Ariana and the Elder Codex im Test

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Mitunter gibt es Spiele, die einem beim ersten Anblick das Herz höherschlagen lassen – und Ariana and the Elder Codex von Idea Factory, Compile Heart und HYDE ist zweifellos eines davon.

Ariana-and-the-Elder-Codex-03Im Mittelpunkt steht Ariana, eine Bibliothekarin in der bedeutendsten Bibliothek der Welt, die die sogenannten Elder Codices beherbergt – Bücher, in denen der Geist der Sieben Helden wohnt und durch die Magie in der Welt möglich wird. Als eine mysteriöse Macht diese Bücher korrumpiert und die Magie damit zum Erliegen bringt, muss Ariana ihre besondere angeborene Fähigkeit einsetzen, um die beschädigten Codices von innen heraus zu reparieren. Das Konzept ist charmant, originell und steckt voller Potenzial – doch ob das Spiel seinem vielversprechenden Auftakt gerecht wird, ist eine andere Frage.

Der einfache, aber wirkungsvolle Grundgedanke hinter Ariana and the Elder Codex ist, dass Bücher nicht bloß Orte zur Aufbewahrung von Geschichte sind, sondern Welten, die erkundet und geheilt werden können. Diese Prämisse verleiht dem Spiel eine literarische Atmosphäre, die sich durch jede Ebene zieht – von der zentralen Bibliothek als Hub-Welt bis hin zu den märchenhaft gestalteten Abschnitten innerhalb der einzelnen Bücher. Jeder Codex ist zugleich ein Level und ein narratives Objekt, in dem Fortschritt, Weltenbau und visuelle Identität zusammenfließen. Das ist konzeptionell klug gedacht und hebt das Spiel von generischen Fantasy-Titeln ab.

Ariana-and-the-Elder-Codex-08Visuell ist Ariana and the Elder Codex schlicht wunderschön. Die Kunst des Spiels ist stark von Vanillaware inspiriert, mit einer handgezeichneten Ästhetik, die an ein Kunstbuch erinnert. Die Verwendung eines Märchenbuch-Stils mit dieser Ästhetik war eine hervorragende Entscheidung, die besondere Momente wirkungsvoll unterstreicht. Die Umgebungen sind atemberaubend mit zahlreichen Hintergrunddetails und abwechslungsreichen Schauplätzen – sei es in unterirdischen Passagen oder an einem wunderschönen Berghang. Der englische Synchronsprecher-Cast leistet dabei ebenfalls gute Arbeit: Ariana klingt lebhaft, mutig und fleißig, was eine unterhaltsame Dynamik mit ihrer Begleiterin Divina erzeugt, während Bibliotheksdirektor Berkeleys Stimme mit einer einschüchternden, tiefen Präsenz aufwartet – auch wenn seine Bildschirmzeit leider begrenzt bleibt. Der Soundtrack fügt sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Die Musik des Spiels ist recht angenehm, mit einem verträumten Klang, der eine beruhigende Atmosphäre schafft – auch wenn keiner der Tracks besonders einprägsam ist. Insgesamt entsteht ein audiovisuelles Erlebnis, das vor allem in ruhigen Erkundungspassagen seine Wirkung entfaltet und die märchenhafte Grundstimmung perfekt unterstützt.

Das Gameplay ist als Metroidvania mit Seitwärts-Scrolling-Kämpfen konzipiert. Ariana verfügt über fünf Zauber, die verschiedenen Tastenkombinationen zugeordnet sind und unterschiedliche Effekte haben – von Schadensangriffen über Heilung bis hin zu schwebenden Kugeln, die nahe Feinde beschießen. Das Erkunden der besten Kombinationen macht viel Spaß, und das Ausweichen mit perfektem Timing bietet eine zusätzliche taktische Ebene. Besonders gelungen ist das Elementarsystem: Wenn man einen Feind mit einem der vier Elemente angreift, füllt sich ein Meter – und sobald dieser voll ist, explodiert der Gegner und verursacht massiven Elementarschaden an sich selbst und nahe stehenden Feinden. Das verleiht den Kämpfen eine angenehme Tiefe, die über bloßes Button-Mashing hinausgeht. Die Struktur des Spiels ist interessant, weil man die Reihenfolge der sieben Bücher selbst wählen kann. Da jedes Buch eine andere Bewegungsfähigkeit freischaltet – wie Doppelsprung oder Luftstoß – ergibt sich je nach Reihenfolge ein unterschiedliches Spielerlebnis.  Dieses Gefühl der Freiheit ist willkommen und ein Merkmal, das gute Metroidvanias auszeichnet. Allerdings zeigen sich bei näherer Betrachtung auch die Schwächen des Leveldesigns: Die Plattformabschnitte sind so simpel, dass sie sich eher wie Platzhalter aus der Entwicklungsphase anfühlen als wie ein fertiges Produkt. 

Ariana-and-the-Elder-Codex-14Narrativ bewegt sich Ariana and the Elder Codex auf unterschiedlichen Ebenen. Die einzelnen Codices erzählen ihre eigenen kleinen Geschichten – von selbstlosen Opfern bis hin zu Botschaften über Vertrauen und Toleranz – und das mit vollem Sprachsupport, was dafür sorgt, dass man sich für das Schicksal dieser Figuren interessiert.  Diese eingebetteten Erzählungen sind das emotionale Herzstück des Spiels und zeigen, wozu das Entwicklerstudio fähig ist, wenn es sich auf engem Raum konzentriert. In diesen Momenten wirkt Ariana and the Elder Codex weniger wie ein Fantasy-Rätselkasten und mehr wie eine Sammlung spielbarer Fabeln – und das ist wohl der charmanteste Zustand, den das Spiel erreicht. 

Leider schwächelt die übergeordnete Rahmenhandlung. Die Hauptgeschichte ist in der Regel leicht zu durchschauen, lange bevor sie offiziell enthüllt wird, und einige der großen Wendungen sind so vorhersehbar, dass sie an Wirkung verlieren. Zudem verteilt das Spiel seinen besten Weltenbau häufig in Textdateien statt in dramatisierten Szenen, sodass das Setting auf dem Papier tiefer wirkt als in der tatsächlichen Spielerfahrung. Wer sich die Zeit nimmt, all diese Lore-Texte zu lesen, wird mit einem erstaunlich reich ausgearbeiteten Universum belohnt – wer das nicht tut, verpasst jedoch wichtige Kontexte. Technisch ist die Situation je nach Plattform unterschiedlich. Auf der Nintendo Switch kämpft das Spiel mit erheblichen Performance-Problemen: Entweder läuft das Spiel flüssig auf Kosten der Grafikqualität, oder man spielt eine optisch ansprechende, aber träge Version, die sich mühsam anfühlt. Auf PS5 und PC soll der Titel deutlich angenehmer und besser laufen.

 

Michael meint:

Michael

Schlussendlich ist Ariana and the Elder Codex ein sympathisches, visuell bezauberndes Spiel, das seine stärksten Momente in den kleinen Geschichten innerhalb der Codices findet. Es ist ein Abenteuer, das man gerne einmal erlebt – aber nicht notwendigerweise wiederholt. Es bietet zwar nichts besonders Revolutionäres, ist aber ein solides Metroidvania mit einer angenehmen Erzählung und mehreren Schwierigkeitsgraden, die es gut zugänglich machen. Wer bereit ist, über formulaische Elemente, gelegentlich frustrierendes Kampfsystem und vorhersehbare Wendungen hinwegzusehen, wird ein herzliches, liebevoll gestaltetes Spiel finden, das die Magie der Literatur auf charmante Weise zelebriert.

Positiv

  • Visueller Stil erinnert an Vanillaware
  • Kampfsystem mit Tiefe
  • Eingebettete Kurzgeschichten

Negativ

  • Vorhersehbare Haupthandlung
  • Weltenbau versteckt in Textmassen
  • Schwache Performance auf Switch
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Ariana and the Elder Codex Daten
Genre Action
Spieleranzahl 1
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 1080p
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 2026-03-24 00:01:22
Vermarkter -
Wertung 7.9
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