Oddworld: Strangers Vergeltung im Test

Xbox

In der Videospielbranche gibt es unzählige Welten. Eine besondere von ihnen ist die „Oddworld“, in welcher der Entwicklerguru Lorne Lanning bereits drei skurrile Abenteuer seines Helden „Abe“ angesiedelt hat. Nachdem das letzte Kapitel mit Oddworld: Munch´s Odyssee ohne Abstriche den Sprung in die 3. Dimension schaffte, warteten viele Fans des grünen „Mudokon“ auf einen weiteren Teil. Der Neueste liegt jetzt in den Regalen, aber die Entwickler entführen uns dieses Mal in eine andere Ecke der „Oddworld“. Ob der neue Protagonist und das geänderte Gameplay überzeugen können, fassten wir für Euch zusammen.

Oddworld_Strangers_Vergeltung_3Der neue Hauptdarsteller ist ein Kopfgeldjäger namens „Stranger“, der die anfängliche Wildwest Kulisse von allerlei bösen Jungs befreit. Dies macht er allerdings nicht aus reiner Gesetzesliebe, sondern vielmehr unter dem Druck einer dringend notwendigen Operation, welche mal eben 20.000 Moolaa (einheimische Währung) kosten soll. Vor dem Start solltet Ihr in den Optionen die Steuerung an Eure Bedürfnisse anpassen, da sich das Spiel nämlich als Mischung aus Action-Adventure mit 3rd. Person Kamera und Ego-Shooter mit entsprechender Ansicht entpuppt. Nach einem „Oddworld Inhabitants“ typischen, grafisch gelungenem Intro erhaltet Ihr auf dem Weg in die erste Stadt eine komplette Einführung in die Steuerung von „Stranger“. Dies ist durch die ungewohnte Machart des Titels auch von Nöten, denn Ihr müsst Euch neben den üblichen Action-Adventure Einlagen der 3rd. Person ebenso in der Ego-Perspektive mit etwas gänzlich neuem befassen: lebendiger Munition.

Als Freund und Bestreiter aller bisherigen „Oddworld“ Teile trat ich dem neuen Titel skeptisch gegenüber. Dem Anschein nach traute man auch bei Microsoft der Sachlage nicht so und so übernahm Electronic Arts die Publishing-Rechte an „Strangers Vergeltung“. Aber man soll die Flinte ja bekanntlich nicht zu früh ins Korn werfen und so ließ ich mich auf das Spiel weiter ein. Am Ende des Tutorial-Level wusste ich, wie man beispielsweise Gegner mit „Arschbackenhörnchen“ anlocken oder durch „Stunks“ in eine kollektive Brechorgie bringen kann. Dies sollte allerdings noch nicht das Ende der Munitionsstange sein. Die alleinig zur Verfügung stehende Armbrust kann hierbei auf der rechten und linken Seite mit verschiedenen Wesen der „Oddworld“ bestückt werden.

Oddworld_Strangers_Vergeltung_4Der Nachschub an Munition kann sowohl in der freien Natur der unterschiedlichen Landschaften als ebenso in den Stores der Städte aufgefüllt werden. Hier könnt Ihr im späteren Verlauf gegen Bares auch zusätzliche Upgrades erwerben, durch die Ihr zum Beispiel mehr „Munition“ mitnehmen könnt. Wundert Euch auch bitte nicht, wenn die ein oder andere „Art“ beim stufenlosen Umschalten in die Ego-Perspektive einen kleinen Plausch mit Euch beginnt.

Sehen wir uns den Helden sowie die eingesetzten Geschosse an, wundert es kaum noch, dass die Städte von Hühnern & Hennen (Clakkers) bewohnt werden. Mit ihnen kann man sich auf Wunsch unterhalten, da sie ab und an einen guten Tipp zum nächsten Schurken parat haben. Vor den Stadttoren muss „Stranger“ dann auch immer brav seine Waffen abgeben. Nur gut, dass er selbst in dieser Situation noch in der Lage ist, einiges in Form von Schlägen oder Kopfnüssen auszuteilen. Neben den Tipps lassen die Federviecher nämlich des Öfteren einige Säcke mit „Moolaa“ liegen. Verdrischt man die Bewohner allerdings zu lange, ziehen sie sich in die Häuser zurück und verrammeln die Türen. Jetzt kommt Ihr für einige Zeit nirgendwo mehr rein. Irgendwann wird man Euch aber auf recht amüsante Weise bitte, doch ein paar Pillen einzuwerfen und wieder „normal“ zu reagieren. Haltet ihr Euch daran, füllen sich die Straßen erneut. In späteren Städten, gehen die Bürger übrigens auch zur Gegenwehr mit Schusswaffen über, also übertreibt dieses nicht zu oft.

Ihr müsst jetzt in die städtische Kopfgeldstube gehen, um dort das Geld für den letzten Schurken abzukassieren und einen neuen Auftrag zu erhalten. Die gestallten sich im Prinzip immer nach dem gleichen Muster. Findet den Weg zum Unterschlupf der Bösewichter, erledigt unterwegs die Helfer, schaltet die leichteren Feinde aus und stellt Euch dem Bosskampf. Im Gegensatz zur nicht all zu hohen KI der kleineren Gegner, erfordern jene Kämpfe schon mal ein paar Anläufe, um die richtige Strategie zu finden. Vor allem solltet Ihr dabei immer versuchen den Schurken lebendig dingfest zu machen, da es hierfür die doppelte Belohnung gibt. Ist ein Opponent k.o. gegangen, könnt Ihr diesen mit einer Art Sauggewehr verschlucken. Dies scheint ein frühes Modell einer „Ghostbusters“ Falle zu sein. :D

Oddworld_Strangers_Vergeltung_7Neben der Jagd nach bösen Buben kann es ebenfalls schon mal zu einer Rettungsaktion kommen, bei der das Zielobjekt auf jeden Fall lebendig gefunden werden muss. Da auch Schurken ihre Reviere besitzen, kehrt in der ersten Stadt schnell wieder Ordnung ein und Ihr müsst in die Nächste weiterziehen. Im Verlauf des Spiels ändert sich die Umgebung von einer staubigen Wüstenlandschaft über grüne Wälder bis hin zu einem Industriekomplex. Zumindest in diesem Punkt brachte man doch etwas Abwechslung ins Geschehen gebracht. Das Game speichert automatisch an festgelegten Punkten, kann über die „START-Taste“ aber ebenfalls an jeder belieben Stelle „Schnell“ oder „richtig“ gesichert werden. Das wird auf dem ca. 15 Stunden dauernden Weg mit Sicherheit auch genutzt werden.

Auf dem Bildschirm sehr Ihr in der rechten oberen Ecke jeweils zwei Balken laufen. Der obere zeigt Euch Eure verbleibende Energie, der untere Eure derzeitige Ausdauer an. Seid Ihr angeschlagen, genügt ein Druck auf den „Y-Button“ um die Energieleiste wieder zu füllen. Dies wird Euch allerdings zu gleichen Teilen von der Ausdaueranzeige abgezogen. Die Energie der Bosse wird oben links eingeblendet. Im Prinzip werdet Ihr recht schnell merken, dass verschiedene Taktiken zum Ziel führen können, die Rambo Vorgehensweise aber oftmals mit schwerem Brummschädel verbunden ist. Ab einer gewissen Geschwindigkeit verfällt der „Stranger“ dann auch in einen Lauf auf allen Vieren, wobei hier im Weg stehende Feind sofort k.o. gehen.

Oddworld_Strangers_Vergeltung_2Sobald sich andere Bewohner der „Oddworld“ in der Nähe befinden, blendet sich unten links ein Radar ein. Auf diesem könnt Ihr neben deren Position auch die Blickrichtung sowie den Status erkennen. Wurdet Ihr entdeckt, ändert sich das Sichtfeld der Gegner von Gelb nach Rot um. Grüne Punkte markieren freundliche Lebewesen. Auch die effektive Lockreichweite der „Arschbackenhörnchen“ kann man auf dem Radar ablesen.

Grafisch präsentiert sich „Oddworld: Strangers Vergeltung“ von einer der schönsten Seiten. Detailverliebtheit mit klaren Texturen gepaart mit extremer Weitsicht wohin das Auge schaut. Geht man z.B. in den Wäldern durch einen Sonnenstrahl, der die Baumkronen durchdringt, tanzen darin kleine Elementare umher. Schon gleich zu Beginn hat man das Gefühl den Staub der Wüstenlandschaft zwischen den Zähnen zu spüren. Selbst beim Blick durch das erhältliche Fernglas verschwimmen Elemente im Hintergrund leicht weg. Erneut lassen sich die Entwickler von „Oddworld Inhabitants“ hier keine Butter vom Brot nehmen. Würde es mittlerweile nicht Titel wie Chronicles of Riddick oder Splinter Cell: Chaos Theory mit ihren Bumb-Mapping Effekten geben, würde es hierfür garantiert die Höchstwertung geben.

Oddworld_Strangers_Vergeltung_6Leider konnte mich der in Dolby Digital 5.1 gelieferte Sound nicht vom Hocker hauen. Zwar wurde der Titel voll synchronisiert, die Aussprache der Figuren aber in eine recht schlechte Tonlage gebannt. Hat man hier eine Dolby Anlage mit Center Box, kann man noch halbwegs verstehen, was gesprochen wird. Auf einen Stereo Fernseher geht hier schon öfter was unter. „Stranger“ spricht hierbei in Howdy-Typischer-Manier zu dunkel und die Federviecher oftmals zu hell. Auch die im Hintergrund ablaufenden Soundstücke weisen ein leichtes rauschen auf. Die abrufbaren englischen Stimmen sind hier ebenfalls erneut einen Tick besser, wobei man im gesamten dennoch von einer recht ordentlichen Übersetzung sprechen kann.

Die Steuerung ist in den Optionen üppig einstellbar und reagiert zuverlässig. Je nach Wunsch kann man die Y-Achsen sowohl der Ego- als auch der 3rd.-Person-Kamera einstellen. Vor allem der direkte Wechsel zwischen den Ansichten kann hier gut überzeugen. Über die beiden „analogen Schultertasten“ feuert Ihr das jeweilige Lebewesen auf Eure Gegner ab. Mit „X“ saugt Ihr k.o. gegangene Bösewichter ein. Über „A“ wird gesprungen (2x = Doppelsprung) und über „Y“ geheilt. Nur an einigen Stellen gab es leichte Probleme mit der Nachjustierung der Kamera. Hier verschafft ein Wechsel auf die Ego-Perspektive schnell Abhilfe.



Stefan meint:

Stefan

Hielt ich es zuerst nicht für möglich, ein Action-Adventure flüssig mit einem Ego-Shooter zu paaren, belehrte mich Oddworld: Strangers Vergeltung eines Besseren. Daß es in der „Oddworld“ etwas komisch zugeht, dürfte Kennern der Serie bereits bekannt sein. Hier wird der ganzen Sache aber ein neuer Stempel aufgedrückt. Die Nutzung der lebendigen Munition als I-Tüpfelchen bringt dem Titel eine verdient hohe Wertung ein. Diese wird nur durch die auf Dauer recht gleich bleibende Vorgehensweise sowie die wenigen Gegnertypen und ihre oftmals nicht eben lebendige KI gebremst. Hätte man hier besser gearbeitet, wäre eine hohe Bewertung mehr wahrscheinlich gewesen. Dennoch kommen hier sowohl Freunde der „Oddworld“ als ebenso Ego- und Adventure Fans voll auf Ihre Kosten. Meine Zweifel über die neue Machart wurden auf jeden Fall vollkommen beseitigt, auch wenn dies erst nach ca. zwei Stunden komplett vollzogen war. Da ist es schon wirklich schade, dass sich Lorne Lanning mittlerweile dazu entschloss, die Programmierung von Spielen einzustellen und sich in Zukunft auf das Filmgeschäft konzentrieren zu wollen.

Positiv

  • Grafisch ansprechend
  • Schöne Spielwelt

Negativ

  • Schwache K.I.
Userwertung
9.2 4 Stimmen
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9.2
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Forum
  • von acrid:

    Azazel schrieb: BlackLion schrieb: Bald als Retail aber leider nur für Nintendo 28 Mai Gibt's für PS3 auch retail....

  • von Azazel:

    BlackLion schrieb: Oddworld Strangers Wrath Bald als Retail aber leider nur für Nintendo 28 Mai ...

  • von Darkshine:

    Ich habe mich damals als das HD Remaster erschien gefragt weshalb ein ehemaliger XBOX Exklusivtitel für die PS3 erscheint aber nicht für die 360.

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