Beyond Blue im Test

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Die Unterwasserwelt hat schon immer etwas Mysteriöses an sich. Wenn man bedenkt, dass es dort immer noch einige Ecken gibt, die bis heute unerforscht sind, erweckt das bereits den Entdeckergeist in einem. Daher rührt wahrscheinlich meine Faszination für Unterwasserspiele, und als ich las, dass mit Beyond Blue sogar ein Spiel in Zusammenarbeit mit der BBC erscheint, war es klar, dass ich dieses Game ausprobieren müsste. So habe ich mich in die dunkelsten Tiefen des Ozeans begeben, um diese Welt dort zu studieren.

Beyond-Blue-02Dazu schlüpfen wir in die Haut von Dr. Mirai, die mit ihrem kleinen U-Boot im Südchinesischen Meer zusammen mit ihrem Team das tägliche Leben einer Walschule beobachten will. Die Gruppe ist dabei überschaubar und besteht aus Andre, der sich vorrangig um die Technik und die Analyse der gesammelten Daten kümmert, und Irina, die Proben dahingehend analysiert, um mögliche Medikamente und für den Menschen nützliche Wirkstoffe zu analysieren. Seine Arbeitspartner bekommt man allerdings nicht zu Gesicht. Mit ihnen ist man ausschließlich über Audiokommunikation verbunden. So unterhält man sich während und zwischen den Tauchgängen werden Erfahrungen ausgetauscht und die Tagespunkte für die nächsten Schritte besprochen. Später lernen wir auch Mirais Schwester Ren kennen, die zu Hause ist und sich um die schwerkranke Großmutter kümmert. So erfährt man etwas über die Hintergrundgeschichte der fiktiven Charaktere, um die geschilderte Geschichte mehr auszuschmücken.

Grundsätzlich hat Beyond Blue eine Story, die in den knapp acht Spielstunden erzählt wird. Wer es darauf anlegt und sich nur auf die Zielpunkte festlegt, dürfte sogar noch schneller damit fertig sein. Jedoch lädt das Spiel euch ein, in Ruhe im Meer zu verweilen und die Schönheit der Flora und Fauna zu genießen. Zugegeben, man sieht der Grafik durchaus an, dass das Game auch auf Apple Arcade erschien, allerdings ist die Unterwasserwelt sehr idyllisch gestaltet mit seiner Vielzahl an unterschiedlichen Fischen und anderen Meeresbewohner. Vor allem die Bewegungen der Tiere sind äußerst realistisch geworden. Die Zusammenarbeit mit dem Team der BBC, denen wir die Dokumentarfilme „Unser Blauer Planet“ verdanken, hat sich hier definitiv ausgezahlt.


Beyond-Blue-07Die Tauchgänge an sich laufen meist recht ähnlich ab. In dem überschaubaren Tauchgebiet schwimmt ihr verschiedene Zielpunkte auf der Karte an. Dort befinden sich entweder die zu beobachteten Tiere, denen wir einen Peilsender verpassen oder sie mit einem so genannten Manta Zoomscannen, um weitere Daten zu sammeln. Oder man taucht zu einer Boje, die mit einem Sonar ausgestattet ist, mit dem wir die Laute von Walen und anderen gesuchten Lebewesen orten können. So erhalten wir die nächsten Ziele, die angeschwommen werden müssen. Sind alle nötigen Informationen gesammelt, gelangt man selbständig wieder ins U-Boot zurück, in dem die Lage besprochen wird.


Wenn ihr tauchen geht, müsst ihr an sich nichts befürchten. Ihr müsst weder auf Sauerstoff achten, noch auf die Haie oder Orcas, die in Beyond Blue allesamt friedfertig sind und einfach an euch vorbeischwimmen. Zu Beginn ist mir durchaus das Herz in die Hose gerutscht, als ich an rund einem Dutzend Schwarzspitzenriffhaie vorbeischwamm, doch diese nehmen quasi keine Notiz vom Spieler, was zweifellos schade ist. So erinnere ich mich gerne an die Tauchgänge von Endless Ocean damals auf der Wii, wo man auch mit den Fischen interagieren und sie sogar berühren konnte. Seinerzeit wurde dies genutzt, um weitere Informationen zu den Tieren zu erhalten, jetzt benutzt man dafür seinen Scanner. Oftmals ist man in den Tauchgängen dazu verdammt, permanent alle Meeresbewohner einzuscannen. Je mehr Fische einer Art man so erfasst hat, desto mehr Daten lassen sich in der Enzyklopädie nachlesen. Glücklicherweise kennzeichnet das Spiel die Tiere, die man bereits in der Datenbank hat und auf der Übersichtskarte werden noch unbekannte Exemplare mit einem grauen Kreis markiert, so dass sich diese leicht ausfindig machen lassen.


Beyond-Blue-19Während eines Tauchgangs werden auch interessante Dialoge eingestreut, die nützliche Informationen über die Tiere und die Arbeitsweise der Meeresforscher beinhalten. Diese werden gut verpackt dem Spieler erklärt, ohne wirklich belehrend zu wirken oder nur trocken zu informieren. Einzig die Entwicklung der Geschichte ist mir etwas zu oberflächlich und geht auch meiner Meinung nach in die falsche Richtung. So hätte man ebenfalls das Thema Plastikmüll im Meer thematisieren können, was ein durchaus größeres Problem darstellt und von Beyond Blue nicht einmal angeschnitten wird. Hier hat man etwas Potential verschenkt. Ähnlich geht es mir zwischen den Tauchgängen im U-Boot. Dort liegen allerlei Bücher, Dokumente und Arbeitsmaterialien der Meeresforscher herum, die man sich zwar näher ansehen kann, aber das war es dann schon. Hier hätte man ruhig noch weitere Informationen vermitteln können, beispielsweise wofür die technischen Geräte gebraucht werden oder wie sie funktionieren. Stattdessen kann man sich auf dem U-Boot zahlreiche lizensierte Musikstücke über ein Tablet anhören. Bringt nur leider nicht viel, wenn ich in meiner Basis nicht viel zu tun habe, außer mit dem Team zu telefonieren. Da hätte man durchaus mehr rausholen können.


Was mich weiterhin etwas gestört hat, war, dass man zwar in verschiedenartigen Gebieten taucht, sie sich aber nur selten wirklich anders anfühlen. Vor allem wenn man in der Tiefsee hinuntertaucht, bei der Mirai Bedenken hat, ob ihre Tauchausrüstung das durchhält, hätte man ruhig dieses beklemmende Gefühl etwas transportieren können. Der einzige spielerische Unterschied besteht allerdings darin, dass die Sicht deutlich verringert ist. Ich denke hier wieder an Endless Ocean zurück. Dort gab es einen Teil der Story, bei dem man im Eismeer tauchte und drohte zu erfrieren, wenn man zu lange am Stück im Wasser war. So musste man stets immer mal wiederauftauchen und eine kurze Pause einlegen, um sich wieder akklimatisieren. Dies sorgte zwar für eine gewisse Drucksituation, brachte dem spielerischen Einerlei dennoch etwas Abwechslung, die mir leider bei Beyond Blue gefehlt hat. So ist der Titel tatsächlich eher für Spieler gedacht, die sich einen entspannten Abend vor dem Fernseher in einer Unterwasserwelt machen wollen, wofür es sicherlich eine Zielgruppe gibt.

Michael meint:

Michael

Was am Ende bei Beyond Blue übrig bleibt, ist ein kurzweiliges Spiel für zwischendurch, das vor allem Fans von Tierdokumentationen und Unterwasserwelten unterhalten dürfte. Die erzählte Geschichte ist unterhaltsam, auch wenn sie für mich in die falsche Richtung geht. Wer sich jedoch auf das Spiel einlässt und in Ruhe die Flora und Fauna erkundet, der erhält ein schon fast meditatives Erlebnis, dass ein durchaus gelungener Zeitvertreib ist. Man kriegt interessante Einblicke in das Leben von Meeresbiologen, obwohl man immer das Gefühl hat, dass nur ein wenig an der Oberfläche gekratzt wird. So fehlten mir oft tiefgründigere Informationen, die man sich im U-Boot einlesen kann und auch die spielerische Abwechslung vermisst man zum Teil. Ansonsten bietet der Titel aber einiges, um für ein paar wenige Stunden zu beschäftigen.

Positiv

  • allerlei Hintergrundinformationen ...
  • idyllische Unterwasserwelt
  • sehr gute Synchronisation

Negativ

  • .. die ruhig etwas tiefgründiger hätten sein können
  • teilweise Slowdowns (z. B. in den Schloten)
  • Problematik Plastik im Meer wird ausgeklammert
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Forum
  • von bbstevieb:

    Das merke ich mir mal auf jeden Fall! Bin riesengrosser Fan der BBC Docus.

  • von Civilisation:

    Michael hat sich mal eben die Füße nassgemacht. Beyond Blue Die Unterwasserwelt hat schon immer etwas Mysteriöses an sich. Wenn man bedenkt, dass es dort immer noch einige Ecken gibt, die bis heute unerforscht sind, erweckt das bereits den Entdeckergeist in einem. Daher rührt...

  • von Mistercinema:

    Today, E-Line Media is excited to shine a spotlight on the incredible talent who will be making up the voice cast of Beyond Blue, the upcoming underwater narrative adventure game and spiritual successor to BAFTA award-winner, Never Alone. Sporting a bevy of prestigious awards between them, the...

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