SINce Memories: Off The Starry Sky im Test

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SINce Memories: Off the Starry Sky ist ein spätes, aber bemerkenswertes Lebenszeichen einer Serie, die im Westen jahrzehntelang praktisch unsichtbar geblieben ist. Die Memories-Off-Reihe existiert seit Ende der Neunziger und hat inzwischen weit über ein Dutzend Ableger hervorgebracht, ohne dass je einer davon offiziell ins Englische oder Deutsche übersetzt wurde, da sie bisher nur in Japan erschien. Bis heute.

SINce-Memories-Off-The-Starry-Sky-03Mit diesem Titel ändert sich das zum ersten Mal, und der Publisher hat sich bewusst für einen Einstiegspunkt entschieden, der keinerlei Vorwissen voraussetzt. Man merkt dem Spiel an, dass es als eigenständige Geschichte konzipiert wurde. Zwar wird hier und da mit kleinen Anspielungen an ältere Titel kokettiert, man lässt aber niemanden im Regen stehen, der zum ersten Mal mit der Serie in Berührung kommt. Im Zentrum steht Junya Mizumoto, ein Studienabbrecher beziehungsweise Student, der ein Jahr zuvor den tödlichen Autounfall seines älteren Bruders miterlebt hat und seither mit dieser Erfahrung hadert. Die Geschichte spielt in seiner Heimatstadt Sumisora, wohin er zurückkehrt und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält, während er nach und nach wieder Kontakt zu einer Reihe von Frauenfiguren aufnimmt, die jeweils eigene, tiefere Handlungsstränge erhalten. Angestoßen wird die eigentliche Haupthandlung durch das Auftauchen einer mysteriösen jungen Frau namens Azusa, die Junya offen für den Tod seines Bruders verantwortlich macht. Warum sie diese Anschuldigungen macht, bleiben zunächst ein Rätsel und werden zunächst kaum näher erläutert. Dieses Rätsel um die wahren Umstände des Unfalls zieht sich als roter Faden durch das gesamte Spiel und verleiht der ansonsten eher gemächlichen Coming-of-Age-Erzählung eine spürbare Spannungskomponente. Wer hier auf schnelle Auflösung hofft, wird allerdings enttäuscht, denn das Spiel lässt sich mit dem Offenlegen der Hintergründe außerordentlich viel Zeit.

SINce-Memories-Off-The-Starry-Sky-04Genau diese Langsamkeit ist wohl das prägendste Merkmal des gesamten Erlebnisses, im Guten wie im Schlechten. Wer sich auf ruhige Alltagsszenen, ausführliche Dialoge und eine ganz allmählich wachsende Vertrautheit zwischen den Figuren einlassen kann, wird mit einer angenehm reifen, fast schon literarischen Atmosphäre belohnt. Hier wird bewusst auf die aufdringliche Fanservice-Attitüde vieler anderer Genrevertreter verzichtet, was positiv auffällt. Es geht spürbar mehr um Verlust, Trauer und emotionale Heilung als um romantische Eskapaden. Wer allerdings zügigeres Erzähltempo gewohnt ist, könnte an der schieren Länge einzelner Abschnitte verzweifeln. Hier werden scheinbar belanglose Alltagsszenen minutenlang geradezu zelebriert, bevor die Handlung überhaupt einen nennenswerten Schritt vorankommt. Manche Spieler dürfte diese Gangart faszinieren, andere werden das ziemlich ermüdend finden. Spielerisch bewegt sich der Titel im klassischen Rahmen des Genres: Man liest Text, betrachtet aufwendig gestaltete Standbilder und trifft an bestimmten Punkten Entscheidungen, die über den weiteren Verlauf und letztlich über gute, neutrale oder schlechte Enden der jeweiligen Charakterroute bestimmen. Interessant ist dabei ein kleiner, aber wirkungsvoller Kniff: Oft geht es weniger darum, was Junya sagt, sondern wie er es sagt. Viele Dialogoptionen führen inhaltlich zur gleichen Grundaussage, unterscheiden sich aber danach, ob er sich direkt und unverblümt oder eher taktvoll und zurückhaltend äußert. Das sorgt für eine angenehme Illusion von Kontrolle über die Persönlichkeit der Hauptfigur, auch wenn die groben Handlungsstränge letztlich vorgegeben bleiben. Wer den Überblick über die verschiedenen Verzweigungen behalten möchte, muss allerdings selbst Buch führen, denn ein Flowchart, eine Charakterübersicht oder ein Glossar zur Spiellore sucht man vergeblich. Immerhin erlaubt ein großzügiges Speichersystem, verpasste Abzweigungen ohne größeren Aufwand nachträglich zu erkunden.

SINce-Memories-Off-The-Starry-Sky-05Die Optik gehört zweifellos zu den Stärken des Spiels. Die Hintergrundgrafiken sind in warmen, weichen Farben gehalten und vermitteln eine stimmungsvolle, fast schon nostalgische Kleinstadtatmosphäre. Während die Charakterporträts detailreich und ausdrucksstark ausfallen, wenn auch gelegentlich etwas glatt und in ihrer Mimik nicht immer ganz natürlich wirken. Untermalt wird das Ganze von einem Soundtrack aus der Feder von Takeshi Abo, der durch seine Arbeit Wei Steins:Gate oder die japanischen FM Towns Fassungen der Lands of Lore Titel bereits einen Namen hat. Jede Hauptfigur erhält ein eigenes musikalisches Thema und auch wenn die Kompositionen insgesamt nicht ganz an die einprägsamsten Momente seines sonstigen Schaffens heranreichen, erfüllen sie ihren Zweck zuverlässig und tragen entscheidend zur ruhigen, warmen Grundstimmung bei. Die vollständige Vertonung, die selbst Junyas Zeilen in Traumsequenzen einschließt, runden die audiovisuelle Präsentation angenehm ab. Weniger überzeugend fällt leider die englische Lokalisierung aus, auf der letztlich auch andere Übersetzungen basieren dürften. An mehreren Stellen wirken Sätze holprig konstruiert, gelegentlich schleichen sich sogar Tippfehler ein, was dem ansonsten sorgfältig aufgebauten Ton des Spiels durchaus schadet. Auch inhaltlich zeigt sich das Spiel nicht durchgehend auf gleichbleibendem Niveau: Während einige der Heldinnenrouten wirklich anrührende, glaubwürdige Charakterentwicklungen bieten, wirken andere merkwürdig konstruiert. Sie ziehen sich unnötig in die Länge oder greifen auf dramatische Wendungen zurück, deren Handlung vielmehr künstlich eingesetzt wirken, als für Spannung zu sorgen. Diese Schwankungen in der Erzählqualität sind wohl der größte Kritikpunkt an einem Spiel, das an anderer Stelle durchaus Herz und Sorgfalt erkennen lässt.

 

Michael meint:

Michael

Unterm Strich bleibt SINce Memories: Off the Starry Sky ein zwiespältiges, aber keineswegs uninteressantes Erlebnis. Als erster offizieller Ausflug der Memories-Off-Reihe in den Westen erfüllt es seine Aufgabe als zugänglicher Einstiegspunkt zuverlässig. Auch wenn es storytechnisch nicht durchgehend die Reife und Konsequenz erreicht, die man sich von einer so lange etablierten Serie erhofft hätte. Grundsätzlich sollte man Geduld für ein sehr gemächliches Erzähltempo mitbringen und sich an gelegentlichen Textschwächen nicht stören. Wer grundsätzlich Gefallen an ruhigen, charakterorientierten Geschichten über Verlust, Freundschaft und langsam erblühende Zuneigung findet, wird hier durchaus etwas finden, das im Gedächtnis bleibt. Wer hingegen zügige Spannungsbögen und knackige Wendungen bevorzugt, dürfte schon nach den ersten Kapiteln die Geduld verlieren. Insgesamt ist das Spiel eher eine solide, atmosphärisch überzeugende, aber inhaltlich unausgewogene Vision einer Serie, die im Westen hoffentlich noch mehr Aufmerksamkeit erhalten wird.

Positiv

  • Stimmungsvolle, warme Grafik mit detailreichen Charakterdesigns und atmosphärischen Hintergründen
  • Gelungener Soundtrack von Takeshi Abo mit eigenen Themes für jede Figur
  • Reifere, ruhigere Erzählweise mit Fokus auf Trauer und Heilung statt plumpem Fanservice

Negativ

  • Sehr langsames Erzähltempo, das viele Spieler ermüden kann
  • Holprige Übersetzung mit gelegentlichen Tippfehlern und unsauberen Formulierungen
  • Uneinheitliche Qualität der einzelnen Charakterrouten, teils mit künstlich wirkenden dramatischen Wendungen
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SINce Memories: Off The Starry Sky Daten
Genre Adventure
Spieleranzahl 1
Regionalcode -
Auflösung / Hertz 1080p
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 2024-10-23 00:01:51
Vermarkter -
Wertung 6.3
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