Bioshock im Test

Xbox 360

Letztes Jahr auf der Games Convention musste man noch im Besitz eines Presseausweises sein, um Bioshock begutachten zu können. Jetzt hat die Warterei ein Ende und auch für Normalsterbliche ist der Hitkandidat endlich beim Händler um die Ecke im Regal aufzufinden. Ob hinter dem Hype ein wirklicher Kracher steckt und nicht nur viel Lärm um nichts veranstaltet wurde?

BioShock_11Die Handlung von Bioshock spielt in einer Unterwasserstadt namens „Rapture“, die von dem genialen, aber durchaus psychopathischen Typen Andrew Ryan erschaffen wurde. Jener konnte sich mit keiner Weltanschauung zufriedengeben und schuf deshalb seine „eigene Welt“. Hier soll kein Künstler Zensur fürchten, kein Wissenschaftler muss sich moralische Bedenken beugen und niemand wird aufgrund zu schwacher Glieder in der Kette ausgebremst. Doch wie es eben kommen sollte, ging die Stadt den Bach runter und ließ nur noch entstellte Mutanten zurück.

Ihr übernehmt dabei die Rolle von Jack, der nichts ahnend in einem Flugzeug irgendwo über dem Atlantik sitzt und über die zu letzt auf den Weg gegebenen Worte seiner Eltern grübelt. Wie es das Schicksal verlangte, stürzt der Flieger genau über Rapture ab. Bevor das Wrack in den Tiefen des Meeres endgültig versickert, rettet ihr euch in einen riesigen Leuchtturm, der euch den Weg hinab öffnet. Via einem automatisch gesteuertem U-Boot gelangt ihr ins Innere der Stadt, wo ihr gleich herzlich empfangen werdet. Im Spiel selbst tretet ihr den „Kreationen“, die die Wissenschaftler in ihrem freien Lauf schufen, gegenüber.

Diese Art von Mutanten werden auch „Splicer“ genannt. Die Akademiker entdeckten eine Möglichkeit übermenschliche Kräfte den Bewohnern zu implementieren. Doch die Gier nach immer mehr Genen geriet außer Kontrolle, weswegen sich alle Gegenseitig an die Gurgel gingen. Ihr müsst euch selbstverständlich ebenfalls das so genannte „Adam“ zu Nutzen machen und euch zusätzliche Erbanlagen spritzen. Mit Hilfe dieser neuen Fähigkeiten seid ihr in der Lage Elektroblitze, Feuerbälle, Telekinese und weitere mehr zu beherrschen. Die Gaben werden dabei in Plasmide und Gen-Tonika unterteilt. Zu Ersterem gehören die bereits angesprochenen Talente.

BioShock_16Zur Gen-Tonika Familie gesellen sich Körper-, Technik und Kampf-Verbesserungen. Im Laufe des Spiels werden sich eure Attribute verbessern und so wird z.B. bei kassierten Treffern ein Elektroschock entladen, der den Gegner für kurze Zeit lähmt. Auch eure Lebensenergieleiste oder eure Technikfertigkeit werden sich durch das Beschaffen von mehr Adam erweitern.

Der Einsatz von Plasmiden ist natürlich nicht umsonst und kostet euch nach jedem Gebrauch eine gute Portion von eurem Eve. Das Eve findet ihr in Form von Spritzen überall in der Welt von Bioshock. Neun dieser könnt ihr auf Vorrat mit euch herumschleppen. Um an das bereits erwähnte Adam heranzukommen, müsst ihr an eine der vielen „Little Sisters“ herankommen und es von ihnen entwenden. Sie sind kleine unscheinbare Mädchen, die im Prinzip schon lange keine mehr sind. Man könnte fast meinen, sie entsprangen einem typischen Horror-Film und sehen aus wie eine „Ich will jetzt spielen!“- Puppen. Leider kommt man an die Gören ohne weiteres nicht heran, denn die kleinen Biester werden jeweils von einem der „Big Daddy’s“ beschützt. Dieser ist das große Monstrum mit der Taucherglocke auf dem Kopf. Diese weniger geselligen Typen sind nicht nur extrem reizbar, sondern auch mehr als zäh, was das Einstecken von Treffern anbelangt. Wer einem von ihnen die Stirn bieten möchte, dem sollte es an Waffenpower nicht mangeln, ansonsten kann es böse enden. Aber don’t panic – in Rapture stehen diverse Schießeisen zur Verfügung, die ihr gegen die bösen Buben einsetzen könnt.

Neben einer einfachen Rohrzange, werdet ihr nach und nach auch eine Pistole, eine Tommy Gun, Schrotflinte, Granatwerfer und einige mehr finden. Neben der Standard-Munition gibt es ebenso zwei zusätzliche Arten, wie panzerbrechende und ionische Geschosse. In Kombination mit euren Plasmiden seid ihr zwar immer noch physisch dem Big Daddy bei Weitem unterlegen, aber mit etwas Geschick seid ihr auf jeden Fall in der Lage Paroli zu bieten. Oft hilft es auch nach umherstehenden Objekten, wie Gasflaschen etc., ausschau zu halten und diese mit eure Telekinese-Fähigkeiten aufzunehmen und auf den Obermacker zu feuern. Sobald der Dicke das Zeitliche gesegnet hat, kommt ihr an die Little Sister und an das nötige Adam heran, das ihr braucht. Hier stehen euch zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Entweder ihr beraubt sie ihrem ganzen Adam, was sie anschließend töten würde oder ihr entzieht ihr nur so viel, dass sie es überlebt und so ihr Leben rettet. Letzteres bringt euch zwar weniger Adam auf eurem Konto, doch für eure Gütigkeit werdet ihr später belohnt.

Bioshock_22Vor einem Jahr hatte Bioshock noch einen anderen Gameplay-Stil. Man wollte im Prinzip das typische Run ‚n’ Gun Genre meiden und eher den Gamer dazu bringen intelligent vorzugehen, so dass man nur durch clevere Vorgehensweise im Spiel überleben kann . Allerdings entschloss man sich jetzt dennoch vermehrt auf gradlinige Action zu setzen.

Clever vorgehen könnt ihr aber trotzdem. Da die Munition für ein Shooter doch recht knapp bemessen ist und auch das Eve nicht an jeder Ecke liegt, könnt ihr oft an manchen Stellen gleich mehrere Gegner auf einmal plätten. Stehen z.B. zwei Splicer in einer Pfütze vor euch, jagt ihr einfach mit euren Elektroblitzen ein paar 1000 Volt durch ihre Körper und die Sache ist erledigt. Nützlich sind ebenso Öl-Lachen, die ihr entfachen könnt. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, da ihr euch schnell selber die Pfoten verbrennen könnt. Daher kann die Aktion »Munition-Sparen« auch nach hinten los gehen. Nicht immer findet man auf Anhieb eine vorgesehene Stelle für eure Gegner. Bis ihr eine ausfindig machen könnt, verliert ihr in der Hektik nur unnötigerweise Lebensenergie und Eve. Da ist es am umkompliziertesten einfach die Wumme zu zücken und das Problem auf die gute, altmodische Art zu lösen.

Neben der Suche nach dem Adam habt ihr natürlich noch die Aufgabe einige Drahtzieher in der Welt von Rapture aufzuspüren und ergo zu töten. Die Story wird dabei durch Tonbänder, die überall versteckt herumliegen, weiter vorangetrieben. Ziemlich schade, dass es keine Zwischensequenzen im Spiel selbst gibt. Ich persönlich bin kein Fan von Storyfortführungen dieser Art. Aber wen es bei Half Life schon nicht störte, dem wird es auch hier in keinerlei Hinsicht bitter aufstoßen. Insgesamt gesehen mag Bioshock recht linear wirken, zwar lockern ein paar Hackerspielchen oder Fotoknipsereien das Geschehen ein wenig auf, im Großen und Ganzen folgt ihr jedoch immer strikt den Anweisungen, die ihr vom Spiel erhaltet.

Bioshock_34Die Steuerung ist äußerst gelungen und lässt keinen großen Raum für Kritik offen. Zwar reagiert die Kommandoeingabe meiner Meinung nach bei den Waffen einen Tick zu sensibel, doch da kann man zur Not noch ein wenig in den Optionen nachhelfen. Das ständige hin- und herschalten zwischen den Waffen und Plasmiden nervt oft im Eifer des Gefechts, jedoch müssen Konsolenspieler damit mit leben. Grafisch bietet das Spiel wirklich schöne Umgebungsgrafik und einmalige Wassereffekte, die euch ins Staunen versetzen werden.

Am Besten gefällt mir aber die Architektur, die man so bisher kaum in einem Videospiel zu Gesicht bekam. Beide Daumen nach oben! Die Musik ist ebenso stimmig und bringt ordentlich Atmosphäre ins Geschehen. Die deutschen Synchronsprecher verrichten ebenfalls tadellose Arbeit. Abgesehen von den deutschen Sprechern wurden in der hierzulande veröffentlichten Version die Blutspritzer ein wenig reduziert und die gescripteten Gewaltszenen entschärft. Blutbeschmierte Wände sind weiterhin vorhanden.




Christopher meint:

Christopher

Bioshock wurde definitiv der erhoffte Hit. Das Setting ist stylish, dazugehört der Titel grafisch zur obersten 360 Liga und spielerisch ist durch die Plasmide und Gen-Tonika auch noch ein wenig frischer Wind hinzugekommen. Mir persönlich fehlen zum perfekten Game die Zwischensequenzen, die die Story besser vorantreiben. Die Audiodialoge gehen meiner Meinung nach oft in Gefechten unter und bringen die eigentliche Handlung bei Weitem nicht so gut rüber. Nichtsdestotrotz ist Bioshock ein tadelloses Spiel, das sich jeder Fan des Genres unbedingt zu Gemüte führen sollte. Für die »Nerdigen« unter uns ist Bioshock außerdem in einer Collectors Edtion erhältlich. Darin enthalten ist eine 14 cm große Big Daddy Figur, der Soundtrack und ein Making Of. Das Game selbst wird in einem schmucken Steelbook untergebracht.

Positiv

  • Technisch erste Sahne
  • Tolles Setting / Szenario
  • Sehr atmosphärischer Sound

Negativ

  • Recht linear
  • Keine Zwischensequenzen
  • Nichts für schwache Nerven
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Forum
  • von Gyaba:

    Die Bioshock Collection für PS4 steht bei mir auch noch verschweißt rum - hätte ich auch mal wieder Bock drauf. Eigentlich könnten wir den Thread doch mal anpassen oder gab es schon einen anderen Thread für die Collection?!...

  • von Phill XVII:

    Sehr Praktisch: in den neueren Versionen lassen sich Trophys auch im New Game + freischalten. Den Extrem Durchgang mache ich grade voll aufgerüstet mit allen Plasmiden. Für Platin müsste ich aber noch alle Audio Tagebücher sammeln. Sowas hasse ich wie die Pest....

  • von Civilisation:

    Christopher hat damals die Xbox 360-Fassung für uns getestet. Bioshock Letztes Jahr auf der Games Convention musste man noch im Besitz eines Presseausweises sein, um Bioshock begutachten zu können. Jetzt hat die Warterei ein Ende und auch für Normalsterbliche ist der Hitkandidat...

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