AO Tennis 2 im Test

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Auf dem Play-Festival war die kurze Anspielsession AO International Tennis durchaus überraschend, denn der bisherige Spielspaßprimus Virtua Tennis hatte starke Konkurrenz bekommen. Gänzlich ablösen konnte AO Tennis das Tennisgame von SEGA zwar nicht, aber zumindest war es eine willkommene Variation im Genre. Denn trotz der guten Ansätze hatte das Spiel durchaus noch seine Fehler, an denen Entwickler Big Ant basteln wollte, um einen verbesserten Nachfolger zu veröffentlichen. Nun steht AO Tennis 2 bereit und wir haben uns auf den Tennisplatz begeben, um zu sehen wie das Spiel gewachsen ist.

AO-Tennis-2-01Im Vorfeld hatte man ja bereits einiges angekündigt. Einen ausgewachsenen Storymodus soll es beinhalten und nahezu in allen Punkten verbessert werden. Schon zum Start im Hauptmenü merkt man, dass zumindest die Spielmodi zugenommen haben. Neben einem Schnellspiel und besagten Karrieremodus kann man sich auch in der Akademie einem Tutorial unterziehen, mit der Community Inhalte teilen und Szenarien erstellen. Doch der Reihe nach. Bevor wir loslegen, besuchen wir die erwähnte Akademie, um uns mit der Steuerung vertraut zu machen. Diese wurde zum Glück vom Vorgänger übernommen, so dass wir wieder jeweils eine Taste für einen Lob, einen Slice, einen klassischen Ball und Top Spin zur Verfügung haben. Mit gehaltener Schultertaste kann man aggressive Varianten vom Top Spin und klassischen Schlag ausführen, beim Slice führen wir einen Stoppball aus. Das Tutorial beschränkt sich dabei auf das Wesentliche und geht davon aus, dass ihr die Tennisregeln bereits beherrscht. Somit werdet ihr von einer Lektion zur nächsten durch die verschiedenen Schlagtypen geführt.

Einmal abgeschlossen seid ihr bereit für das Herzstück des Spiels: der Karrieremodus. Hier kann wahlweise ein Starspieler genutzt werden oder man schlüpft in die Rolle eines selbst generierten Tennisspielers. Diesen kann man mittels umfangreichen Charaktereditors nahezu vollständig anpassen. Sogar die kleinsten Details könnt ihr verändern wie etwa die Fettpölsterchen auf den Nasenflügeln. Seid ihr mit dem Aussehen eures männlichen oder weiblichen Spielers zufrieden, geht dann das eigentliche Spiel los. In einer kurzen Zwischensequenz erklärt euch euer Manager, dass er schon immer an die geglaubt hatte, und drückt euch ein Tablet in die Hand, mit dem ihr festlegen könnt, was eure nächsten Schritte sind. Eine tiefgründigere Story werdet ihr leider nicht miterleben. Man hat sich sicherlich von EAs Storymodus in FIFA orientiert, doch ist das hier bei weitem oberflächlicher. Im Menü könnt ihr aber dann tatsächlich euren weiteren Weg wählen. Falls ihr als Neuling begonnen habt, werdet ihr in euren acht unterschiedlichen Eigenschaftswerten noch recht niedrig sein. Um diese Fertigkeiten zu steigern, könnt ihr entweder bei Juniorturnieren teilnehmen oder in Minispielen an euren Fähigkeiten arbeiten. Letzteres sind kleine Spielchen wie mit dem Aufschlag bestimmte Punkte am Feld zu treffen oder mit speziellen Schlagtypen besonders punktgenau zu retournieren. Falls ihr Minigames wie in Virtua Tennis sucht in denen ihr Pokern oder Ähnliches könnt, dann seid ihr hier an der falschen Stelle.
 

AO-Tennis-2-02Stattdessen ist es wichtiger, die Geschicke des eigenen Spielers zu leiten und gut zu planen. Denn das Spielen auf Turnieren ist zwar von den Fertigkeitspunkten und auch möglicherweise von den Preisgeldern her lukrativ. Jedoch sollte man im Auge behalten, wie weit der Austragungsort entfernt ist, denn je weiter man reisen muss, desto mehr nagt das an der Ausdauer und schwächt die eigenen Fertigkeiten. Die Form wird als Akku dargestellt und ist ein wichtiger Faktor für die Planung. So ist es manchmal besser, eine zusätzliche Trainingseinheit einzulegen oder euch mal eine Woche Pause zu gönnen. Eure Situation könnt ihr allerdings ebenfalls verbessern, in dem ihr gewonnenes Preisgeld nicht nur ins Training, sondern auch in Personal wie einen Physiotherapeuten oder die Reise per Flugzeug investiert. So habt ihr stets etwas zu tun und genug Motivation weitere Turniere zu spielen. Das ist eine klare Verbesserung zum ersten Teil, bei dem man nur von einem Turnier zum nächsten geschickt wurde.
 

Kommen wir aber zum Spielverlauf selbst, obwohl sich hier nur Facetten modifiziert haben. Das Gameplay an sich ist aufgrund derselben Steuerung kaum verändert worden. Musste es auch nicht, da man bereits im ersten Teil sich spaßige und spannende Duelle liefern kann. Insgesamt aus acht verschiedenen Schwierigkeitsstufen kann man wählen, wobei man sich zu Beginn doch eher an den unteren Schwierigkeitsgraden versuchen sollte. Das Gameplay ist zu Anfang etwas unübersichtlich, da man nicht nur bei Schlägen ein durchaus flinkes Fadenkreuz über den Platz schicken muss, sondern auch die Timingsanzeige über den Kopf des eigenen Spielers im Auge behalten muss. Das Timing wird in unterschiedliche Farben eingeteilt, die von Rot über Orange bis grün reichen. Den richtigen Zeitpunkt zu finden ist aber Übungssache und bereits nach einiger Zeit werdet ihr diese Anzeigen sogar abschalten, da sie ein wenig die Immersion stören. Zu Beginn ist auch eine Bewegungshilfe aktiviert, die sich aber im Optionsmenü stufenlos einstellen lässt, das erleichtert vorrangig den Einstieg. Vor allem wenn die Steuerung in Fleisch und Blut übergegangen ist, werdet ihr euch wie bei einer TV-Übertragung fühlen, zumindest sofern man nicht zur Nahaufnahme der Spieler kommt.
 

AO-Tennis-2-04Die Spielgrafik generell ist leider immer noch der Schwachpunkt von AO Tennis 2, da die Bewegungen der Figuren immer noch sehr hölzern und leblos wirken. Hin und wieder werden die Modelle auch von Fehlern geplagt wie hüpfende Haarsträhnen oder die Augen der Akteure, die in unnatürlicher Stellung in unrealistischen Richtungen stieren. Das ist oft nur ein kurzer Moment und kommt nicht häufig vor, aber dennoch häufig genug, um den Gesamteindruck zu stören. Witzig ist allerdings, dass man auf dem Platz nach Ballwechseln seinen Gefühlen Ausdruck verleihen kann. Man kann entweder den Gegner bei einem guten Punkt loben oder aber bei Entscheidungen des Linienrichters gegen die eigene Person so ganz wie McEnroe auf die Barrikaden gehen. Man sollte allerdings bedenken, dass diese Aktionen auch Einfluss auf den eigenen Ruf haben und das nicht nur beim Publikum. So macht es aber gelegentlich mal Spaß, dem Gegner einen Daum nach oben zu zeigen, wenn er seinen zweiten Aufschlag mit voller Wucht gegen das Netz donnert.
 

Was mich persönlich auch etwas gestört hat, waren die sterilen Arenen. Zwar hat man zum Teil die original Sponsorings auf den Flächen abgebildet, jedoch wirken die Zuschauer optisch immer noch steril, genau wie der Rest der Arena. Es ist zwar nett, dass man die Balljungen mit ins Spiel genommen und dargestellt hat, allerdings hätten diese auch ruhig den Ball holen können, sobald er beim ersten Versuch ins Netz geschlagen wurde. Das würde erneut einiges zur Immersion beitragen und hier gibt es durchaus noch Luft nach oben. Ansonsten macht man von der Präsentation vieles richtig. Vor allem bei längeren Ballwechseln macht es wirklich Spaß, mit der zu KI um jeden Punkt zu kämpfen. Dabei werden besonders knappe Bälle auch mit einem Raunen im Publikum quittiert und mit tosendem Beifall, sofern einer der Spieler einen guten Punkt macht. Am Ende eines Matches kann es außerdem sein, dass man zu einer Pressekonferenz eingeladen wird. Zu jeder Frage der Pressevertreter hat man mehrere Antwortmöglichkeiten, die sich jeweils auf den Ruf auswirken. Erwartet aber keine sonderliche Herausforderung, denn die richtige Antwort liegt meist nahe, doch sind viele der Fragen herrlich barsch, so dass ich des Öfteren schon schmunzeln muss.
 

AO-Tennis-2-06Ein weiterer Kritikpunkt sind noch die Lizenzen. Insgesamt befinden sich über 250 Spieler in der Rangliste, die man als Spielfigur wählen kann, jedoch sind echte Spieler eher spärlich gesät. Während man in der Top 10 der Damen noch einige Bekannte wie Ashleigh Barty oder Sam Stosur findet, sieht es bei den männlichen Spielern schon anders aus. Gerade mal Rafael Nadal als Vorjahressieger der Australien Open ist mit am Start, der nächste bekannte Spieler der Rangliste ist Gael Monfils, der in der Realität bereits nicht mehr in den Top 10 enthalten ist. Auch reale deutsche Spieler findet man in der Rangliste vergeblich. Glücklicherweise ist auf die Community Verlass, denn dadurch, dass man selbst erstellte Spieler speichern und mit anderen teilen kann, hat man die Möglichkeit im Communitybereich von anderen freigegebenen Spieler herunterzuladen. Das tolle daran ist, dass dort auch schon freigegebene Spieler des Erstlings mit verfügbar sind. So kann man problemlos die Lücken füllen und manche sehen sogar authentischer aus, als die von den Entwicklern erstellten.
 

Fernab der Karriere habt ihr noch die Möglichkeit, eigene Turniere und Meisterschaften zu erstellen, mit einer festgelegten Anzahl von Spielern. Witzig ist außerdem, eigene Austragungsorte per Editor zu erstellen und diese mit der Community zu teilen. So hat man einige Optionen auch echte Turniere nachzuspielen, die im Spiel jetzt vielleicht nicht enthalten sind. Natürlich kann man ebenso online gegen andere spielen, was bei meiner Testsession gut funktioniert hat. Es hatte zwar ein wenig gedauert, bis ein Gegner gefunden wirde, jedoch ist die Verbindung während eines Matches sehr gut. Leider kann man hier aber nur Spieler aus dem offiziellen Roster verwenden und hier spielt dann zu 90% jeder Gegner mit Rafa Nadal, weil er im Spiel die mit Abstand besten Werte hat. Hier wäre eine ausgleichende Spielstärke sicherlich nützlich gewesen.



Michael meint:

Michael

AO Tennis 2 ist für mich mit einigen sinnvollen Neuerungen ausgestattet, die zumindest die Langzeitmotivation steigern. Vom Gameplay her hat sich zum vorherigen Teil nicht allzu viel geändert, allerdings war dies auch nicht nötig. Man hat eher am Umfang und an dem Drumherum gearbeitet, so dass man jetzt in einem spaßigen Karrieremodus an seinem Tennisprofi arbeitet und immer besser wird. Die optische Präsentation ist leider immer noch der größte Schwachpunkt des Spiels, was man aber aufgrund des Gameplays durchaus verschmerzen kann. Wer ein gutes Tennisspiel sucht, der ist mit AO Tennis 2 definitiv an der richtigen Stelle. Wer schon den ersten Teil besitzt, sollte sich wegen der erweiterten Karriere durchaus einen Kauf in Erwägung ziehen. Wenn man nur Matches spielen will, dann reicht wohl auch der erste Teil. Für mich hat sich das Upgrade auf jeden Fall gelohnt.

Positiv

  • intensive Duelle
  • umfangreicher Karrieremodus
  • zahlreiche Communityinhalte

Negativ

  • kaum lizensierte Spieler
  • grafisch sehr steril
Userwertung
8.3 3 Stimmen
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8.3
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Forum
  • von Civilisation:

    Jetzt müsste es gehen.

  • von bluntman3000:

    @Civilisation Der Link funktioniert nicht....

  • von Civilisation:

    Nognir, auch bekannt als Michael, hat mal ein paar Bälle gespielt: Auf dem Play-Festival war die kurze Anspielsession AO International Tennis durchaus überraschend, denn der bisherige Spielspaßprimus Virtua Tennis hatte starke Konkurrenz bekommen. Gänzlich ablösen konnte AO...

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