Dragon Age: Origins im Test

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Der kanadische Spieleentwickler Bioware ist schon seit den späten Neunzigern für hervorragende Rollenspiele bekannt. Die Baldur‘s Gate und Neverwinter Nights Serie waren Meilensteine und konnten unzählige Spieler stundenlang als mystische Charaktere in spannende Fantasiewelten versetzen. Sechs Jahre später wetzt Bioware erneut die Klingen für ein großes Fantasy-Epos, den inoffiziellen Baldur‘s Gate Nachfolger, wie Fans es so nennen. Herausgekommen ist Dragon Age: Origins, welches nach vielen Verschiebungen endlich im Händlerregal steht. Ob der neue Fantasy-Ableger an alte Erfolge anknöpfen kann, fanden wir für Euch heraus ...

Dragon_Age_Origins_11Nach einer satten zwölf minütigen Zwangsinstallation auf der PS3 und einer kleinen Einleitung finden wir uns schon direkt im umfangreichen Charakter-Editor wieder. Das Rollenspielherz kann sich hier richtig austoben. Männlein oder Weiblein? Mensch, Elf oder Zwerg? Krieger, Magier oder Schurke? Jede Kombination macht davon abhängig, mit welcher von insgesamt sechs Hintergrundgeschichten eurer Charakter loslegt. Hiermit kommen wir auch zu einer Besonderheit von Dragon Age: Origins. Je nachdem, wie sich der Spieler entscheidet und handelt, verändert sich die Geschichte, verfolgt aber eine immer gleiche Storyline. Der tapfere Königssohn sieht die Welt etwas anders als ein mürrischer kastenloser Zwerg. Fans des Genres werden so einige Zeit im Editor verbringen, um die perfekte Spielfigur zu erstellen. Schließlich spielt man diese über 40 Stunden lang. Denn solange benötigt man mindestens um Bioware’s Fantasy-Epos durchzuspielen. Nebenbei seien noch die vier Schwierigkeitsgrade erwähnt, die Neulinge, sowie Profis beanspruchen werden. Nachdem man sich also für eine Rasse, Klasse, Hintergrundgeschichte entschieden, den kompletten Kopf des Charakters wie einst in Oblivion optisch aufgewertet und alle Attributspunkte und Spezialisierungen verteilt, wird man schon gleich mit einer weiteren kleinen Einleitung in das Spielgeschehen geworfen.

Egal, welche Geschichte gewählt wird, sie endet meist mit einer Tragödie, die den Spieler dazu verleitet, den grauen Wächtern beizutreten. Ein Clan von Kriegern und Magiern, deren Lebensaufgabe darin besteht, gegen die dunkle Brut zu kämpfen. Die Hintergrundgeschichte dient so mehr als Tutorial, um dem Spieler das Gameplay näher zu bringen. Wiederholt ploppen kleine Info-Fenster auf, um den Einstieg für Neulinge möglichst leicht zu halten. Dabei gerät man natürlich auch in die ersten Kämpfe, die euch neben neuen Gegenständen wie Rüstungen und Waffen ebenfalls Erfahrungspunkte bescheren, die zum Aufstufen des Charakters notwendig sind. Per X-Taste wird der anvisierte Gegner klassisch automatisch angegriffen, sprich: Die Figur läuft zum Feind und drischt so lange auf ihn ein, bis dessen Lebensenergie gen null ist. Wer Button-Smashing sucht, ist hier Fehl am Platz. Auf die drei anderen Tasten werden Heiltränke, sowie Fähigkeiten zugewiesen. Drei weitere Plätze für diverse Gaben werden mit Druck auf R2 eingeblendet. Schon hier merkt man den offensichtlichen Vorteil der PC-Version, sollte Dragon Age: Origins auch ursprünglich nur für den PC erscheinen. Während man sich dort den Bildschirm komplett mit Gaben zuknallen kann, ist man bei den Konsolenversionen auf diese sechs Plätze angewiesen. Mit L2 kommt man zwar in ein Ringmenü, in dem man sich alle weiteren Begabungen anzeigen lassen kann, doch das ist mehr als umständlich, sobald man in höheren Levels mit allerlei Magie kämpfen muss.

Dragon_Age_Origins_2Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Kampfes ist das Wechseln der Spielfigur. Im Laufe des Abenteuers wird man viele verschiedene Charaktere kennenlernen, die euch im Krieg gegen die dunkle Brut zur Seite stehen. Mit L1 und R1 wird bei einer Feindbegegnung schnell zur nächsten Person gewechselt, um sie manuell zu steuern. Dieses Feature sollte man nicht ignorieren, denn zu gerne vergessen die Kameraden sich selbst zu heilen. Einmal gefallen stehen sie erst nach dem Fight wieder auf den Beinen. Wer auf Nummer sicher gehen will, verpasst den Team-Mitgliedern eine eigene Taktik. Bei jeder Figur lässt sich einstellen, wann er wie zu handeln hat. So behält man die Kontrolle über seine Party. Diese ist auch bitter nötig in den hitzigen Gefechten gegen die dunkle Brut. Dadurch, dass man nämlich die Kamera nicht wie in der PC-Version aus dem Geschehen hinauszoomen kann, geht gerne die Übersicht flöten, was zu teils chaotischen Schlachten führt.

Kommen wir zurück zu den vielen verschiedenen Charakteren. Absolut perfekt designt in Dragon Age: Origins sind die vielfältigen und dennoch sehr glaubhaften Figuren, mit denen man konfrontiert wird. Zwischensequenzen in Form von Dialogen gibt es zuhauf. Hier hat der Spieler wie in Mass Effect die Option, dem Gegenüber auf unterschiedliche Weisen zu antworten und so das weitere Gespräch und die Beziehung zum Anderen zu verändern. Die Party-Mitglieder können dich mögen oder verachten. Mit Geschenken und verständnisvollen Konversationen kann man sich mit ihnen anfreunden, sogar kleinere Romanzen sind denkbar. Auch vor einigen schwierigen Entscheidungen wird der Gamer gestellt, dass dazu führen kann, dass die ganze Gruppe wegen Meinungsverschiedenheiten zerbricht. Selbst nach mehrmaligen Durchspielen kann man wiederholt etwas neues entdecken, wenn man es darauf anlegt. Das macht die ganze Geschichte und Aufmachung von Dragon Age: Origins unheimlich spannend und authentisch, wie man es von Bioware gewohnt ist. Die vielen tiefgründigen Charaktere mit ihren Hintergrundgeschichten, die Vergangenheit der Magier, die Städte und Burgen... Alles hat seine Story und Daseinsberechtigung, so dass man Unmengen an Zeit damit verbringen kann, im Kodex, eine Art Notizblock, sämtlich Informationen nach zu lesen.

Dragon_Age_Origins_9Während der Reise werden viele Mittelalterstädte und Burgen besucht, deren Bewohner mit vielen Nebenquests auf den Spieler warten. Auch an Aufgaben für „böse Buben“ wurde gedacht, so dass neben der Hauptquest noch viel zu tun und entdecken ist. Beispielsweise lassen sich, das benötigte Talent vorausgesetzt, Bomben, Heilkräuter, Fallen und Gifte basteln, deren Stoffe und Materialien in Wäldern gefunden werden müssen. Übrigens, Bioware hat viele downloadbare Zusatzinhalte versprochen. So wird der Langzeitspaß um einiges in die Höhe getrieben. Bis zum April liegen Dragon Age: Origins zwei Code’s bei, mit denen man eine weitere Quest und eine Rüstung kostenlos herunterladen kann.

So gut das Gameplay auch klingen mag, ganz mithalten kann die grafische Darstellung leider nicht. Spätestens, sobald man erstmals in freier Wildbahn unterwegs ist, fallen sofort die lieblose und matschige Umgebung auf, die dazu mit einigen Pop-Ups bestickt ist. Die Charaktermodelle hätten ebenfalls noch einiges an Feinschliff nötig gehabt. Gekrönt wird die Grafik mit einer instabilen Framerate. Ruckler und Slowdowns sind an der Tagesordnung. Aber lasst euch davon nicht abwimmeln. Die Spielwelt ist trotzdem lebendig und wird den Spieler sofort in den Bann ziehen. Viele verschiedene Gegnerarten sorgen für Abwechslung und lassen sich natürlich ebenso unterschiedlich bekämpfen. Großartige Effekte während des Kampfs sollte man allerdings auch nicht erwarten. Sie sind zweckmäßig und passen zum Spielgeschehen, ebenso wie das Blut, welches schon seit den ersten Trailern in Strömen fließt und sogar an den Charakteren hängen bleibt. Das grafische Highlight ist die Mimik der Figuren. Vor allem in den vielen Gesprächen kommt diese, zusammen mit der guten deutschen Synchronisation, super zur Geltung.

Dragon_Age_Origins_20Aufgenommen wurde Dragon Age: Origins übrigens in Hamburg. Demnach sind viele norddeutsche Sprecher wie Christine Pappert und Thomas Carallus dabei, die man auch als Doug und Carrie aus der erfolgreichen US-Sitcom King of Queens kennt. Aber keine Sorge, sie machen ihren Job echt gut und lassen keine Wünsche offen. Die Musik besteht natürlich ausschließlich aus Kompositionen, die je nach Situation variieren. Vor allem die Kämpfe und spannende Zwischensequenzen werden somit super untermalt und machen die Inszenierung perfekt. Teilweise könnte man meinen, man schaut sich einen Herr der Ringe Teil an. So packend, wie die Musik einsetzt, hört sie leider auch wieder auf. Nach einem Kampf verschwindet diese abrupt. Ein kleiner Fade-out wäre doch sicher drin gewesen, oder Bioware?




Tobias meint:

Tobias

Da ist es endlich. Bioware‘s neuestes Meisterwerk. Und ich wurde keineswegs enttäuscht. Die hervorragende Story, die vielen verschiedenen Persönlichkeiten und natürlich die ganze Welt an sich ziehen den Spieler sofort in ihren Bann. Es gibt jede Menge Aufträge zu erfüllen, jede Menge Gegenstände zu sammeln und jede Menge Gegner zu metzeln. Leider merkt man an der Konsole zu häufig, dass Dragon Age: Origins im Prinzip auf den PC gehört. Technische Macken und die Steuerung machen die Konsolenversion leider zur zweiten Wahl. Wer allerdings keinen teuren Spielecomputer sein Eigen nennen kann, ist perfekt bedient. So können die langen Winterabende kommen. Für jeden Rollenspielfan ist das Spiel ein Muss!

Positiv

  • Spannende und umfangreiche Story
  • Langzeitmotivation dank vieler Handlungsmöglichkeiten
  • Hervorragend inszenierte und synchronisierte Zwischensequenzen

Negativ

  • Technisch müssen einige Abstriche in Kauf genommen werden
  • Steuerung nicht perfekt
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Forum
  • von Civilisation:

    Tobias hat das Spiel damals für uns getestet. Dragon Age: Origins Der kanadische Spieleentwickler Bioware ist schon seit den späten Neunzigern für hervorragende Rollenspiele bekannt. Die Baldur‘s Gate und Neverwinter Nights Serie waren Meilensteine und konnten unzählige...

  • von manji:

    Wow. ich schaffe so 3-4 Rpgs im Jahr. In nem guten Jahr. Manchmal auch nur eins... Wobei es auch mein Lieblingsgenre ist.

  • von snk-freak:

    Da hast du aber einiges verpasst. Gibt tolle Games....

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