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Final Fantasy X im Test

PlayStation2
Final Fantasy-typisch ist der opulente und lange Vorspann des 10ten Teils: Der Blitzball-Starplayer Tidus der Zanarkand Apes verlässt sein Hausboot und badet durch die Massen von Fans in Richtung Stadion. Hier liefert er ein beeindruckendes Spiel ab und schmettert den Ball gekonnt durch die Reihen des Gegners. Plötzlich wird das freudige Geschehen jedoch von einer gigantischen Tsunami (japanisch für Flutwelle) unterbrochen. Die Menschen ergreifen zu Tausenden die Flucht und werden von gewaltigen Wassermassen begraben, die blühende und futuristisch-angehauchte Stadt Zanarkand gleicht einem Schlachtfeld. Tidus trifft in dem Durcheinander seinen Mentor Auron, der trotz der Hysterie einen coolen und gelassen Eindruck macht. Zusammen kämpfen sich die beiden durch Horden von Monstern, die ihren Ursprung in einer gigantischen Wasserkugel am Himmel haben.
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Nach einigen Attacken öffnet sich die trübe Wolkendecke und ein gleißendes Licht kommt zum Vorschein, das alles in sich aufsaugt. Tidus kann sich dem enormen Sog nicht entziehen und findet sich nach einigen rätselhaften Traumsequenzen inmitten einer überfluteten antiken Ruine wieder. Allein und verlassen bahnt sich der Held der Geschichte seinen Weg durch das verfallene Gemäuer und trifft letztendlich auf 'das Volk der Al Bhed, eine hochtechnisierte Rasse. Während zwischen ihm und der Gruppe erhebliche Verständigungsprobleme entstehen, versteht ein kleines Mädchen namens Rikku seine Sprache. Wie sich heraus stellt befindet sich Tidus 1000 Jahre in der Zukunft in einer Welt namens Spira, die seit Jahrhunderten vom selben Wesen wie einst Zanarkand terrorisiert wird - das körperlose, alles umgebende Böse, die ewige Strafe der Götter - SIN. Auf diese Weise erschließt sich dem Spieler eine tiefgründige Erzählung um Macht, Aberglaube, Liebe und Hass, die durch viele Überraschungen und Wendungen verblüfft und bis zuletzt an den Bildschirm fesselt.
 

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Das Gameplay wurde im Vergleich zu den Vorgängern drastisch verändert. Vielleicht dachte sich Square, dass es mal wieder Zeit wäre der Serie ein Lifting zu unterziehen,,, Dabei bleiben die Programmierer ihrer Linie treu, denn alle 3 Episoden wurde die Konsole gewechselt (NES->SNES->PSX->PS2) und das Game quasi rundum erneuert. Die typische begehbare Weltkarte hat abgedankt, man bewegt sich jetzt ausschließlich durch lineare Abschnitte. Stadt A ist mit Stadt B durch eine Strasse verbunden, die ihr passieren müsst. Eure Erfolge werden dabei auf eine Weltkarte verzeichnet, die jedoch ansonsten keinen praktischen Nutzen hat, da ihr nicht bereits besuchte Orte aufsuchen könnt ohne erneut die Verbindungsmaps zu durchqueren.

In jedem Areal wird in der oberen Bildschirmecke ein Radar eingeblendet, das euch die genaue Route zeigt und Türen sowie Speicherpunkte kennzeichnet. Neben diesen Abschnitten, wo lediglich Marschieren und Kämpfen von Bedeutung sind, gibt es in regelmäßigen Abständen auch Tempelanlagen, in denen es gilt mehr ohne weniger schwere Rätsel zu meistern. Nach wie vor gibt es die (teils unbeliebten) Zufallskämpfe, allerdings sind die Ladezeiten zwischen Feindkontakt und Kampfbeginn nun deutlich kürzer. Das Active Time Battle System wurde an den Nagel gehängt, der Spielablauf gibt sich strikt Rundenbasierend und lässt euch genug Zeit eure Aktionen genau zu planen.
 

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Dies ist auch bitter nötig, denn das Spielprinzip ist nun deutlich taktischer. Im Kampfmenü wird euch genau die Reihenfolge der Kampfteilnehmer angezeigt, so dass ihr eure Angriffe genau auf die einzelnen Monstertypen abstimmen könnt. Jedem eurer Kempen steht ein Gegner gegenüber, der auf dessen Attacken äußerst empfindlich reagiert, so trifft der flinke Tidus selbst die wendigsten Wölfe und Rikku kann Roboter mit einem Schlag vernichten, indem sie ihnen einfach eine Schraube klaut. Auch die Aufrufszauber wurden überarbeitet, einmal beschworen (was keinerlei Magiepunkte mehr kostet) könnt ihr mit den Geistern genauso umgehen wie mit den normalen Charakteren: Meist habt ihr die Wahl zwischen normaler Attacke, Zauber und Spezialangriff, eure Bestia sind dabei jedoch auch an eine begrenzte Anzahl HP und MP gebunden und können auch sterben. Wie zuvor gibt es wieder Limitattacken, diesmal mit der klangvollen Bezeichnung 'Overdrive', die nach einer gewissen Menge an Schaden (Entweder auf eurer ODER auf der gegnerischen Seite) zur Verfügung stehen.

Um jedoch in ihren Genuss zu kommen müsst ihr diesmal Tastenkombinationen ausführen, die sich von Chara zu Chara unterscheiden (Bei Wakka wird Roulette gespielt, Auron konfrontiert euch mit Beat'em up mäßigen Tastenkombinationen wie einst Xell in Final Fantasy VIII). Die letzte Neuerung im Kampfsystem sind die sogenannten 'Trigger Events', die mehr Abwechslung in den gewohnten Ablauf bringen, so habt ihr bei einigen Endgegnern die Option ob ihr euren Wiedersacher nicht kurz beleidigen wollt, was eine Stärkung eurer Angriffskraft zur Folge hat. Außerdem könnt ihr gelegentlich im Kampf Maschinen benutzen oder den Abstand zum Endboss bestimmen. Das Levelsystem wurde für den aktuellen Teil verworfen, jede Spielfigur wird jetzt mit Hilfe des Sphere Boards aufgepowert.
 

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Dieses hat Ähnlichkeit mit einem gigantischen Brettspiel, auf dem ihr Yuna und Co. eine gewisse Strecke bewegt und so neue Aktionen lernt. Für das Fortkommen braucht ihr sogenannte Spherepoints, die ihr im Kampf erhaltet. In der deutschen Version habt ihr die Wahl zwischen normalem und Profi- Sphereboard, die sich in Abzweigungen und Optionsvielfalt unterscheiden. Bei letzterem habt ihr zwar mehr Möglichkeiten, allerdings besteht auch die Gefahr, dass sich eure Spieler falsch und einseitig entwickeln. Insgesamt kann man mit diesem System (im Gegensatz zu den Vorgängern) seinen individuellen Wunschcharakter erschaffen (Jeder kann theoretisch alles erlernen) und ihn so zum Champion ausbauen.

Endgültig hat man sich auch vom Tetra Master Kartenspiel verabschiedet und mit Blitzball ein neues Minigame eingeweiht. Dies ist eine Mischung aus Fußball und Rugby, die in riesigen Glaskuppeln Unterwasser gespielt wird (Die Spieler müssen echt RIESEN Lungen haben ^__^). Allerdings ist das Spielsystem längst nicht so actionreich wie man vermuten könnte, ganz wie im Kampf kann man in Ruhe seine Aktionen planen und dann am Bildschirm verfolgen wie die eigene Taktik wirkungslos verpufft und man von der gegnerischen Mannschaft in Grund und Boden gestampft wird
 

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"Die Ausmaße einiger Monster sind wirklich gigantisch"


 

Der Schwierigkeitsgrad ist besonders zu Anfang, wenn das eigene Kader noch untrainiert ist, äußerst hoch angesiedelt. Später habt ihr bei jedem Speicherstein die Möglichkeit in eine Wasserarena zu wechseln und mehrere Spiele zu bestreiten.
Im Gegensatz zu den Amerikanern kommen wir Europäer in den Genuss der japanischen internationalen Version, die mit einigen Verbesser- und Neuerungen aufwarten kann. Neben dem bereits erwähnten Profiboard haben neue extrem starke Monster Einzug erhalten, gegen die ihr nur nach fleißigem Aufleveln bestehen könnt.

Diese stehen im Schwierigkeitsgrad noch ein gutes Stück ÜBER den aus den Vorgängern bekannten Weapons und verblüffen mit mehreren Millionen HP und 99.999 (!) Attack Points. In der schmucken blauen DVD-Hülle findet sich wie in Silent Hill und MGS 2 eine Zusatz Disc, die mit Trailern, Interviews und einem Musikvideo lockt. Leider hat Square versäumt den 'Another Story'-Clip mit auf die DVD zu brennen, der die Geschehnisse etwa 2 Jahre nach dem eigentlichen Spiel erneut aufgreift - Zum Glück wurde das Video dem PAL-Saga Frontier beigelegt!
 

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"Hier lockert ein Zusatzbefehl den Kampf gegen den Drachen etwas auf"


Die Präsentation ist Square-typisch brillant. Square hat für jede Hauptfigur zwei Polygonmodels anfertigen lassen, ein gewöhnliches für Flora, Fauna und Kampf und eine detailliertere Variante, die für Zwischensequenzen optimiert wurde. Bei letzterer beeindrucken die Menschen durch ihre ausgefeilte Gesichtsmimik und lassen so hervorragend Gefühle wie Freud und Leid erkennen. Die detaillierte Umgebung ist nun meist komplett in schön gezeichneter Echtzeitgrafik aufgebaut und ermöglicht mitunter Kamerafahrten (Die Perspektive lässt sich nicht beeinflussen, bietet aber immer höchstmögliche Übersicht).

Nichtsdestotrotz kommen wir immer noch in den Genuss von atemberaubenden, vorgerenderten Zwischensequenzen, die jedoch nicht störend auf den Gesamteindruck wirken sondern homogen ins Geschehen gefügt sind. Trotz des geringen PS2 Grafikspeichers sind die meisten Texturen äußerst Farbenfroh und überzeugen mit hoher Schärfe. Leider hat man versäumt vernünftiges Mip Mapping einzubauen, so dass die Szenerie am Horizont oftmals störend flimmert.
 

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"Der Detailgrad der Akteure ist legendär und höher als beim kommenden zwölften Teil"


Die Kämpfe beeindrucken mit tollen Partikelgewittern und bombastischen Explosionen, hier zeigt die PS2 was in ihr steckt! Durch das dezent hinzugeschaltete Motion Blur entstehen zudem tolle Bewegungs- und Animationseffekte. Gewohnt cineastisch werden auch die Bestia präsentiert, die bewölkte Himmel durchbrechen, auf einem Lavastrom aus dem Erdinneren reiten oder sich in einer reflektierenden Eishülle in die Kampfarena begeben. Wer mag kann die langwierigen Beschwörungszeremonien im Optionsmenü auch abkürzen.

Leider hat man in alter Squaresoft-Tradition erneut auf eine PAL-Anpassung verzichtet und speist den unbedeutenden europäischen Kunden mit 17% Geschwindigkeitsverlust und großen schwarzen Balken ab. Das Bild flimmert daher stärker als in der NTSC-Variante und die Gesichter wirken alle ein paar Pfund runder als sie eigentlich sind. Square rechtfertigt diesen Schritt damit, dass man nicht Rendersequenzen in 50Hz und in 60Hz auf die DVD packen könne, da ihre Speicherkapazität zu gering sei. Ich behaupte einfach mal dreist, dass das Quatsch ist, da die Filmchen nur vereinzelt auftauchen und 9GB sicher mehr als genug sind (Zum Vergleich: Die PSX-Versionen hatten allesamt doppelt so viele etwas niedriger aufgelöste Rendersequenzen und kamen nie über vier gewöhnliche CD-Roms), aufgrund dieser Schlamperei kann ich persönlich keine Grafikhauptwertung vergeben.
 

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"Einige Areale wurden klassisch vorgerendert"


Die Sounduntermalung steht dem insgesamt guten grafischen Eindruck in Nichts nach und beeindruckt erstmals mit echter Sprachausgabe. Nahezu jeder wichtige Dialog wurde in DVD Qualität vertont und überzeugt mit durchweg gelungenen Synchronstimmen, die jeweils perfekt auf den Charakter zugeschnitten sind. Die Sprachausgabe wurde komplett in Englisch gehalten, auf Wunsch mit deutschen Untertiteln. Beides ist für sich wirklich toll gelungen, aber jedem der etwas des Englischem mächtig ist sollte auf die Untertitelung verzichten, die zwar die grobe Aussage immer einfängt, ansonsten jedoch vollkommen anders aufgebaut ist ('I love you' wird z.B. mit 'Danke' übersetzt, 'Victory' heißt neuerdings 'Der Pokal').

Der Grund: Das deutsche Übersetzungsteam hat (wie das amerikanische) direkt aus dem Japanischen übersetzt und so entstehen halt mehr oder weniger große Differenzen. Die Musikuntermalung verblasst im Vergleich zu den akustisch starken Vorgängern etwas, echte Ohrwürmer finden sich in der Playlist nicht mehr, dennoch passt die Musik immer recht gut zum Geschehen und untermalt die vorherrschende Stimmung. Unverständlich ist es wieso die Dolby Surround-Unterstützung des japanischen Originals wegrationalisiert wurde, der PAL-Zocker muss sich mit Stereo zufrieden geben.
 

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"Teilweise hindern euch knifflige Rästeleinlagen am Weiterkommen"
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Forum
  • von Ignorama:

    Aber du gehst nicht so wirklich auf das ein, was ich meinte Seymour ist ja auch NICHT der Endboss. Der eigentliche Gegner heißt Sin und im Laufe der Story kommt ja erst heraus, dass auch Sin nicht das Problem ist. Ohne Sin gäbe es jedoch die ganze Reise und Seymour selbst gar nicht in der...

  • von Akido:

    Zu Seymour: Zumindest mein Eindruck von ihm war so. Ich hab wohl einen "effizienteren" Gegenspieler erwartet, vor dem sich die Party fürchten muss. Aber Seymour bedient eher die Rolle des Endboss-Gehilfen - die Umstände treiben ihn zu seinen Taten. Aber im Prinzip ist er nicht wirklich...

  • von Ignorama:

    Aber mal als Verständnisfrage: Und auch wenn Seymours Hintergrund plausibel klingt, kommt er für mich dennoch wie ein armes Würstchen rüber und nicht wie ein ernstzunehmender Gegenspieler, der einem Respekt abverlangt. Soll Seymour nicht auch genau so wirken? Er ist...

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