"Den Jaguar gab es nirgends zu kaufen!"

Problem: Man konnte zwar liefern, nur nahmen kaum Händler den Jaguar ins Programm. In den USA gab es den Jaguar lange Zeit nur bei Fachhändlern und EB, was nicht ausreichte, um in Konkurrenz zu SEGA und Nintendo zu treten. Inwiefern das Vertriebsteam schlecht gearbeitet hat, darüber kann nur gemutmaßt werden. Womöglich hing es mit den schleppenden Verkäufen älterer Atari Hardware zusammen, so dass man von Händlerseite das Vertrauen verlor. Erst zum Jahresbeginn 1995 sprang mit Toys R Us ein Mayor Player in den USA auf den Raubkatzen-Zug auf.
Atari verpasste es, ausreichend Anspielstationen und Demo Tapes zur Verfügung zu stellen, um den Jaguar in Aktion zu präsentieren. So blieb der schmucke Karton im Verkaufsregal mit einer anfangs dürftigen Softwareauswahl. Das Problem sah in Europa quasi identisch aus. In Deutschland vertrieben allein Quelle und Karstadt den Jaguar aktiv, zumindest konnte man ihn dort erwerben. Anspielstationen oder gar Werbung am Point of Sale machten sich auch hier rar. Den Jaguar einfach nur „kaufen“ zu können, reichte nicht, um Vertrauen beim Konsumenten und Händler zu gewinnen.
Fazit: Die nicht flächendeckende Verfügbarkeit des Jaguars war ein Problem, das sein Schippchen Erde auf den Sarg der Raubkatze beitrug. Auch wenn sich die Vertriebsstruktur zum Ende hin besserte, so standen schon SEGA Saturn und Sony Playstation vor der Tür. Man war zu spät dran.
"Es gab zu wenige Spiele zum Release / der Jaguar wurde zu früh veröffentlicht"

Fazit: Zu wenig Spiele zu Beginn, insbesondere Systemseller. Der Releasetermin hingegen war günstig, um nicht neben Saturn und Playstation abzusaufen. Man hätte aber warten können, bis Tempest 2000 fertig ist und dieses mit dem Jaguar bündeln. So hätte man mehr Kunden gewonnen.
"Module waren tot, man hätte gleich auf CDs setzen sollen!"
Die Konkurrenz setzte auf CDs, doch Atari ging einen anderen Weg. Kostengünstiger Einstieg hieß die Devise und so wurde der Jaguar modulbasiert konzipiert. Dies ermöglichte einen konkurrenzlos günstigen Preis von 250 US-Dollar. Das optionale Jaguar CD sollte im Frühjahr 1994 erscheinen. Doch ergibt es Sinn, den Kundenkreis vorab in zwei Klassen zu teilen?

Hätte man von Beginn an ausschließlich auf ein CD-ROM Laufwerk gesetzt, man wäre in den direkten Konkurrenzkampf mit dem 3DO getreten. Ein Einstiegspreis von ca. 400 – 500 US-Dollar hätte zu noch weniger Absatz geführt, betrachtet man die verfügbaren Spiele zum Auftakt. Das CD-ROM schob man schließlich viel zu spät im September 1995 hinterher. So war man auf Augenhöhe mit SEGA und Sony. Aber wer wollte Ende 1995 noch 300 US-Dollar für eine Jaguar/CD Kombi löhnen, wenn er dafür eine PlayStation mit Ridge Racer bekam? Der Zug für das CD-ROM war abgefahren.
Fazit: Nicht auf CDs zu setzen, war die richtige Entscheidung. Speicherplatz auf CDs wurde anno 1994 nicht effektiv ausgenutzt. Bedenkt man die damaligen erstellungskosten einer CD-ROM Konsole, verbunden mit dem schwachen Software-lineup zum Start, die Raubkatze hätte noch mehr Staub im Ladenregal angesetzt. Das Jaguar CD hätte man sich angesichts der späten Veröffentlichung vielmehr komplett sparen können.
"Es gab nur 16-Bit Ports von Spielen für den Jaguar!"

Fraglich ist, inwiefern diese Portierungen die Entwicklung von „echten“ Spielen einschränkten. Hier hilft ein Blick in Atari-Interna. Viele Jaguar Games lizenzierte Atari für kleines Geld, um Löcher in den Releaselisten zu stopfen. Größere, ambitionierte Projekte hätten nicht nur mehr Geld gekostet, sondern auch viel mehr Zeit benötigt. Zeit, die man nicht hatte. Von Drittherstellern selbst ging selten bis nie die Initiative aus, etwas Anspruchsvolles für den Jaguar zu entwickeln. Man kann davon ausgehen, dass man entweder 16-Bit Portierungen oder schlicht nichts erwarten konnte.
Fazit: 16-Bit Ports trugen zwar nicht dazu bei, die Leistungsfähigkeit zu demonstrieren, nahmen potentiellen, anspruchsvollen Releases aber auch nicht das Budget und Rampenlicht. Wie interne Atari-Listen belegen, wären entweder 16-Bit Konvertierungen gekommen oder nichts. Zudem zeigen die Atari Interna, wie preisgünstig diese Portierungen für Atari waren.

