Goosebumps: Terror in Little Creek im Test

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Es gibt wohl kaum jemanden, der in den 90ern aufgewachsen ist und nicht mindestens ein Goosebumps-Buch (auf Deutsch Gänshehaut) in der Hand hatte. Die schaurigen Geschichten von R.L. Stine haben eine ganze Generation geprägt und waren für viele die perfekte Mischung aus Gruseln und Unterhaltung, ohne dabei zu übertreiben. Mit Goosebumps: Terror in Little Creek versuchen die Entwickler von PHL Collective und Publisher GameMill Entertainment nun, diese nostalgische Atmosphäre in ein interaktives Erlebnis zu verwandeln. Das Ergebnis ist ein Spiel, das zwar die richtige Stimmung trifft und Fans der Reihe durchaus unterhalten kann, aber gleichzeitig unter veralteten Gameplay-Konzepten und frustrierenden Designentscheidungen leidet.

Goosebumps-02Die Geschichte setzt uns in die Rolle von Sloane Spencer, einem Teenager, der sich plötzlich in der Stadt Little Creek wiederfindet, die von seltsamen Ereignissen heimgesucht wird. Eine Ausgangssperre wurde verhängt, nachdem Bewohner begannen, mysteriöse Monster zu sichten, die niemand so richtig beweisen konnte. Sloane muss gemeinsam mit ihren Freunden das Rätsel hinter diesen übernatürlichen Vorkommnissen lösen, während sie durch nebelverhangene Straßen, verlassene Theater, dunkle Bibliotheken und andere unheimliche Orte navigiert. Die Prämisse ist klassisches Goosebumps-Material: gruselig genug, um Spannung zu erzeugen, aber familienfreundlich genug, um auch jüngere Spieler nicht zu verschrecken. Was sofort auffällt, ist die gelungene Atmosphäre. Die düstere Präsentation der Stadt Little Creek mit ihren nebligen Gassen und unheimlichen Schauplätzen trifft den typischen Goosebumps-Ton perfekt. Die Umgebungen sind abwechslungsreich gestaltet und bieten genau die Art von gruseligen Locations, die man aus den Büchern kennt. Von der staubigen Bibliothek über das verlassene Theater bis hin zum geheimnisvollen Friedhof – jeder Ort hat seine eigene Identität und versprüht den nostalgischen Charme der Buchvorlage. Die Dialoge zwischen Sloane und ihren Freunden sind überraschend charmant und verleihen den Charakteren Persönlichkeit. Die Bandbreite reicht von selbstbewusst bis extrem schüchtern, was für unterhaltsame Interaktionen sorgt.

Das Gameplay von Goosebumps: Terror in Little Creek lässt sich in zwei Hauptphasen einteilen: Erkundung mit Rätseln und Stealth-Horror-Mechaniken. Die Erkundungsphase beginnt zunächst recht linear, öffnet sich jedoch nach und nach, während man neue Türen freischaltet, Abkürzungen entdeckt und Pfade öffnet. Eine praktische Karte hilft dabei, den Überblick zu behalten, wo man bereits war und wohin man als Nächstes muss. Aufmerksame Spieler können verschiedene Sammelobjekte finden, Hintergrundinformationen über Zeitungen aufschnappen und nützliche Gegenstände entdecken, die für das Vorankommen essentiell sind. Die größte Inspirationsquelle für das Spieldesign ist unverkennbar das originale Resident Evil. Man sucht Items, um damit später neue Bereiche zu öffnen, löst Rätsel mit Gegenständen aus der Umgebung und erkundet eine zunehmend komplexer werdende Spielwelt. Sogar bestimmte Puzzle-Elemente wie die Standuhr erinnern stark an Capcoms Horror-Klassiker. Das ist nicht zwingend schlecht, aber es zeigt, wie sehr sich Terror in Little Creek auf ein fast dreißig Jahre altes Gameplay-Fundament stützt, ohne wirklich etwas Neues dazu beizutragen.

Goosebumps-04Die Rätsel sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gibt es durchaus kreative Aufgaben, die Beobachtungsgabe erfordern, wie das Drehen von Statuen in bestimmte Richtungen, um Zahlen zu enthüllen, oder das Analysieren der Umgebung, um versteckte Hinweise zu finden. Andererseits sind viele Puzzle extrem simpel und erfordern kaum Nachdenken. Manchmal wirft das Spiel gleich zu Beginn eine Flut von Aufgaben auf den Spieler, nur um später zu offenbaren, dass die Lösung für viele davon zum aktuellen Zeitpunkt noch gar nicht verfügbar ist. Das führt zu unnötiger Verwirrung und Frustration. Immerhin gibt es ein magisches Hilfssystem in Form einer Kristallkugel, die Hinweise liefern kann, wenn man nicht weiterkommt. Ein großes Problem ist das exzessive Backtracking. Die Laufgeschwindigkeit von Sloane ist frustrierend langsam, und selbst beim Rennen fühlt es sich zäh an. Man läuft ständig durch dieselben Bereiche hin und her, was besonders beim zehnten Durchlauf durch die gleiche Location nervt. Diese wiederholten Durchquerungen können dazu führen, dass man wichtige Details oder Hinweise übersieht, die man beim ersten Mal noch beachtet hätte. Die Kombination aus langsamen Bewegungen und repetitiven Strecken macht das Gameplay oft mühsamer, als es sein müsste.

Die Stealth-Mechaniken orientieren sich klar an Spielen wie Little Nightmares. Kampf ist nicht die primäre Option, wenn man einem Monster begegnet. Stattdessen muss man sich unter Tischen verstecken, in Mülltonnen springen oder hinter Objekten kauern, um den gruseligen Kreaturen zu entkommen. Die Monster selbst sind von klassischen Goosebumps-Büchern inspiriert, aber für dieses Spiel neu interpretiert worden. Man trifft auf Phantome, Mumien, Werwölfe und andere bekannte Schrecken aus Stines Universum. Die Designs sind atmosphärisch und passen gut zur Gesamtästhetik des Spiels. Wenn Verstecken keine Option ist, kann Sloane sich mit ihrer Steinschleuder wehren. Es gibt verschiedene Munitionstypen, die gegen unterschiedliche Gegner eingesetzt werden können. Das Kampfsystem ist jedoch extrem rudimentär und fühlt sich mehr wie ein nachträglicher Einfall an als wie ein vollwertiges Feature. Die Steinschleuder ist zwar thematisch passend, bietet aber kaum taktische Tiefe. Meist ist es besser, den Monstern einfach aus dem Weg zu gehen, anstatt sich auf einen Kampf einzulassen. Ein interessantes Feature sind die multiplen Enden. Die Entscheidungen, die man während des Spiels trifft, beeinflussen das Schicksal von Sloane und ihren Freunden. Das sorgt theoretisch für Wiederspielwert, aber angesichts der repetitiven Natur des Gameplays und des frustrierenden Backtrackings ist fraglich, wie viele Spieler wirklich motiviert sind, das Spiel mehrmals durchzuspielen, nur um alle Endungen zu sehen.

Goosebumps-06Visuell bewegt sich Goosebumps: Terror in Little Creek auf solidem Mittelmaß. Die Grafik ist nicht spektakulär, aber zweckmäßig. Die Umgebungen sind stimmungsvoll gestaltet, und die Monster haben charakteristische Designs. Die visuelle Präsentation erinnert stark an Scooby Doo Mystery Mayhem aif der Xbox Classic– was zeigt, dass auch hier die Inspiration aus längst vergangenen Konsolengenerationen stammt. Das ist nicht unbedingt negativ gemeint, denn der Stil passt zur Goosebumps-Ästhetik, aber es verdeutlicht, dass Terror in Little Creek visuell keine neuen Maßstäbe setzt. Für Hardcore-Fans der Goosebumps-Reihe gibt es zahlreiche Anspielungen und Easter Eggs zu entdecken. Referenzen zu klassischen Büchern wie Night of the Living Dummy mit Slappy-Masken, The Girl Who Cried Monster, Return of the Mummy und vielen anderen sind im ganzen Spiel versteckt. Man findet Dokumente, die Charaktere aus den Büchern erwähnen, und Situationen, die an bekannte Geschichten erinnern. Diese liebevollen Details zeigen, dass die Entwickler die Vorlage respektieren und versucht haben, eine authentische Gänsehaut-Erfahrung zu kreieren. Der Satz "Player Beware, You Choose the Scare!" bei Entscheidungen ist eine nette Referenz an die Gänsehaut-Buchreihe. Letztendlich ist Goosebumps: Terror in Little Creek ein Spiel mit einer gespaltenen Persönlichkeit. Es gelingt hervorragend, die Atmosphäre und den Charme der Buchvorlage einzufangen. Die düsteren Schauplätze, die charmanten Charakterinteraktionen und die zahlreichen Referenzen werden Fans der Serie zweifellos erfreuen. Das Spiel trifft den richtigen Ton zwischen Grusel und Familienfreundlichkeit und bietet eine authentische Goosebumps-Erfahrung.

Gleichzeitig leidet das Spiel unter fundamentalen Design-Problemen, die das Erlebnis erheblich beeinträchtigen. Das Gameplay basiert auf Konzepten, die vor fast dreißig Jahren modern waren, ohne innovative Elemente hinzuzufügen. Die Rätsel sind größtenteils zu simpel oder frustrierend unlogisch. Das exzessive Backtracking bei extrem langsamer Bewegungsgeschwindigkeit macht das Vorankommen mühsam. Die Stealth-Mechaniken funktionieren, sind aber wenig inspiriert, und das Kampfsystem fühlt sich halbherzig an. Es ist, als hätte man ein Spiel aus dem Jahr 1998 genommen und es mit moderner Technik neu verpackt, ohne die spielerischen Schwächen zu adressieren. Für Kinder und jüngere Teenager, die ihre ersten Schritte in Horror-Adventures machen wollen, ist Terror in Little Creek durchaus geeignet. Die Schwierigkeit ist fair, die Gruselmomente sind nicht zu intensiv, und die Goosebumps-Atmosphäre macht Spaß. Für erfahrene Spieler, die anspruchsvollere Mechaniken und frischere Ideen erwarten, wird das Spiel jedoch schnell repetitiv und langweilig. Es ist ein Spiel, das man durchspielen kann, aber nicht unbedingt durchspielen muss. Die multiplen Endungen bieten theoretisch Wiederspielwert, aber die Motivation, das Spiel mehrmals zu durchlaufen, ist angesichts der genannten Probleme gering.

Michael meint:

Michael

Goosebumps: Terror in Little Creek ist eine gemischte Tüte voller Tricks und Treats, wie es bei Halloween üblich ist – nur leider überwiegen die Tricks. Es ist ein Spiel, das seine Zielgruppe kennt und bedient, aber gleichzeitig Potenzial verschenkt, wirklich großartig zu sein. Mit moderneren Gameplay-Mechaniken, schnellerer Fortbewegung und kreativeren Rätseln hätte aus diesem Titel ein echter Klassiker werden können. So bleibt es ein solides, aber letztlich durchschnittliches Adventure, das vor allem Nostalgie-Fans und jüngere Spieler ansprechen wird.

Positiv

  • Authentische Goosebumps-Atmosphäre mit nostalgischem Charme
  • Multiple Enden sorgen für Wiederspielwert
  • Gut für jüngere Spieler und Genre-Einsteiger geeignet

Negativ

  • Exzessives, frustrierendes Backtracking durch dieselben Bereiche
  • Uninspirierte Stealth-Mechaniken
  • Kann für erfahrene Spieler schnell repetitiv werden
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Goosebumps: Terror in Little Creek Daten
Genre Actionadventure
Spieleranzahl 1
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 4K
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 2025-08-29 00:01:09
Vermarkter -
Wertung 6.7
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