Colin McRae: DiRT 2 im Test

PlayStation3Xbox 360

Etwas mehr als zwei Jahre mussten Rallyefans auf einen neuen Teil der Colin McRAE-Reihe warten. Dies lag auch daran, dass der bekannte Rennfahrer kurz nach dem Release des letzten Spiels bei einem Unfall (außerhalb der Rennstrecke) tödlich verunglückte. Glücklicherweise unterstützen die Verwandten Codemasters weiter und äußerten den klaren Wunsch, dass der Name weiterhin für Videospiele benutzt werden soll. Wenn man gleich liest, wer im Game alles seinen Namen und seine Person zur Verfügung stellte, könnte man den zweiten Teil schon fast als kleinen Tribut an den beliebten Schotten interpretieren.

Colin_McRae_DiRT_2_11Die Zeiten ändern sich ... Menschen kommen, haben ihren Höhepunkte, sterben bei tragischen Unglücken und hinterlassen erst einmal offene Fragen. So ungefähr könnte es bei COLIN McRAE DiRT 2 gelaufen sein, denn auch hier änderte sich einiges. Einst ein wahrer Traum für Rallyefans, welche auf der Suche nach einer herausfordernden Simulation waren, wandelte sich das Ganze schon beim ersten DiRT Teil zu einem umfassenderen Genrevertreter. Hier führten Codemasters den Ansatz konsequent weiter, da die Resonanz aus der Käuferschicht das brandneue Konzept für gut befanden.

Was wir serviert bekommen ist ein bunter Mix aus der Grundlage von DTM Race Driver, bei der man zu allen Events mit seinem Wohnwagen reist. Der neue Karriere-Modus (DiRT-Tour) ist hierbei ab sofort für jedermann zugänglich, angefangen beim einfachen Casual Gamer. In 10 Ländern beginnend bei der bekannten Baja in Kalifornien über Marokko, Malaysia, China, Japan, Kroatien, London, Utah bis hin zu L.A ist alles vertreten und wartet auf Euren Besuch. War bereits das Menü des Vorgängers eine kleine Augenweide, trieb man auch dies Perfekt weiter voran und lässt Euch über eine Weltkarte mit fetziger Musikuntermalung zu den Einzelnen Rennen marschieren. Das Ganze ist eingebettet in Euren Wohnwagen in der jede Ecke für eine andere Sache steht. Neben den Wettrennen könnt Ihr Euch hier Extras wie z.B. Video zu den jeweiligen Disziplinen angucken, die Multiplayer-Events aktivieren oder persönliche Statistiken und Beziehungen studieren.

Colin_McRae_DiRT_2_2Auf den Rennstrecken erwarten Euch nämlich viele bekannte Gesichter wie z.B. Dave Mirra, Scheich Mohammed Ben Sulayem, Jade Taylor, Katie Justice, Travis Pastrana und natürlich der neue Codemasters Berater und Extremsportler Ken Block! Um bei diesen Jungs zu punkten, müsst Ihr Euch im Laufe Eurer Karriere einen Namen machen, was sich anschließend in Popularität und späterer Freundschaft ausweitet. Das beeinflusst unter anderem deren Fahrverhalten gegen Euch auf der Strecke. Ab und an fordern Euch diese Kandidaten schon einmal zu persönlichen Duellen heraus.

Vor Eurem Wohnwagen befinden sich weitere Bereiche in denen Ihr brandneue Wagen kaufen, umstylen und umrüsten könnt, die Optionen angleicht oder im Fachmagazin die neuesten Meldungen aus dem DiRT Lager erfahrt. Um das Ganze aufzulockern, werden hier ebenfalls die Namen Eurer Xbox-Live Freunde einbezogen, sofern diese über das Spiel verfügen. An den zusätzlichen Accessoires wie Spiegelanhänger, einstellbare Hupe und Armaturen Schnickschnack erkennt man auch recht früh, dass das harte Simulationsgeschäft eher dem Spielspaß wich. Auf irgendeine Weise gleicht alles einem Eventkalender für Extremsportler, wobei Ihr für jedes gefahrene Rennen ab sofort Erfahrungspunkte einheimst. Ähnlich einem Rollenspiel bedarf es einer bestimmten Anzahl XP um die nächste Stufe zu erreichen, durch die sich wiederum neue Länder bzw. Events in diesen Regionen freischalten. Vorbei also die Zeiten, in denen Ihr recht stur vorgegeben bekommt, was Ihr als nächstes Fahren müsst. Ab sofort herrscht hier mehr Freiheit, und wenn man eine Disziplin nicht besonders mag, kann man diese theoretisch sogar auslassen.

Colin_McRae_DiRT_2_3Stichwort Disziplinen: Auch hier tat sich erneut etwas. Waren früher die klassischen Rallye-Events noch der Hauptfokus der Spielreihe, arbeitet man sich jetzt durch allerlei unterschiedliche Rallyearten. Natürlich ist die klassische Rallye mit vertreten, wobei diese nur noch einen sehr kleinen Anteil ausmacht. Hierbei dürft Ihr Euch jetzt unter anderem an „Raid-, Last Man Standing-, Gate Crasher-, LandRush-, Rallye Cross-“ oder wahnsinnig schnellen „Trailblazer“ Rennen beweisen. Müsst Ihr beim „Last Man Standing“ gucken, dass Ihr nie der letzte im Feld seid (da diese im 20 Sekunden Takt raus fliegen), ist es beim „Gate Crasher“ am wichtigsten die aufgestellten Styroporblöcke umzusäbeln. Da diese immer zwei Plussekunden auf dem herunterlaufenden Timer drauf zählen. Beim LandCrush Rennen heißt es mit dickeren Trucks oder Buggys durch das Feld zu sieben. Die LKW Rennen auf dem Vorgänger gibt es hingegen überhaupt nicht mehr. Im Verlauf der DiRT Tour schalten sich anschließend auch noch drei „X-Events“ frei in denen Ihr Euch am Stück in verschiedenen Disziplinen rund um den Globus beweisen müsst.

Verliert Ihr einmal die Kontrolle über Euer Fahrzeug, könnt Ihr ab sofort die Zeit anhalten und diese über das Gamepad, wie in einem „Replay“ einfach ein wenig zurückspulen. Je nachdem welchen Schwierigkeitsgrad Ihr für das einzelne Wettrennen einstellt, stehen Euch hier pro Veranstaltung bis zu fünf Replays zur Verfügung. Das ist ebenfalls die einzige Funktion, die sich direkt auf Eure Gage für das Rennen auswirkt. Weitere Optionen ob das Schadensmodell nur optisch oder auch auf das Fahrverhalten Auswirkung trägt oder ob Ihr vor dem Rennen Einstellungen am Vehikel vornehmen möchtet, ändern nichts an den Einnahmen. Mit Eurem Geld müsst Ihr wiederholt ein neues Fahrzeug erwerben, wobei das durch erhältliche Extra-Pakete im Grunde für viele unterschiedliche Disziplinen umgemodelt werden kann. Im Prinzip könnt Ihr mit dieser Handhabung mit jeweils einem Wagen der sieben Fahrzeugklassen die Euch besonders liegen durch die komplette „DiRT-Tour“ marschieren.

Colin_McRae_DiRT_2_41Beim Thema Einstellungen ist neu, dass Ihr vor der Etappe im Grunde keinerlei Infos über die Strecke erhaltet. Am besten ist es, wenn Ihr diese einfach mal fahrt und anschließend in den sechs grob übrig gebliebenen Kategorien Abstimmungen durchführt. Neben der Getriebeübersetzung wären das der Abtrieb, die Radaufhängung und Bodenfreiheit, das Differenzial und die Bremsbalance. Brandneu ist, dass man sich hierbei ebenfalls Voreinstellungen separat abspeichern kann. Im Prinzip werdet Ihr bis zur Hälfte des Games aber kaum großartige Veränderungen vornehmen müssen, um auf einen der ersten Plätze zu kommen. Reparaturen zwischen den Etappen gehören ebenso der Vergangenheit an. Das Spiel ist hier jetzt also merklich einfacher in der Handhabung geworden und unterstützt so auch „Casual Gamer“ bei ihrem Einstieg ins Rallyegenre. Richtige Fans wird diese Entwicklung dagegen eher abschrecken, warten sie hier doch immer auf die nächste Simulationsherausforderung. Erwähnen muss man hier noch den größeren Umfang in puncto Ansichten. Hierin gibt es nämlich eine Augenperle in Form einer kompletten Innenansicht! Mit dieser bekommen Rallyefans dann ein kleines Bonbon zurück. Den neben berstenden Scheiben sind hier vor allem das Durchfahren von Wasserhindernissen und Schlamm eine wahre Herausforderung, da man danach eine kurze Zeit fast blind durch die Gegend fährt.

Wer die DiRT-Tour meisterte oder zwischendurch gegen seine Freunde oder andere Spieler antreten möchte, kann das in mehreren Multiplayer-Modi angehen. Neben einem System-Link könnt Ihr die Motoren ebenfalls in zwei Xbox-Live Modi (Pro Tour Ranglisten Games & Jam Session nach eigenen Regeln) mit bis zu acht Spielern anwerfen. Wobei man endlich „richtige Rennen“ gegen andere absolvieren kann. Vorbei die Zeiten, in denen man sich nur mit „Gitternetz-Geisterfahrzeugen“ duellieren konnte. Um die Motivation in diesem Bereich oben zu halten, gibt es hier ebenso einen separaten Erfahrungspunktezähler. Wie in der DiRT-Tour schaltet Ihr auch hier immer weiter Dinge wie Lackierungen, Krempel für die Windschutzscheibe und das Armaturenbrett etc. frei. Besonders belustigend ist dabei die Einbindung Eures Avatar, der kopfüber am Spielgel baumelt und alle die unsanften Bodenwellen voll ab bekommt.

Colin_McRae_DiRT_2_9Grafisch präsentiert sich COLIN McRAE DiRT2 durch die nochmals aufgebohrte „Neon-Engine“ in feinster Optik. Das unten angehängte Video ermöglicht Euch einmal einen Blick in die Engine, welche mit feinsten Partikel- und Lichteffekten sowas vielen Pyrotechnischen TamTam das bisher beste Grafikfeuerwerk in einem Rennspiel auf Euch los lässt. Weitere Punkte gehen hierbei an das fabelhafte Schadensmodell der Boliden sowie den Strecken. Nur einige Gebäude und die Zuschauer können hier nicht mithalten. Diese scheinen sowieso nicht all zu sehr an ihrem Leben zu hängen, was Unfälle in die Zuschauerbande bei knappen 200 Sachen klar aufzeigt. Besonders hervorheben muss man aber erneut die Menüführung, dessen poppige Art und Weise ein wahres Erlebnis für Auge und Ohren ist!!

Bei der Steuerung erwartet Euch ein relativ direktes Lenkverhalten der vielen Boliden, wobei man das Ganze vor allem am Anfang als recht arcadelastig eingliedern muss. Alle Fahrzeuge kommen hier mit unterschiedlichen Fahrverhalten an den Start, wobei Eure Wahl, ob sich Crashs jetzt auf die Spielweise auswirken sollen oder nicht, deutliche Veränderungen hinterlassen. In den Optionen könnt Ihr neben dem HUD und die Controller Belegung komplett auf Eure Wünsche anpassen!

Colin_McRae_DiRT_2_4Auch beim Punkt Sound leistete man seitens Codemasters saubere Arbeit. Alle Boliden überzeugen hier mit unterschiedlichen, satten Motorensounds und sogar der die deutschen Sprecher (allen voran Euer bereits bekannter Tourbegleiter aus DiRT) wissen zu gefallen. Zwischendurch melden sich die anderen berühmten Rallyefahrer immer man wider mit lobenden Worten oder privaten Einladungen bei Euch. Wer auf die original Stimmen von Ken Block & Co. steht, kann diese durch das Umschalten der Landessprache in der Xbox 360 erreichen. Abgerundet wird das Ganze durch verschiedene Beifahrerstimmen, welche teils aber erst freigespielt werden müssen. Bin ich im Grunde kein Anhänger von härteren Musikstücken, schaffte man es bei COLIN McRAE DiRT 2 perfekt, solche Stücke in das Spielgeschehen an der Rennstrecke und dann im weiteren Verlauf einzubinden. Beide Daumen hoch an dieser Stelle an die Macher.




Stefan meint:

Stefan

COLIN McRAE DiRT 2 läutet ein neues Zeitalter im Rallyegenre ein. Sicherlich wird das die Fans der Serie spalten, denn wer auf die früheren, eher simulationsartigen und „einsamen“ Etappenevents wartet, wird enttäuscht. Dafür freuen sich diejenigen, welche die Abwechslung und ein wenig Schnickschnack, eine Menge Spaß und viel TamTam lieben. Technisch ist das Game fast über alle Zweifel erhaben und durch die separate Handhabung des endlich vollwertigen Online-Modus wird das Spiel für viele Wochen Freude am Bildschirm sorgen. Von daher gilt die Endwertung hier nicht für alle Freunde dieser Sportart, wobei ich allen Hardcore Fans den Titel auch gerne an Herz legen möchte. Denn diese können sich die Messlatte für den eigenen Erfolg ja ohne Problem entsprechend höher legen.

Positiv

  • Tolle Optik & Sound
  • Ab sofort für jedermann...
  • Großer Umfang + Fun Fun Fun

Negativ

  • Furchtlose Zuschauer und Bäume aus Stein
  • .. was richtige Rallye Fans nicht freut
  • Replays nicht speicherbar
Userwertung
8.7 2 Stimmen
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Forum
  • von Civilisation:

    Und hier ist Stefans Test zum Spiel. Colin McRae: DiRT 2 Etwas mehr als zwei Jahre mussten Rallyefans auf einen neuen Teil der Colin McRAE-Reihe warten. Dies lag auch daran, dass der bekannte Rennfahrer kurz nach dem Release des letzten Spiels bei einem Unfall (außerhalb der...

  • von DinoHeli:

    Ich hab auch immer nur den Avatar benutzt. Die anderen Sachen waren zwar cool, aber nicht so cool wie mein Avatar! Und auf dem Armaturenbrett stand immer mein Wackel-Dino. Passte also perfekt: Oben Dino, unten Dino. Die Hupen fand ich aber richtig genial. Online ist es einfach göttlich, jemanden...

  • von Mistercinema:

    Jupp, wobei da auch noch andere interessante Dinge kommen. Ich bin dann aber auch irgendwie an meinem Avatar "hängen geblieben" Dagegen fand ich das mit den Hupen als extrem kitschig! Was mich persönlich am meisten enttäuscht hat war, dass man eine ganz bestimmte Ansicht nicht frei...

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