
Die Charakterentwicklung ist praktisch nicht vorhanden. Maria bleibt über die gesamte Spielzeit hinweg eine leere Hülle, deren Motivationen und Persönlichkeit kaum erkundet werden. Die Nebenfiguren sind noch flacher gezeichnet, und die Geschichte präsentiert sich als eine lose zusammengewürfelte Sammlung von Horrorszenen ohne erkennbaren roten Faden. Es fühlt sich an, als hätte jemand verschiedene Requisitenstücke aus bekannten Horrorfilmen und Spielen zusammengetragen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie diese zu einem kohärenten Ganzen verschmelzen könnten. Die Dialoge sind holprig, die Synchronisation überzeichnet und seltsam. Was vielleicht als Reminiszenz an die manchmal unfreiwillig komischen Sprachausgaben klassischer Survival-Horror-Titel gedacht sein mag, hier aber eher peinlich als charmant wirkt.

Das größte Problem des Spiels ist jedoch sein Inventarsystem, das so restriktiv ist, dass es das Spielerlebnis aktiv sabotiert. Zu Beginn stehen gerade einmal vier Inventarplätze zur Verfügung, die sich nach dem Fund einer Tasche auf sieben und am Ende des Spiels auf maximal zehn erweitern. Für ein Spiel, das Munition, Waffen, Heilmittel, Schlüssel, Rätselgegenstände und andere Items jonglieren muss, ist dies lächerlich wenig. Die Konsequenz ist endloses Zurücklaufen zum sicheren Raum und zur Truhe, was den Spielfluss komplett zerstört. Während klassische Survival-Horror-Spiele begrenzte Inventare nutzten, um taktische Entscheidungen zu erzwingen, fühlt sich die Limitation hier einfach nur frustrierend und schlecht durchdacht an. Moderne Quality-of-Life-Features wie die Möglichkeit, Heilmittel zu benutzen, ohne sie ins Inventar zu legen oder Munition direkt in Waffen zu laden, fehlen komplett.

Visuell ist Ebola Village bestenfalls mittelmäßig. Die Umgebungen des sowjetischen Dorfes versuchen, eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, schaffen dies aber nur bedingt. Die Grafik wirkt veraltet, und die künstlerische Vision fehlt. Besonders problematisch ist der Einsatz von generativer KI für die Icons der Inventargegenstände, was zu absurden Diskrepanzen führt: Ein aufgesammelter Schlüssel, der wie ein Kreuz-Symbol von Spielkarten aussieht, wird im Inventar plötzlich als grünes Kreuz dargestellt. Die Entwickler haben den KI-Einsatz zwar offengelegt, doch dies erklärt vieles über die fehlende künstlerische Kohärenz des Spiels. Die Musik ist langweilig und uninspiriert, und die Soundeffekte tragen wenig zur Atmosphäre bei.

Trotz all dieser massiven Schwächen hat Ebola Village auf Steam überraschend positive Bewertungen erhalten, mit etwa achtzig Prozent positiven Reviews. Dies lässt sich vermutlich darauf zurückführen, dass Fans von Low-Budget-Horror einen gewissen Charme in der Trash-Ästhetik und Ungeschliffenheit finden, oder dass die Spieler den Titel ironisch genießen. Für die breite Masse der Horror-Fans ist das Spiel jedoch schlicht nicht empfehlenswert. Es gibt zu viele hervorragende Indie-Horror-Titel auf dem Markt, die mit echten Ideen, durchdachtem Design und Herzblut überzeugen, als dass man Zeit mit einem so uninspirierten und technisch mangelhaften Produkt verschwenden sollte.








Letztendlich ist Ebola Village ein Beispiel dafür, wie bloße Nachahmung ohne eigene Vision scheitern muss. Das Spiel beweist, dass es nicht ausreicht, die Oberfläche erfolgreicher Franchises zu kopieren. Ohne interessante Charaktere, ohne eine packende Geschichte, ohne innovative Gameplay-Mechaniken und ohne technische Kompetenz bleibt nur ein hohles Gerüst zurück. Wie die Krankheit, die seinen Namen inspiriert hat, sollte auch dieses Spiel vermieden werden. Falls ihr als Filmfans womöglich ebenfalls an so genannten Mockbustern Gefallen findet, könnt ihr möglicherweise einen Blick riskieren.