Baldies im Test

Jaguar

Populous, Dune 2, Command & Conquer. Was haben diese Spiele gemein? Richtig, sie sind Echtzeit-Strategiespiele, die ihren Weg vom PC/Homecomputer auf die Konsole fanden. Da Atari dafür bekannt war, für den Jaguar Kopien von Trendspielen zu entwickeln, nahm man sich mit Baldies dem Echtzeit-Strategie-Genre an. Doch ist es auch so mies, wie die Mortal Kombat Kopie Kasumi Ninja?

Baldies_neXGam_3Die Antwort gleich vorweg: Nein, ist es nicht. Im Gegenteil: Baldies ist ansprechend und macht Spaß. Allerdings, wie heißt es so schön: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Die Arbeit besteht bei Baldies in erster Linie darin, das Spielprinzip zu verstehen, denn die Anleitung verrät höchstens die Hälfte der Möglichkeiten. Das generelle Spielziel, die feindlichen, behaarten Gegner auszuschalten, wird nicht einmal erwähnt.

Sei‘s drum, Baldies folgt vom Spielaufbau her Klassikern wie Populous. Euer Stamm verfügt über 4 verschiedene Klassen, die jedem Baldie individuell zugewiesen und jederzeit gewechselt werden können. Die Worker sind rein für die Fortpflanzung da und werden zum „brüten“ in Häuser gesteckt, wo stetig Nachwuchs produziert wird. Builder bauen neue Unterkünfte, halten diese in Stand und bauen diese nach Anweisung zur Burg, Erfinderzentrale oder Kindergarten aus. Soldaten produzieren Monition und leisten Dienst an der Waffe, wenn es denn mal ins Gefecht geht. Wissenschaftler dienen rein militärischen Zwecken: Sie erfinden neue Waffen für den Angriff und zur Selbstverteidigung. Die erfundenen Waffen können dabei durchaus witzg anzusehen sein, wie Fallgruben, menschliche Kanonenkugeln oder Riesentrampoline. Wie bei Klassikern wie C&C befinden sich gleichzeitig auch mehrere feindliche Stämme auf der Karte, die man am vorhandenen Haupthaar leicht ausmachen kann und natürlich ebenfalls in Militär und Fortpflanzung investieren.

Züchtetet ihr einen ausreichenden Stamm an Personal heran und entwickeltet ein paar nette Waffen, könnt ihr zum Angriff übergehen. Hier zeigt Baldies seine erste Schwäche: Einheiten lassen sich nicht in Gruppen markieren, sondern können nur einzeln über die Karte gezogen werden, oder komplett auf ein Ziel mit dem Schildsymbol angesetzt werden. Das beraubt dem Game etwas strategischer Tiefe. Dazu kommt, dass eure Soldaten teilweise hirnlos in der Gegend herumlaufen und ins Blaue schießen, so dass auch mal die Munition ausgeht und in der heimatlichen Kaserne mehr Personal in die Munitionsherstellung geschickt werden muss. Da eure Männer nicht die hellsten sind, bedient ihr euch gerne und oft der erfundenen Waffen, die ihr meist einfach selber postiert und auf Ziele loslasst. Was das Kriegsgeschehen etwas einfacher macht und euch nicht zum Zuschauer verkommen lässt.

Baldies_neXGam_4Die Steuerung ist dabei simpel konzipiert und lässt einen schnell auf alle Funktionen zugreifen. Das Jaguar Keypad ist mit Shortcuts belegt, und so lässt sich jede Funkion mit einem Buttondruck erreichen, ein Overlay liegt dem Spiel bei.

Vom Umfang her ist Baldies schon ein beachtlicher Brocken. Satte 100 Level gilt es zu bewältigen, da kommt kein anderer Echtzeit-Strategie-Klassiker mit! Leider gibt’s in den 100 Leveln nur knapp 5 verschiedene grafische Szenarien, so dass einem das Wald- und Wiesenpanorama in Level 20 auf den Nerv geht. Spieler die kein Memory Track haben, können ebenfalls aufatmen, denn Baldies bietet neben dem bequemen Speichern auf Memory-Card auch eine Passwortfunktion, so dass man jederzeit im gewünschten Level einsteigen kann.

Technisch ist Baldies recht ordentlich. Das Gewusel, Gebäude und Animationen sind farbenfroh und nett gezeichnet. Solltet ihr jedoch einen Hang zur Massenvermehrung haben, geht der Jaguar in die Knie und die Framerate sinkt spürbar. Noch ein Grund mehr, taktisch zu agieren, anstatt auf Materialschlachten zu setzen. Bis auf ein witziges Renderintro gibt es allerdings nichts, das einen CD-Einsatz rechtfertigt. Als echter Ohrwurm entpuppte sich die Hintergrundmusik. Da es nur einen einzigen Track in den Leveln gibt, ist das Teil schnell im Ohr, wird aber glücklicherweise nicht nervig. Wer will, kann es jedoch gerne einfach abstellen.




Heiko meint:

Heiko

Baldies wird kaum beachtet auf dem Jaguar. Mir ging es da nicht anders. Man hat zu Beginn keinen wirklichen Zugang zum Gameplay, ein Tutorial gibt es nicht und die Anleitung ist dermaßen lückenhaft, dass man nur mit Ausprobiererei ins Game kommt. Hat man den Dreh aber raus, dann bietet Baldies extrem viel Spiel fürs Geld und ist vermutlich einer der am langfristigsten motivierenden Titel für die Konsole. Dank Passwort-Funktion braucht man nicht mal einen Memory-Track, der Preis ist günstig und das Gameplay verhältnismäßig tiefgängig. Wer auf Strategie steht und einen Jaguar CD hat, greift zu. Wer Letzteres nicht besitzt, kauft für kleines Geld die PS1-Variante, oder zieht sich die PC-Version gratis im Netz, denn das Spiel wurde freigegeben.

Positiv

  • 100 Level
  • viele Waffenarten
  • Passwort- und Speicherfunktion

Negativ

  • lückenhafte Anleitung
  • Ruckeln bei vielen Sprites
Userwertung
9.0 13 Stimmen
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Forum
  • von Civilisation:

    Ich darf den Thread hochholen? Danke. Ich wollte nur darauf verweisen, das Heikos Review zum Spiel überarbeitet worden ist. Baldies Populous, Dune 2, Command & Conquer. Was haben diese Spiele gemein? Richtig, sie sind Echtzeit-Strategiespiele, die ihren Weg vom...

  • von CD-i:

    besser ist das, sonst kommste nicht klar ...

  • von Tom Phobos:

    Ich hab das Spiel gestern auch mal kurz eingelegt. Aber wirklich komplett ohne Handbuch lesen oder Video schauen. Ich wußte also erstmal überhaupt nicht, was da am Bildschirm abging. Ich hab also nur mal paar Baldies aufgehoben und hin- und her bewegt. Die einzoge Erkenntnis von dem kurzen Spiel...

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