Psyvariar 3 im Test

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Psyvariar 3 ist die mit Spannung erwartete Rückkehr einer Serie, die seit dem Jahr 2000 zu den eigenwilligsten Vertretern des vertikalen Shoot-'em-up-Genres gehört. Wer die Vorgänger kennt, weiß bereits, worauf er sich einlässt: ein Spiel, das seine Herausforderung nicht aus roher Feuerkraft, sondern aus chirurgischer Präzision bezieht.

Psyvariar-3-03Statt stumpf auf Ausweichen zu setzen, dreht sich hier alles um das sogenannte „Buzz“-System. Bei diesem muss man absichtlich so nah wie möglich an gegnerische Projektile heranfliegen, ohne sie zu berühren. Jeder erfolgreiche Streifschuss lädt einen Multiplikator auf, der wiederum die Stärke der eigenen Waffen erhöht. Das Resultat ist, dass das Spiel einen dazu zwingt, Gefahr aktiv zu suchen, statt ihr auszuweichen. Und genau darin liegt sowohl der Reiz als ebenso die Hürde für Neueinsteiger. Auch für mich war dieser Gameplaytwist am Anfang eine ziemliche Herausforderung, vor allem aufgrund der Tatsache, dass ich persönlich mit Shmups nur wenige Berührungspunkte hatte. Umso spannender war der Erstkontakt mit dieser Art von Gameplay.

Die Geschichte spielt viele Jahre nach den Ereignissen von Psyvariar 2. Nach dem Fall der Organisation ETA hat eine Fraktion der Psyvariar-Piloten geschworen, die Erde zurückzuerobern und neu zu besiedeln. Zeitgleich erstarkt die Organisation GUIS, um ihre ursprüngliche Mission fortzusetzen. Jahrzehnte vergehen, die Erdkolonie blüht auf – bis plötzlich ein unbekanntes Signal auftaucht. Die Entdeckung sogenannter Gluon-Partikel löst Panik aus, denn sie kündigen eine erneute außerirdische Invasion an. Eine neue Generation von Psyvariar-Piloten muss antreten, um die Menschheit ein weiteres Mal zu retten. Erzählerisch bleibt das Ganze angenehm schlank: Man bekommt keine überladene Cutscene-Orgie vorgesetzt, sondern knappe Texttafeln und Standbilder zwischen den Levels, die genau so viel Kontext liefern, ohne den Spielfluss zu stören. Wer wegen der Geschichte einsteigt, wird enttäuscht sein, aber das war bei dieser Serie noch nie der Anspruch.

Psyvariar-3-05Um zu verstehen, was Psyvariar 3 besonders macht, muss man sich vom Grundgedanken klassischer Shoot-'em-ups verabschieden. Rein oberflächlich sind die Zutaten vertraut: Man steuert ein kleines Raumschiff über vertikal scrollende Levels, feuert mit einer Taste einen breit gefächerten Hauptschuss. Ansonsten hält man eine begrenzte Anzahl an Bomben für Notfälle bereit und kann per Knopfdruck in einen fokussierten, laserartigen Dauerschuss wechseln, der hier als „Rolling Shot" bezeichnet wird. Doch dieses vertraute Fundament dient in Psyvariar 3 nur als Bühne für ein System, das die übliche Logik des Genres auf den Kopf stellt: Statt Gegnerfeuer zu vermeiden, soll man es geradezu provozieren. Wer Gegner erledigt, füllt einen sogenannten „Neutrino"-Balken, doch der eigentliche Trick liegt darin, dass sich dieser Balken deutlich schneller füllt, wenn man mit dem eigenen Schiff hauchdünn an feindlichen Projektilen vorbeischrammt, ohne getroffen zu werden. Genau diese gezielte Taktik nennt sich „Buzz", begleitet von einem charakteristischen, leicht kratzigen Sound-Effekt, der einem akustisch bestätigt, wie knapp man gerade der Katastrophe entgangen ist.

Ist der Neutrino-Balken einmal voll, steigt das eigene Schiff eine Stufe auf: Die Waffen werden spürbar stärker, und man erhält für einen kurzen Moment vollständige Unverwundbarkeit. Genau hier liegt der taktische Kern des Games, denn geübte Spieler lernen, diese kurzen Phasen so aneinanderzureihen, dass sie im Idealfall dauerhaft durch den dichtesten Kugelhagel navigieren können, ohne jemals wirklich in Gefahr zu sein. Die Kunst besteht darin, bewusst nicht zu schießen und Gegner länger am Leben zu lassen, damit sie mehr Projektile produzieren und sich dann mit Präzision durch die Gegnerwellen zu pflügen, um möglichst viele Buzz-Kontakte in Serie zu erzielen. Das fühlt sich anfangs paradox an – man widersteht dem Reflex, sofort zu feuern und alles Bedrohliche vom Bildschirm zu tilgen – entwickelt sich mit der Zeit aber zu einem enorm befriedigenden Rhythmus aus kontrolliertem Risiko. Ergänzt wird das Ganze durch die überarbeitete Roll-Mechanik, die es erlaubt, das Schiff kurzzeitig in einen fokussierten, schnelleren Bewegungsmodus zu versetzen. Dies hilft sowohl beim gezielten Ausweichen, als auch beim präzisen Nachjustieren während eines Buzz-Manövers. Hinzu kommt ein Schild- und Bombensystem, das sich ebenfalls über Schießen und Buzzen auflädt und je nach Charakter unterschiedlich ausfällt: Manche Piloten erhalten kurze, aber extrem wirkungsvolle Bomben, andere setzen auf länger anhaltende, dafür schwächere Effekte. Wieder andere können durch Gedrückthalten der Bomben-Taste einen alternativen Zweitangriff auslösen statt der regulären Explosion.

Psyvariar-3-07Genau hier zeigt sich auch die große Stärke der unterschiedlichen Charaktere. Die sieben spielbaren Piloten unterscheiden sich nicht bloß kosmetisch, sondern verändern spürbar, wie man ein Level angeht und Punkte sammelt. Manche Figuren ziehen ihren Neutrino-Vorrat vor allem aus dem Abschießen von Gegnern, andere fast ausschließlich aus dem Buzzen selbst, was zu grundverschiedenen Spielstilen führt: von aggressivem Dauerfeuer bis zu einem fast meditativen, auf reines Grazing ausgelegten Spielansatz, also das enge Vorbeifliegen an den feindlichen Projektilen. Einzelne Piloten können sogar wie ein Magnet nahe gelegene Projektile zu sich heranziehen, um gezielt Buzz-Ketten zu erzeugen. Während andere auf stationäre Geschütztürme oder besonders robuste Schilde setzen und damit einen defensiveren Spielstil ermöglichen. Mit Cotton aus der gleichnamigen Shooter-Serie ist zudem ein Gaststar mit eigenem Schiff, eigenen Fähigkeiten und einem komplett abweichenden Punkte- und Bombensystem an Bord. Eine liebevolle Verbeugung vor der Genre-Geschichte, die Kennern ein Schmunzeln entlockt. Wer aus dem Vorgänger-Titel Sophstar der gleichen Entwickler kommt, wird zudem Freude an der Pilotin Soph haben, die dessen charakteristische Teleport- und Geisterschiff-Mechaniken in abgewandelter Form mitbringt.

Abseits des klassischen Arcade-Modus bietet Psyvariar 3 eine überraschend großzügige Auswahl an Spielmodi, die den Kernmechaniken zusätzliche Langzeitmotivation verleihen. Neben dem regulären Durchlauf gibt es einen Arrange-Modus mit angepassten Regeln, einen Endless-Modus für reine Highscore-Jagden ohne Ende, sowie einen Caravan-Modus für zeitlich begrenzte Punkte-Sprints. Außerdem bietet das Spiel einen dedizierten Practice-Modus, in dem sich einzelne Abschnitte gezielt und ohne Frustration wiederholen lassen. Besonders hervorzuheben ist der Mission-Modus, der jedem Charakter eine Reihe fokussierter, oft recht anspruchsvoller Zielvorgaben stellt. Etwa eine bestimmte Anzahl an Buzz-Kontakten in einem Abschnitt oder das Erreichen einer Mindestpunktzahl ohne Bombeneinsatz. Diese Missionen dienen gleichzeitig als eine Art strukturiertes Training, das einzelne Systeme isoliert übt, bevor man sie im hektischen Zusammenspiel eines kompletten Levels anwenden muss. Dazu gesellen sich Online-Bestenlisten, umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten für Steuerung und Sichtbarkeit von Hitboxen sowie eine vertikale TATE-Bildschirmoption für Spieler mit entsprechendem Monitor-Setup. Insgesamt ein Funktionsumfang, der weit über das hinausgeht, was man von einem vermeintlich kleinen Nischentitel erwarten würde.

Psyvariar-3-12Die größte Stärke des Spiels bleibt aber der Kernloop aus Buzzen, Neutrino-Management und kalkuliertem Risiko. Wer sich einmal darauf eingelassen hat, merkt schnell, warum die Serie einen so treuen Fankreis hat. Es entsteht ein Sog, den andere Bullet-Hell-Titel selten erreichen: Man beginnt, Muster nicht mehr nur zu vermeiden, sondern aktiv nach der gefährlichsten noch sicheren Linie durch sie hindurch zu suchen. Ein gelungener Lauf fühlt sich an wie ein Tanz auf der Rasierklinge, bei dem jeder Fehler unmittelbar bestraft wird, jeder geglückte Streifschuss aber ein kleines Erfolgserlebnis liefert. Die Lernkurve ist entsprechend steil. Genau das ist allerdings auch der Punkt: Psyvariar 3 belohnt Geduld, Musterlernen und das bewusste Eingehen von kalkuliertem Risiko, statt einfach nur Reflexe abzufragen. Nicht ganz so überzeugend fällt die Präsentation aus. Die Hintergründe, die an die PS2-Ära erinnern und sich während der Level in Bewegung befinden, wirken auf den ersten Blick ambitioniert, entpuppen sich im Spiel aber schnell als potenzielles Problem. Die Standardhelligkeit ist unangenehm hoch eingestellt, sodass gegnerische Projektile mit ähnlicher Farbgebung streckenweise regelrecht im Hintergrund verschwinden. In einem Genre, in dem jedes einzelne Pixel über Leben und Tod entscheidet, ist das ein ernst zu nehmender Kritikpunkt. Zum Glück lässt sich das über die Grafikeinstellungen abmildern. Schön wäre es gewesen, wenn die Entwickler von Anfang an eine spielerfreundlichere Voreinstellung gewählt hätten, gerade für Einsteiger, die sich erst an die Bulletpatterns gewöhnen müssen, bevor visuelle Ablenkungen dazukommen. Wer sich einmal durch die Menüs gearbeitet und die passenden Werte gefunden hat, bekommt dafür ein Spiel, das trotz seiner grafisch eher zurückhaltenden Machart absolut funktional und übersichtlich daherkommt.

Technisch zeigt sich die Switch-Fassung solide, wenn auch nicht spektakulär. Wer auf der Switch 2 spielt, profitiert vom kostenlosen Upgrade-Paket, das einen Performance-Modus mit deutlich höherer Bildrate freischaltet. Für ein Spiel, in dem Millisekunden über einen erfolgreichen Buzz oder einen frustrierenden Treffer entscheiden, ist das ein spürbarer Gewinn. Im Handheld-Modus auf dem originalen Switch-Modell bleibt die Performance stabil, auch wenn die Bildwiederholrate hier naturgemäß niedriger ausfällt. Angesichts der ohnehin eher zurückhaltenden Grafikpracht wirkt das Spiel nie überfordert von der Hardware, was für flüssiges, verlässliches Gameplay sorgt – und genau das ist in diesem Genre wichtiger als jeder optische Firlefanz. Der Umfang ist für ein Genrespiel dieser Art angemessen bemessen. Die Kampagne selbst lässt sich in wenigen Stunden durchspielen, was auf den ersten Blick mager klingen mag, aber dem Wesen von Arcade-Shootern entspricht: Der eigentliche Inhalt entsteht nicht durch die reine Länge, sondern durch die schiere Menge an Wiederholungen, die nötig sind, um Level zu meistern, Highscores zu knacken und mit allen sieben Charakteren eine zufriedenstellende Punktzahl zu erreichen. Wer sich auf das Punktesystem und die verschiedenen Schwierigkeitsgrade einlässt, findet hier locker mehrere Dutzend Stunden an Beschäftigung, insbesondere wenn man die eigene Bestleistung online mit anderen vergleichen möchte. Für Spieler, die Shoot-‘em-ups vor allem als kurze, intensive Sessions zwischendurch schätzen, ist das genau die richtige Form von Umfang. 

Der Soundtrack fügt sich passend in das Gesamtbild ein: treibende, elektronische Klänge, die den hektischen Rhythmus der Bildschirmgeschehnisse unterstreichen, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Er erinnert bewusst an die Ära, aus der die Serie ursprünglich stammt, wirkt dabei aber nie verstaubt, sondern eher wie eine liebevolle Hommage an klassische Arcade-Automaten. In Kombination mit dem knackigen Sounddesign der Explosionen und Treffer entsteht eine audiovisuelle Rückmeldung, die trotz der erwähnten Helligkeitsprobleme im Bild dafür sorgt, dass man auch akustisch immer ein Gefühl dafür hat, wie nah man gerade an der Gefahr vorbeischrammt.

 

Michael meint:

Michael

Insgesamt ist Psyvariar 3 ein Spiel für ein bestimmtes Publikum, und das ist auch gut so. Es richtet sich nicht an Gelegenheitsspieler, die mal eben schnell ein paar Level durchballern wollen, sondern an jene, die bereit sind, sich auf ein forderndes, belohnendes System einzulassen, das Mut und Präzision gleichermaßen verlangt. Die Steuerung reagiert präzise, das Buzz-System fühlt sich nach etwas Eingewöhnung wirklich befriedigend an, und die sieben unterschiedlichen Piloten sorgen für angenehme Abwechslung beim wiederholten Durchspielen. Die größten Schwachpunkte liegen klar im visuellen Bereich, insbesondere bei der unglücklich gewählten Standardhelligkeit der Hintergründe, die potenziell neue Spieler unnötig frustrieren könnte, bevor sie überhaupt die Chance hatten, sich in das System hineinzufinden. Wer diese anfängliche Hürde jedoch überwindet und sich die Zeit nimmt, die Einstellungen anzupassen, findet darunter einen der konsequentesten und belohnendsten Bullet-Hell-Shooter der letzten Jahre. Für Fans klassischer Arcade-Shooter, die Wert auf Risiko-Belohnungs-Mechaniken legen und keine Angst vor einer steilen Lernkurve haben, ist Psyvariar 3 auf der Switch eine klare Empfehlung. Für alle anderen bleibt es zumindest einen genaueren Blick wert, bevor man sich endgültig festlegt.

Positiv

  • durchdachtes Buzz-/Neutrino-System
  • Sieben spielbare sehr unterschiedliche Piloten
  • Großzügiger Modusumfang

Negativ

  • Sehr steile Lernkurve
  • Kurze reine Kampagnenlänge
  • teils unruhige Hintergründe erschweren die Sichtbarkeit der Projektile
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  • von Ignorama:

    Der VPN selbst war glaube sogar aus - kannst ja IP einsehen, hab aktuell einen italienischen VPN an, meine aber der war deaktiviert. Aber der Client hat eben auch ein Schutzprogramm mit drin, das angeschlagen hat.Davon ab gibt es natürlich durchaus diverse Gründe für einen VPN und langsam ist der...

  • von Mistercinema:

    Warum surft man innerhalb DE überhaupt mit VPN und nimmt so langsamen Datenverkehr in Kauf ...

  • von Ignorama:

    Immer wenn ich diesen Thread öffne, blockiert mein VPN Client eine vermeintlich gefährliche Seite (triggerzone.de). Vermute mal es hängt mit den kaputten Bilder-Links im Startpost zusammen? Denn die Seite führt zu einer "esp4.jpg"Edit - wird als Malware-Seite kategorisiert...

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Psyvariar 3 Daten
Genre Shootemup
Spieleranzahl 1
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 4K
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 2026-05-21 00:01:15
Vermarkter -
Wertung 8.1
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