Die Formel 1 hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom an inoffiziellen Hommagen erlebt, von einem New Star GP bis zu Formula Evolution. Mit Formula Legends schickt sich nun das nächste Spiel an, in dieselbe Kerbe zu schlagen. Jedoch wagt man sich hier an die gesamte Geschichte des Rennsports, die verschiedene Epochen umfassen soll. Ob dieser ambitionierte Ansatz aufgeht oder am Ende mehr verspricht, klären wir in den folgenden Zeilen.
Formula Legends vom italienischen Studio 3DClouds hat sich hier an ein Herzensprojekt gewagt: eine unlizenzierte Reise durch die gesamte Geschichte der Formel 1, von den zigarrenförmigen Boliden der späten 1960er bis zu den hybridbetriebenen Monstern der 2020er. Fahrer, Teams und Strecken tragen zwar nicht ihre echten Namen, sind aber so eindeutig ihren realen Vorbildern nachempfunden, dass man beim ersten Blick sofort weiß, an wen es angelehnt ist. Wer im Steam-Forum stöbert, findet herrliche Umbenennungen wie Charles Leclerc alias „Charlie Lacreme“ oder Max Verstappen alias „Mark Peerstallen“, was dem Ganzen einen liebevoll augenzwinkernden Charme verleiht. Der comichafte, leicht chibi-artige Grafikstil mit überproportionierten Helmen und geschrumpften Autos untterstreicht den optischen Stil, täuscht aber dabei etwas über den tatsächlichen Anspruch des Spiels hinweg. Formula Legends ist nämlich alles andere als ein reinrassiger Arcade-Racer für Kinder. Reifenverschleiß, Benzinverbrauch, wechselndes Wetter, Fahrzeugschäden und ein Bestrafungssystem für Streckenschnitte sorgen für eine überraschend ernsthafte Simulationsebene, die eher zwischen den tiefgehenden Codemasters/EA-Formel-1-Spielen und den kinderfreundlichen Racern wie F1 Race Stars angesiedelt ist.
Doch schlichtes Gasgeben ist hier nicht: Während der Fahrt müssen Tankfüllung und Reifenzustand stets im Blick behalten werden, so dass man rechtzeitig in die Box fährt, um seinen Boliden in Form zu halten. Die Boxenstopps müssen per Quick-Time-Events selbst gemeistert werden, und ein missglückter Reifenwechsel kann aus zwei Sekunden schnell sechs machen und damit ein ganzes Rennen kosten. Der Umfang ist beeindruckend: Jede Ära verfügt über eigene Strecken, die realen Klassikern wie Monaco oder Silverstone unverkennbar nachempfunden sind, dazu passende Fahrzeuge und Dutzende Helmdesigns. Der Story-Modus allein umfasst rund 102(!) Rennen, was bei durchschnittlich zehn bis fünfzehn Minuten pro Rennen eine durchaus ansehnliche Anzahl an Spielstunden bedeutet, bevor man wirklich alles freigeschaltet hat. Anders als bei Konkurrenten wie New Star GP werden die späteren Jahrzehnte nicht stur an den Kampagnenfortschritt gekoppelt, sondern jede Dekade ist in drei Abschnitte unterteilt, von denen man sich zwei erst erspielen muss. Das sorgt für ein motivierendes Fortschrittsgefühl.
So zugänglich das Spiel zu Beginn auch sein mag, so komplex zeigt es sich bereits nach wenigen Minuten. Das Tutorial erklärt die Spielmechanik bestens und zeigt gleichzeitig auf, dass das Rennfahren kein Zuckerschlecken sein wird. Neben dem Reifenmanagement ist auch die Steuerung nicht so einfach zu meistern. Diese ist in der Standardeinstellung erstaunlich träge und erfordern etwas Einarbeitung, ehe man den Boliden im Griff hat. Gerade die älteren Fahrzeuge neigen zu starkem Untersteuern in Bremszonen und unvorhersehbarem Übersteuern beim Beschleunigen, ohne dass es, anders als in echten Simulationen, Fahrzeug-Setups gäbe, mit denen man das ausgleichen könnte. Wer eine Weile durchhält, gewöhnt sich zwar an die Eigenheiten, doch der erste Eindruck ist für viele Spieler frustrierend. Durch ein Title Update wurde eine alternative Steuerung hinzugefügt, die manchen Spielern Abhilfe schaffen dürfte. Hier entscheidet aber der persönliche Geschmack und es ist dennoch etwas Einarbeitung vonnöten.
Fast noch ärgerlicher ist die Balance der Künstlichen Intelligenz. Die Schwierigkeitsgrade Leicht, Normal und Schwer treffen selten den richtigen Ton: Auf Leicht fahren die Gegner oft lächerlich langsam, während sie auf Normal plötzlich acht bis neun Sekunden pro Runde schneller unterwegs sind und nahezu fehlerfreies Fahren erfordern, um überhaupt mitzuhalten. Hinzu kommt, dass die KI-Fahrzeuge kaum räumliches Bewusstsein zeigen und einen gerne wie Autoscooter-Wagen rammen, ohne dass es dafür Strafen gibt. Die gute Nachricht: Entwickler 3DClouds hat sich als reaktionsfreudig erwiesen. Nach dem Release wurde ein Patch veröffentlicht, der ein alternatives Lenkverhalten als Option einführt, ohne das ursprüngliche System zu ersetzen, begleitet von Verbesserungen an der KI. Zusätzlich sind bereits mehrere DLCs erschienen, etwa das „Raw Power“-Fahrzeugpaket mit drei weiteren historisch inspirierten Boliden, was zeigt, dass das Studio langfristig an dem Spiel weiterarbeiten möchte.
Im April 2026 hat 3DClouds mit „Formula E: Electric Evolution“ eine offiziell lizenzierte Erweiterung veröffentlicht, die zum ersten Mal echte Lizenzinhalte in Formula Legends bringt. Anders als beim restlichen Spiel, das komplett auf inoffizielle Annäherungen setzt, sind hier alle Teams, Fahrer und Fahrzeuge der ABB FIA Formel-E-Weltmeisterschaft mit ihren echten Namen und Lackierungen vertreten, dazu sechs reale Strecken wie Berlin, Tokio, London, São Paulo, Miami und Shanghai. Spielerisch bekommt man Zugriff auf drei Fahrzeuggenerationen, GEN1, GEN2 und GEN3 EVO, die sich durch unterschiedliches Fahrverhalten und Energiemanagement spürbar voneinander unterscheiden. Inhaltlich orientiert sich die Erweiterung stark am echten Sport: Neben dem Batteriemanagement über die Renndistanz hinweg gibt es den waghalsigen Attack Mode, bei dem man von der Ideallinie abweichen muss, um kurzzeitig mehr Leistung freizuschalten, sowie den strategischen Pit Boost sowie Doppelrennwochenenden. Diese Mechaniken bringen neuen Schwung ins Gameplay und fügen sich erstaunlich organisch in die bestehende Formel ein und wirken nicht wie ein simples Add-On, sondern verleihen dem Spiel eine zusätzliche taktische Tiefe.
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Michael meint:
Unterm Strich ist Formula Legends ein Spiel mit sehr viel Herz, das aus purer Motorsportleidenschaft entstanden ist und diese auf beinahe jeder Strecke, jedem Fahrzeug und jedem Charakterdesign spürbar macht. Der enorme Umfang, die liebevolle Hommage an die F1-Geschichte und die interessante Mischung aus Arcade und Simulation machen es zu einem durchaus reizvollen Angebot für Motorsportfans, die sich nicht an fehlenden offiziellen Lizenzen stören. Gleichzeitig verhindern das eigenwillige, teils frustrierende Fahrverhalten, die unausgeglichene KI und das Fehlen von Mehrspielermodi, dass sich das Spiel gegen die etablierte Konkurrenz durchsetzen kann. Wer bereit ist, sich durch eine holprige Lernkurve zu kämpfen, und wem die Rennsimulation wichtiger ist als technischer Feinschliff, findet in Formula Legends eine überraschend tiefe und liebevoll gestaltete Reise durch die Formel-1-Geschichte. Wer hingegen sofortigen Spaß und ein rundes, ausbalanciertes Spielgefühl sucht, sollte lieber abwarten, ob künftige Updates die größten Schwachstellen noch ausräumen.
3DClouds has released a new 1.6 update for their PC and console racer, Formula Legends. The new update adds dozens of new teams and drivers and liveries to the game, as well as the first wave of console steering wheel support. This update is available across PlayStation, PC and Xbox platforms, with...
von Mistercinema:
Update Time 3DClouds has today launched a massive new update for their celebrated console and PC racer, Formula Legends.This indie racer that straddles the line between arcade and sim has attracted a cult following across PC, PlayStation, Xbox and Nintendo platforms since launch in September,...
von TommyKaira:
Dauert zwar noch etwas, aber dann kommt auch die physische Edition.https://nintendoeverything.com/formula-legend…re-orders-open/Dafür dann auch für Xbox. ...
Unterm Strich ist Formula Legends ein Spiel mit sehr viel Herz, das aus purer Motorsportleidenschaft entstanden ist und diese auf beinahe jeder Strecke, jedem Fahrzeug und jedem Charakterdesign spürbar macht. Der enorme Umfang, die liebevolle Hommage an die F1-Geschichte und die interessante Mischung aus Arcade und Simulation machen es zu einem durchaus reizvollen Angebot für Motorsportfans, die sich nicht an fehlenden offiziellen Lizenzen stören. Gleichzeitig verhindern das eigenwillige, teils frustrierende Fahrverhalten, die unausgeglichene KI und das Fehlen von Mehrspielermodi, dass sich das Spiel gegen die etablierte Konkurrenz durchsetzen kann. Wer bereit ist, sich durch eine holprige Lernkurve zu kämpfen, und wem die Rennsimulation wichtiger ist als technischer Feinschliff, findet in Formula Legends eine überraschend tiefe und liebevoll gestaltete Reise durch die Formel-1-Geschichte. Wer hingegen sofortigen Spaß und ein rundes, ausbalanciertes Spielgefühl sucht, sollte lieber abwarten, ob künftige Updates die größten Schwachstellen noch ausräumen.