Monster Boy And The Cursed Kingdom im Test

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Hin und wieder ist es lustig zu betrachten, wie sich Dinge entwickeln. SEGA, in den 80ern und frühen 90ern Garant für zahlreiche Spielspassgranaten und frischen Wind, wandelte sich vom Konsolen- und Gameshersteller zum reinen Spielefabrikanten und Publisher. Der „frische Wind“ wiederum mutierte zusehends in ein altbekanntes, laues Lüftchen. Von den vielen bekannten Marken, turnt nur Sonic mal mehr, mal weniger erfolgreich über die modernen Bildschirme. Einstmals berühmte Namen wie Golden Axe, Shinobi, Streets of Rage oder auch Wonderboy werden nur für die immer gleichen Spielesammlungen aus der Versenkungen geholt…bis jetzt.

 

Monsterboy_Nexgam_5Während sich SEGA selbst bei besagten Marken mit neuen Spielen zurückhält, ist man, zumindest was die Lizenzen angeht, großzügiger geworden.  Bereits im Frühjahr 2017 erschien ein offizielles Wonderboy III - The Dragon`s Trap Remake. Zudem wurde mit Streets of Rage 4 jüngst ein Sequel zu einer weiteren erfolgreichen SEGA-Reihe angekündigt. Im Dezember 2018 beglücken uns die Macher von Game Atelier  schließlich mit Monsterboy and the Cursed Kingdom.


Im Gegensatz zum 2017er Dragon`s Trap ist der Monsterjunge allerdings kein offizieller Bestandteil der Wonderboy Reihe. Hier aber nur von Ähnlichkeiten zu sprechen, wäre fatal. Nach einem wirklich fantastischen und hochwertigen Zeichentrick Intro nebst Gesangseinlage, starten wir das Abenteuer in 2D Zeichentrick Optik. Bereits das Aussehen unseres Helden Jin und der anderen Charaktere weckt freudige Erinnerungen an SEGAs Wonderboy Titel. Der eigentliche Artstyle könnte jedoch so auch in der nächsten Shantae Episode auftauchen. Nachdem unser „Onkel“ Nabu, auf einem Fass fliegend (!) für reichlich Tamtam und Ärger sorgte, machen wir uns auf ins nahe gelegene Dorf. Unterwegs treffen wir unseren Bruder Juri, welcher bereits in einen kleinen Drachen verwandelt wurde. Wie sich herausstellt, ist unser Onkel scheinbar verrückt geworden und verwandelt nahezu alle Bewohner unserer Welt in Tiere….und Tierwesen in andere Tierwesen.
 

Monsterboy_Nexgam_1Den Weg ins Dorf legen wir in klassischer Jump n Run Manier zurück. Durch Laufen und Springen. Feinde werden mit unserem Schwert ins Nirvana befördert.  Im Wasser können wir, na logisch, schwimmen. Noch bevor wir das Dorf erreichen, gibt es die ersten Ausrüstungsgegenstände zu finden bzw. zu kaufen. Schwere Stiefel! Dank diesen könnt ihr fortan ebenfalls die tieferen Bereiche des Wassers erforschen. Doch Vorsicht! Atmen könnt ihr hier nicht, der Sauerstoff ist begrenzt. Zum Glück gibt es Sauerstoffblasen, welche euren Vorrat auffüllen. Denn auch am Meeresgrund wollen Feinde bekämpft werden. So schlägt Monsterboy, wie sein Vorgänger im Geiste, in die Castleroid Kerbe. Im weiteren Verlauf werdet ihr wiederholt Wege entdecken, die ihr noch nicht beschreiten könnt. Erst mit später erlangter Ausrüstung entdeckt ihr alle Bereiche und Geheimnisse. Verlaufen könnt ihr euch jedoch nicht. Ein modernes Schmankerl ist die zu jeder Zeit einblendbare Karte. Hier könnt ihr immer prüfen, wo es weitergeht.

 

Selbstverständlich dauert es nicht lange bis auch ihr in ein Tier verwandelt werdet. Wer auf einen flugfähigen Drachen hofft, wird jedoch zunächst enttäuscht. Ein pummeliges Schwein ist die erste Form, in die es euch verschlägt. Zwar könnt ihr, dank überragendem Geruchssinn, Hinweise und Schalter entdecken, allerdings müsst ihr als grunzender Held auf den Einsatz eures Schwertes verzichten. Es dauert eine Weile bis ihr die nächste Form annehmt. Neben dem dicken Schweinchen, warten noch Frosch, Löwe, Drache und Schlange darauf eingesetzt zu werden. Auch hier macht man keine halben Sachen und kopiert SEGAs Wunderjungen: Zu Beginn müsst ihr mit der Form leben, in die ihr gerade verwandelt werdet. Erst später könnt ihr euch die jeweils passende Form selbst auswählen. Jede Form hat eine spezielle Eigenschaft. Das Schwein erschnüffelt versteckte Schalter, die Schlange ist klein und kann z.B. Abkürzungen nutzen, der Drache kann Fliegen. So ist garantiert, dass ihr bestimmte Geheimnisse oder ganze Bereiche erst zu einem späteren Zeitpunkt besuchen könnt. Ganz Castleroid eben.
 

Monsterboy_Nexgam_6Die Steuerung ist eingängig. Eine Taste für Springen, Schlagen und die Spezialfähigkeit. Durch Drücken der LB oder RB Taste, wechselt ihr in ein praktisches Ringmenü und könnt dort eure Spezialattacke auswählen. So habt ihr zum Beispiel die Wahl zwischen Feuerbällen und Blitzen oder Minitornados und mehr. Diese Fähigkeiten werden nach und nach freigeschaltet, der Einsatz ist begrenzt, lässt sich aber durch das Finden und Fressen von „Supertrüffeln“ erweitern. Im Gegensatz zur normalen Ausrüstung, könnt ihr diese in jeder Tierform einsetzen. Ansonsten gibt es im Verlauf des Spiels verschiedene Stiefel, Schilde und Rüstungen zu finden. Auch diese bieten wiederholt andere Effekte. Schwere Stiefel machen euch, logisch, schwerer. Schilde reflektieren feindliche Schüsse. Ebenso könnt ihr in den Abschnitten neue Herzcontainer finden und so eure Lebensleiste erweitern, sprich: mehr Treffer einstecken.  Beißt ihr trotz Heiltrank ins Gras, startet ihr am zuletzt besuchten Speicherpunkt.

 

Besiegte Gegner hinterlassen oftmals Goldmünzen. Zudem verstecken sich überall „Goldfontänen“, welche ihr durch schnödes „drauflaufen“ aktiviert. Mit den Münzen wiederum könnt ihr in den zahlreich vorhandenen Shops die Lebensherzen auffrischen, verschiedene Tränke kaufen und eure Spezialattacken auffüllen. Ein Gesundheitstrank regeneriert, nachdem alle Herzen verbraucht wurden,  eure Energie. Ein anderer Trank schützt euch vor Zustandsveränderung und Vergiftungen. Dieser ist auch bitter nötig denn nicht wenige Gegner haben Attacken, die euch verlangsamen, die Steuerung umkehren oder toxisch wirken und euch so langsam die Energie entziehen.
 

Monsterboy_Nexgam_13Während man bei Wonderboy III, ganz 80er like, nur eine Ministory im Anleitungsheftchen und im Sparintro hatte, wird diese bei Monsterboy immer wieder durch Dialoge im Spiel fortgeführt. Nahezu jeder anzutreffende Charakter gibt ein paar Zeilen zum Besten. Der eine oder andere erteilt euch eine Mission oder gibt Tipps, wo es als Nächstes hingehen sollte und was man dort finden kann. Zwar alles nur in Textform, aber dennoch weit mehr als man früher gewohnt war und komplett in deutsch!

 

Genretypisch gibt es in regelmäßigen Abständen Zwischen- und Endbosse.  Hier gilt es, sich Bewegung- und Angriffsmuster einzuprägen und zu verinnerlichen. Nur so habt ihr eine Chance. Zudem kann hin und wieder ein Wechsel der Ausrüstung oder der Spezialattacke nicht schaden. Verschiedene Stufen/Formen der Bosse fordern durchaus auch Veteranen heraus. Neben dem eigentlichen Boss, sollte man ebenfalls die Umgebung im Auge behalten.
 

Monsterboy_Nexgam_8Technisch ist Monsterboy and the Cursed Kingdom eine Augenweide. Alles präsentiert sich in schönster 2 D Zeichentrickgrafik und lässt ähnlich designte Spiel wie die neueren Shantae Episoden noch ein gutes Stück hinter sich. Unser Held und seine Verwandlungen sind zuckersüß anzusehen und detailliert. Nur bei der einen oder anderen Animation könnte man etwas mäkeln. So fällt dem geschulten Auge gleich zu Beginn die etwas lieblose Schwimmanimation des Helden auf. Bei den meisten Feinden traut man sich hingegen fast nicht zu zuschlagen und die Bosse ringen einem durchaus die eine oder andere Sympathieträne ab wenn sie besiegt wurden. Dennoch ist Monsterboy alles andere als ein Kinderspiel. Die Attacken der Bosse wollen gelernt sein. Wildes draufhauen bringt einen nicht weiter. Schon im ersten Spielabschnitt nach dem Dorf gibt es die ein oder andere hakelige Sprungpassage. Kommen dann noch Gegner hinzu, kann man in Versuchung kommen das Handtuch zu werfen. Doch dann motiviert das Spiel aufs Neue.

 

Unfair ist das Spiel nie, jede Szene ist zu schaffen. Oftmals hilft es, die Sache langsam anzugehen. Da aber auch die obligatorischen, automatisch scrollenden Abschnitte nicht fehlen dürfen, ist das nicht immer möglich. Geduld ist dann gefragt. Das Gleiche trifft auf die Bosskämpfe zu.

Die Musikuntermalung ist, wie immer Geschmackssache. Technische Makel gibt es hier aber nicht.

 

Alexander meint:

Alexander

Monster Boy and the Cursed Kingdom heißt anders, geht ansonsten aber in allen Belangen als legitimer Nachfolger der letzten Wonderboy Spiele durch. Kenner der alten Games, insbesondere von Dragon`s Trap fühlen sich sofort heimisch und erkennen auf Anhieb die zahlreichen Verweise. So findet sich bereits im ersten Dorf eine Kathedrale mit Porträts der vorangegangenen Wonderboy Charaktere. Die Schweineform von Jin ist komplett aus Dragon`s Trap geklaut. Hier taucht das Schwein als Händler auf. Sogar die Kleidung ist die gleiche. Spielerisch setzt man ohnehin genau da an, wo Wonderboy geendet hat. Monsterboy ist quasi bedingungslos zu empfehlen. Wer allerdings nur mit „modernen“ Spielen aufgewachsen ist, dürfte sich hier und da über den „altmodischen“ Schwierigkeitsgrad beschweren.

Positiv

  • Grafik in Trickfilmqualität
  • 100 % Wonderboy Feeling
  • Sehr gute Spielbarkeit

Negativ

  • Schwierigkeitsgrad etwas unausgewogen
Userwertung
9.1 5 Stimmen
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Forum
  • von bluntman3000:

    108 Sterne schrieb: Monate nach dem Release noch ne Demo... Auch merkwürdig. Ja, logischer wäre eine Demo zum Release gewesen. Freut mich trotzdem, ich bin z.B. auch auf die Octopath Traveler Demo erst vor kurzem gestoßen ... durch...

  • von Captnkuesel:

    acrid schrieb: Das wundervolle Monster Boy wird doch hoffentlich bereits JEDER Switch-Besitzer schon haben. Oder etwa nicht? Ist komplett an mir vorbei gegangen. Bin nur drauf aufmerksam geworden weil es hier so gefeiert wird....

  • von PatrickF27:

    Da ich es nur physisch haben möchte, warte ich noch auf einen Pricedrop... Shame on me ...

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