
Was die Spielqualität selbst angeht, muss man ehrlich sein: Die ersten drei Teile sind echte Klassiker, die ihren Ruf zu Recht verdient haben. Sie strotzen vor absurdem Humor, liebevollen Pixelgrafiken und einem eigenartigen europäischen Charme, der sie noch heute von ihren amerikanischen Zeitgenossen abhebt. Die Rätsel sind nicht selten frustrierend schwer – manchmal geradezu grausam –, aber genau das war damals Konsens im Genre, und wer sich heute darauf einlässt, tut es in vollem Wissen darum. Teil vier hingegen ist der schräge Außenseiter der Sammlung: Mit seiner frühen 3D-Grafik wirkt er wie aus einer anderen Zeit gefallen und wurde seit Jahren nicht mehr neu aufgelegt; seine Aufnahme in die Collection ist deshalb zumindest dokumentarisch wertvoll, auch wenn das Spiel selbst nicht an den Charme der Vorgänger heranreicht. Der fünfte Teil schließlich ist ein neueres Werk und stilistisch wieder deutlich näher an der Urform der Serie.

Und doch gibt es eine Lücke, die in diesem ansonsten liebevoll zusammengestellten Paket merkwürdig auffällt: Spielanleitungen sucht man vergeblich. Ausgerechnet die Handbücher, ohne die die damaligen Spiele schlicht unspielbar gewesen wären, fehlen. Wer noch nie ein Gobliiins-Spiel in der Hand hatte, wird sich beim Start schnell fragen, wie die Steuerung eigentlich funktioniert. Ein Paar Diagramme der Tastenbelegung sind das Einzige, was die Collection in dieser Hinsicht bietet. Angesichts der detaillierten Verpackungsnachbildungen und des üppigen Begleitmaterials wirkt diese Auslassung wie ein echtes Versäumnis. Ein Blick in eine Online-Datenbank oder ein schnelles Nachlesen hilft zwar, aber das sollte bei einer so sorgfältig kuratierten Sammlung nicht nötig sein. Die Steuerung selbst ist ein weiterer Punkt, der nachdenklich stimmt. Point-and-Click-Adventures wurden für Maus und Tastatur gemacht, und das merkt man auf der Switch deutlich. Die Steuerung per Analogstick funktioniert, fühlt sich aber träge und ungenau an, gerade wenn es darauf ankommt, präzise auf kleine Objekte zu klicken. Der Touchscreen im Handheld-Modus ist hingegen eine echte Erleichterung und kommt der ursprünglichen Spielerfahrung am nächsten – ein glücklicher Umstand, der zeigt, dass die Switch trotz aller Steuerungskompromisse für diese Art von Spielen durchaus geeignet ist.





Insgesamt ist die Gobliiins Collection ein solides, wohlwollendes Paket für eine Serie, die zu Unrecht in der zweiten Reihe steht. Wer die Spiele kennt und liebt, wird viel Freude daran haben, sie endlich bequem vom Sofa aus zu erleben. Wer neu in die Welt der grünen Kobolde eintaucht, bekommt fünf unverwechselbare, zuweilen knallharte, stets charmante Abenteuer geboten – und ein Bonusmaterial, das zeigt, wie viel Herzblut in dieser Veröffentlichung steckt. Die fehlenden Anleitungen und die suboptimale Steuerung trüben das Bild ein wenig, nehmen der Collection aber nicht ihren Wert. Für 24,99 Euro ist das ein fairer Preis für ein Stück Spielgeschichte.