Fist of the North Star: Lost Paradise im Test

PlayStation 4

 

Koei Tecmo hat es mit Dynasty Warriors vorgemacht, jetzt zieht SEGA mit Yakuza nach: Man nimmt ein erfolgreiches Spielkonzept aus dem eigenen Katalog und versieht es mit einer populären Lizenz. Das erste Game ist hierbei die Adaption zum Kult-Manga Hokuto no Ken.

 
Fist_of_the_North_Star_LP_nexgam_7Hokuto no Ken, im Westen als Fist of the North Star bekannt, war in der Tat selbst zuvor schon eine jener Lizenzen gewesen, mit denen Koei seine Dynasty-Warriors-Reihe ausschmückte. Von daher ist es nur passend, dass dieselbe Vorlage von SEGA in ähnlicher Form genutzt wird.
 

Fist of the North Star: Lost Paradise ist dabei nicht das erste Game von SEGA zu Buronsons und Tetsuo Haras postapokalyptischer Dystopie. Bereits 1986 erschien mit dem Master-System-Spiel Black Belt eine Versoftung, gefolgt von einem der ersten Mega-Drive-Titel The Last Battle. Zwar wurden beide Spiele ihrer Zeit auch in Europa veröffentlicht, allerdings ihrer Verbindung zum hierzulande eher wenig bekannten Manga beraubt.

 

Fist_of_the_North_Star_LP_nexgam_5Die Geschichte von Lost Paradise ist eine Art Neuerzählung der Originalstory. Bekannte Charaktere und Situationen sind anzutreffen, werden aber in neuen Zusammenhängen präsentiert. Nach dem Atomkrieg wird der junge Kampfkünstler Kenshiro gewaltsam von seiner geliebten Yuria getrennt. Er überlebt und zieht fortan durchs Land auf der Suche nach seiner großen Liebe. Unterwegs im verwüsteten Ödland hört er von der utopischen Stadt Eden, in der sich Yuria aufhalten könnte. Eine abgeschottete Stadt mit geradezu luxuriös vielen Ressourcen, die niemand ohne Sondererlaubnis betreten darf. Kenshiro schafft es hinein, und wird nach einigen Unannehmlichkeiten nicht nur eine Vertrauensperson der Herrscherin, sondern ebenfalls ein bekannter Bewohner Edens. Durch Krisen von innerhalb und außerhalb der Stadt wird der stille Kämpfer eine unverzichtbare Stütze und Beschützer eben dieser, seine tödliche Kampftechnik scheinbar jeder Herausforderung gewachsen. Doch nicht nur forscht er weiter nach Yurias Verbleib, er kommt auch den düsteren Geheimnissen seiner aktuellen Heimat auf die Spur.

 

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Spielerisch dürfte sich jeder, der bereits mit Yakuza vertraut ist, in Fist of the North Star schnell heimisch fühlen. Kenshiro kann sich frei in der Stadt bewegen, Restaurants und Geschäfte aufsuchen und Missionen von Bewohnern annehmen.
 

Ob als Teil einer Mission oder einfach durch eine zufällige Begegnung mit Schlägertypen: Eher früher als später kommt es zum Kampf.
 

 

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Die Kämpfe finden direkt in der normalen Spielumgebung statt. Kenshiro ist eine 1-Mann-Armee und kann sich problemlos der Angriffe eines Dutzends oder mehr Gegner erwehren. Simple Buttonkombinationen führen zu herben Dresche für die Punks. Je nach Größe und Stärke können die Angreifer einiges abblocken. Durchbricht man deren Abwehr, kann mit der Kreistaste ein Finishing Move eingesetzt werden. Wie vom Manga bekannt, lässt unser Held die ahnungslosen Punks hierbei auf verschiedene Weise sprichwörtlich explodieren. Je nachdem, was man im Skilltree alles erlernte, eröffnen sich neue Tötungsmöglichkeiten. Ausgelöst durch einen simplen Tastendruck mit anschließendem Quick-Time-Event, können so je nach Position und Umgebung mannigfaltige Tötungen eines oder gar mehrerer Feinde angewendet werden. Sind alle Gegner beseitigt bekommt man die Leistung je nach abgelaufener Zeit, eingesteckten Treffern und eingesetzten Angriffen ein Rating, welches sich auf die Erfahrungsboni und sonstigen Belohnungen auswirkt.

 

Fist_of_the_North_Star_LP_nexgam_8Anders als Kiryu und Co aus Yakuza ist Kenshiro aber nicht nur per pedes unterwegs. Zwar ist Eden der Dreh- und Angelpunkt der Story, jedoch gibt es noch andere Ortschaften und Kampfplätze, verbunden durch eine riesige, ruinengespickte Wüstenlandschaft. Da diese zu Fuß nicht zu bewältigen ist, steht Kenshiro ein Geländewagen zur Verfügung. Unterwegs in der Wildnis kann es auch zu Kämpfen kommen, man sammelt Einzelteile fürs Aufmotzen des fahrbaren Untersatzes und sonstige Schätze. Ähnlich einem Metroidvania sind manche Gebiete erst unzugänglich, bzw. später nur mit Upgrades des Jeeps erforschbar. Aber wichtig: Man muss aufs Benzin achten. Wer ins Ödland zieht, sollte lieber einen vollen Tank haben, um zur nächsten Tankstelle zu gelangen. Diese Fahrten bringen etwas willkommene Abwechslung ins Spiel. Später stehen einen auch richtige Rennen zur Verfügung.

 

Fist_of_the_North_Star_LP_nexgam_4Abseits der Abenteuer ähnelt Kenshiro Kiryu in einer Hinsicht: Unter der rauen Schale steckt ein ganz weicher Kern, und so lässt sich Ken zu allerlei Hilfe bewegen.
 

Neben den simplen Missionen betätigt sich unser Held bspw als Barkeeper. Dann gilt es, durch Betätigen der Analogsticks und Schütteln des Controllers, jedem Gast den korrekten Drink zu servieren und sich seine Probleme anzuhören.
 

Als Aushilfsarzt müssen zahlreiche Patienten in Form eines musikalischen Rhythmus-Spielchens mit Kenshiros sonst tödlichen Finger eine Akkupunktur verpasst bekommen.
 

Auch eine Spielhalle ist vorhanden, und benötigt Arcade-Automaten, welche Kenshiro unterwegs findet. Sogar ein SEGA Mark III (die japanische Version des Master Systems) mit dem ersten Fist-of-the-North-Star-Spiel kann gefunden werden.
 

Das größte Minispiel ist der aus Yakuza Zero bekannte Cabaret Club. Kenshiro heuert Hostessen an und setzt unter Zeitdruck den oft anspruchsvollen Gästen die passenden Damen zur Seite, um für Zufriedenheit und hohe Einnahmen zu sorgen. Die Hostessen sammeln Erfahrung und werden befähigt, immer schwierigere Kunden mit mehr Geld zu bedienen. Eine Nebenbeschäftigung, die einen viele Stunden bei der Stange hält.

 

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Grafisch fängt Fist of the North Star den Anime-Stil sehr gut ein. Die abartig muskelbepackten Gestalten sind sicher nicht jedermanns Geschmack; und der abstrus hohe Gewaltgrad auch nicht. Doch beides repräsentiert die Vorlage sehr gut. Eden sieht verglichen mit Tokyos Nachtleben etwas öde aus, aber die Welt des Spiels ist nun mal eine atomare Wüste.
 

Anders als bei Yakuza steht dem Spieler diesmal ebenfalls eine komplett englische Sprachausgabe zur Verfügung. Dabei muss aber erwähnt werden, dass bei weitem nicht jeder Dialog vertont ist. Optional darf auch auf japanischen O-Ton umgestellt werden. Deutsche Texte gibt es weder in Ton noch Untertiteln.

 

 

 

Daniel meint:

Daniel

Fist of the North Star: Lost Paradise zeigt, wie gut sich SEGAs exzellente Yakuza-Rezeptur für andere Themen adaptieren lässt. Obwohl ich den Anime als Teenager sah, war ich nie Fan davon. Dieses Game unterhielt mich mit seinem bewährten Aufbau aber 40 Stunden gut und brachte mir diese Welt näher als je zuvor. Die kleinen Neuerungen und Abweichungen, wie das Autofahren sind nette Unterscheidungsmerkmale zu SEGAs Unterwelt-Epos. Insgesamt ziehe ich die Yakuza-Reihe zwar dennoch klar vor, aber gerade für Fans der Vorlage könnte dieses Spiel umgekehrt dafür sorgen, dass sie darüber endlich zu Yakuza finden. Ich bin gespannt auf weitere Lizenzen, die mit diesem so typischen Gameplay umgesetzt werden!

Positiv

  • Gewohnt gutes Yakuza-Gameplay mit neuen Elementen
  • Flottes Kampfsystem
  • Großer Umfang

Negativ

  • Grafik etwas eintönig
  • Nicht voll vertont
Userwertung
8.8 2 Stimmen
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Forum
  • von Kyo:

    Kann ich nur empfehlen: ist ein Mega-Game von Sega geworden.

  • von Gyaba:

    Sehr cool! Das Spiel habe ich schon länger auf meiner Liste und auch richtig Bock drauf ...

  • von Mistercinema:

    ATLUS gibt bekannt, dass die Demo Fist of the North Star: Lost Paradise ab sofort verfügbar ist. Das intensive Action-Adventure-JRPG erscheint am 2. Oktober 2018 für die PlayStation 4. In der Demo kann der Spieler zwischen zwei verschiedenen Spielmodi wählen: · Battle Mode – Der...

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