Ion Fury im Test

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Frühere Ego-Shooter besitzen heute Kultstatus. Wolfenstein, Doom oder eben Duke Nukem 3D haben den Weg geebnet, den heutzutage Call of Duty und Co. mit großem Erfolg bewandern. Seit geraumer Zeit merkt man Impulse der Rückbesinnung. Weg vom cineastischen Bombast und Schlauchlevels mehr zu den Anfangstagen des Genres. Das bedeutet Schlüsselkartesuche, Labyrinthlevels und knallharte Fights. Ion Fury ist ein Kind dieses Trends.

ion_fury_2Um dem Retroflair weiter zu verstärken, hat der Entwickler Voidpoint im Auftrag von 3D Realms nicht nur spielerisch eine Rückbesinnung vollzogen, sondern greift auch technisch auf die Vergangenheit zurück. Der Grafikmotor von Ion Fury ist die Build-Engine, dieselbe Grafikengine die Duke Nukem 3D so populär machte.

Eigentlich könnte Shelly ‚‚Bombshell‘‘ Harrison die Schwester des blonden Machos sein, denn an Sprüchen und Zerstörungskraft kann sie es mit ihm aufnehmen. Die Geschichte ist schnell erklärt. Als Mitglied der Global Defense Force versucht sie Dr. Jadus Heskel‘s Armee von kybernetischen Supersoldaten Einhalt zu gebieten, die versuchen die Stadt Neo D.C. zu erobern. Nur leider hat diese Streitmacht nicht, damit gerechnet, dass Shelly heute Dienst hat. Und mit genügend Firepower weiß sie sich ihrer Haut zu erwehren. Spielerisch ist Ion Fury sehr retro, sprich, ihr lauft in großen Stages umher und werdet meist durch verschlossene Türen eingegrenzt. Jetzt heißt es, die Umgebung nach farbigen Schlüsselkarten abzusuchen. Zwischen den Erkundungstouren feuern Feindeshorden einen wahren Kugelregen auf euch ab.

Diesen feindlichen Angelegenheiten lässt sich mit Schusswaffen der bekannten Art Einhalt gebieten. Praktisch ist, das jede Waffe einen sekundären Feuermodus besitzt. So wird aus der Shotgun ein Granatenwerfer, die Uzi hat noch einen kleinen Bruder, mit dem ihr beidhändig für Frieden sorgt, oder die Armbrust hat einen aufladbaren Schuss. Das Waffenhandling fühlt sich gut und wuchtig, an aber das Zielen auf der Heimkonsole ist ein echtes Grauen. Da es sich bei Ion Fury um ein PC-Game handelt, merkt man als Konsolen-Spieler sofort. Denn trotz aktiver Auto-Aim-Funktion ist es quasi gar nicht möglich, schnelle Feinde vernünftig zu treffen. Dies wird noch durch das sehr flotte Gameplay negativ unterstützt. So musste ich mich spieltechnisch komplett umstellen. Normalerweise gehe ich bei dieser Art des Ego-Shooters in die Offensive, doch auf Grund der schlechten Zielerfassung war meine Spielweise während der knapp 13 Stunden Spielzeit sehr defensive geprägt: Vorsichtig einen Raum betreten, Gegner ausmachen, einzeln anlocken und dann erledigen.

ion_fury_3Wenn ganze Horden auf einen einströmen, hat man öfters mit der Steuerung zu kämpfen, und da das Game sowieso einen hohen Schwierigkeitsgrad besitzt, ist der Tod allgegenwärtig. Die Intelligenz der Feinde ist genau wie damals sehr durchwachsen. Mit großer Häufigkeit bleiben diese an Kanten, Wänden oder Gegenstände kleben und wissen sich aus eigener Kraft nicht davon zu lösen. Dann aber wieder ist die Zielgenauigkeit der Gegner so überragend, dass ihr mit zwei Treffern schon fast das Zeitliche segnet, ohne den entsprechenden Feind zu sehen. Hin- und wieder gibt es zudem unfaire Feindplatzierungen, die aus heutiger Sicht frustrieren können. Ion Fury ist eben ein Retro-Shooter, wo diese Designentscheidungen normal waren. Die Speicherfunktion ist hierbei euer bester Freund. Bedauerlicherweise besitzt der Ego-Shooter keine Schnellspeicherfunktion, wodurch ihr jederzeit ins Menü wechseln müsst, um von dort aus speichern zu können. Was die Levelstrukturen angeht, ist Ion Fury auch ein Kind von damals. Hierdurch gibt es viele versteckte Räume mit Extra-Items. Rüstungen oder Powerups sind anfangs an unerreichbaren Punkten platziert, die man nur mit gekonnten Sprüngen erreicht. Das Erkunden bzw. Herausfinden wie man an diese Stellen kommt, ist ein Teil des Spaßes an diesem Ego-Shooter.

Die Old-School-Action ist natürlich aus heutiger Sicht grafisch veraltet. Doch dank höherer Auflösung wirkt im Vergleich zu damaligen Verhältnissen und mit 60 Bildern pro Sekunde alles recht solide, ohne Augenkrebs zu bekommen. Hin- und wieder kommt es leider zu kleinen Frameraten-Einbrüchen. Zu regelrechten Frustmomenten kam es bei mir, wenn das Spiel komplett versagte. Ohne Grund ist das Spiel oft abgestürzt, noch bevor ich vorher speichern konnte. Das führte nach mehrmaligen Abstürzen dazu, das meine Spieldatei, sowie die Autosavedatei zerstört wurden und ich gezwungen war, den Levelabschnitt, worin ich mich gerade aufhielt, neu zu starten. Das Spiel braucht dringend einen Patch!
 

Dominic meint:

Dominic

Die Konsolenversion von Ion Fury ist Fluch und Segen zugleich. Das eigentliche Spiel ist eine wunderbare Rückbesinnung zu den alten Ego-Shootertagen mit sehr viel Retroflair in Leveldesign, Technik und Gameplay. Doch die Portierung von PC auf Konsole ist nicht perfekt gelungen. Abstürze, Zerstörung der Speicherstände, schlechtes Autoaim: Das sind Dinge, die Konsolenspieler nicht gerne bei ihren Videospielen sehen. Bitte mittels Patch schleunigst ausmerzen!

Positiv

  • Sehr gutes Leveldesign
  • Oldschool Gameplay
  • Viele Secrets

Negativ

  • Abstürze
  • Schlechtes Auto-Aim
  • Keine Quick-Save-Funktion
Userwertung
7.7 4 Stimmen
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Forum
  • von khaos:

    Habs gestern angefangen. Wie lang ist es denn? ich glaube ich bin am Ende vom zweiten Level, was schon ne weile gedauert hat. Enttäuscht bin ich allerdings davon, dass es für mich nicht die richtige Build-Engine-Stimmung bringt, da die Welten in echtem 3D sind und nicht wie in Duke3D umgeschaltet...

  • von orochi uali:

    Habs seit gestern durch (Retail, Switch). Hat mir insgesamt sehr gut gefallen - ist ein rundum gelungener Retro-Fix. Besonders im Gedächtnis behalten werd ich: Das Spiel ist sehr umfangreich mit vielen und langen Leveln und hat einen hohen Schwierigkeitsgrad....

  • von ring-geist:

    Möchte ich mir auch noch kaufen,hat nen tollen Soundtrack und auf "old-school" steh ich sowieso ...

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