein richtig gutes Stück Software, welches in jede Jaguar Sammlung gehört. Aufgrund der Rarität und des Preises ist das Spiel leider nur für Sammler interessant, auch wenn Battlesphere spielerisch locker ganz oben auf dem Jaguar mitmischt. Von daher: Wer verdammt viel Geld hat, schlägt zu. Wer noch mehr Geld hat schlägt mehrfach zu und spielts im Netzwerk, auch wenn die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering ist. So bleibt neben einem tollen Spiel auch noch eine tolle Geschichte. Hoffen wir, dass man es sich noch mal überlegt und das Game noch einmal neu auflegt, verdient wäre es. 

Positiv

  • beindruckende Technik
  • bis zu 32 Spieler im Netzwerk
  • extrem viele Raumschiffe

Negativ

  • das teuerste Jaguar Spiel
  • extrem selten
  • Netzwerkmodus mit technischen Problemen

Michael meint:

Michael
Ich kann da meinem Vorredner nur beipflichten! Bei mir hat es zwar einige Zeit gedauert bis der Titel seinen Weg in meine Sammlung fand, aber ich habe diesen Schritt nicht bereut. Auch wenn dabei einige Euros über die virtuelle Ladentheke gingen. Battlesphere zeigt dabei eindrucksvoll, was auf dem Atari Jaguar so möglich ist und das Spiele auf dieser Konsole auch eine ganze Weile unterhalten können. Dafür sorgen die tolle Technik, sowie eine Vielzahl an Spielmodi. Es sei auch allen angeraten den Multiplayermodus einmal auszuprobieren. Zwar werden die 32 Spieler wohl nie erreicht werden, aber selbst ein Deathmatch über Jaglink gegen einen Mitspieler ist dennoch genauso spaßig zu spielen. Großes Lob verdient auch das Training, das Schritt für Schritt den Spieler in die Steuerung und wichtige Taktiken des Spiels einführt. Battlesphere - ein Muss für Jaguar Fans! 
Userwertung
9.7 13 Stimmen
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Forum
  • von CD-i:

    Soundtrack is azch mega

  • von ChrisWR:

    Das Spiel ist selten, Ultra Teuer aber noch gut dazu !, für die paar Gegner hätte man aber ruhig Texturen nehmen können, Space War 2000 zeigt ja das es geht :). Ein gutes Spiel, nur schade das es so extrem selten ist und Mind. 400€ kostet.

  • von Slainte:

    Ich hab noch nie den zweiten Level gesehen.Ist mir auch zu schwer und auch nicht ganz mein Genre ...

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