Sacred 2: Fallen Angel im Test

Xbox 360Xbox
Lange hat das Warten gedauert. Ursprünglich für August 2007 angekündigt ist Sacred 2 nun unzählige Verschiebungen und eine Entwicklerinsolvenz später auch auf den Konsolen gelandet, nachdem die PC Spieler bereit im Herbst 2008 loslegen konnten. Wir haben uns die 360-Version genauer angesehen und uns durch Ancarias weitläufige Welten geschlagen.


Wie bereits angesprochen hat es lange gedauert. Ursprünglich sollten die Konsolenfassungen schon im November 2008 erscheinen, doch wie es die Tradition bei Ascaron will, hat man sich doch deutlich mehr Zeit genommen. Zum Spiel: Sacred 2 ist wie sein Vorgänger ein Hack and Slay klassischer Herkunft. Oft auch in das Genre des RPGs gesteckt, müssen sich Spiele wie Sacred oft gefallen lassen, dass ihre Story dünn ist und die Charaktere lieblos designt. Nur liegt der Fokus bei Spielen wie Sacred nicht in der Story oder den ausgefeilten Geschichten der Charaktere, sondern fasziniert den Spieler mit den Reizen eines klassischen Hack and Slays: Leveln, Items suchen, Multiplayer und der riesigen, frei erforschbaren Oberwelt.

Kaum im Hauptmenü werdet ihr aufgefordert euren Charakter auszuwählen und zu benennen. Weder eine große Einleitung noch sonstiger Storyballast wird euch aufgebürdet. Diablo Veteranen werden es zu begrüßen wissen. Überhaupt sollte noch einmal festgestellt werden, dass Sacred 2 kein klassisches RPG ist, geschweige denn sein will. Im Titelbildschirm stehen einem nun 6 verschiedene Charaktere zur Wahl: Die Seraphim sind schon aus Teil 1 bekannt. Die gefallenen Engel schützen die Welt Ancarias vor Terror und Chaos. Der Schattenkrieger ist der klassische Melee-Charakter, welcher der Welt der Untoten entstammt. Die Hochelfen repräsentieren die klassischen Magier, die Dryaden die Völker der Natur, welche sich auf den Fernkampf spezialisiert haben. Der Inquisitor bildet das Gegenstück zur Seraphim und will Ancaria ins Chaos stürzen und ist nur an eigenen Zielen interessiert. Der Tempelwächter hingegen ist der erste nicht lebende Charakter und beschützt die sagenumwobene T-Energie, welche überall in Ancaria genutzt wird. Wie für ein Hack and Slay üblich unterscheiden sich die einzelnen Charakterklassen nicht nur äußerlich, sondern insbesondere in ihren Fähigkeiten. Jeder Charakter hat eigene Kampffertigkeiten, welche der Spieler im Laufe des Spiels selber auswählen, verbessern und sogar kombinieren kann. Allein dadurch ergibt sich eine dermaßen komplexe Charaktervielfalt, dass man auf Monate hin beschäftigt ist, wenn man seinen Charakter immer weiter optimieren will.



Aufgelevelt wird in klassischer Manier: Monster plätten bringt Erfahrung und neue Ausrüstungsgegenstände welche euren Kämpfer ebenfalls kontinuierlich weiter aufwerten. Dabei liegt auch hier wieder der Teufel im Detail: Ihr zieht euch nicht einfach nur die Rüstung über welche den höchsten Rüstungswert habt, sondern versucht noch eure Ausstattung so zu kombinieren, dass sie mit der eingeschlagenen Charakterskillung harmoniert. Einige Boni von Ausrüstungsgegenständen lassen sich zum Beispiel nur freischalten, wenn ihr auch die entsprechende Fertigkeit geskillt habt. Alles in Allem sticht Sacred 2 insbesondere durch eine komplexe Charakterskillung hervor, welche die Variationsmöglichkeiten enorm erhöht und dadurch motivierend ist. Ständig hat man das Gefühl, dass man doch noch etwas besser skillen könnte, oder dieser und jener Zauber doch effektiver mit bestimmten Ausrüstungsgegenständen harmoniert. Hier ist bereits zu sehen, dass Sacred 2 kein Spiel ist, welches man einlegt und sofort drin ist, und dies auch gar nicht will. Der Spieler soll sich intensiv mit der Charakterentwicklung auseinander setzen, welche den Kern des gesamten Spiels ausmacht. Wer seinen optimalen Charakter gefunden hat, zieht mit Freunden online oder via lokalem Multiplayer in die Schlacht und optimiert die Party noch indem sich die einzelnen Charaktere optimal ergänzen.

Überhaupt ist Sacred 2 ein Spiel welches sein volles Potential erst im Multiplayer ausspielt. Wer mit Freunden in einer vollen 4er-Gruppe loszieht wird seinen Spaß haben. Bald beginnt man untereinander abzustimmen wer wie agiert, man tauscht Ausrüstung untereinander und zieht weniger erfahrene Charaktere durch schwere Gebiete, so dass diese mitgelevelt werden können. Online können bis zu vier Spieler in einem Game sein und sich jederzeit zum Spielleiter im Spiel teleportieren.



Beim Thema teleportieren: Wer glaubt in wenigen Spielsitzungen alles gesehen zu haben, der täuscht. Die Welt von Ancaria ist dermaßen riesig, dass man schon mal eine Stunde unterwegs ist um von Gebiet zu Gebiet zu kommen. Deshalb sind überall in Acaria Teleportationsportale und Wegpunkte verteilt, zu denen ihr euch jederzeit teleportieren könnt. Wer gerne drauf verzichtet seinen Körper in seine Bestanteile zerlegen zu lassen, aber trotzdem nicht den Fußmarsch antreten will, kann bei Sacred 2 auch auf Reittiere zurückgreifen. So kann man sich beim örtlichen Pferdehändler einen Klepper kaufen oder sich auf die Suche nach den persönlichen Reittieren machen. So reiten Seraphim auf einem weißen Tiger durch Ancaria, Inquisitoren reiten auf riesigen Spinnen durch das weite Land.

Essentiell wichtig bei einem Spiel, welches geschätzte 80+ Stunden Spielzeit hat, ist natürlich die Steuerung. Die PC Versionen vertrauen ja wie üblich auf die Maus als Eingabegerät. Die Steuerung der Konsolenversion hingegen wurde aufs Pad angepasst. So steuert ihr euren Charakter mit dem linken Analogstick, der rechte dreht die Kamera in euren Wunschwinkel. Die Knöpfe sind hingegen frei belegbar. A, B, X, Y lassen sich von euch frei mit Waffen und Kampfkünsten belegen. Wer also mit 4 Waffen gleichzeitig in den Krieg ziehen will, der darf nach Wunsch alle 4 Slots mit Waffen füllen. Via RT und LT schaltet ihr noch auf 2 alternative Sets, welche wieder mit 4 Aktionen frei belegt werden können. So können insgesamt 12 verschiedenen Aktionen frei gemapt werden, mehr Freiheit geht also nicht. LB hebt hingegen alles in einem Umkreis von wenigen Metern vom Boden auf. RB sorgt für ein komfortables Ringmenü das euch Zugang auf eure Kampffertigkeiten und euer Inventar erlaubt. Leider ist das Inventar wie bei Oblivion in Listen aufgeteilt, nicht wie noch auf dem PC in einem Kästchenfeld. So kann es passieren, dass ihr ganz schön lange scrollen müsst bis ihr zu eurem Wunschgegenstand gelangt. Auch das Vergleichen von 2 Teilen wird so erschwert.



Wie so oft hat jedes Spiel Licht- und Schattenseiten. Das ist auch bei Sacred nicht anders. Wo das Spiel umfangreich ist und Unmengen an Facetten bietet, so leidet doch die Technik ein wenig. Alles ist lievevoll gezeichnet und designt, Ancaria ist farbenfroh und abwechslungsreich. Leider bezahlt das der Spieler mit einem permanenten Ruckeln. Gerade in der hohen Vogelperspektive fällt das besonders unangenehm auf. Wer ruckelfreier durch Ancaria reisen will stellt die Kamera auf statisch und meidet das Kameradrehen. So vermeidet ihr Tearing und unangenehme Verwischeffekte. Musikalisch und akustisch ist an Sacred 2 nichts auszusetzen. Musik gibt’s im Spiel nur wenig und dezent. Lediglich in Dungeons wird der ein oder andere Metal-Tune angespielt, wenn sich Gegnerhorden auf euch stürzen. Als nettes Gimmik hat Ascaron ein virtuelles Blind Guardian Konzert eingebaut. Fans der deutschen Metal Band kommen also zusätzlich noch auf ihre Kosten. Sprachausgabe gibt es ebenfalls. Sowohl Charaktere als auch Feinde geben regelmäßig mehr oder weniger sinnfreie Sprüche zum besten.

Heiko meint:

Heiko

Sacred 2 hat alle meine Erwartungen erfüllt. Umfang, Abwechslung und Skillmöglichkeiten stimmen und sprechen den Hack and Slay Freund an. Wer jedoch Rollenspielkost mit niedlichen Charakteren und epischer Story erwartet, sollte die Finger von Sacred 2 lassen. Sacred 2 ist das was es sein will: Ein Hack and Slay der alten Schule mit Fokus auf Langzeitspaß bei der Charakterentwicklung und dem Multiplayerpart. Und das wurde vorzüglich gemeistert. Lediglich bei der Technik müssen Abstriche gemacht werden. Wer aber mit der leicht ruckelnden Kamera klar kommt, der wird Spaß haben, zumal es auf Konsolen kein Konkurrenzprodukt gibt. Wir sehen uns in Ancaria!

Positiv

  • gewaltiger Umfang
  • facettenreiches Skillsystem
  • toller Multiplayer (auch offline)

Negativ

  • teils heftige Ruckler
  • Itemverwaltung teilweise umständlich
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Forum
  • von aldi404:

    Bisher ist es eher durchschnittlich; wenn es nicht zündet, hab ich auch noch den "lustigen" 3. Teil hier rumliegen.

  • von Goldeneye:

    Ja; Sacred 2 habe ich auch auf der PS3 gespielt! Nicht direkt zum Launch, aber einige Woche danach wenn ich meine Trophies so checke. Das war beim Sk GameNatix in Trier wo ich mir das geholt habe. Habe es auch etwas online gespielt, ein wirklich gutes Spiel! Für mein PS3-FullSet habe ich auch...

  • von Phill XVII:

    Das Spiel muss unbedingt Remastered werden

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Sacred 2: Fallen Angel Daten
Genre -
Spieleranzahl 1 - 4
Regionalcode PAL
Auflösung / Hertz 60 Hz
Onlinefunktion Ja
Verfügbarkeit 05.06.2009
Vermarkter DeepSilver
Wertung 8.2
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