
Der Karrieremodus ist zweifellos eines der Highlights des Spiels, zumindest konzeptionell. In einer Zeit, in der viele Rennsimulationen den Einzelspieler vernachlässigen und sich hauptsächlich auf Online-Multiplayer konzentrieren, geht Project Motor Racing einen anderen Weg. Der Modus erlaubt es Spielern, ihr eigenes Rennteam zu gründen und mit einem von drei Startbudgets zu beginnen: 100.000, 650.000 oder 2 Millionen Dollar. Diese Entscheidung bestimmt, in welcher Rennklasse man seine Karriere startet, von bescheidenen MX-5-Meisterschaften bis hin zu prestigeträchtigen LMDh-Weltmeisterschaften. Das System ist durchdacht gestaltet, mit verschiedenen Sponsorenmodellen, die unterschiedliche Bonuszahlungen für Rennsiege, schnellste Runden oder andere Leistungen bieten. Spieler müssen Startgelder bezahlen, können Fahrzeuge kaufen und verkaufen und sich so nach und nach hocharbeiten. Auch die Reparaturkosten nach Unfällen müssen selbst getragen werden, was dem Ganzen eine realistische Komponente verleiht.

Die künstliche Intelligenz der Gegner ist ein weiteres massives Problem, das auf Konsolen genauso gravierend ist wie auf dem PC. Die KI-Fahrer scheinen nur vage zu ahnen, dass andere Fahrzeuge auf der Strecke sind. Sie fahren ihre vorprogrammierte Ideallinie stur ab und scheren sich nicht darum, ob sich ein anderes Auto neben ihnen befindet. Das führt zu frustrierenden Situationen, in denen man korrekt überholt, nur um von einem KI-Gegner einfach in die Bande gedrängt zu werden, als wäre man Luft. Die Kollisionsphysik ist dabei asymmetrisch: Während die KI problemlos durchfahren kann, werden menschliche Spieler bei Kontakt oft ins Taumeln gebracht. Das macht faire Rennen gegen die KI nahezu unmöglich und raubt dem Karrieremodus viel von seinem Reiz. Erschwerend kommt hinzu, dass es auf Konsolen keinen effektiven Radar oder Spotter gibt, was das Fahren in der Cockpit-Ansicht besonders gefährlich macht, wenn mehrere Autos eng beieinander fahren. Das Strafsystem ist hart und strikt. Selbst kleinste Bahnlimitüberschreitungen werden oftmals mit sofortigen Zwei-Sekunden-Strafen geahndet, auch wenn man von einem Gegner von der Strecke gedrängt wurde. In Multiplayer-Rennen wird so oft nicht der beste Fahrer gewinnen, sondern derjenige, der die wenigsten Strafpunkte gesammelt hat. Diese rigide Bestrafung ohne Kontext-Bewertung macht das Spiel gelegentlich unnötig frustrierend.
Grafisch sieht Project Motor Racing auf PlayStation 5 und Xbox Series X/S bestenfalls durchschnittlich aus, was überrascht, da das Spiel auf der GIANTS Engine 10 basiert. Die Beleuchtung wirkt flach, die Streckenumgebungen sind detailarm, und insgesamt sieht das Spiel aus wie ein Titel aus dem Jahr 2015. Das ist besonders enttäuschend, wenn man bedenkt, dass Project CARS 2 bereits 2017 visuell beeindruckender war und Gran Turismo 7 auf der PS5 zeigt, was auf den aktuellen Konsolen möglich ist. Immerhin läuft das Spiel auf den Konsolen relativ stabil mit 60 fps im Quality-Modus bei 1440p, auch wenn es bei Regen gelegentlich zu Frame-Rate-Einbrüchen kommt. Die Ladezeiten sind erfreulich kurz. Der Tag-Nacht-Wechsel und das dynamische Wetter sind zwar vorhanden und funktional, können aber nicht über die generell veraltete Optik hinwegtäuschen.

Ein bemerkenswertes Feature ist die Mod-Unterstützung auf allen Plattformen, einschließlich PlayStation 5 und Xbox Series X/S, was für eine Konsolenversion eines Rennspiels eine absolute Seltenheit darstellt. Dies ist dem Einsatz der GIANTS Engine zu verdanken, die auch in der Farming Simulator-Serie verwendet wird und bereits dort Mod-Unterstützung auf Konsolen ermöglichte. Alle Mods müssen allerdings einen Qualitätssicherungsprozess durchlaufen und den Zertifizierungsstandards der Konsolenhersteller entsprechen, bevor sie veröffentlicht werden können. Dies könnte langfristig die Lebensdauer des Spiels auf Konsolen verlängern, sofern die Community sich engagiert und die grundlegenden Probleme nicht zu viele potenzielle Modder abschrecken. Die ersten Community-Mods sind bereits verfügbar und können direkt über das Spielmenü heruntergeladen werden. Ebenso erfreulich ist, dass auch der Onlinemodus von allen gespielt werden kann, selbst wenn man über keine Onlinemitgliedschaft der jeweiligen Konsole besitzt. Dies gelingt durch wechselnde Rennen in denen man sich dank asynchronem Gameplay in zwei unterschiedlichen Ranglisten mit seinen Gegnern misst.
Project Motor Racing im Test



Die Welt der Rennsimulationen ist in den letzten Jahren hart umkämpft geworden. Während etablierte Titel wie iRacing, Assetto Corsa Competizione und die Forza Motorsport-Serie ihre treue Fangemeinde pflegen, versuchen immer wieder neue Herausforderer, sich in diesem anspruchsvollen Genre zu etablieren. Mit hohen Erwartungen und großen Versprechen trat Ende November 2025 Project Motor Racing auf den Plan, ein Titel, der die Herzen von Motorsport-Enthusiasten höher schlagen lassen sollte. Doch wie so oft in der Spielebranche zeigt sich auch hier: Ambition allein reicht nicht aus, um ein überzeugendes Produkt abzuliefern.
Michael meint:
Positiv
- knapp 80 Fahrzeuge
- Vielzahl an Strecken
Negativ
- KI fährt rücksichtslos auf Ideallinie
- manche Fahrzeuge brechen gerne aus (z.B. Hypercars)
-
von Mistercinema:
Launch Trailer: Publisher GIANTS Software und Entwickler Straight4 Studios veröffentlichen Project Motor Racing für PC, PlayStation®5 und Xbox Series X|S - inklusive vollständigem Mod-Support auf allen Plattformen. Der Launch-Trailer unterstreicht den Anspruch auf kompromisslose...
-
von Mistercinema:
Systeme: PC, PS5, XBS Ok, ich musste auch zweimal gucken - Giants Software ist ja jedem eher durch die Landwirtschafts Simulatoren bekannt - aber ein Rennspiel!? Checkt den Trailer, dann wird die Skepsis deutlich abfallen Published by GIANTS Software and developed by Straight4 Studios, Project...


Project Motor Racing ist ein Spiel mit enormem Potenzial, das in seinem aktuellen Zustand noch Luft nach oben hat. Es gibt Momente, in denen alles zusammenpasst, wenn man mit dem richtigen Auto auf der richtigen Strecke fährt, die KI gerade kooperativ ist und man sich mit der nervösen Steuerung arrangiert hat. In diesen seltenen Augenblicken zeigt sich, was Project Motor Racing hätte sein können. Für Fans von Rennsimulationen auf Konsolen, die einen umfangreichen Karrieremodus und eine interessante Fahrzeugauswahl suchen, lohnt es sich, das Spiel im Auge zu behalten und auf weitere Updates zu warten. Besonders die Mod-Unterstützung könnte langfristig ein Alleinstellungsmerkmal werden. Ich bin aber zuversichtlich, dass mit den angekündigten Patches das Spielerlebnis noch runder gemacht werden kann.