The Evil Within 2 im Test

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Sebastian Castellanos ist ne arme Sau. Nicht genug, dass er vor einigen Jahren dank Evil Within durch die Hölle gehen musste. Gerade erst mit dem Tod seiner Tochter konfrontiert, wurde er der kranken Psyche eines irren Killers ausgeliefert und konnte dem Tod nur knapp entrinnen. Nun, 2017, schickt man ihn zu guter Letzt (?) erneut in eine grausame Psychowelt. The Evil Within 2 steht an!

 

Evil_1Nach dem Tod seiner Tochter nebst anschließendem Zerbrechen der Ehe und den Psychospielen des Vorgängers, hat er sich in einen mäßig gepflegten, Dreitagebart tragenden Teilzeittrinker verwandelt. Dennoch hat er sich mit der Situation mehr oder minder abgefunden. Wäre er nicht jüngst mit einer alten Bekannten zusammengetroffen, sein Leben hätte, öde und trist aber mit viel Alkohol, noch einige Jahre so weiterlaufen können. Stattdessen lässt er sich erneut in die Machenschaften der ominösen MÖBIUS Gesellschaft ziehen. Diese betreiben ihre Forschungen rund um das STEM Projekt, trotz des katastrophalen Scheiterns in EVIL WITHIN, munter weiter. Wieder wurden menschliche Versuchsobjekte elektronisch miteinander vernetzt. Damals wie heute geht etwas schief. Ein kranker Geist übernimmt die Kontrolle. Sebastians, doch nicht so tote, Tochter spielt dabei eine große Rolle. Um sie zu retten, betritt er erneut die grausame, lebensbedrohliche „Scheinwelt“. Aber diesmal ist er darauf vorbereitet.

Wie bereits beim Erstling, so klingt auch die Story zum Nachfolger recht spannend. Zunächst wirkt vieles altbekannt. Hauptfigur, Steuerung und teilweise die Spielwelt selbst erinnern frappierend bzw. wurden gleich ganz vom Vorgänger übernommen. Statt der psychiatrischen Anstalt, starten wir im Polizeirevier. Von dort geht es, ebenfalls aus Teil 1 bekannt, via Spiegelportal in die richtige Spielumgebung. In der simulierten Kleinstadt Union herrscht das Chaos. Alles liegt im Dunkeln. Blut und Zerstörung beherrschen das Bild. Frühzeitig treffen wir auf die ersten Überlebende...die sich recht schnell als mutierte Ruhelose entpuppen. Auch diese kennt man bereits aus dem Vorgänger.

Evil_2Neu ist, dass wir uns wesentlich freier bewegen. Das Städtchen zu Beginn ist nicht riesig, aber groß genug, um uns eine Open World zu suggerieren. Ausgebremst wird der Entdeckerdrang durch die zahlreich vorhandenen und starken Gegner. Schon Ottonormal Mutant verträgt in der Regel mehrere Messerhiebe oder 2-3 Schüsse aus der Polizeipistole. Glück dem, der einen Headshoot landet. Die Handaxt im Gepäck ist eine weitere Alternative. Beides führt zum sofortigen Tod des Kontrahenten. Letztere ist nach einmaligem Einsatz jedoch für immer weg. Hat man den einzigen (?) Überlebenden des Möbiussuchteams entdeckt, ist ein dauerhafter und sicherer Unterschlupf nicht fern. Optisch anders, spielerisch mit dem Savepoint des Vorgängers gleichzusetzen. Hier könnt ihr zum einen eure gefundenen Waffen, oder Sebastians Fähigkeiten verbessern. Neben dem „grünen Schleim“, welchen getötete Gegner oftmals hinterlassen, findet ihr an zig Stellen im Spiel Schießpulver, Pflanzen und Waffenteile. All das dient dem Upgraden der Waffen, auch dem Herstellen von Munition jedweder Art sowie Heilmitteln.

In relativ kurzer Zeit sollte jeder ein recht anschauliches Arsenal zusammengestellt haben. Zumal man immer wieder nach Belieben zum Zufluchtsort zurückkehren kann. Werkstätten gibt es zudem reichlich im Städtchen. Gehört es doch zum guten Ton eines jeden Amerikanische Bürgers, eine solche in der Garage oder im Keller eingerichtet zu haben.

Evil_5Mit dem erhaltenen Funkgerät ortet ihr zukünftig sogenannte Interferenzen. Was nichts anderes als Funksprüche sind. Neben der Hauptstory, die sich um die Suche nach Sebastians Tochter dreht, fangt ihr immer wieder andere Sprachfetzen, meist Hilferufe von Bewohnern und Wachpersonal, auf. Einmal geortet, tauchen entsprechende Hotspots auf eurer Karte auf. Habt ihr den Ort erreicht, gibt es einiges zu Entdecken. Das Spektrum reicht von Items und Sammelobjekten, über Storyfetzen in Papierform bis hin zu neuen Spielsequenzen. Diese führen euch nicht selten in gänzlich neue Abschnitte. Mal durschreitet ihr ein verlassenes Haus, ein anderes Mal landet ihr in einem Bereich der aus Teil 1 bekannten Irrenanstalt.
 
Damit ihr Sebastian nicht bereits in den ersten Kapiteln zum Superman aufpowert, sind dem Leveln und Upgraden immer wieder Grenzen gesetzt. In regelmäßigen Abständen benötigt ihr spezielle Zutaten, welche sich nicht so einfach finden lassen.
 
Evil_7Spielerisch blieb im Grunde alles beim Alten. Auch wenn wir uns nun recht frei in der Spielwelt bewegen. Positivste Neuerung: es gibt nahezu keine Trial & Error und reine Quicktime Events mehr. Zwar muss man auch im zweiten Teil das eine oder andere Mal schmerzlich feststellen, dass ein Gegner gar nicht zu besiegen ist. Doch diese Szenen sind sehr selten. Für den einen Grund zur Beschwerde, für den anderen eine Tugend: die eher kleinen Abschnitte. Open World klingt groß, bezieht sich hier aber tatsächlich nur auf die Tatsache, dass man frei entscheiden kann, wohin man als nächstes geht und was man macht. Rein von der Größe her sind sie nicht umfangreicher, als mancher Level in vergleichbaren Games. Verbunden werden sie durch klassisch lineare Bereiche. Meist in Form einfacher Tunnelsysteme. Im Spiel selbst wir diese Verbindung als „Mark“ Bezeichnet. Die Macher wandeln, erfolgreich, auf dem schmalen Grad des „richtigen“ Open World Games (ala GTA oder den Elder Scrolls Spielen) und einem eher linearen Abenteuer, wie es der direkte Vorgänger bietet. Gut so!

Evil_3Denn während zahlreiche Open World Vertreter insoweit darunter leiden, dass das Storytelling auf der Strecke bleibt, ist dies bei Evil Within 2 anders. Von Beginn an baut man eine bedrückende und gruselige Stimmung auf. Einziges Manko für Kenner des Erstlings: das Meiste ist bereits bekannt. Wer direkt mit Teil 2 einsteigt, könnte sich an den zahlreicheh Bezügen zum Erstling stören. Er versteht evtl. erst viel später was, warum und wie geschieht. Überraschungen sind eher die Ausnahme. An vielen Stellen setzt man zudem auf, aus zahlreichen Horrorfilmen und Spielen bekannte, Jump Scares. Wo eben kein Gegner war, taucht nun einer auf und selbstverständlich entpuppt sich die entdeckte Überlebende als Monster. In den begrenzten Arealen bewegen sich einige Gegner recht frei. So könnt ihr nie wirklich sicher sein, das ein gerade noch gegnerfreier Hinterhof auch beim nächsten Besuch safe ist. Genau diese kleinen Feinheiten führen zu einer permanent angespannten Stimmung. Selbst mit prall gefülltem Inventar stapft man mit gebührendem Respekt durch die Stadt. Der eine oder andere besondere Gegner, stellt zudem eine nochmals größere Gefahr da. Nie hat man das Gefühl den Feinden wirklich überlegen zu sein. Castellano, Kidman und nahezu alle „Sprechrollen“ haben die nötige Tiefe, um mitfiebern zu können. Die deutsche Synchro ist  teilweise richtig gut (Castellano), in anderen Fällen eher mau (Kidman). Wer der englischen Sprache mächtig ist, wechselt besser dorthin.

Technisch gibt es Licht und Schatten. Die Charaktermodelle präsentieren sich gut, die Umgebungsgrafik ebenfalls. Dennoch kann man die Grafik als State of the Art bezeichnen. Dafür, dass wir fast gar nicht mit der Umgebung interagieren können, wirkt sie teilweise plakativ. Überhaupt hätte man sich mehr Interaktion gewünscht. Wenn die Straßen schon mit Fahrzeugen gespickt sind, dann möchte man sie auch benutzen. Oder zumindest den Innenraum untersuchen. Das Gleiche gilt für die zahlreichen Gebäude. Die wenigsten kann man betreten. Diejenigen, die begehbar sind, sind oftmals ähnlich aufgebaut und eingerichtet. Mit dem Inventar ist fast nie etwas anzufangen. Hier mal eine Schublade öffnen, dort einen TV einschalten. Ende. Volle Regale, zig Schränke etc. pp. doch man kann nichts nehmen oder untersuchen. Gefühlt gab es selbst beim Oldie Resident Evil mehr zu entdecken. Zudem wirkt es alles andere als realistisch. Massig Clippingfehler gibt es ebenfalls. In der Regel einfach nur nicht schön anzusehen. Richtig nervig wird es jedoch, wenn ein getöteter Gegner zu ¾ in einer Wand verschwindet und man deshalb nicht, oder nur schwer, an den grünen Schleim kommt. Unter Umständen fehlen euch später genau diese paar Milliliter, um das nächste Fähigkeitenupgrade zu erlangen. Immerhin sucht man Gamebreaking Bugs vergebens. Zumindest sind im Test keine aufgefallen.

Am Ende ist The Evil Within 2 ein recht klassisches Survival Horror Spielchen mit Open World Anleihen. Man toppt nicht nur den Vorgänger um einiges, sondern schlägt auch die, derzeit wenige, vorhandene Konkurrenz.

 

Alexander meint:

Alexander

Als Fan der klassischen Resident Evils (1-3) und Silent Hills (ebenfalls 1-3) war ich skeptisch. Ein zweites The Evil Within? Ich selbst war eines der „Opfer“ des Erstlings die diesen, aufgrund des häufigen Trial & Error und Quick Time Event Prinzips, gefrustet zur Seite gelegt haben. Auch Open World ist, abseits von großen Rollenspielepen eher nicht mein Fall. The Evil Within 2 macht aber nahezu alles richtig. Baut eine tolle Atmosphäre auf und bietet genau den richtigen Umfang. Zwar mindern ein paar kleinere Bugs den ansonsten durchweg positiven Gesamteindruck. Dennoch sollte jeder halbwegs interessierte Horrorfan zugreifen!

Positiv

  • Durchgehend angespannte Stimmung
  • kein Trial & Error
  • viel zu entdecken dank freier Bewegung...

Negativ

  • ...aber dennoch kein "richtiges" Open World
  • viele technische Schnitzer
Userwertung
10.0 6 Stimmen
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Forum
  • von Phill XVII:

    Bin durch. 14 Stunden. Die Story fand ich ok und nicht so verworren wie es manche Reviews meinen. Spoiler anzeigen Bin gespannt ob noch Teil 3 irgendwann kommt. Hatte ja nen Mini Cliffhanger. // ...

  • von Phill XVII:

    Pisst mich an das ich trotzt fleißiger Absucherei jetzt den Revolver verpasst habe. ...

  • von Phill XVII:

    Darkwing Duck nexgam.de/forum/attachment/131…73c1059b5549725a2c31c35a7...

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