Gods Remastered im Test

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Der Begriff Remaster dürfte sich in dieser Konsolengeneration ins Hirn fast aller Spieler eingebrannt haben. Vergeht doch kaum ein Monat, in dem nicht das „Remaster“ eines Last Gen oder Last-Last Gen Titels angekündigt wird. Beim neu erschienenen GODS Remastered handelt es ich hingegen um um ein Spiel der 16-Bit Ära. Damals veröffentlichten die Bitmap Brothers das Game für Amiga, Atari ST, DOS, Mega Drive und Super Nintendo. Bitmap Brothers? Die Herren hinter damaligen Toptiteln wie Speedball 1 & 2, Xenon 2 und The Chaos Engine? Die mit Z, auf überzeugende Art, eine Lücke im überlaufenden Echtzeitstrategiegenre fanden und allgemein für ihren eigenen Grafikstil bekannt wurden?

 

Gods_Nexgam_1Genau. Warum sich nun die Robot Riot Studios ausgerechnet GODS für ein, mit offiziellem Segen der Bitmap Brothers, Remaster ausgesucht haben, bleibt jedoch ein Rätsel. Schon damals war der Titel nicht unumstritten. Die typische Bitmap Brothers Grafik mit viel Bling Bling und Details, stand nie zur Kritik. Spielerisch musste man sich aber doch einiges anhören. Schwerfällige Spielfigur, seltsames Sprungverhalten, unübersichtliches Leveldesign und ein hoher Schwierigkeitsgrad waren noch die eher zurückhaltend formulierten Mängel. Unfaires Gameplay, fehlende Abwechslung und viel zu träger Spielablauf die barscheren Vertreter.


Gods_Nexgam_5Betrachtet man sich das Portfolio der Bitmap Brothers im Jahre 2018, muss man zugeben: Der spielerische Inhalt konnte oftmals nicht mit der Optik mithalten. So ist XENON 2 kein Überflieger des Shmup Genres und auch The Chaos Engine ist gut, aber eben nicht überragend. Ausgerechnet GODS abzuwatschen, wirkt da schon fast unfair. Die 16-Bit Optik konnte damals im Großen und Ganzen, auf den Heimcomputern, überzeugen. Doch sowohl auf SNES und Mega Drive gab es, vorher und danach, Besseres. Heute sieht es da nicht anders aus. Immerhin sticht man heuer ein klein wenig aus den Fake Retro Spielen hervor.  Schließlich ist es die Original 16 Bit Grafik jener Zeit.


Das Aussehen des Remasters ist hingegen, vorsichtig formuliert, gewöhnungsbedürftig. Sie wirkt, als stamme sie aus einem 08/15 Spielebaukasten und hat extreme Ähnlichkeit mit zig billigen Smartphone Spielchen. „Steril und Kalt“ trifft es am besten.  Kann man bei der Originalfassung objektiv den Retrocharme ins Felde führen, bleibt das Remaster hier auf der Strecke.
 

Soundtechnisch hat das Remaster allerdings die Nase vorn. Es gibt hier das eine oder andere Musikstück, wohingegen das Original durchgehend auf Musik verzichtet. Da sich beide Versionen Intro und Titelbildschirm teilen, existiert hier nur eine Neuinterpretation des Originalsoundtracks. Ob der Synthiesound gefällt oder nicht, ist wie immer vom persönlichen Geschmack abhängig.
 

Gods_Nexgam_2Spielerisch ist es egal, für welche Optik ihr euch entscheidet. Denn dieser Bereich blieb unangetastet. Nach wie vor steuert ihr euren griechischen Helden durch verschiedene Areale. Metzelt Monster und drückt zig Schalter. Erstere hinterlassen Bonusgegenstände und Geld, letztere öffnen Türen und aktivieren bzw. deaktivieren allerlei Fallen. Meist sorgen sie auch gleich für frischen Gegnernachschub. In der Tat geht das ganze so weit, das ihr wiederholt wahre Schalterrätsel lösen müsst. Allerdings ist nicht immer ersichtlich, was der letzte Schalter überhaupt bewirkt hat. Zudem gibt es keinen „Sinn“ hinter diesen. Dieser Umstand sorgt dafür, dass ihr, vor allem im späteren Verlauf, in den teilweise recht weitläufigen Leveln hin und her marschiert. So sorgt unter Umständen ein Schalter am Anfang des Levels, für eine verlängerte Leiter im Mittelteil und umgekehrt. Ausprobieren und suchen lautet denn auch die Devise.

 

Gods_Nexgam_4Extrawaffen gibt es ebenfalls, bzw. lassen sich vorhandene Waffen aufwerten. Was sich nicht innerhalb eines Levels finden lässt, kann man gegen Zahlung alle paar Levelabschnitte bei einem Händler erwerben. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Heiltränke, zeitliche begrenzte Schutzschilde und Co. hat er ebenso im Angebot. Da die Kohle meist knapp ist, will der Kauf gut überlegt sein.  Am Ende jedes Kapitels wartet genretypisch ein böser und besonders robuster Obermotz auf euch.

 

Klingt erstmal nicht schlecht. Heute könnte man Gods als frühes Castleroid bezeichnen. Allerdings ohne die Möglichkeit des Vor- und Zurück-Gehens. Zwar ist das innerhalb eines Levels, sofern es die Architektur hergibt, möglich. Der spielerische Ablauf ist jedoch linear. Die Levels sind zudem abgeschlossene Bereiche. Ein vor und zurück wechseln ist nicht möglich. Gods ist, damals wie heute, gewöhnungsbedürftig. Euer Held wirkt träge und ungelenkig. Wer Castlevania Adventure auf dem Gameboy spielte, weiß, was ich meine. Hierdurch wirken einige Stellen im Spiel zunächst unfair. Ein Meistern ohne Schaden zu nehmen, erscheint oft nicht möglich.
 

Gods_Nexgam_3Vor allem in der neuen Optik wirken die Levels zudem besonders unübersichtlich. Aufgrund der tristen und dunklen Grafik übersieht man ruck zuck einen Schalter. Spätestens jetzt solltet ihr zur klassischen 16 Bit Darstellung wechseln. Dort ist alles besser zu erkennen und sie wirkt, trotz ihres Alters, lebendiger. Abgesehen davon ist sie farbenfroher.

 

Hinzu kommt ein, damals nicht ungewöhnlicher, hoher Schwierigkeitsgrad. Viele Treffer vertragt ihr nicht, fallt ihr aus zu großer Höhe, geht ebenso ein großer Teil der Energie flöten. Gepaart mit dem seltsamen Sprung- und Kletterverhalten kann das ebenfalls für Frust sorgen. Neben den beiden Grafikmodi, bietet das Remaster allerdings eine wirklich gute Neuerung: automatisches Speichern! Die Passworteingabe von damals ist Geschichte. Habt ihr alle Leben verwirkt, könnt ihr immerhin beim letzten Speicherpunkt, sprich Levelanfang, von neuem beginnen. Das macht Gods zwar nicht viel, aber wenigstens etwas einfacher.



Alexander meint:

Alexander

Hat man erstmal, im Angesicht der neuen Grafik, den ersten Würgereiz überwunden entpuppt sich GODS auch heute noch als gut spielbares, frühes Castleroid. Ja, der Spielablauf ist gewöhnungsbedürftig, die „Rätsel“ sind in Wahrheit keine Rätsel, sondern wildes rumprobieren und die 16 Bit Grafik ist ebenfalls kein richtiger Augenschmaus. Lässt man sich dennoch darauf ein, ist Gods heutzutage ebenso fordernd und motivierend. Der größte Stolperstein dürfte jedoch der aktuelle Preis sein. 20,- Euro sind für diesen Retro happen ne ganze Stange Geld. Schließlich bekommt ihr dafür so manch modernen und besseren Titel. Hätte Robot Riot dem Spiel einfach ein paar mehr Savepoints und Grafikfiltermöglichkeiten verpasst, den anderen „Remasterschmu“ unterlassen und das Game billiger angeboten, hätte man allen einen Gefallen getan.

Positiv

  • Gods von damals, für Konsolen von heute
  • typische Bitmap Brothers Grafik

Negativ

  • und grauenhafte Remaster Grafik
  • stellenweise unübersichtlich
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6.2 4 Stimmen
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Forum
  • von bluntman3000:

    Ich kann immer noch nicht fassen, wie unsagbar hässlich die Remaster-Optik ist. "6" ist dennoch eine ordentliche Wertung für mich, also wenn’s mal irgendwo im Sale auftaucht (wird wahrscheinlich nicht allzu lange dauern), sehe ich mir das mal an.

  • von Retro-Nerd:

    Gods ist im Original klasse. Nur waren die Bitmaps technisch nicht gerade die begabtesten Coder. Ruckelschrolling und schwammige Animationen waren da normal. Naja, waren ja auch alles Atari ST Entwicklungen damals. Aber so ein Remake ist wirklich arm. Dann lieber den Amiga anwerfen (geiler Titelsong...

  • von Azazel:

    Trotz anfänglicher Abneigung habe ich mich etwas länger mit Gods beschäftigt: Nexgam schrieb: Der Begriff Remaster dürfte sich in dieser Konsolengeneration ins Hirn fast aller Spieler eingebrannt haben. Vergeht doch kaum ein Monat, in...

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