The Sinking City 2 im Test

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Das erste The Sinking City war ein Spiel, das man gern mochte, ohne es wirklich zu lieben. Die Idee war reizvoll: ein Detektivabenteuer in einer überfluteten, vom Cthulhu-Mythos durchtränkten Stadt, in der man Hinweise sammelt, Akten wälzt und sich per Boot durch eine offene Welt bewegt. Die Umsetzung aber blieb hinter dem Anspruch zurück. Das Kampfsystem war sperrig, die Spielwelt leer und das Tempo oft zäh. Dass Frogwares nach dieser durchwachsenen Erfahrung nicht einfach mehr vom Gleichen liefert, sondern das Konzept grundlegend umbaut, ist die größte Überraschung des Nachfolgers und zugleich seine beste Entscheidung.

The-Sinking-CIty-2-03The Sinking City 2 ist weniger Detektivspiel mit Horrorkulisse als vielmehr ein waschechtes Survival-Horror-Abenteuer. Die Vorbilder liegen auf der Hand, und das Studio verheimlicht sie nicht: Man spürt den Geist klassischer Resident-Evil-Spiele, mit verschlossenen Türen, Schlüsselgegenständen, knappen Ressourcen und Gegnern, die nicht immer so tot bleiben, wie man es sich wünscht. Manche Kreaturen stehen nach einem Treffer wieder auf, und zwar bedrohlicher als zuvor. Das erzeugt genau jene Unruhe, die dem Genre seit jeher seinen Reiz verleiht. Man zählt Patronen, überlegt zweimal, ob sich ein Kampf lohnt, und schleicht an Ecken vorbei hinter denen man lieber nicht sein wollte. Die Geschichte führt zurück ins Arkham der 1920er-Jahre, jene Stadt aus Lovecrafts Erzählungen, die hier von einer übernatürlichen Flut heimgesucht wurde. Der Protagonist Calvin Rafferty, ein hutbewehrter Abenteurer mit Hang zum Okkulten, hat keinerlei Verbindung zur Hauptfigur des Vorgängers. Nur vereinzelte Easter Eggs erinnern daran, dass es ein erstes Spiel gab. Cals Antrieb ist persönlich: Er will seine Partnerin Faye Bennett zurückholen, die ihn bei seinen übernatürlichen Streifzügen begleitet hat und deren Verlust ihn antreibt. Diese emotionale Basis gibt der Handlung ein Gewicht, das dem ersten Teil häufig fehlte. Statt einer Aneinanderreihung von Fällen gibt es diesmal einen roten Faden, der durch den Verfall der Stadt führt und den Spieler bei der Stange hält.

Besonders gelungen ist die Atmosphäre: Das überschwemmte Arkham wirkt tatsächlich wie ein Ort, an dem etwas grundlegend schiefgelaufen ist. Regen prasselt auf Wasserflächen, Nebel hängt zwischen verfallenden Fassaden und aus dem schwarzen Wasser ragen Dächer, Laternen und Trümmer wie Mahnmale. Die Beleuchtung arbeitet sparsam, aber wirkungsvoll, und der Sound sorgt dafür, dass man selbst in ruhigen Momenten nie ganz entspannt. Gerade die Bootsfahrten, die im ersten Teil noch eher lästig waren, entfalten nun eine fast meditative Spannung. Man gleitet durch stille Kanäle, hört Wasser gegen Holz schlagen und fragt sich was unter der Oberfläche lauert. Diese Momente der Ruhe vor dem Sturm gehören zu den eindrücklichsten des Spiels. Statt einer riesigen offenen Welt setzt das Spiel auf kompakt gestaltete Areale, die sich eher wie verschachtelte Spielplätze anfühlen. Man erkundet Gebäude, findet Abkürzungen, schaltet Wege frei und kehrt später mit neuen Möglichkeiten an frühere Orte zurück. Die Ermittlungsarbeit, die Frogwares seit Jahrzehnten in seinen Sherlock-Holmes-Spielen perfektioniert haben ist nicht verschwunden, sondern mehr in den Spielfluss integriert worden. Hinweise deuten, Zusammenhänge erkennen und Rätsel lösen, ist nun Teil des Erkundens und nicht mehr ein separater Spielmodus. Das fühlt sich organischer an und verhindert, dass die Ermittlung zur Fleißarbeit verkommt. Wer die Detektivseite des Vorgängers vermisst, wird sie hier in abgespeckter Form wiederfinden, wer Action und Schrecken sucht, bekommt definitiv mehr davon.

The-Sinking-CIty-2-04Damit kommen wir zu den Schwächen. Die größte betrifft das Kampfsystem. Die Gefechte wirken manchmal etwas steif und wenig befriedigend. Schüsse haben nicht das nötige Gewicht, Treffer fühlen sich vage an, und Ausweichmanöver wirken oft träger, als es die Situation verlangt. Im Survival Horror muss das nicht zwingend ein Mangel sein, denn bewusst schwerfällige Steuerung kennt der geneigte Spieler bereits aus den Anfängen der Resident Evil Reihe. Hier jedoch wirkt es stellenweise weniger wie Absicht und mehr wie fehlender Feinschliff. Wer auf präzise und flüssige Action hofft, wird nicht unbedingt auf seine Kosten kommen. Die Gegnervielfalt ist ordentlich, ohne wirklich zu überraschen, und manche Begegnungen laufen nach bekanntem Muster ab. Dass das Genre seine Konventionen hat, ist verständlich, aber ein paar mehr eigene Ideen hätten dem Spiel an manchen Stellen gutgetan. Auch die Erzählung hat ihre Momente und ihre Längen. Der Ton bleibt konsequent düster, und die Mischung aus persönlichem Verlust und kosmischem Grauen funktioniert. Lovecrafts Themen, nämlich die Unbegreiflichkeit des Universums, die Zerbrechlichkeit des Verstandes und das Gefühl, einer übermächtigen Kraft ausgeliefert zu sein, werden respektvoll und wirkungsvoll aufgegriffen. Gleichzeitig verlässt sich das Spiel gelegentlich zu sehr auf bekannte Motive und Archetypen. Wer viel Lovecraft gelesen oder gespielt hat, wird nicht jedes Mal überrascht sein. Die Charaktere, denen man begegnet, sind unterschiedlich gut gezeichnet, die Nebenfiguren bleiben teilweise blass. Trotzdem trägt die Geschichte durch das gesamte Abenteuer und bietet genug Neugier, um weiterzuspielen.

 

Michael meint:

Michael

Am Ende ist The Sinking City 2 ein Beispiel dafür, wie eine Fortsetzung aus den Fehlern des Vorgängers lernen kann. Frogwares hat erkannt, wo das erste Spiel strauchelte, und konsequent umgesteuert. Statt eines überladenen Mischmaschs aus Detektivspiel, Open World und Horror gibt es nun ein klar umrissenes Survival-Horror-Erlebnis mit starkem Stil und spürbarer Liebe zum Stoff. Es ist kein Meisterwerk, dafür fehlt dem Kampf etwas der Feinschliff und wird Genrekenner nicht vom Hocker hauen. Dafür hat zum Beispiel Resident Evil Requiem zu sehr gezeigt, wie ein modernes Spiel im Survival Horror auszusehen hat. Aber es ist ein stimmungsvolles, atmosphärisch dichtes Abenteuer, das beweist, dass ein kleines Studio mit klarer Vision viel erreichen kann.Wer Resident Evil mag, Lovecrafts Welt schätzt und über ein paar technische und spielerische Ecken hinwegsehen kann, bekommt hier ein Spiel, das lange nachwirkt. Das überflutete Arkham bleibt im Gedächtnis, ebenso die stillen Fahrten über schwarzes Wasser und das ständige Gefühl, dass unter der Oberfläche etwas wartet. Für Frogwares ist es ein großer Schritt nach vorn, für Fans des kosmischen Grauens eine der lohnenderen Veröffentlichungen des Jahres. Nach dem gemischten Auftakt der Reihe darf man die Entwickler beglückwünschen: Diesmal ist die Stadt zwar versunken, das Spiel selbst aber geht nicht unter.

Positiv

  • Dichte Atmosphäre
  • starke Geschichte
  • Gelungene Neuausrichtung

Negativ

  • Schwaches Kampfsystem
  • Wer viele Survival-Horror- oder Cthulhu-Spiele kennt, wird selten wirklich überrascht.
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  • von Phill XVII:

    Bin durch. Knappe 9 Stunden hat mein Durchgang gedauert. Am Ende hat es doch etwas nachgelassen aber im großen und ganzen ein tolles Spiel. 🥰...

  • von lumpi3:

    Externer Inhalt youtu.be Inhalte von externen Seiten werden ohne Ihre Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt. Alle externen Inhalte anzeigen Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen...

  • von Phill XVII:

    Ich schätze mal ich bin jetzt so bei 60, 70% der Story. Bin nach wie vor begeistert. Es hat zwar seine Ecken und Kanten aber ansonsten ein tolles Resi like.Wenn dass seine Qualität bis zum Ende beibehält wird es in meinem Ranking für dieses Jahr sogar Requiem schlagen....

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The Sinking City 2 Daten
Genre Actionadventure
Spieleranzahl 1
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 4k
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 2026-08-18 00:01:08
Vermarkter -
Wertung 8.1
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