Es gibt Spiele, die man am liebsten in zwei Hälften zerreißen möchte - nicht aus Wut, sondern weil sie derart unterschiedlich sind, dass beide Hälften für sich allein interessanter wären als in seiner Gesamtheit. Skautfold: Moonless Knight, der vierte Teil der von Steve Gal unter dem Label Pugware entwickelten Indie-Serie, ist ein solches Spiel. Ursprünglich 2020 für den PC erschienen und 2026 via Red Art Games auf Konsolen portiert, ist es ein Metroidvania, das seine Vorbilder mit offensichtlicher Leidenschaft liebt - und dabei mitunter vergisst, eine eigene, unverwechselbare Identität zu entwickeln.
Die Ausgangssituation ist atmosphärisch stark. Man übernimmt die Rolle von Gray von Reuenthal, dem zweiten Ritter des Angelischen Kaiserreichs Britannias, der im Jahr 1900 in einer alternativen Zeitlinie zu einer Diplomatiemission nach Japan aufbricht. Was wie ein schlichter Staatsbesuch beginnt, entpuppt sich schnell als kosmischer Alptraum: Lunatische Kultisten destabilisieren das Kaiserreich, eldrische Kreaturen überfluten den Kaiserpalast, und der Mond selbst, aufgebrochen und korrumpiert, hängt als gespaltenes Symbol des Wahnsinns am Himmel. Das Worldbuilding vermengt britischen Imperialismus, japanische Kultur und lovecraft'sche Kosmologie zu einem konzeptuell originellen Gemisch, das auf dem Papier außerordentlich vielversprechend klingt. Das Spiel setzt auf politische Spannung inmitten kosmischen Grauens: Fraktionen mit undurchsichtigen Vorhaben bevölkern den Palast, Verbündete sind bestenfalls temporäre Zweckallianzen, und die Erzählung fühlt sich weniger wie eine lineare Geschichte an, als wie ein verstricktes Geflecht aus Ideologie und Verzweiflung. Was ich vorher nicht wusste: Moonless Knight ist bereits der viertte Teil einer Reihe, die mit Shrouded in Sanity, Usurper und Into the Fray begonnen hat, die allerdings nur eine lose Verbindung miteinander haben.
Das Herzstück von Moonless Knight ist das sogenannte Guard-System. Es dreht sich um präzises Blocken und Ausweichen, wobei ein schlecht getimter Fehler nicht nur Lebenspunkte kostet, sondern die gesamte defensive Stabilität des Charakters untergräbt. Wer in Panik verfällt, wird verwundbarer. Ein Schneeballeffekt, der den Spieler zwingend zu Bedacht und Vorausschau anhält. Ergänzt wird dieses System durch sogenannte Vitae-Injektionen, die kurzfristig Gesundheit regenerieren oder die Angriffskraft steigern können, dabei aber langfristige Stabilität kosten. Diese Spannung zwischen Überleben und Aggression ist das beste, was das Spiel zu bieten hat: Wenn das Guard-System klickt, fühlt sich jedes Gefecht präzise, durchdacht und zutiefst befriedigend an. Es ist kein Kampfsystem, das auf rohe Kraft setzt. Es belohnt Besonnenheit unter Druck und so wird dem Spieler doch einiges an Taktik abverlangt.
Leider braucht es eine gewisse Zeit, bis dieses System wirklich funktioniert. Die Lernkurve in den ersten Stunden ist steil und kann frustrierend sein. Das Spiel erklärt seine Mechaniken kaum und setzt auf das Prinzip des geduldigen Beobachtens und Scheiterns. Wer diesen Weg bereit ist zu gehen wird belohnt. Wer jedoch auf schnelle Erfolge setzt, wird rasch abgeschreckt. Spielerisch ist Moonless Knight ein Semi-Open-Metroidvania, das auf eine flexible Erkundungsstruktur setzt. Der Oda-Kaiserpalast ist labyrinthartig verschachtelt, mit versteckten Pfaden, und vertikaler Tiefe. Die gelegentlichen Bosskämpfe können in unterschiedlicher Reihenfolge angegangen werden, was dem Spiel eine erfreuliche Wiederspielbarkeit verleiht. Visuell verbindet das Spiel gotische Architektur mit lovecraftesker Ästhetik und japanischer Zeremonialpracht. Obwohl die Grafik als solches eher schlicht wirkt, besitzt es so eine eigenartige, bedrohliche Schönheit.
Leider stehen diese Stärken oft im Schatten einer weniger erfreulichen Wahrheit. Die Erzählung, die so vielversprechend beginnt, verliert sich zunehmend in einem Dschungel aus Loretexten und uninspirierten Dialogen. Grays Persönlichkeit bleibt blass, und die kosmischen Antagonisten liefern kryptisches Gebrabbel über das Unfassbare, das am Ende zu wenig tatsächliche Faszination erzeugt. Das Spiel ist inhaltlich reich, aber emotional arm. Es mangelt an Charakterentwicklung, und die thematischen Anleihen bei Lovecraft wirken bisweilen zu generisch, um wirklich zu erschrecken oder zu fesseln. Mönche, Tengu, Majin, und dann eine Handvoll rätselnde Außerirdische, die sich über kosmische Unfassbarkeit auslassen. Das Grundgerüst der Handlung funktioniert, aber es reißt nicht mit. Hinzu kommen handwerkliche Schwächen, die den Gesamteindruck trüben. Das Skript enthält Fehler, die Steuerung ist stellenweise ungelenk, und die Präsentation entspricht nicht immer dem Niveau der konzeptuellen Ambition. Auf Konsolen läuft das Spiel technisch anständig, gelegentliche Framedrops in hektischen Kämpfen stören aber den Spielfluss merklich. Hier merkt man, dass Moonless Knight ein Indieprodukt mit begrenzten Ressourcen ist. Was keineswegs als Entschuldigung gemeint ist, aber erklärt, warum die Umsetzung hinter der Vision zurückbleibt.
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Michael meint:
Insgesamt ist Skautfold: Moonless Knight ein Spiel der Widersprüche. Es ist atmosphärisch und ungeschliffen, ehrgeizig und ungleichmäßig, konzeptionell reich und handwerklich holprig. Für Spieler, die Freude daran finden, fehlerhafte aber faszinierende Indiespiele zu sezieren, steckt hier definitiv etwas Sehenswertes. Die Welt ist eigenartig und einzigartig, die Systeme sind unkonventionell, und der Ton hebt es von den meisten modernen Metroidvanias deutlich ab. Wer allerdings präzise ausgearbeiteten Kampf, verfeinerte Erkundung oder eine kohärente Erzählung sucht, wird sich hier eher wie ein Beobachter einer Kuriosität fühlen als wie jemand, der eine Empfehlung erhält. Moonless Knight ist kein Meisterwerk, aber es ist auch kein vergessenswertes Spiel. Es ist das Werk eines Entwicklers, der mehr will als er kann, und der dabei trotzdem etwas erschafft, das sich von der breiten Masse abhebt.
Positiv
durchdachtes Guard System
originelles Setting
Metroidvania Struktur belohnt ausgiebiges Erkunden
Negativ
Steile Lernkurve und kaum Erklärung der Mechaniken
Insgesamt ist Skautfold: Moonless Knight ein Spiel der Widersprüche. Es ist atmosphärisch und ungeschliffen, ehrgeizig und ungleichmäßig, konzeptionell reich und handwerklich holprig. Für Spieler, die Freude daran finden, fehlerhafte aber faszinierende Indiespiele zu sezieren, steckt hier definitiv etwas Sehenswertes. Die Welt ist eigenartig und einzigartig, die Systeme sind unkonventionell, und der Ton hebt es von den meisten modernen Metroidvanias deutlich ab. Wer allerdings präzise ausgearbeiteten Kampf, verfeinerte Erkundung oder eine kohärente Erzählung sucht, wird sich hier eher wie ein Beobachter einer Kuriosität fühlen als wie jemand, der eine Empfehlung erhält. Moonless Knight ist kein Meisterwerk, aber es ist auch kein vergessenswertes Spiel. Es ist das Werk eines Entwicklers, der mehr will als er kann, und der dabei trotzdem etwas erschafft, das sich von der breiten Masse abhebt.