Cilla im Test

Manchmal begegnet einem ein Spiel, das seine eigene Mittelmäßigkeit mit einer bemerkenswerten Ernsthaftigkeit vorträgt. Cilla, ein 2D-Side-Scrolling-Shooter des kleinen Entwicklerstudios Stamina Zero, erschienen im August 2024 für PlayStation 4 und 5, Xbox One, Xbox Series X|S sowie Nintendo Switch, ist ein solches Werk. Das Spiel möchte vieles auf einmal sein: ein cineastischer Erzähler, ein herausfordernder Arcade-Shooter und ein moralisches Gedankenexperiment. Keines dieser Vorhaben gelingt überzeugend – und doch ist das Spiel ein interessantes Zeugnis dafür, was passiert, wenn Ambitionen die handwerklichen Mittel deutlich übersteigen.

Cilla-08Die Geschichte dreht sich um Cilla, eine Soldatin der Zukunft, die als die sogenannte Perfekte Soldatin bezeichnet wird – gefühllos, furchtlos, ohne Reue. In einer alternativen Zukunft, in der die Menschheit gegen außerirdische Bedrohungen kämpft, wird Cilla in einen Konflikt hineingezogen, der ihr schließlich eine Wahl abverlangt, die das Schicksal der gesamten Menschheit beeinflussen soll. Das Versprechen eines narrativen Twists, einer Charakterentwicklung und eines moralisch bedeutsamen Endes klingt auf dem Papier verlockend. In der Umsetzung bleibt davon jedoch kaum etwas übrig. Das grundlegende Problem liegt in der Sprache. Das Spiel wurde offenbar in einer anderen Sprache entwickelt und danach mit wenig Sorgfalt ins Englische übertragen. Die Dialoge wirken aufgeblasen, dramatisch bis ins Lächerliche und stellenweise schlichtweg unverständlich. Wenn Cilla mitten in einer Kampfmission innehält und sich fragt, ob sie überhaupt in der Lage sei zu töten – um im nächsten Augenblick Dutzende von Feinden zu vernichten – entsteht eine unfreiwillige Komik, die den Entwicklern sicher nicht vorgeschwebt hat. Es gibt eine Art moralische Geschichte, die sich bemüht, gehört zu werden, aber im Lärm der Schussgefechte vollständig untergeht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Cutscenes, in denen dieser narrative Ballast abgeladen wird, mitten in Missionen eingebettet sind und den ohnehin fragilen Spielfluss nachhaltig zerstören. Der Rat, diese Zwischensequenzen zu überspringen, ist gut gemeint und vollkommen berechtigt.

Beim eigentlichen Gameplay, also dem, was bei einem Shooter zuerst überzeugen müsste, sieht es leider nicht viel besser aus. Cilla präsentiert sich als klassischer Horizontal-Shooter, bei dem man ein Raumschiff durch feindbesetzte Level steuert. Das Genre hat eine lange und stolze Geschichte – von den Arcade-Klassikern der 1980er Jahre bis hin zu modernen Bullet-Hell-Meisterwerken wie Ikaruga oder Mushihimesama. Cilla positioniert sich irgendwo am anderen Ende dieses Spektrums. Die Feinde feuern selten mehr als ein halbes Dutzend Projektile gleichzeitig ab, folgen vorhersehbaren Mustern und lassen sich mühelos ausschalten, indem man schlicht durch die Mitte des Levels fliegt und gelegentlich die Schusstaste betätigt. Eine echte Herausforderung entfaltet sich kaum. Das Bossgegner-Design verstärkt diese Enttäuschung. Statt furchterregender Endgegner, die ausgefeilte Angriffsmuster erfordern und das Erlernte auf die Probe stellen, begegnet man hier seltsamen Konstruktionen, die eher durch Inkonsistenz als durch Schwierigkeit frustrieren. Ein Bosskampf, in dem eine ramponierende Mauer als Gegner fungiert – nicht mehr und nicht weniger –, mag als kreative Idee begonnen haben; in der Ausführung wirkt er schlicht fertig. Dazu kommt, dass die Spielmechaniken schwanken: Was in einem Moment noch funktioniert, gilt im nächsten nicht mehr. Diese Unbeständigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Spielerfahrung.

Cilla-04Eines der beworbenen Hauptmerkmale ist die Pixel-Art-Grafik. Tatsächlich sehen die Standbilder aus dem Spiel durchaus ansprechend aus. In Bewegung jedoch verlieren die Level schnell ihren Reiz. Die Hintergründe wirken eintönig und leblos, und die Feinde zeigen kaum Abwechslung – dieselben Typen tauchen Level für Level wieder auf, ohne nennenswerte Variation. Es fehlt jene Detailverliebtheit und Handschrift, die gute Pixel-Art auszeichnet und die man etwa in Spielen wie Shovel Knight oder Cuphead bewundert. Cilla bleibt visuell brav, aber uninspiriert. Es wäre ungerecht, das Spiel vollständig zu verdammen. Hinter dem Projekt steckt ein kleines, ambitioniertes Team aus zwei Familien, die nach eigenen Angaben aus der Spielebranche kommen und mit Cilla ihr erstes eigenes Spiel als Studio veröffentlicht haben. Der Mut, ein eigenes Projekt zu realisieren und auf dem Markt zu bringen, verdient Respekt. Der Preis von knapp sieben Dollar ist zudem niedrig angesetzt, was die Erwartungen entsprechend dämpft – oder zumindest dämpfen sollte. Das Spiel kann in einer Stunde oder zwei durchgespielt werden, und für preisbewusste Genre-Fans, die in einem ruhigen Nachmittag schnell etwas ausprobieren möchten, ist der finanzielle Schaden überschaubar.

Dennoch bleibt unterm Strich das Bild eines Spiels, das seine eigenen Ambitionen nicht einlösen kann. Das Versprechen eines narrativen Twists, der das Schicksal der Welt beeinflusst, wird nicht erfüllt. Die angepriesene dynamische Herausforderung im Kampf existiert nicht. Die moralische Komplexität der Hauptfigur verdunstet im nächsten Cutscene. Was bleibt, ist ein generischer Shooter, der weder als Arcade-Erlebnis noch als Erzählwerk Bestand hat.

 

Michael meint:

Michael

Wer nach einem Shooting Game sucht, der das Genre wirklich ausschöpft, sollte zu bewährten Alternativen greifen. Wer hingegen bereit ist, für kleines Geld einen kurzen, harmlosen Ausflug in ein ambitioniertes, wenn auch gescheitertes Experiment zu wagen, und dabei Nachsicht mit handwerklichen Mängeln mitbringt, kann bei Cilla eine merkwürdig faszinierende Dreiviertelstunde verbringen – ähnlich wie man einen Film manchmal zu Ende schaut, weniger aus Begeisterung als aus einem stillen Staunen darüber, wie weit die Dinge von ihrer ursprünglichen Idee abdriften können.

Positiv

  • Ambitioniertes Pixel-Art-Design
  • für einen schmalen Taler erhältlich

Negativ

  • Schlechtes Pacing
  • Gameplay zu simpel, Feinde und Bossgegner enttäuschend
  • Dialoge wirken durch schlechte Übersetzung unfreiwillig komisch
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Cilla Daten
Genre Shootemup
Spieleranzahl 1
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 1080p
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 2024-08-02 00:05:24
Vermarkter -
Wertung 5.3
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