
Der einfache, aber wirkungsvolle Grundgedanke hinter Ariana and the Elder Codex ist, dass Bücher nicht bloß Orte zur Aufbewahrung von Geschichte sind, sondern Welten, die erkundet und geheilt werden können. Diese Prämisse verleiht dem Spiel eine literarische Atmosphäre, die sich durch jede Ebene zieht – von der zentralen Bibliothek als Hub-Welt bis hin zu den märchenhaft gestalteten Abschnitten innerhalb der einzelnen Bücher. Jeder Codex ist zugleich ein Level und ein narratives Objekt, in dem Fortschritt, Weltenbau und visuelle Identität zusammenfließen. Das ist konzeptionell klug gedacht und hebt das Spiel von generischen Fantasy-Titeln ab.

Das Gameplay ist als Metroidvania mit Seitwärts-Scrolling-Kämpfen konzipiert. Ariana verfügt über fünf Zauber, die verschiedenen Tastenkombinationen zugeordnet sind und unterschiedliche Effekte haben – von Schadensangriffen über Heilung bis hin zu schwebenden Kugeln, die nahe Feinde beschießen. Das Erkunden der besten Kombinationen macht viel Spaß, und das Ausweichen mit perfektem Timing bietet eine zusätzliche taktische Ebene. Besonders gelungen ist das Elementarsystem: Wenn man einen Feind mit einem der vier Elemente angreift, füllt sich ein Meter – und sobald dieser voll ist, explodiert der Gegner und verursacht massiven Elementarschaden an sich selbst und nahe stehenden Feinden. Das verleiht den Kämpfen eine angenehme Tiefe, die über bloßes Button-Mashing hinausgeht. Die Struktur des Spiels ist interessant, weil man die Reihenfolge der sieben Bücher selbst wählen kann. Da jedes Buch eine andere Bewegungsfähigkeit freischaltet – wie Doppelsprung oder Luftstoß – ergibt sich je nach Reihenfolge ein unterschiedliches Spielerlebnis. Dieses Gefühl der Freiheit ist willkommen und ein Merkmal, das gute Metroidvanias auszeichnet. Allerdings zeigen sich bei näherer Betrachtung auch die Schwächen des Leveldesigns: Die Plattformabschnitte sind so simpel, dass sie sich eher wie Platzhalter aus der Entwicklungsphase anfühlen als wie ein fertiges Produkt.

Leider schwächelt die übergeordnete Rahmenhandlung. Die Hauptgeschichte ist in der Regel leicht zu durchschauen, lange bevor sie offiziell enthüllt wird, und einige der großen Wendungen sind so vorhersehbar, dass sie an Wirkung verlieren. Zudem verteilt das Spiel seinen besten Weltenbau häufig in Textdateien statt in dramatisierten Szenen, sodass das Setting auf dem Papier tiefer wirkt als in der tatsächlichen Spielerfahrung. Wer sich die Zeit nimmt, all diese Lore-Texte zu lesen, wird mit einem erstaunlich reich ausgearbeiteten Universum belohnt – wer das nicht tut, verpasst jedoch wichtige Kontexte. Technisch ist die Situation je nach Plattform unterschiedlich. Auf der Nintendo Switch kämpft das Spiel mit erheblichen Performance-Problemen: Entweder läuft das Spiel flüssig auf Kosten der Grafikqualität, oder man spielt eine optisch ansprechende, aber träge Version, die sich mühsam anfühlt. Auf PS5 und PC soll der Titel deutlich angenehmer und besser laufen.





Schlussendlich ist Ariana and the Elder Codex ein sympathisches, visuell bezauberndes Spiel, das seine stärksten Momente in den kleinen Geschichten innerhalb der Codices findet. Es ist ein Abenteuer, das man gerne einmal erlebt – aber nicht notwendigerweise wiederholt. Es bietet zwar nichts besonders Revolutionäres, ist aber ein solides Metroidvania mit einer angenehmen Erzählung und mehreren Schwierigkeitsgraden, die es gut zugänglich machen. Wer bereit ist, über formulaische Elemente, gelegentlich frustrierendes Kampfsystem und vorhersehbare Wendungen hinwegzusehen, wird ein herzliches, liebevoll gestaltetes Spiel finden, das die Magie der Literatur auf charmante Weise zelebriert.