The Last Case of John Morley im Test

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Es gibt Spiele, die einen von der ersten Sekunde an in ihren Bann ziehen, und solche, bei denen man sich fragt, ob das Versprechen auf der Verpackung wirklich eingelöst wird. The Last Case of John Morley vom kleinen Entwicklerstudio Indigo Studios, veröffentlicht von JanduSoft, gehört zu einer dritten, selteneren Kategorie: Es ist ein Game, das in mancher Hinsicht tatsächlich liefert, was es verspricht, in anderer jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt — und das auf eine Art, die man sich beim Spielen kaum ganz erklären kann.

The-Last-Case-of-John-Morley-03Die Geschichte beginnt mit einer klassischen Noir-Prämisse. Detective John Morley, ein erfahrener Privatermittler in den 1940er Jahren, erwacht in einem Krankenhaus, wo er von seinem letzten, besonders gefährlichen Einsatz genest. Kaum entlassen, sucht ihn Lady Margaret Fordside auf, eine alternde Adlige, die ihn mit einem zwanzig Jahre alten Mordfall konfrontiert: Ihre Tochter Elody wurde damals brutal getötet, die Polizei schloss den Fall ergebnislos, und Margaret ist überzeugt, dass der wahre Täter nie gefasst wurde. Was folgt, ist eine Reise in die Vergangenheit, in verfallene Gemäuer, vergessene Archive und die dunklen Abgründe menschlicher Psyche. Der atmosphärische Einstieg gelingt dem Spiel bemerkenswert gut. Man startet in einem nebelverhangenen, nächtlichen Wald, in dem Laternen den Weg weisen, und spürt sofort: Hier will jemand etwas erzählen. Die Kulisse des verlassenen Bloomsbury Manors, in dem Elody einst lebte, ist bedrückend schön — dunkle Korridore, flackerndes Licht, Staub auf alten Möbeln. Wer Spiele wie Sherlock Holmes: The Awakened oder Call of Cthulhu kennt, wird sich sofort heimisch fühlen. Die Atmosphäre ist das unbestrittene Aushängeschild von The Last Case of John Morley. Das Spiel versteht es, eine latente Bedrohung zu erzeugen, eine Unruhe, die einen nie ganz loslässt, obwohl man selten in echte Gefahr gerät. Das Gefühl, beobachtet zu werden, ohne dass je etwas Konkretes passiert, zieht sich wie ein roter Faden durch das Erlebnis.

Die Geschichte selbst beginnt als klassischer Noir-Detektivfall und macht im Verlauf eine deutliche Wendung in Richtung psychologischen Horror. Der zweite große Schauplatz, das stillgelegte Westland Asylum, in dem Elody einst untergebracht war, intensiviert das Unbehagen spürbar. Dort begegnet man auch dem rätselhaften "Patient B-03", einer Figur, deren Geschichte sich in Tagebüchern, Notizen und Rückblenden entfaltet. Diese Enthüllungen sind das emotionale Herzstück des Spiels, und wer sich darauf einlässt, wird am Ende mit einer überraschenden, wenn auch nicht vollkommen befriedigenden Auflösung belohnt. Doch genau hier beginnen die Probleme. Denn The Last Case of John Morley vermarktet sich als Detektivspiel, ist aber in Wirklichkeit eher eine geführte Walking-Simulation mit gelegentlichen Rätseln. Das Spielerlebnis ist außergewöhnlich linear. Man geht von Punkt A zu Punkt B, interagiert mit markierten Gegenständen, schaut sich Rückblenden an und löst ab und zu ein einfaches Rätsel — etwa das Drehen von Steinbüsten, um eine Tür zu öffnen, oder das Betätigen von Schaltern in einer bestimmten Reihenfolge. Wer echte Detektivarbeit erwartet — Verdächtige befragen, Hinweise gegeneinander abwägen, eigene Schlussfolgerungen ziehen — wird herb enttäuscht sein. Das Spiel lässt einen selten wirklich denken; es führt einen vielmehr an der Hand durch eine bereits erzählte Geschichte.

The-Last-Case-of-John-Morley-05Besonders schade ist das Fehlen eines Hinweissystems. Zwar sind die Rätsel selten wirklich schwer, und die nötigen Hinweise finden sich meist in unmittelbarer Nähe, doch gelegentlich blockiert man vor einem Fortschrittspunkt, nicht weil das Rätsel zu schwer ist, sondern weil man einen interaktiven Auslöser übersehen hat. Da Dialoge nicht überspringbar sind und die Spielwelt sehr rigid auf feste Ablaufsequenzen ausgelegt ist, kann das unnötig frustrieren. Die technische Seite des Spiels ist ebenfalls zwiegespalten. Die Atmosphäre funktioniert, wie gesagt, hervorragend — doch darunter lauern Schwächen. Die Charaktermodelle wirken unfertig, und die Lippensynchronisation stimmt oft nicht mit den gesprochenen Dialogen überein. Die Sprachausgabe schwankt deutlich in der Qualität: Während einige Rollen solide besetzt sind, fallen andere — besonders in den frühen Abschnitten des Spiels — unangenehm auf. Auch technische Probleme wie grafische Aussetzer und gelegentliche Glitches wurden von Spielerinnen und Spielern gemeldet. Hinzu kommt die Diskussion über den Einsatz von KI-generierten Assets bei Grafiken und Musik, die manche Spieler störend finden.

Was die Spiellänge angeht: The Last Case of John Morley ist in unter zwei Stunden durchzuspielen. Das ist für ein narratives Adventurespiel nicht unbedingt ein Makel — wenn das Erlebnis in sich stimmig ist, kann Kürze sogar ein Vorzug sein. Hier allerdings fragt man sich, ob das Spiel sein Potenzial wirklich ausgeschöpft hat. Die Welt, die Indigo Studios erschaffen hat, hätte mehr Tiefe, mehr Verzweigungen, mehr echte Detektivmomente vertragen können. Und dennoch — und das ist vielleicht das Überraschendste — hat The Last Case of John Morley etwas, das einen trotz aller Mängel nicht ganz kalt lässt. Die Stimmung sitzt. Das Noir-Setting der 1940er Jahre ist liebevoll eingefangen. Der zentrale Mordfall ist interessant genug, um die Neugier bis zum Ende wachzuhalten. Und die zunehmend düstere, psychologische Färbung der Geschichte verleiht dem Spiel einen eigenen Charakter, der über das Generische hinausgeht.

 

Michael meint:

Michael

Für Spielerinnen und Spieler, die ein entspanntes, atmosphärisches Erzählabenteuer suchen und keine anspruchsvollen Rätsel oder komplexe Spielmechaniken erwarten, kann The Last Case of John Morley durchaus ein kurzweiliges Erlebnis bieten. Wer hingegen ein echtes Detektivspiel erwartet, mit Verdächtigen, Verhören und eigener Schlussfolgerung, sollte die Erwartungen deutlich herunterschrauben oder anderswo schauen. The Last Case of John Morley ist kein schlechtes Spiel — aber es ist auch kein besonders gutes. Es ist das Werk eines Studios mit erkennbarem Gespür für Atmosphäre und Stimmung, das jedoch an den eigenen Ambitionen gescheitert ist. Was bleibt, ist ein unpoliertes, aber manchmal aufrichtig gruseliges kleines Abenteuer, das besser ist als sein Ruf — und schlechter als sein Potenzial.

Positiv

  • Dichte, beklemmende Noir-Atmosphäre
  • Interessante Geschichte mit überraschenden Wendungen
  • Kompakte, kurzweilige Spiellänge (~2 Stunden)

Negativ

  • sehr lineares, geführtes Gameplay
  • Technische Schwächen
  • Kein Hinweissystem bei Rätseln
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The Last Case of John Morley Daten
Genre Adventure
Spieleranzahl 1
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 4K
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 2025-11-27 00:01:47
Vermarkter -
Wertung 5.7
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