Cybermorph im Test

Jaguar

Stellen wir uns mal vor, wir entwickelten die zurzeit särkste Konsole des Marktes und wollen diese so schnell wie möglich veröffentlichen. Doch Moment mal!!! Wir haben ja noch gar keine Spiele dafür. Also schnell ein paar Programmierer für eine Woche eingesperrt, damit sie etwas zusammenbasteln, was wir im Bundle mit unserer High End Konsole verkaufen können.

Cybermorph_neXGam_3So ähnlich muss es Atari vermutlich damals bei Cybermorph ergangen sein. Anders kann man sich das vorliegende Spiel im Prinzip nicht erklären. Cypermorph dürfte im Grunde jedem Atari Besitzer ein Begriff sein, denn es lag standardmäßig dem Jaguar bei und ist dessen allererstes Spiel. Normalerweise sollten diese Bundle-Titel ja eine Konsole promoten, hier ging das allerdings nach hinten los. Aber alles der Reihe nach…

Cypermorph präsentiert sich als typischer 3D Vehicle-Shooter, wie sie Mitte der 90‘er in Mode waren. Wie so oft ist im Universum erneut ein großer Krieg ausgebrochen, der keinen noch so friedlichen Planeten verschonen sollte. Die beiden Parteien setzten dabei auf modernste Technologie, so auch auf intelligente, sich selbst vermehrende Roboter. Dumm nur, dass sich diese Waffen plötzlich selbständig machen und so ihre eigenen Schöpfer bedrohen.

Cybermorph_neXGam_4Doch ein Funken Hoffnung ist geblieben: Entsprechende Gegenmaßnahmen, um wieder Herr der Lage zu werden, sind bereits entwickelt und einsatzbereit … wenn da nicht ein kleines unbedeutendes Problem wäre. Die feindliche Streitmacht fror leider sämtliche Waffen und Wissenschaftler in so genannte »PODS« ein und verteilte sie über die gesamte Galaxis. Und genau hier kommt greift der Spieler ein. Ausgestattet mit dem einzigen existierenden Prototypen des Cypermorph-Transmogriffon, macht er sich zu einem Himmelsfahrtkommando auf, alle »PODS« zu finden.

Das Besondere an diesem High-End Kampfflugzeuges ist die Fähigkeit seine Gestalt zu verändern, um sich so jeder Situation anzupassen. Klingt gut, ist aber im Spiel selbst nur ein (übrigens gelungener) grafischer Gag. Wer hofft auf Knopfdruck zwischen verschiedenen Formen zu wechseln wird leider enttäuscht. Vielmehr ändert sich das Erscheinungsbild des Jägers selbständig bei jeder Aktion. Sei es Waffenwechsel oder Vollbremsung, bei jeder Bewegung morpht der »T-Griffon« automatisch, ohne das sich der Spieler darum kümmern muss, oder es einen Einfluss auf das Gameplay hätte.

Cybermorph_neXGam_8So bewegt man sich also unterstützt von dem Bordcomputer »Skylar« von einem Sonnensystem zum nächsten. Jedes dieser Systeme besteht aus 8 Planeten, die man völlig frei anwählen kann. Sind auf jedem dieser Welten die benötigten »PODS« gefunden erhält man ein Passwort und es geht auf zum nächsten System. Über einen zu geringen Umfang kann man sich also nicht beschweren, allerdings über die Missionen selber schon. Neben der ständigen Suche gibt es praktisch keine Abwechslung. »PODS« suchen… Gegner zerstören… Endgegner… weiterfliegen…. Das ist alles was geboten wird. Gelegentlich trifft man auf Warp Portale, um versteckte Ebenen zu erreichen, oder sammelt Extrawaffen wie Flammenwerfer oder Minen auf. Doch im Wesentlichen ist man damit beschäftigt, alle Behälter zu finden, bevor es der Feind tut. Denn dieser installierte auf allen Planeten eine Vorrichtung, in welcher die »PODS« zerstört werden. Eine nette Idee, die aber gewaltig dazu beiträgt, dass der Schwierigkeitsgrad gegen Null tendiert (Ja, genau 0). Oft reicht es nämlich sich zu verstecken, bis die feindlichen Dronen alle freien »PODS« zusammentrugen. Anschließend vernichtet man die Armierung und sammelt alle ein.

Doch zum Glück(?) sind nicht alle so frei zugänglich, sondern in Gebäuden oder Befestigungen versteckt, so dass man nur durch deren Zerstörung an das dringend Benötigte herankommt. Dadurch wird die eingeblendete Karte zum vermutlich wichtigsten Gameplayelement.

Cybermorph_neXGam_5Die Gegner machen da schon einen besseren Eindruck: Von feindlichen Jägern über Verfolgungsminen und Geschütztürmen ist vieles vertreten. Manchmal sogar mit einer Art Intelligenz, meist aber nur Kanonenfutter. Doch ist das Gameplay eher ruhig und weniger auf Action ausgelegt.

Auch technisch und grafisch macht das Spiel einen unausgereiften Eindruck. Auf der einen Seite bewegen wir uns durch simple, einfarbig schattierte Polygonwelten, die sich oft nur durch ihre Farbgebung voneinander unterscheiden. Die Sichtweite ist lächerlich klein, so dass ständig Berge oder Gebäude aus dem Nichts auftauchen. Auf der anderen Seite haben wir aber die guten Animationen, das schnelle flüssige Scrolling und frei anwählbare Kameras. Die Jaguar typischen feinen Farbverläufe sorgen dafür, dass einige Levels plastisch aussehen, können allerdings auch nicht mehr viel retten. Details wie Brücken, Häuser oder Bäume findet man nicht oft und so wirkt die Welt steril. Cypermorph war damals trotz des nicht Vorhandenseins einer einzigen Textur das eindrucksvollste 3D-Spiel, welches man auf einer Konsole kaufen konnte. Doch heute wirkt sich dieser Bonus nicht mehr aus und so bleibt eine flüssige, fehlerfreie aber simple Optik mit kleiner Sichtweite und den daraus resultierenden Pop-ups.

Auch Soundtechnisch sieht das Bild nicht viel anders aus: Neben der netten Intromusik gibt es im Spiel selbst nur einige wenige SoundFX und die mittlerweile Kultstatus genießenden Sprachsamples von »Skylar«. Das keinerlei andere Spielmelodie existiert, verdeutlicht nur den Eindruck, dass dieses Game viel zu schnell auf den Markt geworfen wurde. Cypermorph kann man ein gewisses Potential nicht absprechen, aber letztlich scheiterte es am Leveldesign, Abwechslung und der lahmen Action. Umso erstaunlicher das es auf Seiten der Steuerung nichts zu meckern gibt. Der Gleiter reagiert präzise und man behält jederzeit die Kontrolle.




Nils meint:

Nils

Cypermorph dürfte im Grunde jeder Jaguar Besitzer kennen. Wer es noch nicht besitzt (soll es ja geben) sollte sich lieber nach den Nachfolger Battlemorph umschauen, der in vielen Bereichen verbessert wurde. Als Jaguar Spiel der ersten Stunde kann man Cypermorph den Kultstatus nicht absprechen, auch wenn wenig Gameplay dahinter steht. Das ist allerdings schon das einzige Argument, weshalb man heute noch nach diesem Game Ausschau halten sollte.

Positiv

  • Skylar's Sprüche sind Kult!
  • großer Umfang (30 Levels)

Negativ

  • kahle Grafik mit geringer Sichtweite
  • Action eher schleppend

Sebastian meint:

Sebastian
Hört auf den jungen Mann, denn er weiß was er sagt! Zugegeben, nach den ersten 2 Minuten war ich als alter Fan von actionreichen Flugsimulationen recht angetan, aber nochmal zwei Minuten später war der Zauber bereits verflogen. Langweilige und undetaillierte Landschaften, praktisch kein Sound und ein Gameplay zum Gähnen erwecken den Eindruck, daß der Jaguar zu Recht nie aus seinem Nischendasein gekommen ist. Cybermorph hat damals schon niemanden begeistern können, wie es heute aussieht wird wohl jeder selbst wissen... 
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Forum
  • von otto1980:

    Und weils so schön war hier noch der Cybermorph Abspann samt Final-Mission youtube.com/watch?v=cEE_Iwd6aBQ&...

  • von AAL:

    Als ich damals zum ersten mal Cybermorph gesehen habe wusste ich das ich einen Jaguar brauche. Skylar hatte mich einfach umgehauen. Vor ein paar Jahren hatte ich mir dann das Jaguar CD gekauft und dazu natürlich Battlemorph. Klar, Battlemorph ist ein riesen Schritt im Vergleich zu Cybermorph, aber...

  • von janatari:

    Nach Atari8-bit Computern und dann 16-bit Atari ST´s kaufte ich mir einen Jaguar mit Cybermorph und war wirklich geflasht. Skylar mit Ihren Sprachsamples hatte es mir sofort angetan. Ich mag das Spiel zumal es mein erstes aufm Jag war! Daumen hoch von mir ! ...

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