Wonder Boy: The Dragon's Trap im Test

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Ein Kultheld kehrt zurück: Nach ganzen 26 Jahren feiert Wonder Boy, einer von SEGAs frühesten Serienhelden sein längst überfälliges Comeback.

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Wonder Boy ist dabei keine Kreation von SEGA. Die Spiele sind das Werk von Ryuichi Nishizawa und seinem Studio Westone. Berüchtigt ist die Reihe zudem dafür, unter verschiedenen Namen unterschiedliche Systeme beehrt zu haben. So gehört die ursprüngliche Marke Wonder Boy zwar SEGA, aber unter anderen Titeln, aber mit identischem Gameplay sind auch Konkurrenzsysteme mit einigen der Abenteuer versorgt worden. So kennen Nintendo-Fans den ersten Teil als Adventure Island, während das dritte Spiel auf der PC Engine als Dragon‘s Curse bekannt ist. Besagter Teil dient im Master-System-Original auch dem neuen Release als Vorbild, einem Remake von Wonder Boy III: The Dragon‘s Trap.

Die 1989er Master-System-Fassung gilt als besonderer Hit auf SEGAs 8-Bit-Konsole. Der Held, der einst in einem simplen Jump 'n' Run die Bühne betrat begeisterte Spieler in einem Mix aus Hüpfspiel, Action-Adventure und was wir heute ein "Metroidvania" nennen.

Wonder_Boy_The_Dragons_Trap_nexgam_02Das Spiel beginnt nach einem kleinen Intro (und der Wahl zwischen Junge oder Mädchen, einem Feature, welches 1989 nicht zur Verfügung stand) im finalen Dungeon von Wonder Boy in Monsterland. Der Held ist im Schloss des Meka Drachen und fordert das Ungetüm heraus. Dieses verflucht mit seinem letzten Atemzug aber seinen Bezwinger, der alle seine Kraft einbüßt (symbolisiert durch Herzcontainer) und sich selbst plötzlich im Körper eines kleinen, humanoiden Drachen wiederfindet.

Fortan gibt es nur ein Ziel für den verunstalteten Heroen: Sich auf die Suche nach einem Heilmittel zu machen und wieder ein Mensch werden! Wirklich erzählt wird dabei die Story nicht. Händler haben etwas Text, ansonsten gibt es keinen weiteren Handlungsbogen zu verfolgen, als dass man immer neue Gebiete erschließt und die ansäsigen Monster besiegt.

 

In Gestalt des kleinen Echslings vermag Wonder Boy nicht zu schlagen, sondern Feuer  zu speien. Aber keine Sorge, Angriffsboni durch ausgerüstete Waffen werden trotzdem gewährt. Das ganze Spiel hindurch können nämlich immer neue Schwerter, Schilde und Rüstungen gegen von bezwungenen Gegnern hinterlassenes Gold erworben werden.
Die Welt steht dem Verfluchten in Prinzip offen, aber bald machen unüberwindbare Hürden doch die Richtung klar, in die es geht.

Wie nicht anders zu erwarten ist mit geht nicht alles glatt und statt in einen Menschen verwandelt sich der Spielercharakter im Laufe des Abenteuers in eine Maus, einen Piranha, einen Löwen und einen Falken. Alle menschenähnlich und im Gegensatz zum Drachen mit Schwert gerüstet, aber jeder mit seiner Eigenheit.
So ist der Mäusling sehr klein und kann daher durch winzige Öffnungen krabbeln. Zudem hat er die Möglichkeit auch der Schwerkraft zu trotzden und sich an bestimmten Oberflächen entlang zu bewegen. Der Piranhaling kann schwimmen und dadurch tiefste Gewässer erforschen. Der Löwling ist besonders stark und schwingt sein Schwert so weit, dass Monster über und unter ihm erwischt werden. Zu guter Letzt vermag der Falkling natürlich durch die Lüfte zu fliegen.

Wonder_Boy_The_Dragons_Trap_nexgam_03Mit Hilfe dieser unterschiedlichen Gestalten können im Laufe des Spiels immer neue Teile der Spielwelt erkundet werden. Für die Sucher von Geheimnissen kann zudem das gelegentliche Wiederaufsuchen bereits bekannter Areale lohnen.
Man kann anfangs allerdings nicht beliebig die Form wechseln. Ein mal verwandelt steckt man zunächst im aktuellen Körper fest, bis man entweder einen Verwandlungsschrein besucht oder ein besonderes Schwert erhält, dass es einem ermöglicht unterwegs nach Lust und Laune zu morphen.

Der Spielablauf ist dabei immer ähnlich. Man hüpft und kämpft sich durch das Land, erreicht irgendwann hoffentlich den lokalen Endgegner und verwandelt sich nach dem Sieg in etwas neues. Einen dauerhaften Tod gibt es nicht. Verliert man alle Herzen, so  wird man aller Hilfsobjekte beraubt (begrenzt nutzbare Spezialangriffe) und erwacht wieder im Dorf. Immerhin das gesammelte Gold bleibt erhalten. Trotzdem ärgerlich, muss doch der gesamte Weg zum Boss danach wieder zurück gelegt werden.

Wonder_Boy_The_Dragons_Trap_nexgam_04Das Spiel ist nicht übermäßig schwer, aber manche Sprungsequenzen mit Gegnern, die ebenfalls Aufmerksamkeit verlangen, können knifflig sein. Ein  Manko ist dabei das etwas zu große Momentum des Helden. Zwar hat schon Mario so etwas gehabt, aber hier hat man mitunter das Gefühl, dass der Charakter nicht ganz so weit nach dem Laufen und Springen schlittern sollte. Manches Mal landet man dadurch eine Etage tiefer. Das ist selten verheerend, aber doch manchmal nervig. Man kann sich aber daran gewöhnen. Zudem ist die Reichweite der Schwertangriffe sehr begrenzt; ein typisches Wonder-Boy-Phänomen. Für solche Fälle sind aber die Extrawaffen da, die als Distanzangriffe funktionieren. Insgesamt ist die Herausforderung an derartige Eigenheiten gut angepasst und es bleibt immer fair.

Die Spieldauer ist mit 5 - 7 Stunden im ersten Anlauf nicht allzu lang. Jedoch gibt es Geheimnisse zu entdecken und mehrere Schwierigkeitsgrade, ein Wiederspielwert ist also definitiv vorhanden.

Wonder_Boy_The_Dragons_Trap_nexgam_05Dieses Werk der französischen Entwickler von Lizardcube (mit denen wir im September 2016 ein Interview geführt haben) hält sich sehr eng an die Vorlage. Kein Wunder, ist doch Teamleiter Omar Cornut ein bekennender Fan des Wunderknaben und in der Master-System-Szene unter anderem für das Reverse Engineering des Originals bekannt. Diese Liebe zum Spiel merkt man der Neuinterpretation an. Veteranen werden sich sofort heimisch fühlen. Vom Aufbau der Levels über die Statuswerte der Ausrüstung bis  hin zur Droprate von Objekten entspricht fast alles dem Vorbild. Man geht sogar so weit, dass die Passwörter, die auf dem Master System aufgrund fehlenden Batteriespeichers akribisch notiert wurden, mit der neuen Version voll kompatibel sind. So kann der geneigte Retro Fan direkt mit seinem Spielstand aus der Kindheit weiterzocken, oder umgekehrt ein Code aus dem HD Remake im 8-Bit-Original verwendet werden. Wie in manch anderen Remakes darf auch diesmalwieder jederzeit zwischen HD Grafik und  originalem Pixel-Look gewechselt werden. Die Musik ist ebenso neben der modernen Fassung auch in aller Pieps-Glorie von 1989 vertreten. Kenner freuen sich zudem über die Wahl zwischen PSG- und FM-Fassungen der Tracks.

Wonder_Boy_The_Dragons_Trap_nexgam_07Was die neuzeitliche Optik und die neu eingespielte Musik angeht, so kann das Lob gar nicht groß genug ausfallen. Audiovisuell ist Wonder Boy: The Dragon‘s Trap ein wahres Kunstwerk. Die handgezeichnete Grafik hat den Charme lebendig gewordener Zeichnungen. Die Eleganz und Wärme des Stils lässt selbst Spiele wie das neueste Shantae alt aussehen. Die Musik ist ein wahrer Ohrwurm. Man hat sich an den ursprünglichen Tracks orientiert, diese aber erweitert und instrumentiert. Von klassischen Stücken mit Violinen bis hin zu jazzig moderneren Tunes ist eine große Bandbreite vertreten. Alles sehr hörenswert.

 

Lobend erwähnen sollte man noch die komplett deutsche Übersetzung. Viel Text gibt es zwar nicht, aber was da ist ist äußerst witzig und liebevoll ins Deutsche (und zahlreiche andere Sprachen) übersetzt worden.

Daniel meint:

Daniel

Wonder Boy: The Dragon's Trap ist ein Remake, wie es sein soll. Man hat einen zeitlosen Klassiker genommen, und nichts von dem verschlimmbessert was ihn ausgemacht hat. Die Qualität von einst wird nur durch die tolle ausiovisuelle Frischzellenkur hervorgehoben und neuen Spielern zugänglich gemacht. Alles ist so nah am Original dass auch jemand, der noch nie mit einem Master System gespielt hat nach dem Zocken dieses Titels das Original nahtlos weiterspielen könnte. Einzig und allein die etwas zu weit nachschlitternden Bewegungen des Helden und vielleicht, dass man lange Zeit nicht ohne weiteres die Gestalt und damit die Fähigkeiten wechseln kann sind ein bißchen Kritik wert. Aber das traf ebenso auf die Vorlage zu. Insgesamt ein wirklich vorbildliches Spiel, das zu begeistern weiß.

Positiv

  • Hervorragende Grafik
  • Tolle Musik
  • Motivierendes Gameplay

Negativ

  • Steuerung etwas rutschig
  • Umfang könnte größer sein
  • Keine wirkliche Story nach dem Intro
Userwertung
9.4 6 Stimmen
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Forum
  • von Envy:

    Keine Retailversion für unterwegs!? Dann bin ich raus. Schade.

  • von Grandmaster-C:

    108 Sterne schrieb: Habe jetzt erst zuende geschaut, und leider ist das Video voller Falschinformationen. Habe bei YT kommentiert, ich zitiere mich mal selbst von dort: Danke fürs posten. Spart mir die Arbeit die ganzen Fehler selbst...

  • von 108 Sterne:

    Habe jetzt erst zuende geschaut, und leider ist das Video voller Falschinformationen. Habe bei YT kommentiert, ich zitiere mich mal selbst von dort: Das Video ist leider recht voll mit inhaltlichen Fehlern. So sehr, dass es eigentlich als Infoquelle schon unbrauchbar ist. Dem...

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