
Der eigentliche Clou der Erweiterung liegt jedoch im Gameplay, das sich spürbar weiterentwickelt hat. Über Wasser wechselt die Perspektive von der bekannten Seitenansicht zu einer isometrischen Darstellung im Stil von Stardew Valley. Man bewegt sich frei durch das Dorf, besucht die Häuser von über dreißig neuen Charakteren, sammelt Ressourcen wie Holz und Stein und baut nach und nach eine Beziehung zu den Dorfbewohnern auf. Kleine Aufgaben, Geschenke und Gespräche schalten neue Nebenquests, Minispiele und irgendwann sogar Restaurantbesuche der jeweiligen Figur frei. Das ist ein völlig neues Element für die Serie, die bislang nie eine frei begehbare Oberwelt hatte, und ist eine willkommene Erweiterung. Die Zeit tickt dabei in Echtzeit weiter, während man erkundet, was dem Ganzen ein angenehmes, unaufgeregtes Tempo verleiht. Auch das titelgebende Restaurant hat einen Umzug hinter sich: Statt Bancho Sushi kümmert sich Dave nun um ein Open-Air-Lokal mitten im Dschungel. Serviert wird zwischen Tischen und Stühlen im Freien, was dem Restaurant-Management eine räumliche Komponente verleiht, die im Hauptspiel schlicht nicht existierte. Cocktails mixen, Grillgerichte zubereiten und gleichzeitig hungrige Dorfbewohner bedienen, sorgt weiterhin für das gewohnte, leicht stressige, aber befriedigende Chaos, das man aus den Restaurant-Sequenzen der Serie kennt.

Jedoch ist die Erzählung trotz der spielerischen Neuerungen eher dünn und manche Figuren, allen voran die Darstellung des Dschungeldorfes und seiner Bewohner, arg auf altbekannte Klischees zurückgreifen. Die freundliche Häuptlingsfigur mit Federschmuck und die Bambushütten wirken streckenweise etwas zu bemüht exotisch. Diese Kritik schmälert allerdings nicht den spielerischen Umfang und die Kreativität, mit der neue Mechaniken eingebaut wurden. Insgesamt zeigt sich Mintrocket mit In the Jungle von seiner mutigen Seite. Anstatt einfach neue Level und Fische nachzuliefern, überarbeitet das Studio die Grundstruktur des Spiels an mehreren Stellen gleichzeitig und riskiert damit, die vertraute Formel zu verwässern. Das Ergebnis überzeugt aber auf ganzer Linie: Die neue Oberwelt fühlt sich frisch an, ohne den Charme des Originals zu verlieren, das Beziehungssystem motiviert zum Weiterspielen, und die zusätzlichen Kampfmechaniken unter Wasser sorgen für Abwechslung, ohne aufgesetzt zu wirken. Man könnte eigentlich sogar so weit gehen zu sagen, dass sich In the Jungle eher wie eine eigenständige Fortsetzung anfühlt als wie klassischer Zusatzinhalt – und das bei einem Preis von unter zehn Euro, was für den gebotenen Umfang geradezu großzügig ist.








Für Fans von Dave the Diver ist In the Jungle ein Pflichtkauf: liebevoll gestaltet, überraschend umfangreich und mutig genug, um bekannte Mechaniken sinnvoll zu erweitern, statt sie nur zu wiederholen. Wer den Titel bislang noch nicht kannte, sollte zwar eher mit dem Hauptspiel starten, findet in dieser Erweiterung aber einen der bislang stärksten Beweise dafür, warum Dave the Diver zu Recht zu den beliebtesten Indie-Perlen der letzten Jahre zählt. Kleinere erzählerische Schwächen und ein paar allzu bekannte Klischees trüben das Gesamtbild nur geringfügig – am Ende bleibt ein warmherziges, unterhaltsames und überraschend tiefes Abenteuer, das zeigt, wie viel Herzblut und Ideenreichtum noch in dieser Spielwelt steckt.