
Das Gameplay von Goosebumps: Terror in Little Creek lässt sich in zwei Hauptphasen einteilen: Erkundung mit Rätseln und Stealth-Horror-Mechaniken. Die Erkundungsphase beginnt zunächst recht linear, öffnet sich jedoch nach und nach, während man neue Türen freischaltet, Abkürzungen entdeckt und Pfade öffnet. Eine praktische Karte hilft dabei, den Überblick zu behalten, wo man bereits war und wohin man als Nächstes muss. Aufmerksame Spieler können verschiedene Sammelobjekte finden, Hintergrundinformationen über Zeitungen aufschnappen und nützliche Gegenstände entdecken, die für das Vorankommen essentiell sind. Die größte Inspirationsquelle für das Spieldesign ist unverkennbar das originale Resident Evil. Man sucht Items, um damit später neue Bereiche zu öffnen, löst Rätsel mit Gegenständen aus der Umgebung und erkundet eine zunehmend komplexer werdende Spielwelt. Sogar bestimmte Puzzle-Elemente wie die Standuhr erinnern stark an Capcoms Horror-Klassiker. Das ist nicht zwingend schlecht, aber es zeigt, wie sehr sich Terror in Little Creek auf ein fast dreißig Jahre altes Gameplay-Fundament stützt, ohne wirklich etwas Neues dazu beizutragen.

Die Stealth-Mechaniken orientieren sich klar an Spielen wie Little Nightmares. Kampf ist nicht die primäre Option, wenn man einem Monster begegnet. Stattdessen muss man sich unter Tischen verstecken, in Mülltonnen springen oder hinter Objekten kauern, um den gruseligen Kreaturen zu entkommen. Die Monster selbst sind von klassischen Goosebumps-Büchern inspiriert, aber für dieses Spiel neu interpretiert worden. Man trifft auf Phantome, Mumien, Werwölfe und andere bekannte Schrecken aus Stines Universum. Die Designs sind atmosphärisch und passen gut zur Gesamtästhetik des Spiels. Wenn Verstecken keine Option ist, kann Sloane sich mit ihrer Steinschleuder wehren. Es gibt verschiedene Munitionstypen, die gegen unterschiedliche Gegner eingesetzt werden können. Das Kampfsystem ist jedoch extrem rudimentär und fühlt sich mehr wie ein nachträglicher Einfall an als wie ein vollwertiges Feature. Die Steinschleuder ist zwar thematisch passend, bietet aber kaum taktische Tiefe. Meist ist es besser, den Monstern einfach aus dem Weg zu gehen, anstatt sich auf einen Kampf einzulassen. Ein interessantes Feature sind die multiplen Enden. Die Entscheidungen, die man während des Spiels trifft, beeinflussen das Schicksal von Sloane und ihren Freunden. Das sorgt theoretisch für Wiederspielwert, aber angesichts der repetitiven Natur des Gameplays und des frustrierenden Backtrackings ist fraglich, wie viele Spieler wirklich motiviert sind, das Spiel mehrmals durchzuspielen, nur um alle Endungen zu sehen.

Gleichzeitig leidet das Spiel unter fundamentalen Design-Problemen, die das Erlebnis erheblich beeinträchtigen. Das Gameplay basiert auf Konzepten, die vor fast dreißig Jahren modern waren, ohne innovative Elemente hinzuzufügen. Die Rätsel sind größtenteils zu simpel oder frustrierend unlogisch. Das exzessive Backtracking bei extrem langsamer Bewegungsgeschwindigkeit macht das Vorankommen mühsam. Die Stealth-Mechaniken funktionieren, sind aber wenig inspiriert, und das Kampfsystem fühlt sich halbherzig an. Es ist, als hätte man ein Spiel aus dem Jahr 1998 genommen und es mit moderner Technik neu verpackt, ohne die spielerischen Schwächen zu adressieren. Für Kinder und jüngere Teenager, die ihre ersten Schritte in Horror-Adventures machen wollen, ist Terror in Little Creek durchaus geeignet. Die Schwierigkeit ist fair, die Gruselmomente sind nicht zu intensiv, und die Goosebumps-Atmosphäre macht Spaß. Für erfahrene Spieler, die anspruchsvollere Mechaniken und frischere Ideen erwarten, wird das Spiel jedoch schnell repetitiv und langweilig. Es ist ein Spiel, das man durchspielen kann, aber nicht unbedingt durchspielen muss. Die multiplen Endungen bieten theoretisch Wiederspielwert, aber die Motivation, das Spiel mehrmals zu durchlaufen, ist angesichts der genannten Probleme gering.
Goosebumps: Terror in Little Creek im Test




Es gibt wohl kaum jemanden, der in den 90ern aufgewachsen ist und nicht mindestens ein Goosebumps-Buch (auf Deutsch Gänshehaut) in der Hand hatte. Die schaurigen Geschichten von R.L. Stine haben eine ganze Generation geprägt und waren für viele die perfekte Mischung aus Gruseln und Unterhaltung, ohne dabei zu übertreiben. Mit Goosebumps: Terror in Little Creek versuchen die Entwickler von PHL Collective und Publisher GameMill Entertainment nun, diese nostalgische Atmosphäre in ein interaktives Erlebnis zu verwandeln. Das Ergebnis ist ein Spiel, das zwar die richtige Stimmung trifft und Fans der Reihe durchaus unterhalten kann, aber gleichzeitig unter veralteten Gameplay-Konzepten und frustrierenden Designentscheidungen leidet.
Michael meint:
Positiv
- Authentische Goosebumps-Atmosphäre mit nostalgischem Charme
- Multiple Enden sorgen für Wiederspielwert
- Gut für jüngere Spieler und Genre-Einsteiger geeignet
Negativ
- Exzessives, frustrierendes Backtracking durch dieselben Bereiche
- Uninspirierte Stealth-Mechaniken
- Kann für erfahrene Spieler schnell repetitiv werden
Userwertung
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Goosebumps: Terror in Little Creek ist eine gemischte Tüte voller Tricks und Treats, wie es bei Halloween üblich ist – nur leider überwiegen die Tricks. Es ist ein Spiel, das seine Zielgruppe kennt und bedient, aber gleichzeitig Potenzial verschenkt, wirklich großartig zu sein. Mit moderneren Gameplay-Mechaniken, schnellerer Fortbewegung und kreativeren Rätseln hätte aus diesem Titel ein echter Klassiker werden können. So bleibt es ein solides, aber letztlich durchschnittliches Adventure, das vor allem Nostalgie-Fans und jüngere Spieler ansprechen wird.