Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 im Test

PlayStation3
Wenn es um anspruchsvolle Strategiekost geht, dann ist dies ungeachtet des Erfolgs der Konsolenwelt immer noch fest ein Steckenpferd der Windows PCs. Ausgerechnet der nicht gerade als innovativ verschriene Branchenriese Electronic Arts hat nun erkannt, dass nur tote Fische mit dem Strom schwimmen und veröffentlicht zu seinem Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 auch eine PS3 Version!
Wie schon seinerzeit am Computer dürfen Spieler sich um die fragwürdige Wiederauferstehung des realsozialistischen Sowjet-Regimes kümmern. Denn im C&C Paralleluniversum stehen alliierte Truppen bereits kurz vor Moskau und der Traum vom irdischen Arbeiter- und Bauernparadies scheint ausgeträumt. Doch hinter den Kremlmauern hat man einen letzten Geniestreich parat - man reist mittels Zeitmaschine einfach in die Vergangenheit zurück, um "The Brain" Albert Einstein auszuschalten, ehe er mit seinen genialen Erfindungen den alliierten Sieg sichern kann. Leider geht einiges daneben und am Ende steht noch eine dritte Supermacht in den Startlöchern - das Reich der aufgehenden Sonne. Anschnallen und Rückenlehnen senkrecht stellen, denn ab sofort befindet man sich im 3. Weltkrieg!


Dargestellt werden die Geschehnisse neben dem Schlachtfeld im übrigen in mehr als 60 Minuten Filmsequenzen mit echten Schauspielern, was fast ein wenig an die seligen 90er Jahre Full-Motion-Games erinnert. Statt unbekannter Laiendarsteller von damals befinden sich mit George Takei (Mr. Sulu aus Raumschiff Enterprise) oder Tim Curry jedoch nicht gänzlich unbekannte Schauspieler dabei, die darüber hinaus nicht ganz so extrem talentfrei wie ihre Kollegen aus den 90ern agieren.

Nachdem die ersten Eindrücke zur im etwas überdrehten B-Movie Stil geschilderten Story verdaut sind, kommt es zur Kardinalsfrage: "Welche Seite darfs denn sein?". Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 lässt euch prinzipiell sowohl die Wahl auf alliierter oder sowjetischer Seite zu spielen, als auch dem japanischen Kaiser (verkörpert von George Takei) zu dienen. Die drei Fraktionen unterscheiden sich dabei spielerisch nicht weltbewegend voneinander, können aber jeweils Eigenheiten vorweisen: Trotz dogmatischem Fünf-Jahres Plan baut die Sowjetseite die Gebäude wesentlich flotter als der kapitalistische Gegenpart aus dem Westen. Das Reich der aufgehenden Sonne hingegen ist beim Bau nicht an die Nähe zur Basis gebunden und kann (mit Ausnahme von Verteidigungsanlagen) seine Gebäude ohne Einschränkung auf der Karte positionieren. Ein wunderbares Werkzeug für Strategen, die eine möglichst rasche Dominanz einer Map anstreben.


Doch dazu braucht es nach altbekanntem Muster natürlich zunächst die entsprechenden Rohstoffe. Auch hier wartet eine Neuerung, denn statt der alten Erz und Diamantenfelder gibt es nun nur noch Erzminen - was das Gameplay im Resultat etwas gemächlicher werden lässt und die Spielzeit etwas in die Länge zieht. Was allerdings nicht gleichbedeutend mit Langeweile wäre, denn an explosiver Action mangelt es nicht. Dafür sorgen allein schon die zahlreichen unterhaltsamen neuen Einheiten, die wohl kaum Ernst gemeint sind: Fallschirmjäger-Bären, Delfine mit Sonarwaffen oder Samurai Roboter dürften Freunde von möglichst realistischen Feldschlachten eher das Fürchten lehren, verschaffen Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 gemeinsam mit der bunten Optik aber einen etwas anderen, humorigeren Touch.


Der Anspruch bleibt dennoch gewahrt, allein der Sekundärmodus vieler Einheiten erlaubt einen gezielten Einsatz. Ein japanischer Mecha eignet sich etwa hervorragend gegen Infantrie, lässt sich allerdings auch mal eben für den Flugeinsatz umbauen, wo er die feindliche Luftwaffe nachhaltig beharkt.

Gerade diese Möglichkeit schnell auf neue Situationen reagieren zu können machen einen großen Reiz aus, was diesen Autor rasch zu einem Freund der fernöstlichen Streitkräfte werden liess. Dies bedeutet aber nicht, dass Alliierte oder Sowjets nicht prinzipiell ebenso spaßig sind, schließlich besitzen alle drei Fraktionen eine umfangreiche Auswahl an Land-, Luft- und Seestreitkräften, im Laufe der jeweiligen Kampagnen peu a peu zum Einsatz kommen.


Wenn man nun den Vergleich zwischen PC-Fassung und PS3 Version zieht, dann ist das vielleicht wichtigste Kriterium aber natürlich die Steuerung. Für gewöhnlich stinken Konsolenfassungen hier gegenüber der komfortablen Maus + Keyboard Steuerung regelmäßig ab, auch Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 lässt mich den Desktop Rechner nicht in die nächste Tonne kloppen. Auch wenn das Konsolenstrategen bereits bekannte, sogenannte "command-wheel system" durchaus gelungen ist und eine gute Kontrolle über das Spielgeschehen erlaubt.

Mit meist nur einem Knopfdruck führt ihr hier die gewünschten Aktionen aus, per X-Button lassen sich so etwa direkt mehrere Einheiten auf einmal anwählen. Zusätzlich erfreut eine vergrößerbare Mini-Map alle Hobbygeneräle, da sich die aktuelle Spielkarte schnell nach unerfreulichen Entwicklungen absuchen lässt. Im Endeffekt also gut gelöst, auch wenn dieser Autor persönlich weiterhin zur Tastatur und Maus greift, die Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 leider leider nicht (!) unterstützt.

Wer sich nun noch nach einer wirklichen Neuerung als Kaufberechtigung sehnt, für den ist der Ko-Op Modus möglicherweise das gesuchte Feature: Im Einzelspielermodus übernimmt hier ein halbwegs brauchbarer KI-Recke die Kontrolle, dem sich einfache Befehle wie "Position halten" oder "Angriff" befehlen lassen. Dieser macht seine Sache ordentlich, aber mit einem Partner aus Fleisch und Blut wäre es doch noch ungemein schöner, oder? Tja, ab sofort hält euch nichts mehr davon ab, mit eurem Kumpel gemeinsam Zangenangriffe zu vollführen oder sich gegenseitig zur Hilfe zu eilen. Und das sogar online. Allerdings benötigt ihr dafür die PSN ID des gewünschten Freundes bzw. müsst diesen in eurer Freundesliste haben. Eine zufällige Partnerschaft über eine Online-Lobby wie noch am PC fehlt hier komplett, was die Nutzungsmöglichkeit doch recht einschränkt. Wer keinen Freund zur Hand hat, muss leider allein spielen.


Immerhin - für den Fall, dass ihr euch lieber klassisch mit einem menschlichen Gegner duellieren möchtet, steht ein Skirmish Modus zur Verfügung. Das war es dann aber auch schon - von spielerischer Vielfalt im Multiplayer leider keine Spur. Also quasi nur die absolute Basic-Variante.

Besonderen Wert legt man bei EA übrigens darauf, dass es sich bei der getesteten PS3-Fassung um die sogenannte Ultimate Edition handelt, die neben vermeintlicher Standardkost auch einen Blick hinter die Kulissen, neue Maps, den Soundtrack und die "Girls of Command & Conquer" (ganz billige Masche, wenn man diesen Autor fragt..) bietet. Allein, so wirklich neu ist das alles nicht, denn PC-Benutzer reiben sich verdutzt die Augen, sind die angeblich exklusiven neuen Maps doch selbst in der Standard-PC Fassung bereits enthalten gewesen. Die Neuerungen beziehen sich also allein auf die Xbox 360 Version des Spiels. Ein Schelm, wer Böses (dabei) denkt...

Sebastian meint:

Sebastian

Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 ist kein Spiel, für das sich dieser Autor extra eine PS3 ins Wohnzimmer stellen würde. Durch das ungewöhnliche Design und den coolen Ko-Op Modus (so sich im Freundeskreis jemand findet) sollten sich Strategiefans den Titel aber wirklich mal näher ansehen, denn abgesehen von diversen PC-Titeln ist das Angebot an fähiger Echtzeit-Strategie auf Konsolen ja gemeinhin eher schwach besetzt. Der Daumen zeigt also nach oben!

Positiv

  • Toller Ko-Op Modus..
  • Exklusiver & neuer Content
  • Schicke Cut-Scenes in HQ Quali

Negativ

  • ....nur leider nicht optimal umgesetzt
  • ...der aber nicht wirklich neu ist
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Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 Daten
Genre Strategie
Spieleranzahl 1 - 4
Regionalcode PAL
Auflösung / Hertz -
Onlinefunktion Ja
Verfügbarkeit 26. März 2009
Vermarkter ElectronicArts
Wertung 7.6
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