Aarik And The Ruined Kingdom im Test

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Aarik And The Ruined Kingdom ist eines dieser kleinen Indie-Juwelen, die man leicht übersehen könnte. Entwickelt vom britischen Ein-Mann-Studio Shatterproof Games rund um Richard Kirk reiht sich das Spiel in eine Tradition ein, die spätestens seit Monument Valley bekannt ist: Perspektivrätsel, bei denen sich Wege erst durch geschicktes Drehen der Kamera offenbaren. Wer diese Art von Game schon kennt, weiß wie faszinierend es sein kann, wenn scheinbar unmögliche Architektur plötzlich einen logischen Sinn ergibt, sobald man den Blickwinkel ändert. Aarik nimmt dieses Prinzip auf und verpackt es in eine märchenhafte Geschichte über einen jungen Prinzen, der auszieht, um seine verschwundene Mutter zu finden und sein zerfallenes Königreich zu retten.

Aarik-And-The-Ruined-Kingdom-03Die Geschichte selbst ist bewusst einfach gehalten, aber genau das passt zum Gesamtton des Spiels. Aarik lebt allein in einem vergessenen Schloss, sein Vater der König liegt schwer krank im Bett, während das Reich um sie herum buchstäblich in sich zusammenfällt. Mithilfe der magischen Krone seines Vaters macht sich Aarik auf die Suche nach seiner Mutter und muss dabei nach und nach neue Kräfte erlernen, um zerbrochene Strukturen zu reparieren, Zeit zu manipulieren und schließlich auch andere Charaktere zu steuern. Es ist keine Geschichte, die durch überraschende Wendungen glänzt, sondern eher durch eine ruhige, fast schon melancholische Grundstimmung, die durch die visuelle Gestaltung noch verstärkt wird. Man reist durch Burgen, Wälder, Wüsten, Sümpfe und verschneite Tundra-Landschaften und jede dieser Umgebungen hat einen eigenen, klar erkennbaren visuellen Stil, der an handgezeichnete Bilderbücher erinnert.

Spielerisch dreht sich alles um die titelgebende Krone. Durch Drehen der Krone verändert man die Kamera und damit die Perspektive auf die isometrische Welt, wodurch sich neue Wege, versteckte Übergänge oder bislang unsichtbare Plattformen offenbaren. Im Gegensatz zu manchen Genrekollegen, bei denen man nur an bestimmten fest definierten Punkten die Blickwinkel wechseln kann, erlaubt Aarik dem Spieler die permanente freie Kontrolle über die Kamera. Das mag auf den ersten Blick wie eine Kleinigkeit klingen, verändert das Spielgefühl aber spürbar: Man hat das Gefühl, jede Ecke eines Levels wirklich erkunden zu können, statt nur stur von Rätsel zu Rätsel geleitet zu werden. Im Laufe des Games kommen weitere Fähigkeiten hinzu, mit denen man Objekte verschieben, Strukturen reparieren oder sogar die Zeit vor- und zurückspulen kann, um bestimmte Rätsel zu lösen. Insgesamt bietet das Spiel 32 Level mit ein bis drei Rätselbereichen, was in Summe 96 einzelne Puzzles ergibt, dazu kommen versteckte Kronen, die zum genaueren Erkunden jedes Levels anregen, sowie über 40 Erfolge für alle, die gerne jedes Geheimnis aufdecken.

Aarik-And-The-Ruined-Kingdom-10Mit einer Spielzeit von rund zwei Stunden ist Aarik And The Ruined Kingdom eher ein Snack für zwischendurch, als ein ausladendes Spiel, aber genau dafür macht es alles richtig. Das Game versteht sich selbst explizit als entspannendes, beruhigendes Erlebnis, nicht als fordernde Herausforderung, die einen über Wochen beschäftigt. Die Schwierigkeitskurve steigt zwar spürbar an, bleibt aber insgesamt fair und nachvollziehbar, sodass Frustmomente selten sind. Wer knifflige Kopfnüsse liebt, allerdings genug von aggressivem Trial-and-Error hat, dürfte hier gut aufgehoben sein. Ein großer Pluspunkt ist die audiovisuelle Präsentation. Die farbenfrohe, isometrische Welt wirkt durchweg liebevoll gestaltet, jede Umgebung hat einen eigenen erkennbaren Charakter, ohne dabei überladen zu wirken. Dazu kommt der ruhige, wohltuende Soundtrack von Ben Morgan, der die entspannte Grundstimmung des Spiels perfekt unterstreicht und nie aufdringlich wird. Gerade in Kombination mit dem gemächlichen Erzähltempo entsteht so eine fast bereits meditative Atmosphäre, die man selten in Rätselspielen findet. Aarik will explizit kein Spiel für Adrenalinjunkies sein, sondern eher eines für ruhige Abende, an denen man sich auf etwas Schönes und Entspannendes einlassen möchte.

Positiv fällt zudem auf, dass das Spiel plattformübergreifend flexibel gestaltet ist. Es unterstützt sowohl Maus- und Tastatursteuerung als auch Controller, und auf der Switch kann man wahlweise im Handheld-, Docked- oder Tabletop-Modus mit Touch-Steuerung spielen. Diese Vielseitigkeit macht Aarik zu einem Spiel, das sich gut an unterschiedliche Vorlieben anpassen lässt, egal ob man lieber gemütlich auf der Couch oder konzentriert am Schreibtisch spielt. Auch die Zugänglichkeit ist insgesamt hoch: Das Game richtet sich ausdrücklich an ein familienfreundliches Publikum, es gibt keine expliziten Gewaltdarstellungen oder verstörenden Inhalte, was es ebenfalls zu einer guten Wahl für jüngere Spieler oder gemeinsames Spielen mit Kindern macht. Wenn man nach Schwächen sucht, dann liegen sie tatsächlich vor allem im Umfang. Zwei Stunden Spielzeit für ein vollpreisiges Rätselabenteuer mögen manchen zu wenig erscheinen, auch wenn der aktuelle Preis von unter zehn Euro diese Kürze durchaus relativiert. Wer bereits viele Perspektivrätselspiele wie Monument Valley, Superliminal oder Echochrome gespielt hat, wird zudem feststellen, dass Aarik das Genre nicht neu erfindet, sondern eher gekonnt variiert. Die Grundmechanik der freien Kamerarotation ist zwar ein cleverer eigener Kniff, der das Spiel von direkten Vorbildern unterscheidet, aber wer eine völlig neue Spielidee erwartet, wird eher eine liebevolle Weiterentwicklung eines bekannten Konzepts vorfinden als eine Revolution.

 

Michael meint:

Michael

Insgesamt ist Aarik And The Ruined Kingdom ein rundes, kompaktes und optisch bezauberndes kleines Abenteuer, das genau das liefert, was es verspricht. Eine entspannte, fast schon meditative Rätselreise durch eine liebevoll gestaltete Märchenwelt. Für ein Erstlingswerk eines kleinen Indie-Studios ist die Qualität bemerkenswert hoch, sowohl was das Design der Rätsel als auch die audiovisuelle Umsetzung betrifft. Die kurze Spielzeit dürfte für Vielspieler ein Wermutstropfen sein, passt aber gut zum entspannten Charakter des Spiels und macht es gerade für Gelegenheitsspieler oder als Feierabend-Erlebnis attraktiv. Fans von Monument Valley, die schon lange auf einen würdigen Nachfolger im Genre gewartet haben, sollten sich Aarik And The Ruined Kingdom definitiv genauer ansehen. Wer hingegen ein langes, komplexes Rätselabenteuer sucht, das einen über viele Stunden fordert, wird hier vermutlich zu kurz kommen. Für alle anderen ist es eine charmante, kurzweilige Empfehlung, die zeigt, dass gute Ideen nicht immer viel Spielzeit brauchen, um zu überzeugen.

Positiv

  • Liebevolle, farbenfrohe isometrische Optik
  • Ruhiger, stimmungsvoller Soundtrack
  • Freie Kamera erlaubt echtes Erkunden

Negativ

  • Sehr kurze Spielzeit
  • Story bleibt eher simpel und vorhersehbar
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Aarik And The Ruined Kingdom Daten
Genre Adventure
Spieleranzahl 1
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 1080p
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 2024-06-20 00:01:25
Vermarkter -
Wertung 7.6
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