Dark Souls im Test

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Einen Überraschungshit zu landen erweist sich oft als zweischneidiges Schwert. Diese Erfahrung machten auch die Entwickler von From Software, nachdem ihr Spiel Demon´s Souls zu Beginn des Jahres 2009 in Japan veröffentlicht wurde. Ohne große Werbekampagne entwickelte sich das hammerharte Action-RPG innerhalb weniger Tage zum Verkaufsschlager. Als das Game einige Monate später in den USA und Europa in den Regalen der Händler stand, verloren Genre-Fans und Kritiker weltweit die Beherrschung. Rezensionen voller Lobgesänge und tagelange Sitzungen vor der Konsole folgten. Die Freude über diesen Erfolg war sicherlich groß, doch nun standen die Macher unter Druck. Während Demon´s Souls in aller Stille entwickelt werden konnte, schaute die Konsolengemeinde jetzt erwartungsvoll ins ferne Japan, wo im Hause From Software an dem Nachfolger gearbeitet wurde. Dark Souls musste einfach noch besser, größer und schöner werden als sein legendärer Vorfahre.

Dark_Souls_001.jpgDark Souls ist ein Game mit Ecken und Kanten, das sich nicht davor scheut, sein Publikum zu verwirren und teilweise sogar absichtlich zu frustrieren. Wer viel spielt, findet sich normalerweise in jeder neuen virtuellen Welt schnell zurecht. Doch das neue actiongeladene Rollenspiel denkt gar nicht daran, irgendwelche Erwartungshaltungen zu bedienen. In allen Bereichen, angefangen vom Erzählstil bis hin zum Kampfsystem, folgt es seinen eigenen Regeln. Nach einem stimmungsvollen Intro und einem extrem umfangreichen Charakter-Editor wird man recht unsanft in einen düsteren Fantasy-Albtraum geschubst. Der gerade erst in mühevoller Kleinarbeit erstellte Held ist nicht wiederzuerkennen. Das menschliche Gesicht ist einer entstellten Fratze gewichen und der erstaunte Zocker wird darüber informiert, dass es sich bei dem Protagonisten um ein untotes Wesen handelt. Ausgerechnet ein Zombie wurde laut einer mysteriösen Prophezeiung auserwählt, um die finsteren Mächte zu bezwingen. Obwohl die Einleitung eine komplexe Handlung vermuten lässt, wird die Geschichte während des eigentlichen Spiels nur zögerlich vorangetrieben. Wenige Dialoge mit den Bewohnern des fantastischen Reiches sind aufschlussreich und selbst die Zwischensequenzen lassen viele Fragen offen. Kritik wäre an dieser Stelle angebracht, wenn nicht innerhalb kurzer Zeit klar würde, dass die Zurückhaltung von Informationen ein Teil eines Masterplans ist, der tatsächlich aufgeht. Diesem Game muss alles mühevoll abgerungen werden, sogar der Sinn.

 

Dark_Souls_002.jpgBereits bei Demon´s Souls wurde viel über den hohen Schwierigkeitsgrad diskutiert. Da wäre es eigentlich logisch, den Nachfolger einsteigerfreundlicher zu machen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall! Dark Souls ist tatsächlich noch gnadenloser und eines der schwersten Games der aktuellen Konsolengeneration. Es ist keine Seltenheit, dass mehr als zehn Anläufe nötig sind, um einzelne Zwischengegner zu besiegen. Das Niederringen der Bosse, die in regelmäßigen Abständen lauern, kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Es ist völlig legitim, den Controller frustriert in die Ecke zu werfen und eine längere Pause einzulegen, wenn die Lage absolut aussichtslos erscheint. Doch anschließend kommt es immer wieder zu einem interessanten Phänomen. Das Kampfsystem ist so komplex, dass die Gedanken auch bei abgeschalteter Konsole weiter um die aktuelle Herausforderung kreisen. Hilft es eventuell, den Fiesling in eine andere Umgebung zu locken, die mehr Bewegungsfreiheit bietet? Sollte die kraftvolle Zweihandwaffe gegen ein leichteres Vernichtungswerkzeug samt Schild eingetauscht werden? Ist der aktuell ausgerüstete Zauberspruch ungeeignet? Früher oder später sorgt der Wunsch, Antworten auf solche Fragen zu erhalten dafür, dass der Power-Knopf wieder betätigt wird. Wenn der ehemals übermächtig wirkende Feind irgendwann endlich zu Boden geht, ist die Freude umso größer, weil klar ist, dass der Sieg hart erkämpft wurde.

 

Dark_Souls_003.jpgDark Souls ist kein unfaires Spiel, begibt sich aber gefährlich nah an die Grenze zur Gemeinheit. Man trifft oft auf Feinde mit einschüchternden Energiebalken, die dazu in der Lage sind, die eigene Spielfigur innerhalb weniger Sekunden auszuschalten. Eine Möglichkeit die Duelle zu überstehen, ist aber immer vorhanden. Die Steuerung könnte etwas reaktionsfreudiger sein. Gerade wenn es um schnelle Ausweichmanöver geht, lässt sich der Held viel Zeit, was gelegentlich verheerende Auswirkungen hat. Zwar wird der untote Retter im Laufe der Zeit etwas flinker, aber trotzdem bleibt das dumme Gefühl, dass die computergesteuerten Bewohner der Welt immer einen leichten Vorteil haben. Die Option Gegner dauerhaft anzuvisieren, ist Segen und Fluch zugleich. Die Wahrscheinlichkeit ins Leere zu schlagen nimmt rapide ab, aber im Eifer des Gefecht kann es passieren, dass die Verfolgung eines Fieslings mit dem Sturz von einer Klippe endet. Abgesehen von diesen Mankos erweist sich der Controller als verlässliches Werkzeug, um den Gefahren, die an jeder Ecke lauern, zu trotzen.

 

Dark_Souls_004.jpgEs ist nicht leicht, ein vielschichtiges Kampfsystem sinnvoll mit den umfangreichen Einstellungs- und Kombinationsmöglichkeiten eines Rollenspiels zu verknüpfen, aber den schlauen Köpfen von From Software ist dieses Kunststück gelungen. Die Feinheiten der Steuerung und der Menüs zu entschlüsseln ist eine langwierige Angelegenheit. Nur wer sich wirklich Mühe gibt, ist dazu in der Lage, schnell und korrekt zu reagieren, wenn es mal wieder gefährlich wird. Ebenso originell wie gemein ist die Tatsache, dass viele der Aktionen realistischer ablaufen, als in Videospielen normalerweise üblich. Welches Game ist schon so fies, dass es den Gegnern erlaubt, weiter auf den Protagonisten einzuhacken, während sich dieser in aller Ruhe einen Heiltrank reinzieht? Außer Dark Souls und den diversen Episoden der Monster Hunter-Reihe gibt es nicht viele interaktive Entertainment-Produkte, die so unerbittlich sind.

 

Dark_Souls_005.jpgDie Anzahl unterschiedlicher Gegenstände ist nicht so überwältigend wie in anderen modernen Rollenspielen. Dennoch kommen Jäger und Sammler voll auf ihre Kosten. Waffen, Rüstungsteile, Ringe, Zaubersprüche und viele andere schöne Dinge können in der düsteren Welt aufgespürt oder bei diversen Händlern gekauft werden. Das Inventar ist nicht begrenzt und das ist gut, denn oft wird der wahre Nutzen eines Items erst viele Stunden nachdem es gefunden wurde deutlich. Obwohl die Hintergründe der Story ein Mysterium bleiben, ist Dark Souls dennoch ein RPG mit Tiefgang. Unterschiedliche Charakterklassen, viele Freiheiten bei der Evolution des Helden und jede Menge Geheimnisse machen das Experimentieren zum festen Bestandteil des Gameplays. Wie der Name schon vermuten lässt, spielen die Seelen besiegter Kontrahenten eine zentrale Rolle. So morbide es auch klingen mag, die überirdischen Bestandteile jedes Wesens sind das gängige Zahlungsmittel in Dark Souls. Ob nun die Fähigkeiten verbessert werden sollen oder eine Reparatur ansteht, immer werden Seelen fällig. Viel strategisches Geschick ist gefragt, wenn der nächste Kampf vorbereitet wird, denn die begehrte Tauschware ist praktisch immer zu knapp, um alle Wünsche zu erfüllen.

 

Dark_Souls_006.jpgDas wiederholte Niedermetzeln der gleichen Gegner, um mehr Punkte zu erhalten (Fachwort = Grinden), ist erlaubt. Aber aufgepasst! Selbst diese grundsätzlich simple Aufgabe gestaltet sich in diesem Fall knifflig. Lagerfeuer, die unter anderem als Speicherpunkte dienen, sind rar und wenn die eigene Spielfigur weit entfernt von einer solchen Sicherheitszone das Zeitliche segnet, ist das mehr als ärgerlich. Alle Gegner, mit Ausnahme der Bosse, sind wieder da, aber die mühsam gesammelten Seelen liegen am Ort des vorherigen Ablebens. Wenn auf dem langen und beschwerlichen Weg nun ein grober Fehler gemacht wird, der erneut mit dem Tod endet, sind die Schätze unwiederbringlich verloren. Diese ungewöhnliche Maßnahme sorgt dafür, dass selbst extrem frustrierte Abenteurer die Konsole meistens nicht abschalten, wenn sie in einem Kampf den Kürzeren gezogen haben. Oft wäre der Verlust zu groß.

 

Dark_Souls_007.jpgAuch in Sachen Multiplayer traut sich Dark Souls anders zu sein als die Konkurrenz. Eine Reihe von Online-Funktionen wurde nahtlos mit dem Einzelspieler-Modus verknüpft. Überall findet man Nachrichten, die von namenlosen Abenteurern hinterlassen wurden und oft huschen geisterhafte Erscheinungen durchs Bild, bei denen es sich um die Aufzeichnungen von Heldentaten anderer Xbox-Besitzer handelt. Wenn es gelingt, die menschliche Gestalt des Hauptdarstellers wieder herzustellen, nehmen die Interaktionsmöglichkeiten drastisch zu. Verbündete aus aller Welt können gerufen werden, um heikle Situationen zu überstehen und obwohl Dark Souls grundsätzlich ein kooperatives Vergnügen ist, dürfen auch Duelle ausgetragen werden. Das Design des Games ist darauf ausgelegt, Gefühle wie Verzweiflung und Einsamkeit zu wecken. Das dürfte auch der Hauptgrund dafür sein, dass kein Voice-Chat integriert wurde und Online-Begegnungen rein zufällig sind. Die Entscheidung ist nachvollziehbar, hinterlässt aber dennoch einen bitteren Nachgeschmack. Durch das Beobachten von erfahrenen Monsterjägern lässt sich viel lernen, aber gerade zu Beginn wünscht man sich ständig, ein paar konkrete Fragen an die Checker stellen zu dürfen.

 

Dark_Souls_008.jpgWahrscheinlich gibt es irgendwo auf diesem Planeten hochbegabte Menschen, die Dark Souls in 30 Stunden durchspielen können. Die motorischen und taktischen Begabungen, die dafür nötig sind, dürften aber so selten sein wie ein Hauptgewinn im Lotto. Selbst erfahrene Genrekenner sollten mindestens die doppelte Zeit einplanen. Wer dem Game alle Geheimnisse entlocken will, muss zwangsläufig Urlaub nehmen und alle sozialen Kontakte abbrechen. Neben dem hohen Schwierigkeitsgrad ist es auch das offene Design der Welt, das die Gesamtspielzeit in schwindelerregende Höhen triebt. Demon´s Souls war ein recht lineares Abenteuer, der Nachfolger lädt aber zu langen Forschungsreisen durch die miteinander verknüpften Areale ein.

 

Dark_Souls_009.jpgEs gibt Third-Person-Actionspiele, die eine qualitativ bessere Grafik bieten als Dark Souls. Mit den genialen Animationen der Gears of War-Reihe oder den wunderschönen Texturen, mit denen die virtuellen Welten von Assassin´s Creed überzogen sind, kann das aktuelle Werk von From Software nicht mithalten. Doch obwohl es rein technisch gesehen nicht in der gleichen Liga spielt wie die Elite, punktet Dark Souls mit optischen Reizen, die nicht in Bewegungsphasen oder Polygonzahlen messbar sind. Die Landschaften sind sehr abwechslungsreich und häufig wird der Zocker nach den wirklich harten Kämpfen mit einer neuen Umgebung belohnt. Die Reise führt durch Burgen mit interessanter Architektur, dicht bewachsene Wälder, trostlose Katakomben und viele weitere interessante Orte. Oft ist es der abrupte Wechsel zwischen finsteren Gemäuern und Schauplätzen, die die traumhaft wirken, dass sie aus einem Märchen stammen könnten, der das Game zu einem einzigartigen Erlebnis macht. Auch den Designern war bewusst, dass sie eine imposante Welt geschaffen haben, sonst hätten sie nicht so viele Aussichtsplattformen integriert, die den Blick in die Ferne erlauben. Ärgerlich sind die gelegentlichen Einbrüche der Framerate und Clipping-Fehler, die vermehrt auftreten, wenn ein gigantischer Boss den Bildschirm aufmischt.

 

Dark_Souls_010.jpgÜber weite Strecken gibt es lediglich Soundeffekte zu hören und das ist auch gut so. Vom kleinsten Windhauch bis hin zur donnernden Explosion klingt jedes Geräusch realistisch. Die zurückhaltende akustische Untermalung verfehlt ihre Wirkung nicht und unterstreicht die beklemmende Atmosphäre des Abenteuers. Wenn tatsächlich Musik aus den Lautsprechern tönt, ist klar, dass ein großes Ereignis bevorsteht. Die Bosskämpfe und die wenigen Zwischensequenzen werden von einem orchestralen Soundtrack begleitet, der auch in einen Hollywood-Film mit großem Budget gepasst hätte. Mal sind es dramatische Klänge, mal ruhige Töne, aber fast immer ist ein Chor mit von der Partie. Das Ergebnis erinnert ein wenig an die Star-Wars-Kompositionen von John Williams.




 

 

Tim meint:

Tim

Du willst ein intuitives Gameplay, eine nette Story und einen fairen Schwierigkeitsgrad? Dann kauf dir eine Wii mit einem aktuellen Teil der Zelda-Serie! Du wirst begeistert sein und viele spaßige Stunden erleben. In der Welt von Dark Souls bist du falsch. Bitte vergiss die hohen Wertungen, die du im Internet gesehen hast und lass dich nicht von deiner Vorliebe für Action-Rollenspiele zum Kauf verleiten. Dieses Game wurde für eine spezielle Sorte von Zockern gemacht. Geduld, Forscherdrang und ein unbändiger Siegeswille sind Grundvoraussetzungen, um dieses Abenteuer zu überstehen und zu genießen. Eventuell ist sogar eine gewisse masochistische Veranlagung vorteilhaft, denn viele der Kämpfe sind so schwer, dass sie fast körperliche Schmerzen verursachen. Wer die Herausforderung liebt, kleinere technische Macken vergeben kann und dazu bereit ist, eine oft verwirrende Welt selbstständig zu erkunden, wird in diesem Jahr kein besseres Spiel als Dark Souls finden. Bei mehr als 60 Stunden Gesamtspielzeit ist das Preis-Leistungsverhältnis fantastisch. Völlig Bekloppte können theoretisch ewig weiter zocken, da der Schwierigkeitsgrad jedes Mal gesteigert wird sobald die Endsequenz über den Bildschirm geflimmert ist.

Positiv

  • Unglaublich dichte Atmopshäre
  • Es gibt viel zu tun!
  • Interessantes Kampfsystem

Negativ

  • Besonders anfangs extrem verwirrend
  • Kein Voice-Chat im Online-Multiplayer
  • Für die meisten Zocker viel zu schwer
Userwertung
9.6 15 Stimmen
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9.6
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Forum
  • von Guut:

    Hilfe! Kann Mir irgendwer via Coop aushelfen? Ich sitze derzeit am Grabmal des Riesen Leuchtfeuer und versuche verzweifelt wieder zurück zum Feuerbandschrein zu gelangen. Genauer gesagt, hing ich davor beim Vamos Leuchtfeuer (Katakomben) fest, und wollte von dort aus zum Feuerbandschrein...

  • von 108 Sterne:

    Ignorama schrieb: Ich fand das Ende scheiße, weil ich Frampt nicht töten konnte. Dieser dreckige Regenwurm meinte ich wäre nicht der Außerwählte und dann kriecht er zu Kreuze? AB MIT DEM KOOOOOOOOOOOOOOOOOPF!!! Was hast du denn...

  • von manji:

    108 Sterne schrieb: Gratulation! Welches Ende hast du denn gewählt? Das Bonfire nicht zu entzünden fand ich besser. Es gibt ja kein richtig gutes und richtig schlechtes Ende. ich hab das bonfire entzündet. Aber auch eher unbedacht....

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