Mass Effect 2 im Test

PlayStation3Xbox 360

Shepard ist zurück: Wir begaben uns, zwei Jahre nach den Geschehnissen aus Mass Effect, erneut auf die Normandy, um die Menschheit vor ihrem unglücklichen Schicksal zu retten. Kann Mass Effect 2 die hohen Erwartungen erfüllen?

Mass_Effect_2_11Zwei Jahre, nachdem Commander Shepard die Invasion der Reaper zurückschlug, deren Ziel die Zerstörung allen organischen Lebens war, ist ein neuer geheimnisvoller Feind aufgetaucht. An den Grenzen des bekannten Weltraums entführt irgendjemand ganze Kolonien der Menschen. Jetzt muss er mit der rücksichtslosen Cerberus-Organisation zusammenarbeiten, die sich dem Überleben der Menschheit um jeden Preis verschrieben hat, und die schrecklichste Bedrohung bekämpfen, der das Menschengeschlecht je gegenüberstand. Um bei dieser riskanten Mission überhaupt eine Chance zu haben, muss Shepard ein Team aus den besten Spezialisten der gesamten Galaxie zusammenstellen und das mächtigste Schiff aller Zeiten befehligen. Und selbst dann, so sagt man, wäre es noch Selbstmord. Er will allen beweisen, dass sie unrecht haben.

Soviel zur Story von Mass Effect 2, die fast nahtlos an der des Vorgängers anknüpft. All diejenigen, die sich noch an die Ereignisse aus Mass Effect erinnern oder im Idealfall den ersten Teil sogar kürzlich nochmal spielten, werden also problemlos in die zweite Episode der Trilogie einsteigen können. Passend auch, dass euch die Option gegeben wird, euren Charakter aus Teil 1 zu importieren. Dabei verfügt ihr anschließend ebenfalls über die Möglichkeit sein Aussehen und seine Charakterklasse zu verändern, bevor ihr so richtig bei Teil 2 loslegt. Keine Angst – das macht durch die Geschehnisse in der Story durchaus Sinn. Für den Charakterimport werdet ihr mit Kleinigkeiten belohnt. So startet ihr z.B. mit einem höheren Level (abhängig davon wie weit ihr Shepard im Vorgänger aufleveltet) und erhaltet ebenfalls eine ordentliche Ladung Credits. Nicht unwichtig ist die Tatsache, dass große Entscheidungen die ihr im Antezessor traft, dadurch auch in die Story des Nachfolgers übernommen werden. Man wird sich an Shepard erinnern - jetzt geht es nur noch darum, wie ihr euch im ersten Teil verhieltet.

Mass_Effect_2_16Die ersten +/- 10 Spielstunden verbringt ihr damit, die ersten Kräfte für eure Crew zu rekrutieren und schon leicht an der Oberfläche der großen Spielwelt zu kratzen. Hierbei trumpft Mass Effect 2 gleich auf, denn wie bereits in anderen BioWare Meisterwerken sind auch die Charaktere in diesem Spiel filmreif und sehr abwechslungsreich. Zu den Highlights gehören hier ohne jeden Zweifel Professor Mordin, der mit seinem ganz eigenen Sprachgebrauch für Lacher vor dem Bildschirm sorgt. Oder die absolut eiskalte Killerin Jack, die durch ihren komplett tätowierten Körper heraussticht. Langsam aber sicher wächst die Crew der neuen Normandy. Also liegt es jetzt an und Shepards und Co. Können sich der eigentlichen Bedrohung stellen.

Navigiert wird, wie schon im Vorgänger, über eine Sternenkarte an Bord der Normandy. Sobald ihr das erste Mal auf diese Karte zugreift, stellt sich erneut heraus, wie groß die Spielwelt ist. Sie unterteilt sich in vier Ebenen und wer hier alles entdecken will, wird eine ganze Weile beschäftigt sein. Wer sein Team ordentlich vorbereitet in den Kampf schicken will, kommt um die Erkundung fremder Welten nicht herum, denn über Sonden könnt ihr mit eurem Schiff diverse Materialien auf den unterschiedlichen Planeten abbauen. Diese benötigt ihr um neue Upgrades für Rüstung, Waffen u.v.m. zu entwickeln. Das Abbauen an sich ist recht unspektakulär gehalten und wird euch relativ schnell langweilen. Es fällt somit also in die Kategorie „notwendiges Übel“. Einziger Lichtblick beim Scannen der fremden Welten ist die Tatsache, dass ihr hin und wieder auf eine Anomalie stoßen werdet, was bedeutet, dass ihr auf diesem Himmelskörper landen und eine Nebenmission bestreiten könnt.

Mass_Effect_2_5In Sachen Gameplay lässt sich Mass Effect 2 erneut sehr leicht in zwei unterschiedliche Erlebnisse einteilen: Rollenspiel und 3rd Person Shooter. Auf verschiedenen Planeten streift ihr umher, führt – BioWare typisch – ellenlange Dialoge mit anderen Individuen, bestreitet kleinere Nebenmissionen wie Botengänge o.ä. und sammelt generell neue Informationen die euch auf eurer großen Reise hilfreich erscheinen. Dabei erkundet ihr nicht nur die renovierte Citadel, sondern auch diverse Großstädte im All, die mit Nachtclubs, vielen Geschäften und diversen anderen Einrichtungen viele Möglichkeiten bieten, seine Zeit außerhalb des roten Fadens zu verbringen. Schön ist dabei vor allem auch, dass man immer wieder auf Menschen oder Aliens trifft, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen an Shepard erinnern. Ein weiterer Grund, warum man bei Mass Effect 2 definitiv im Vorteil ist, wenn man den Vorgänger spieltet.

Während ihr euch mit allen möglichen Charakteren über Gott und die Welt unterhaltet, werden euch natürlich stets diverse Gesprächsoptionen angeboten. Wie gehabt wirken sich eure Reaktionen in Dialogen auf euer Wesen aus, sprich ihr gebt vor ob Shepard ein netter Typ oder ein arroganter Mistkerl sein soll. Dementsprechend werden Punkte verliehen, die es euch – insofern ihr euch für den lieben Shepard entscheidet – das Leben öfters leichter machen. Der Reiz so richtig die Sau raus zu lassen schwebt natürlich ständig über dem Spiel. Ein Element, das BioWare mittlerweile perfektionierte, auch wenn die Entscheidungen in Mass Effect 2 meist nicht so dramatisch sind wie z.B. in Dragon Age Origins.

Mass_Effect_2_21Im Endeffekt läuft es allerdings in fast jeder Mission des Games darauf hinaus, dass lange Reden nicht des Rätsels Lösung sind – Waffen müssen her. Im Kampf steuert ihr Shepard und könnt vor dem Beginn einer Mission zwei Mitstreiter aus den Reihen eurer Crew für diese Aufgabe auswählen. Eure Kollegen haben natürlich alle unterschiedliche Fähigkeiten, abhängig von ihrer Charakterklasse. Und so ist es nicht verkehrt bei der Teamauswahl kurz darüber zu reflektieren was man erwartet und welcher Mann / welche Frau für diese Anforderungen gewappnet ist. Im Gefecht selber lässt sich in die Aktionen der Kollegen insofern eingreifen, dass ihr ihnen befehlen könnt wo sie hingehen und welche Gegner sie mit welcher Waffe oder welchem biotischen Angriff beschäftigen sollen. Das ganze funktioniert über die beiden Bumper des Xbox 360 Pads – alternativ lassen sich bestimmte Aktivitäten auf das digitale Steuerkreuz legen, wodurch der Spielfluss noch eher aufrechterhalten wird. Hilfreich auch, dass die Herren und Damen deutlich cleverer sind als noch im Vorgänger.

Das Gameplay der Kämpfe in Mass Effect 2 unterscheidet sich logischerweise maßgeblich durch die Charakterklasse eures Shepards. Während ein Soldat sich zu 100% auf seine Waffen verlässt und der Techniker lieber auf gezielte Sabotage setzt, verbindet der Wächter viele starke Fähigkeiten unter einem Hut, wodurch klassische Waffen und biotische Kräfte zum Einsatz kommen.

Mass_Effect_2_32Allgemein gültig kann man aber sagen, dass sich Mass Effect 2 am beliebten „aus der Deckung schießen“ Schema, welches spätestens seit Gears of War gerne kopiert wurde, orientiert und Gamer, die nicht selten 3rd Person Shooter spielen, sich somit zuhause fühlen werden. In Deckung gehen läuft über den A-Button des Xbox 360 Pads, genau so schnell ist man auch wieder raus und feuert auf die gegnerischen Horden. Diverse Veränderungen sorgen dafür, dass Mass Effect 2 als Shooter sehr gut funktioniert. So laden eure Schilde und eure Gesundheit z.B. automatisch wieder auf, wenn ihr euch in Schutz befindet und ihr könnt neue Munition jetzt direkt auf dem Schlachtfeld aufsammeln, indem ihr einfach drüber lauft.

Mass Effect 2 setzt seinen Fokus weiter in Richtung Actionspiel, als es der Vorgänger tat, vor allem da einige der RPG Features umstrukturiert bzw. vereinfacht wurden. So wählt man die ausgestatteten Waffen jetzt z.B. vor dem Missionsstart aus, neue findet man während Missionen und schaltet sie an Bord der Normandy frei – genügend Mineralien vorausgesetzt. Welche Rüstung Shepards Körper zieren soll entscheidet ihr in euren privaten Gemächern auf der Normandy – viele verschiedene Farbkombinationen inklusive. Auch die Charakterentwicklung wurde vereinfacht mit weniger Fähigkeiten die aufgelevelt werden können, dafür jedoch mehreren potentiellen Teammitgliedern. Im Endeffekt wurde Mass Effect 2 in dieser Hinsicht einfach nur übersichtlicher gemacht, so dass ihr weniger Zeit in den Menüs und dafür mehr Zeit im eigentlichen Spiel verbringt – eine Entwicklung, die ich definitiv begrüße. Letztlich hängt es am Gamer selber, wie ausgeglichen die beiden Spielaspekte sind – wer sich an den vielen Gesprächsmöglichkeiten erfreut, kann einige Stunden verbringen, ohne auch nur eine Waffe in die Hand zu nehmen. Auf der anderen Seite können die Dialoge natürlich ebenso auf ein Minimum begrenzt werden, wodurch die Action natürlich im Vordergrund steht. Der Spieler kann sich hier also austoben und Mass Effect 2 so zu dem Erlebnis machen, das er haben will.

Mass_Effect_2_10In technischer Hinsicht begeistert Mass Effect 2 vor allem durch die Gesichtsanimationen der Charaktere. Die waren schon vor zwei Jahren im Vorgänger beeindruckend, heute erreichen sie das nächste Level. Auch beim generellen Design der Charaktere übertrifft sich BioWare erneut selber: Egal wie skurill die unterschiedlichen Rassen im Mass Effect 2 Universum aussehen oder gekleidet sind, alles wirkt extrem authentisch und man kauft es den Entwicklern sofort ab. Das gleiche gilt natürlich auch für die Locations, egal ob das verruchte Omega mit seinem atmosphärischen Nachtclub Afterlife oder die rekonstruierte Citadel voller ehrwürdiger Bürger. Man genießt einfach, durch diese Welten zu wandern und eine große Geschichte zu erleben. Wirkungsvolle Farbenspiele mit satten Tönen in Kombination mit grellen Lichtern und anderen Stilmitteln verleihen den Ortschaften an die ihr reist ganz persönlichen Charme und schaffen es ebenso, euch direkt wissen zu lassen was ihr von einem bestimmten Ort erwarten dürft. Mass Effect 2 sieht nicht einfach nur gut aus, es ist ein künstlerisches Meisterwerk.

Beim Sound vertraut man auf Bewährtes und setzt erneut auf einen Soundtrack der an 80‘s Synthiepop mit allen möglichen anderen musikalischen Genres verknüpft. Wodurch eine eigenartige aber für ein futuristisches SciFi Epos durchaus glaubwürdige Begleitung entsteht. Auf der deutschen Xbox 360 Fassung von Mass Effect 2, die sich übrigens auf zwei DVDs ausbreitet, ist nur die deutsche Sprachausgabe des Spiels zu finden. Zwar hatte BioWare angekündigt, dass die englische Sprachausgabe zum Release via Xbox Live zum Download angeboten werden soll, dies ist bislang allerdings nicht der Fall. Falls ihr Mass Effect 2 so genießen wollt, wie die Entwickler es sich gedacht haben, solltet ihr also entweder zur UK Version greifen oder warten bis der Englisch Download endlich erhältlich ist. Denn eine echte Starbesetzung wurde für Mass Effect 2 verpflichtet. Als Hightlights sind hier u.a. Tricia Helfer als EDI, die KI der Normandy, und Yvonne Strahovski als Miranda Lawson, sexy australischer Akzent inklusive. An dieser Stelle nochmal ein kleines Video das euch klar macht was ihr verpasst, solltet ihr Mass Effect 2 auf Deutsch spielen:

Mass_Effect_2_20Die deutsche Sprachausgabe ist auf keinen Fall dramatisch und gehört ohne jeden Zweifel auch zu den besseren Synchros in Videospielen, aber an das englische Original kommt sie nicht ran. Zu emotionslos sind die meisten der Sprecher, zu wenig Spielraum bei Betonungen. Und vor allem die Tatsache, dass die deutsche Stimme von Commander Shepard aus dem Vorgänger einfach ausgewechselt wurde, dürfte bei den Spielern die Mass Effect auf Deutsch gespielt haben nicht gut ankommen. Vorbildlich an dieser Stelle noch der Fakt, dass zumindest weitestgehend die deutschen Stimmen aus Film und Fernsehen für die echten Sprecher integriert wurden. Sprich Carrie-Anne Moss‘ deutsche Stimme in Mass Effect 2 ist z.B. die gleiche wie die von Trinity in der deutsprachigen Matrix.




Gregory meint:

Gregory

Mass Effect 2 ist nicht nur ein in beinahe sämtlichen Punkten verbesserter Nachfolger, es ist ein phänomenales SciFi Epos, welches den Spieler komplett in seinen Bann zieht. Nur bei wenigen Games  erwischte ich mich im Alltag dabei, wie ich über meine nächsten Handlungen in der jeweiligen Spielwelt nachdenke. Mass Effect 2 gehört zu dieser elitären Gruppe von Titeln, die eine derart faszinierende und visionäre Welt sowie Atmosphäre aufbauen, der man sich komplett hingeben kann. Die Story wird durch starke Charaktere getragen und bringt Erlebnisse mit sich, die man als Spieler so schnell nicht vergessen wird. Stellt sich nur die Frage, wie BioWare das im letzten Kapitel der Trilogie noch toppen will – ich bin gespannt.

Positiv

  • Authentische und visionäre Spielwelt
  • Tolle Fortsetzung der Story mit starken Charakteren
  • Weitreichende Entscheidungsgewalt

Negativ

  • Beschränkte Kontrolle über Teamkollegen im Kampf
  • Ziemlich langweiliges Minispiel zum Mineralabbau

Andreas meint:

Andreas
Leider bin ich hier gänzlich anderer Meinung als Kollege Gregory. In meinen Augen muss man feststellen, dass Mass Effect 2 einfach kein Rollenspiel mehr ist. Praktisch alle Elemente, die den ersten Teil noch so interessant machten (Cooles Equipment finden und modifizieren, ausgedehnte Charakter Entwicklung, klassisches Upleveln durch Gegnerschnetzeln) wurden gestrichen. Stattdessen haben wir es hier mit einem Shooter mit viel Story und toller Grafik, aber für Shooterverhältnisse bestenfalls durchschnittlicher Spielmechanik zu tun. Hinzu kommen noch die unsäglichen Planetenscan-Nervereien und eine lahme Geschichte. Ich kann nur sagen, dass ich den ersten Teil an die 7 Mal auf allen Schwierigkeitsgeraden durchgespielt habe. Bei Mass Effect 2 habe ich mich nach dem ersten Durchlauf einfach nur noch maßlos geärgert, dafür überhaupt Geld ausgegeben zu haben. Wenn BioWare diesen Weg weitergeht, dann findet der dritte Teil ganz klar ohne mich statt.

Kai meint:

Kai
Bereits nach den ersten Spielminuten erfasste mich ein absolutes Wow-Feeling. Durch die zahllosen cineastischen Zwischensequenzen und Dialoge wird eine unglaublich dichte Atmosphäre erzeugt. Sämtliche Protagonisten beeindrucken mit zahllosen Details und einem realistischen Minenspiel, noch eindrucksvoller ist jedoch die umfangreiche Charakterzeichnung. Man hat das Gefühl mit einem richtigen Lebewesen zu interagieren - keiner seelenlosen KI-Attrappe, die zwei bis drei vordefinierte Wortfetzen zum Besten gibt. So machen die Interaktion mit den unterschiedlichen Bewohnern der Galaxie, die Beziehungspflege mit der Mannschaft und die fortschreitende interaktive Hintergrundgeschichte für mich auch den eigentlichen Reiz von Mass Effect 2 aus.

Gleichwohl kann ich Andreas Kritik teilweise nachempfinden. Die Shooter-Sequenzen erinnern eher an eine leicht hakelige Version von Uncharted oder Gears of War, denn an ein Rollenspiel. Das Kampfsystem bietet durchaus Tiefgang und Raffinessen, so lässt sich das Spielgeschehen jederzeit pausieren und den Mitstreitern genaue Instruktionen geben, welche Spezialfähigkeit als nächstes angewendet werden soll. Zumindest auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist das jedoch nicht nötig. Meist reicht es aus, den Lieblings-Ballermann zu wählen, evtl. noch die Munition anzupassen und die Gegner scharenweise umzunieten.
Nichts desto trotz - Freunde einer offenen Spielwelt greifen ebenso zu wie Story-Fanatiker, die Heavy Rain mittlerweile in- und auswendig kennen.
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Forum
  • von aldi404:

    Der ME3 Multiplayer macht immer noch Spaß, hoffentlich wollen die Belgier den nicht auch noch verbieten, wegen der Lootboxen. ...

  • von Black Sun:

    Macht man aber afaik nur, wenn man etwas ungünstig zwischen den Planeten hin und her springt. Folgt man halbwegs dem Quest/Story Aufbau, wechselt man nicht wirklich oft die DVD.

  • von BlackLion:

    Nein habe ich nicht installiert :-)) War bei Teil 2 auch schon so man legt Nr 1 ein dann Nr 2 dann wieder Nr 1,dann wieder Nr 2...

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