Shadows of the Damned im Test

PlayStation3XboxXbox 360
Bei der Entwicklung von Shadows of the Damned haben sich mit Suda 51, Shinji Mikami und Akira Yamaoka drei absolute Größen der fernöstlichen Videospielkunst zusammengetan. Wie nicht anders zu erwarten war kommt das finale Produkt als völlig durchgeknallter und kunterbunter Action-Trip daher. Ziemlich grotesk, ein bisschen eklig und teilweise brüllend komisch. Sounds like Fun, oder?

 

shadow4.jpgShadows of the Damend wirkt wie ein frankensteinartiges Flickwerk aus Resident Evil, Devil may Cry, Dante´s Inferno und einem Grindhouse-Film - und das im absolut positiven Sinne. In der Rolle des saucoolen Dämonenjägers Carcia „Fucking“ Hotspur - welch beneidenswerter Name - machen wir uns auf den Weg in die Unterwelt um unsere Liebste zu retten. Die leicht bekleidete Maid wurde nämlich vom mies gelaunten Dämonen-Chef Fleming persönlich entführt, der Rache für all seine getöteten Kameraden fordert. Klar nehmen wir das persönlich und stürzen uns wutentbrannt in den Kampf gegen die Ausgeburten der Hölle. Soviel zur Story, die in Sachen Dramaturgie oder Kreativität zwar keinen Blumentopf gewinnt, dafür aber mit skurrilen Charakteren aufwartet. Als Mittel zum Zweck reicht die Hintergrundgeschichte allemal aus, zumal es eh nur darum geht haufenweise Dämonen ins virtuelle Nirvana zu schicken. Gameplay- und vor allem steuerungstechnisch orientiert sich Shadows of the Damned offensichtlich an der Resident Evil-Reihe. Das fängt bei der 3D-Person-Schulterperspektive unseres Hauptcharakters an und zieht sich bis hin zur fummeligen Bedienung unseres Dämonenkillers.

Selbst das gewöhnungsbedürftige und leicht zickige Zielen via „Laserpointer“ wurde übernommen. Der einzig nennenswerte Unterschied zu Resi-Held Chris Redfield ist die Tatsache dass sich Garcia bewegen darf, während er seine Waffe im Anschlag hat.

shadow7.jpg„Waffe“ ist im Übrigen ein gutes Stichwort, wir haben nämlich nur eine Einzige. Dabei verkörpert unser Ballermann, liebevoll Johnson genannt, so viel mehr als nur ein einfaches Vernichtungswerkzeug. Johnson ist ein Dämon der die Seiten gewechselt hat und üblicherweise in Form eines sprechenden Totenschädels neben Garcia her schwirrt. Als amüsanter Sidekick leistet er uns treue Dienste indem er sich entweder in eine (Nahkampf-)Fackel oder in eine Knarre verwandelt. Auf Knopfdruck wird der Knirps zu Pistole, Shotgun, Sturmgewehr, oder Raketenwerfer und darf nach Belieben gegen die Unterwelt-Bewohner eingesetzt werden. Die Idee einer plappernden Allzweckwaffe klingt zugegebenermaßen ziemlich seltsam, ist aber - nicht zuletzt wegen Johnsons trockenem Humor - urkomisch und passt perfekt in das abgefahrene Setting. Natürlich dürfen wir die ganze Firepower nicht von Anfang an nutzen. Das Arsenal wird erst nach und nach freigeschaltet, indem wir Johnson mit verschiedenen Verbesserungen wie erhöhter Munitionskapazität oder Durschlagskraft, sowie neuen Fähigkeiten aufrüsten. Eingetauscht werden die Upgrades gegen rote und blauen Kristallen, die überall in der Spielwelt - vorrangig IN den Gegnern - verteilt sind und tunlichst aufgesammelt werden sollten. Weiße Edelsteine, mit denen im Dämonen-Shop Munition oder Heiltränke bezahlt werden dürfen, finden wir ebenfalls.

Shadows of the Damned ist ziemlich linear ausgefallen und in fünf Akte aufgeteilt. Es gibt immer nur einen Weg, was den Vorteil hat dass es quasi nie zu Orientierungsschwierigkeiten kommt. Entdecker und Sammler haben hingegen das Nachsehen, da es abseits der festgelegten Pfade nichts zu erforschen gibt.

shadow6.jpgEtwas mehr Bewegungsfreiheit hätte zwar nicht geschadet, weiter schlimm ist das eng geschnürte Levelkorsett meiner Meinung nach aber nicht. Wer keine Lust auf eine schnurgerade Action-Orgie hat ist hier ohnehin falsch! Den Löwenanteil der Spielzeit verbringen wir nämlich, wie bereits erwähnt, damit böse Dämonen abzuknallen. Dank Johnsons vielfältigen Einsatzmöglichkeiten macht das nicht nur Spaß, sondern verlangt uns von Zeit zu Zeit auch etwas Taktik ab. Manche Gegner lassen sich nicht ohne weiteres besiegen, was vor allem für die bildschirmfüllenden Level-Bosse gilt. Während das Dämonen-Fußvolk noch verhältnismäßig einfach weggepustet wird, müssen wir uns bei den größeren Brocken schon mehr Mühe geben um ihre Schwachstellen und Angriffsmuster zu analysieren. Nicht selten spielt dabei der geschickte Einsatz von Licht und Schatten eine entscheidende Rolle. So wird Garcia immer mal wieder von einem mysteriösen, dunklen Nebel eingehüllt, der Dinge offenbart welche außerhalb der Finsternis nicht sichtbar wären.

Von diesem Feature wird nicht nur im Kampf, sondern auch beim Lösen diverser Tür- und Schalterrätsel Gebrauch gemacht. Leider birgt die Finsternis einen entscheidenden Nachteil: sie wirkt sich negativ auf unsere Gesundheit aus! Garcia kann nur eine bestimmte Zeit im Dunkeln tappen, bevor er Schaden nimmt. Brauchen wir die Finsternis also gerade nicht unbedingt, sollten wir schleunigst dafür sorgen dass uns ein Licht aufgeht.

  shadow2.jpgMittels Johnson´s Light-Shot kriegen wir die Dunkelheit meist in den Griff, das Selbe gilt für Feinde die uns aus dem Verborgenen heraus angreifen. Die Kämpfe gegen solche Schattenwesen erinnern vom Prinzip her ein wenig an Alan Wake, erst wird die dunkle Aura entfernt, dann kann der darin steckende Dämon fachgerecht in seine Einzelteile zerlegt werden. Diese Aussage ist im Übrigen durchaus wörtlich zu nehmen! Was hier an Köpfen, Extremitäten und Lebenssaft durch die Luft fliegt ist wahrlich nicht von schlechten Eltern und lässt zwangsläufig die Frage aufkommen wie es dieses Schlachtfest uncut in die deutschen Händlerregale geschafft hat. Immerhin nimmt sich das blutige Scharmützel zu keinem Zeitpunkt Ernst, was spätestens beim Besuch eines Unterwelt-Puffs oder Johnsons Anruf bei einer niveauvollen „Erwachsenen-Hotline“ - inklusive Errektion - klar sein sollte. Auch die Tatsache dass Garcia´s Gesundheitsanzeige am besten mit einem ordentlichen Schluck Feuerwasser wieder aufgeladen wird, zeugt vom hohen Trash-Faktor des Höllentrips.

Die Entwickler haben sich einige durchaus witzige Ideen und Mini-Games einfallen lassen um die Ballerei aufzulockern. Seien es einige kurze Ausflüge in eine stylishe 2D-Welt, die „leicht“ abgewandelte Form eines Pachinko-Automaten oder die teils äußerst unappetitliche Suche nach Erdbeeren. ;-)

shadow1.jpgLeider wiederholen sich viele der anfangs so kreativen Gameplay-Elemente im späteren Spielverlauf zu häufig. Was den Wiederspielwert angeht sieht es ebenfalls mau aus! Nicht zuletzt wegen einiger nerviger „Trial and Error“-Passagen wird der Abspann bei den meisten Spielern wohl nur einmal über den Bildschirm flimmern. Shadows of the Damend bietet, wie die meisten reinen Singleplayer-Games, inhaltlich einfach zu wenig Substanz um auf Dauer ans Pad zu fesseln. Ein Durchgang im mittleren der drei Schwierigkeitsgrad schlägt mit etwa acht Stunden zu Buche, was für ein Spiel mit einem solchen WTF-Overkill aber locker ausreicht. Optisch wird ein ganzes Kuriositäten-Kabinett aufgefahren, welches vorrangig mit seinem durchgeknallten Figuren glänzt. Angefangen bei unserem zernarbten und mit Tatoos zugepflasterten Mariachi-Verschnitt Garcia, der daher kommt wie eine Polygon-Mischung aus Enrique Iglesias und Danny Trejo, über Johnson - seine quasselnde, totenkopfförmige Waffenkammer - bis hin zur kackenden Speicherstation Willy ist echt alles dabei was man sich NICHT vorstellen kann. ;-) Dazu gesellen sich vielfältige und herrlich abartige Gegner, sowie haufenweise halbnackte (Dämonen-)Schnepfen. Das Leveldesign kann da allerdings nicht ganz mithalten! Die Kulissen sind bis auf wenige Ausnahmen recht unspektakulär ausgefallen und bestehen größtenteils aus typisch düsteren, blutverschmierten und mit Leichen gesäumten Räumen, Gängen, Innenhöfen und Grabkammern.

Alles hübsch eklig ausgestattet, aber eben kaum Besonderheiten dabei! Außerdem fehlt Horror-Flair - Shadows of the Damned ist vieles, aber absolut nicht furchteinflößend. Die meisten der vorhersehbaren Schockeffekte driften unweigerlich ins Lächerliche ab und für subtilen Grusel ist die Gag- und Gore-Dichte einfach viel zu hoch.

shadow5.jpgDie Grafik selbst reißt keine Bäume aus. Ausschweifende Ladezeiten, schwächelnde Texturen, vereinzelte Nachladeruckler und teils steife Animationen treiben weder Xbox 360, noch PlayStation 3 an ihre Grenzen. Dafür stimmen das grenzgeniale Charakterdesign und die gelungene Atmosphäre, was die optischen Mäkel knapp aussticht. Auf die Ohren gibt es lateinamerikanische Gitarrensounds, Metal-Beats und schwermütige Klänge, die sich zwischenzeitlich mit schon fast heiter klingenden Stücken abwechseln. Großer Pluspunkt ist vor allem die tolle Vertonung der Haupt-Charaktere. Mexikaner Carcia spricht, oder besser flucht, in einer Mischung aus Spanisch und Englisch und Sidekick Johnson ist nur vom Akzent her „very british“. Ansonsten setzt man auf derbe - und damit meine ich wirklich richtig derbe - Sprüche und Witze. Der Humor mag Geschmackssache sein, passt aber wie die Faust aufs Auge zum Spiel. Die Synchronisation der restlichen Figuren geht in Ordnung, erreicht aber nicht das Niveau der beiden Hauptakteure. Die Sprachausgabe im Spiel ist Englisch, für besseres Verständnis sorgen deutsche Bildschirmtexte und Untertitel. Ein Teil des Wortwitzes geht beim Lesen der Untertitel natürlich verloren, wer Englisch beherrscht ist also klar im Vorteil.

Die Soundeffekte erfüllen ihren Zweck ohne großartig herauszustechen. Die Waffen klingen satt und auch die Umgebungsgeräusche wie Schreie oder platzende, sabbernde und blutende Feinde passen gut ins Spiel. Nett: Das leicht oldschooliges „Pling“-Geräusch beim Aufsammeln von Diamanten oder anderen Gegenständen.
 

Harry meint:

Harry

Shadows of the Damned ist Trash pur. Es ist dreckig, es ist eklig, es ist total krank und es ist echt witzig! ;-) Die Dialoge des dynamischen Duos Garcia & Johnson gehören mit zum unterhaltsamsten was ich je in einem Videospiel gehört habe. Natürlich sollte man dieser… Nunja, nennen wir es mal „eher speziellen“ Humor-Form aufgeschlossen gegenüber stehen um wirklich Spaß daran zu haben. Für Feministinnen, treue Kirchgänger und Minderjährige ist der durchgeknallte Ausflug in die Unterwelt jedenfalls nichts.

Das Spiel selbst präsentiert sich als blutiger 3D-Person Shooter mit einigen kreativen Gameplay-Ideen, die sich mit der Zeit aber leider etwas abnutzen. Garcia steuert sich recht unpräzise und die Optik ist, trotz dem abgedrehten Charakter-Design, insgesamt eher trist ausgefallen. Dazu gesellen sich der sehr lineare Level-Aufbau, die 0815-Story und einige nervige „Trial and Error“-Passagen, die auch dem Wiederspielwert nicht unbedingt zu Gute kommen. Auf der Habenseite stehen unterhaltsame Schießereien und Boss-Kämpfe, kurzweilige Rätsel, eine gelungene Synchronisation, sowie der nicht zu unterschätzende Coolness-Faktor von Garcia und Johnson.

Ob ihr letztlich bereit seid euch auf Shadows of the Damned einzulassen müsst ihr selbst wissen, ich habe es jedenfalls nicht bereut! In diesem Sinne: „let´s go to hell, pendejo“

 

Positiv

  • Völlig abgefahrenes Spiel-Design
  • Großartig vertonter Erwachsenen-Humor
  • Kurzweilige Schießereien & Rätsel

Negativ

  • Technisch allenfalls Durchschnitt
  • Kaum Wiederspielwert
  • Repetitive Gameplayelemente
Userwertung
8.3 1 Stimmen
Wertung abgeben:
senden
Forum
  • von bbstevieb:

    Yamazaki schrieb: hoffe mal, dass Lollipop Chainsaw ähnlich gut wird. Nach den bisherigen Gameplay Videos bin ich da leider ein wenig skeptisch....

  • von Yamazaki:

    Ich habe es immer mit der blauen Zielsuchwaffe abgeballert.

  • von Shinobi MG:

    Ich hänge noch im Endkampf fest, komme immer zu Phase 3 aber ich bekomme das dritte Körperteil nicht down. ( Ja ich weis danach ist das Spiel noch nicht zuende ).

Insgesamt 71 Beiträge, diskutiere mit
Follow us
Shadows of the Damned Daten
Genre Shooter
Spieleranzahl 1
Regionalcode PAL
Auflösung / Hertz -
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 21.06.2011
Vermarkter Electronic Arts
Wertung 7.8
Anzeigen
neXGam YouTube Channel
Anzeigen