Ebola Village im Test

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Ebola Village ist eines jener Spiele, die durch ihre schiere Existenz mehr Aufmerksamkeit erregen als durch ihre tatsächliche Qualität. Entwickelt von Indie Games Studio und am 23. Januar 2026 für nahezu alle Plattformen veröffentlicht, versucht dieser Survival-Horror-Titel, die goldene Ära der Neunzigerjahre-Horrorgames zu beschwören, scheitert dabei aber an nahezu jeder erdenklichen Front. Was als Hommage an Klassiker wie Resident Evil gedacht sein mag, entpuppt sich als eine problematische Mischung aus uninspirierter Nachahmung, technischen Unzulänglichkeiten und fragwürdigen Design-Entscheidungen.

Ebola-Village-03Die Geschichte des Spiels ist bestenfalls rudimentär. Spielerin Maria verbringt einen ruhigen Abend in ihrer Wohnung in der UdSSR, als ihre Lieblingsserie von einer Eilmeldung über eine biologische Bedrohung unterbrochen wird. Besorgt um ihre Familie macht sie sich auf den Weg in ein abgelegenes Dorf, um ihre Mutter und ihren Ex-Mann Ruslan zu besuchen. Dort angekommen, entfaltet sich das vorhersehbare Horror-Szenario: Ein Virus hat die Einwohner in zombieähnliche Kreaturen verwandelt, und Maria muss die dunklen Geheimnisse des Dorfes aufdecken, während sie ums Überleben kämpft. Die Prämisse klingt vertraut, weil sie es ist. Das Spiel liefert kaum originelle narrative Impulse und verlässt sich stattdessen auf ausgetretene Genre-Pfade, ohne auch nur ansatzweise zu versuchen, daraus etwas Eigenes zu machen.

Die Charakterentwicklung ist praktisch nicht vorhanden. Maria bleibt über die gesamte Spielzeit hinweg eine leere Hülle, deren Motivationen und Persönlichkeit kaum erkundet werden. Die Nebenfiguren sind noch flacher gezeichnet, und die Geschichte präsentiert sich als eine lose zusammengewürfelte Sammlung von Horrorszenen ohne erkennbaren roten Faden. Es fühlt sich an, als hätte jemand verschiedene Requisitenstücke aus bekannten Horrorfilmen und Spielen zusammengetragen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie diese zu einem kohärenten Ganzen verschmelzen könnten. Die Dialoge sind holprig, die Synchronisation überzeichnet und seltsam. Was vielleicht als Reminiszenz an die manchmal unfreiwillig komischen Sprachausgaben klassischer Survival-Horror-Titel gedacht sein mag, hier aber eher peinlich als charmant wirkt.

Ebola-Village-06Spielerisch orientiert sich Ebola Village unverkennbar an Resident Evil, insbesondere an Resident Evil Village, was bereits der ähnliche Titel andeutet. Die First-Person-Perspektive, das Setting in einem verfluchten Dorf, die Kämpfe gegen infizierte Dorfbewohner und sogar spezifische Gameplay-Mechaniken sind nahezu identisch. Das Spiel übernimmt das Kräutersystem zur Heilung direkt aus der Resident-Evil-Reihe, bei dem verschiedene Kräuter kombiniert werden können, um unterschiedlich starke Heilmittel herzustellen. Auch einige Rätsel scheinen direkt aus Capcoms Franchise kopiert zu sein. Während Inspiration durchaus legitim ist, überschreitet Ebola Village die Grenze zur bloßen Nachahmung deutlich.

Das größte Problem des Spiels ist jedoch sein Inventarsystem, das so restriktiv ist, dass es das Spielerlebnis aktiv sabotiert. Zu Beginn stehen gerade einmal vier Inventarplätze zur Verfügung, die sich nach dem Fund einer Tasche auf sieben und am Ende des Spiels auf maximal zehn erweitern. Für ein Spiel, das Munition, Waffen, Heilmittel, Schlüssel, Rätselgegenstände und andere Items jonglieren muss, ist dies lächerlich wenig. Die Konsequenz ist endloses Zurücklaufen zum sicheren Raum und zur Truhe, was den Spielfluss komplett zerstört. Während klassische Survival-Horror-Spiele begrenzte Inventare nutzten, um taktische Entscheidungen zu erzwingen, fühlt sich die Limitation hier einfach nur frustrierend und schlecht durchdacht an. Moderne Quality-of-Life-Features wie die Möglichkeit, Heilmittel zu benutzen, ohne sie ins Inventar zu legen oder Munition direkt in Waffen zu laden, fehlen komplett.

Ebola-Village-05Die Steuerung und das Kampfsystem sind weitere Schwachpunkte. Die Bewegungen fühlen sich schwammig und ungenau an, das Zielen mit Waffen ist frustrierend unpräzise und die Kämpfe gegen die Infizierten wirken leblos. Die Zombies, die primitive Modelle mit wenig Detailreichtum aufweisen, greifen Maria, werfen sie zu Boden und trampeln auf ihr herum, während Werwölfe einfach nur zuschlagen. Ein Schnelldrehungs-Feature, das in vielen First-Person-Horrorspielen Standard ist und besonders hilfreich wäre, wenn Gegner hinter einem auftauchen, fehlt vollständig. Auch die Kartenfunktion ist mangelhaft umgesetzt: Man kann hinein- und herauszoomen, aber nicht scrollen, was dazu führt, dass Ausgänge außerhalb des sichtbaren Bereichs leicht übersehen werden.

Visuell ist Ebola Village bestenfalls mittelmäßig. Die Umgebungen des sowjetischen Dorfes versuchen, eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, schaffen dies aber nur bedingt. Die Grafik wirkt veraltet, und die künstlerische Vision fehlt. Besonders problematisch ist der Einsatz von generativer KI für die Icons der Inventargegenstände, was zu absurden Diskrepanzen führt: Ein aufgesammelter Schlüssel, der wie ein Kreuz-Symbol von Spielkarten aussieht, wird im Inventar plötzlich als grünes Kreuz dargestellt. Die Entwickler haben den KI-Einsatz zwar offengelegt, doch dies erklärt vieles über die fehlende künstlerische Kohärenz des Spiels. Die Musik ist langweilig und uninspiriert, und die Soundeffekte tragen wenig zur Atmosphäre bei.

Ebola-Village-04Die Spielzeit beträgt etwa drei Stunden, was für ein Budget-Horrorspiel angemessen erscheint, aber die Frage aufwirft, ob diese drei Stunden überhaupt lohnenswert sind. Die Antwort fällt für die meisten Spieler vermutlich negativ aus. Ebola Village ist der vierte Teil einer Serie, die über die letzten sechs Jahre veröffentlicht wurde und laut verschiedenen Quellen zu den schlechtesten jemals veröffentlichten Spielen gezählt wird. Interessanterweise wurde das Spiel zeitweise sogar von Sony selbst beworben und auf dem offiziellen PlayStation-YouTube-Kanal präsentiert, was die Frage aufwirft, wie genau die Qualitätskontrolle bei solchen Promotionen abläuft.

Trotz all dieser massiven Schwächen hat Ebola Village auf Steam überraschend positive Bewertungen erhalten, mit etwa achtzig Prozent positiven Reviews. Dies lässt sich vermutlich darauf zurückführen, dass Fans von Low-Budget-Horror einen gewissen Charme in der Trash-Ästhetik und Ungeschliffenheit finden, oder dass die Spieler den Titel ironisch genießen. Für die breite Masse der Horror-Fans ist das Spiel jedoch schlicht nicht empfehlenswert. Es gibt zu viele hervorragende Indie-Horror-Titel auf dem Markt, die mit echten Ideen, durchdachtem Design und Herzblut überzeugen, als dass man Zeit mit einem so uninspirierten und technisch mangelhaften Produkt verschwenden sollte.

 

Michael meint:

Michael

Letztendlich ist Ebola Village ein Beispiel dafür, wie bloße Nachahmung ohne eigene Vision scheitern muss. Das Spiel beweist, dass es nicht ausreicht, die Oberfläche erfolgreicher Franchises zu kopieren. Ohne interessante Charaktere, ohne eine packende Geschichte, ohne innovative Gameplay-Mechaniken und ohne technische Kompetenz bleibt nur ein hohles Gerüst zurück. Wie die Krankheit, die seinen Namen inspiriert hat, sollte auch dieses Spiel vermieden werden. Falls ihr als Filmfans womöglich ebenfalls an so genannten Mockbustern Gefallen findet, könnt ihr möglicherweise einen Blick riskieren.

Positiv

  • günstiger Preis

Negativ

  • restriktives Inventarsystem
  • Uninspirierte Kopie von Resident Evil ohne eigene Ideen
  • schwammige Steuerung
Userwertung
1.3 1 Stimmen
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Ebola Village Daten
Genre Actionadventure
Spieleranzahl 1
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 4K
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 2026-01-23 00:00:28
Vermarkter -
Wertung 2.7
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neXGam YouTube Channel
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