King of Fighters '94 im Test

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The King of Fighters. Kaum einem Videospiel-Fan ist diese Kampfspiel-Reihe kein Begriff. Speziell die Ableger aus den Jahren 1998 und 2002 erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit und schlugen bei ihrem Erscheinen in der Fighting Game-Gemeinde hohe Wellen.

king-of-fighters-94_01Die Wurzeln der Serie und des uns vorliegenden Erstlings finden sich allerdings nicht etwa im namensgebenden Jahre 1994. Bereits 3 Jahre zuvor lud seines Zeichens Herrscher über die Unterwelt von Southtown und kriminelles Genie, Geese Howard, zum ersten King of Fighters-Turnier. Nebenbei bemerkt eine Entscheidung, die er, spätestens bei seiner unfreiwilligen Sprungeinlage vom Geesetower, vermutlich bereute.

Schon ein Jahr später ließ ein mysteriöser Adliger deutscher Herkunft das Turnier erneut aufleben. Als Schauplatz diente dieses Mal die ganze Welt, der Name des Events blieb jedoch unangetastet.

Fungierten Teil 1 und 2 noch als Wegbereiter, gab das 1993 erschienene Fatal Fury Special schließlich den Ausschlag für die Entwicklung des ersten Crossover-Spiels der Fighting Game-Geschichte. Brachte der geneigte Zocker es nämlich tatsächlich fertig, das komplette Spiel zu meistern, ohne auch nur eine Runde zu verlieren, erwartete ihn nach dem finalen Boss ein zusätzlicher Bonusgegner: Niemand geringerer als Art of Fighting-Protagonist Ryo Sakazaki!

Die Fans waren darüber, gelinde gesagt, ziemlich aus dem Häuschen. Terry gegen Ryo! Wow! Welcher SNK- und Fighting Game-Enthusiast stellte sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht die Frage, welcher der beiden Haudegen in einem direkten Kampf wohl die Oberhand behalten würde?

king-of-fighters-94_06Aufgrund jener Euphorie traf SNK eine folgenschwere Entscheidung: Lassen wir doch die komplette Heldenriege der beiden Titel aufeinander los! Und da sowohl Art of Fighting als auch Fatal Fury der selben Zeitlinie angehören, lag es nahe, den Spross dieser Vereinigung einfach mit dem Namen des Turniers zu taufen, in welchem sich beide Heldentrupps bereits beweisen mussten.

Somit war KoF geboren. Und da das Spiel 1994 auf die Arcades losgelassen wurde, ergänzte man den Titel kurzerhand um jene Jahreszahl, nicht wissend, dass auf ihrer Basis Unmengen von Sequels das Licht der Welt erblicken würden. Und nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die hungrigen Wölfe Terry, Andy und Joe das Fundament des Spiels stellten, entschied man sich für ein 3er-Team- statt dem, bis dato üblichen, Einzelkämpfer-Konzept.

Da ein reines FF vs. AoF-Spiel auf Dauer jedoch nicht unbedingt für Kurzweil sorgt, erweiterte man, unter Beachtung des Crossover-Konzepts, das Roster um weitere Teams, allesamt bestehend aus diversen SNK-Persönlichkeiten. Interessant hierbei ist, dass sich jene keineswegs ausschließlich auf Kampfspiel-Charaktere beschränken. Folgende Teams durften sich über eine exklusive Einladung zum aktuellen King of Fighters-Turnier freuen:
 

Fatal Fury (Italien): Bestehend aus den drei Hauptcharakteren der gleichnamigen Reihe: Terry und Andy Bogard sowie ihrem Kumpel Joe Higashi.

Art of Fighting (Mexiko): Ryo Sakazaki, Daddy Takuma und Freund der Familie Robert Garcia.

Psycho Soldiers (China): Athena Asamiya und Sie Kensou, ihres Zeichens Protagonisten des SNK-Jump 'n Shoots ‚Psycho Soldier’. Drunken Master Chin Gentsai begleitet die Jungspunde in die Schlacht.

Sports Team (USA): Bestehend aus Vertretern der beliebtesten US-Sportarten. Heavy D vertritt den Boxsport, Brian Battler zeigt den Gegnern, wie American Football auszusehen hat und Basketball-Legende Lucky Glauber (ursprünglich aus dem Spiel ‚Street Hoop’!) bedient sich seines Arbeitsgerätes, um ihnen die Hölle heiß zu machen.

Korea Team (Korea): Kim Kaphwan, beliebter Tae Kwon Do-Meister und Verfechter alles Guten aus Fatal Fury 2/Special, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Charakter der ehemaligen Schwerverbrecher Chang Koehan und Choi Bounge neu zu formen.

Ikari Warriors (Brasilien): Die Protagonstigen Ralf Jones und Clark Steel aus dem gleichnamigen Run ‚n Gun-Shooter, verbünden sich mit ihrem Vorgesetzten und Kriegsveteranen Heidern, um den Titel zu erringen.

Womens Team (England): SNKs Beauties schmieden eine Allianz, um ihren männlichen und leicht chauvinistisch veranlagten Kollegen Paroli zu bieten. Im Detail handelt es sich um Kunoichi Mai Shiranui, Türsteherin und Kickbox-Champ King sowie Ryo Sakazakis jüngere Schwester Yuri.

Hero Team (Japan): Drei Original-Charaktere! Kyo Kusanagi, Meister der Flammen, Benimaru Nikaido, Herrscher über die Elektrizität und, im krassen Gegensatz dazu, der vergleichsweise bodenständige Judo-Meister Goro Daimon.
 

king-of-fighters-94_04Habt ihr euch für eines der Dreiergespanne entschieden, dürft ihr, bevor es in die Schlacht geht, noch die Reihenfolge eurer Haudegen festlegen. Dies dient zum einen dazu, simples Counterpicking zu betreiben (auf die Reihenfolge des Gegners mit einem vermeintlich stärkeren eigenen Charakter antworten) und hat zum anderen einen psychologischen Effekt. Echte taktische Möglichkeiten, wie es sie in diversen Sequels bietet (Ankercharaktere etc.), eröffnete dieses Feature dem Spieler hier noch nicht.

Danach findet sich eurer Trupp auch schon auf dem Kampfschauplatz wieder. Jene sind ausnahmslos wunderschön gezeichnet und strotzen nur so vor Details. Speziell Mexiko und Japan mit ihren zahlreichen handgezeichneten Zuschauern (keine Clones!) seien hier erwähnt. In der Tat handelt es sich auch heute noch um einige der hochwertigsten Hintergründe, die man im 2D-Bereich finden kann.

Spielerisch haben wir es mit einem typischen King of Fighters zu tun. (A) und (C) sorgen für flotte und harte Schläge, (B) und (D) sind für die Kick-Pendants zuständig. Die Steuerung eurer Kämpen gestaltet sich präzise und butterweich, nie hat man das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Die hochkomplexen, ellenlangen Combos der späteren Sequels fehlen hier natürlich gänzlich, bedient sich KoF '94 doch einer stark modifizierten Version von Fatal Fury Specials Kampfengine. Lediglich einige wenige Moves lassen sich kombinieren (diese teils allerdings sehr wirkungsvoll).

Gekämpft wird ausschließlich in der von euch festgelegten Reihenfolge. Gehen einem eurer Recken die Lichter aus, springt unmittelbar der Nachfolger ein. Echtzeitwechsel à la KoF 2003 und XI gibt es nicht.

Eure Teammitglieder, welche euren ruhmreichen Sieg (oder schmachvolle Niederlage) vom Rand des Kampfschauplatzes verfolgen, sind allerdings keine reinen Statisten. Werdet ihr im Laufe des Fights einmal gehalten oder Opfer eines Dizzy (kurzzeitige Benommenheit), könnt ihr, per Druck auf (A) und (B) gleichzeitig, einen eurer Kameraden zu Hilfe rufen.

king-of-fighters-94_07Nicht lumpen ließ sich SNK bei der Präsentation ihres potentiellen Blockbusters. Vom Intro, welches, sowohl in Sachen Länge als auch Qualität, alles bisher dagewesene in den Schatten stellte bis hin zu den genialen Stage-Eröffnungssequenzen, die den jeweiligen Schauplätzen ordentlich Persönlichkeit verleihen, ist diese als ausgesprochen gelungen zu bezeichnen. Jener hervorragende Eindruck setzt sich auch beim musikalischen Aspekt fort. Selten hat man Hintergrundmusik gehört, die so perfekt zu den jeweiligen Stages passt und dazu noch eine derartige Ohrwurmqualität besitzt. Als Beispiel sei hier Esaka, das Thema des Japan-Teams, genannt.

Soundtechnisch gibt es ebenfalls nichts zu meckern, die Voice Samples sind ausnahmslos glasklar (oder zumindest das, was man anno '94 darunter verstand) und die Treffersounds vermitteln ein ausgezeichnetes Feedback. Richtet man einem Gegner beispielweise mit Terrys standing far (D) (hard Kick) den Unterkiefer neu aus, verschafft der Sound exakt die Genugtuung, die man sich von diesem Move erwartet. :-)

Summa Summarum haben wir hier einen echten Klassiker, der, nicht zuletzt dank seiner exzellenten Spielbarkeit, auch heute, satte 17 Jahre später, noch ähnlich viel Spaß macht, wie seinerzeit zum Release. Zumindest im Versus-Mode. Solisten dürften am typischen frühneunziger Arcade-Schwierigkeitsgrad gehörig zu knabbern haben, spätestens bei Endboss Rugal ist für die meisten wohl Feierabend.

Technisch reißt King of Fighters '94 natürlich keine Bäume mehr aus, insbesondere die Animationen der Charaktere und die Effekte der diversen Moves lassen zu wünschen übrig. Allerdings tut dies der superben Zeichenqualität, speziell bezüglich der Hintergründe, keinen Abbruch. 2D-Enthusiasten kommen zweifellos auf ihre Kosten, sofern sie sich mit dem eigenwilligen Stil anfreunden können.

 



Nico meint:

Nico

Genrefans sollten also in jedem Fall einen Blick riskieren, auch wenn sie mit dem angestaubten Combosystem und der eher gemächlichen Spielgeschwindigkeit nicht wirklich etwas anfangen können. Immerhin sprechen wir hier von einem echten Innovator des Genres und dem Auftakt einer legendären Reihe.

 

Positiv

  • Hintergründe
  • Spielbarkeit
  • Musikuntermalung

Negativ

  • kein Team-Edit
  • hölzerne Animationen
Userwertung
8.8 22 Stimmen
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Forum
  • von khaos:

    Schönes Review inkl. Geschichtsstunde Weil man die Teams nicht mischen kann, zocke ich es heute nicht ganz so gern. Die Nachfolger 95 und 96 sind auch noch deutlich retro'iger als 97 und 98, haben auch extrem coole Hintergründe und eine bessere Kämpferauswahl....

  • von Civilisation:

    Und wieder hat SNK die besten Kämpfer versammelt, um den King of Fighters zu finden. Und Nico berichtet darüber. King of Fighters '94 The King of Fighters. Kaum einem Videospiel-Fan ist diese Kampfspiel-Reihe kein Begriff. Speziell die Ableger aus den Jahren 1998 und 2002...

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