Fatal Fury im Test

Neo Geo

Für alles gibt es ein erstes Mal. Gegen Ende des Jahres 1991 schickte SNK zum ersten Mal seine Prügelknaben in den Ring, um Capcoms Street Fighter das Wasser zu reichen. Die Zahlen sprachen damals gegen SNKs Fighting-Game Erstling, und damit meine ich nicht den Umsatz. Schon der Charakterauswahlbildschirm wirkt erstmal ernüchternd: Mit lediglich Terry, Andy und Joe zur Auswahl konnte man dem Spieler nicht einmal halb so viele Kämpfer bieten wie die Konkurrenz. Die wenige Monate später mit der „Champion Edition“ ihres Platzhirsches noch einmal kräftig nachlegte. Auch die scheinbar magere Anzahl von jeweils einem Knopf für Fausthiebe, Kicks und Würfe ließen den verwöhnten Street Fighter-Fan erstmal nur den Kopf schütteln. Und doch konnte dieses Spiel den Grundstein für einige der renommiertesten Marken im 2-D-Beat‘em up-Genre legen.

Fatal-Fury-5Denn auch das wohl am häufigsten ausgetragene Kampfsportturnier der Videospielgeschichte nimmt hier seinen Anfang. Von übermächtigen Dämonengöttern oder finsteren, kämpferklonenden Syndikaten fehlt bei Fatal Fury jede Spur. Ganz bodenständig ist hier der Initiator, denn der Unterweltboss von South Town hat den Vater von Terry und Andy auf dem Gewissen, die diesen Rächen wollen … und schon ist der Bogen zur klassischen Karatefilmstory geschlagen.

Aber die (zwar magere aber im Gegensatz zu Street Fighter immerhin überhaupt im Spiel vermittelte) Hintergrundgeschichte ist nicht der einzige Punkt, mit dem Fatal Fury auftrumpfte. Die wahre Besonderheit des Spiels waren seit jeher die Kämpfe über mehrere Ebenen. So kann man seinen Gegner mit seinen Attacken in den Hintergrund befördern, was den taktischen Möglichkeiten zugute kommt und dem Spiel trotz des moderaten Tempos und dem noch nicht perfektionierten Timing bei der Steuerung eine gewisse Dynamik verleiht.

Ein weiteres Novum war die Möglichkeit, den computergesteuerten Gegner mit einem Freund gemeinsam zu verdreschen. Dies stellte sich im Gegensatz zum erstgenannten Feature allerdings als weniger ausgereift heraus, weshalb es bei diesem einen Einsatz blieb. Immerhin bietet es eine willkommene Abwechslung in einem Spiel, in dem der „Story Modus“ der einzige vorhandene Spielmodus ist. Immerhin darf man sich noch in einer Bonusrunde beim Armdrücken austoben.

Das größte Manko des Spiels bleibt dann auch die erschreckend geringe Anzahl an spielbaren Kämpfern. Immerhin sind 8 Gegner mit allen Animationen im Spiel enthalten, und die nötigen Informationen für die Eingabe der Moves hätte das Fass bzw. das 55 MEGS Modul auch nicht mehr zum überlaufen gebracht. In der Mega Drive Umsetzung hat es später schließlich auch geklappt.

Fatal-Fury-10Und immerhin feiern einige der auch heute noch beliebtesten SNK-Charaktere, wie der stockschwingende Billy Kane, Duck King (der in King of Fighters XI nach über 15 Jahren endlich in SNK’s Sammelserie King of Fighters berücksichtigt wurde), der dicke Wrestler Raiden und Hulk… ähm, Tung Fu Rue, ihren Einstand. Weiterhin warten mit dem Boxer Michael Max, dem Capoeiratänzer Richard M(e)yer und dem Muai Thai Boxer Hwa Jai noch einige eher farblose Kämpfer auf eine Tracht Prügel, die allerdings mittlerweile auch in der Versenkung verschwunden sind. Zum Schluss will natürlich noch Oberfiesling Geese Howard vom Hochhaus „gestürzt“ werden.

Die Hintergründe sind hübsch und mit Liebe zum Detail gezeichnet und können dem 2D-Fan auch heute noch so einiges Bieten. Die Kämpferanimationen kann man dagegen leider nur als völlig veraltet bezeichnen, da gab es (in der Spielhalle) sogar schon vorher besseres zu sehen. Auch der Zoom bei Ebenenwechsel und Entfernung der Charaktere, für den die Späteren NeoGeo-Spiele berühmt wurden, fehlt hier noch völlig.

Auch soundtechnisch merkt man dem Titel sein Alter an. Klar, es gibt eine verhältnismäßig klare Sprachausgabe und die Melodien versprühen den Charme der früheren SNK-Prügler bereits zuhauf. Allerdings klingt die Instrumentalisierung stellenweise noch sehr nach Computergedudel und die Soundeffekte lassen eher einen „Hau-den-Lukas-Jahrmarktstand“ vermuten.




Samuel meint:

Samuel

Das was Fatal Fury zu einem alten Spiel macht, ist in erster Linie die Masse: Zu wenig Kämpfer, zu wenig Moves, zu wenig Animationsphasen. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, bekommt ein auch heute noch solides, wenn auch schlecht ausbalanciertes 2D Beat’em up Game geboten. Vom Hocker haut es natürlich nicht mehr, aber das muss es auf seine alten Tage ja wohl auch nicht …

Positiv

  • Schicke Hintergründe
  • Ko-Op prügeln

Negativ

  • Kaum Kämpfer
  • Wenig Animationsphasen
  • Wenig Moves

Marco meint:

Shiro
Mit Fatal Fury hat SNK einen firmeneigenen Meilenstein gelegt, denn ohne dieses Game wäre SNK wohl nie so weit gekommen. Sicherlich ist das GamePlay heutzutage nicht mehr Up-To-Date und die Grafik höchstens mittelmäßiges NeoGeo Niveau. Trotzdem versprüht der Titel einen Klassik-Charme wie kaum ein anderes SNK Spiel. SNK Fans und Sammler greifen blind zu …
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Forum
  • von Shan:

    Hachja, Fatal Fury. Ich liebe es. Wenige andere Spiele kombinieren Old School-Charme in dieser Intensität mit adäquater Spielbarkeit. Ein Muss für jede Sammlung - allein aufgrund der Tatsache, dass es sich sowohl um den Erstling einer der großartigsten Serien überhaupt, als auch um das erste...

  • von Bydo:

    Ist zwar aus heutiger Sicht nicht mehr so hübsch anzusehen und auch spielerisch sicher nicht der Teil, den man heute auspacken würde, aber trotzdem spiele ich es hin-und wieder sehr gerne. Vor allem aus nostalgischen Gründen wie die Musik, die Voice-Samples, Geese der einen vom Hochhaus...

  • von Civilisation:

    Mit Fatal Fury fing alles an. Und Samuel und Marco haben das Spiel getestet. Fatal Fury Für alles gibt es ein erstes Mal. Gegen Ende des Jahres 1991 schickte SNK zum ersten Mal seine Prügelknaben in den Ring, um Capcoms Street Fighter das Wasser zu reichen. Die Zahlen sprachen...

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