Terrinoth - Heroes of Descent im Test

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Mit Terrinoth: Heroes of Descent wagt sich Artefacts Studio, bereits bekannt durch Die Zwerge oder The Dungeon of Naheulbeuk, an eine der bekanntesten Marken der Brettspielwelt heran. Das Studio adaptiert das umfangreiche Descent: Journeys in the Dark und kreiert daraus ein eigenständiges, taktisches Dungeon-Crawler-RPG, das als direktes Prequel zur physischen Vorlage angelegt ist. Das Ergebnis ist ein Spiel, das mit klarer Identität überzeugt, an manchen Stellen aber auch Schwächen offenbart.

Terrinoth-Heroes-of-Descent-03Erzählerisch versetzt einen das Spiel in die Fantasy-Welt Terrinoth, in der dunkle Mächte erwachen und ein vergessenes Relikt über das Schicksal des Landes entscheiden könnte. Man stellt eine Gruppe aus bis zu acht unterschiedlichen Helden zusammen. Jeder davon mit eigener Hintergrundgeschichte, individuellem Kampfstil und Fähigkeiten. Fortan zieht man gemeinsam in die gefährlichen Verliese von Terrinoth, um sich einem mysteriösen okkulten Meister entgegenzustellen. Die Geschichte selbst ist eher solide und ist nicht sonderlich originell. Man mag auch die hölzern wirkende Sprachausgabe und Figuren bemängeln, die trotz individueller Fähigkeiten kaum emotionale Tiefe entwickeln. Jedoch ist es das Spielsystem, dass den Spieler bei der Stange hält. Schade ist allerdings die fehlende Möglichkeit, mit den eigenen Helden außerhalb der Missionen zu interagieren, wodurch eine echte Bindung an das Team nur schwer entstehen kann. Wer auf eine mitreißende, tief verwobene Fantasy-Erzählung im Stil moderner Rollenspiel-Schwergewichte hofft, dürfte hier eher enttäuscht werden.

Wo Terrinoth: Heroes of Descent hingegen klar punktet, ist im spielerischen Kern. Das rundenbasierte, taktische Kampfsystem ist eine der größten Stärken des Titels. Positionierung, Höhenunterschiede, Sichtlinien und geschicktes Timing spielen eine zentrale Rolle, um sich gegen listige Gegner und mächtige Bossgegner durchzusetzen. Besonders die Möglichkeit, verschiedene Charakterfähigkeiten zu kombinieren und mit Synergie-Angriffen verheerende Effekte zu erzielen ist sehr effektiv. Das Spielsystem ist dabei bewusst zugänglich gehalten, ohne komplizierte Regelwerke oder eine steile Lernkurve, was sowohl Neulinge als auch erfahrenen Taktik-Fans entgegenkommt. Gleichzeitig bleibt genug strategische Tiefe erhalten, um ebenfalls anspruchsvollere Spieler längerfristig zu fesseln. Strukturell orientiert sich das Spiel eng an seiner Brettspielvorlage. Die Kampagne ist in vier thematische Kapitel unterteilt, die wiederum aus mehreren, jeweils in sich abgeschlossenen Missionen bestehen. Jede dieser Missionen ist so konzipiert, dass sie sich in einer einzigen Spielsitzung von etwa einer Stunde abschließen lässt, was dem Spiel einen angenehm spieleabend-tauglichen Charakter verleiht. Diese Herangehensweise ist meines Erachtens eine der größten Stärken des Titels, da sie einen ausgezeichneten Pick-up-and-play-Charakter erzeugt und dabei den Rhythmus einer klassischen Brettspielrunde erstaunlich authentisch einfängt. Wer nach einem intensiven Spieleabend einfach die Box schließen und die Runde beenden möchte, unabhängig davon, ob die Mission gewonnen oder verloren wurde, findet hier genau das passende Format.

Terrinoth-Heroes-of-Descent-10Insgesamt umfasst eine vollständige Kampagne etwa 20 unterschiedlich gestaltete Dungeons mit eigenen Umgebungen und vollständig vertonten Geschichten, ergänzt durch Nebenquests und dynamische Dialoge, die sich an die jeweilige Zusammensetzung der Heldengruppe anpassen. Ein kompletter Durchlauf lässt sich mit rund 35 Spielstunden veranschlagen, wobei der überwiegende Teil dieser Zeit auf das Kampfgeschehen entfällt. Genau das dürfte für die Zielgruppe des Spiels, Taktikaffine sowie eingefleischte Fans der Brettspielvorlage, den größten Reiz ausmachen. Wer primär auf eine dichte Erzählung Wert legt, könnte tendenziell zu kurz kommen. Besonders empfehlenswert zeigt sich Terrinoth: Heroes of Descent im Koop-Modus. Bis zu vier Abenteuerlustige können gemeinsam online gegen die Mächte der Dunkelheit antreten, wobei volle Controller-Unterstützung am PC geboten wird und sich weitere Mitspieler sogar mitten in einem laufenden Dungeon der Gruppe anschließen können. Hier spielt der Titel seine Stärken aus, da in dieser gemeinschaftlichen Konstellation das Gameplay deutlich stärker wirkt als im Solospiel, da sich hier am ehesten das Gefühl eines echten Brettspielabends mit Freunden einstellt. Wer die Möglichkeit hat, zu dritt oder zu viert anzutreten, dürfte aus der Erfahrung spürbar mehr herausholen als beim einsamen Vorstoß in die Verliese.

Die Kehrseite des festen, missionsbasierten Kampagnenformats ist, dass es für kurze Spielsitzungen ideal ist, langfristig aber etwas Abwechslung vermissen lässt. Hier wäre es großartig, wenn zukünftige Inhalte eine stärker roguelike-artige Ausrichtung mit zufällig generierten Verliesen hätten, um dem im Kern eher schlicht gehaltenen erzählerischen Rahmen mehr Wiederspielwert entgegenzusetzen. Auch die vergleichsweise unbekannte Terrinoth-Fantasywelt selbst hätte meiner Meinung nach ruhig noch etwas mehr erzählerische und atmosphärische Eigenwilligkeit vertragen können, um sich stärker von anderen Vertretern des Genres abzuheben. Technisch präsentiert sich Terrinoth: Heroes of Descent als solide und weitgehend rund umgesetzte Produktion, die auf handelsüblicher Hardware gut läuft und keine größeren Performance-Probleme erkennen lässt. Die Systemanforderungen halten sich in einem moderaten Rahmen, sodass auch etwas ältere Rechner mit einer Grafikkarte im Bereich einer GTX 970 oder RX 470 das Spiel flüssig darstellen können sollten.

 

Michael meint:

Michael

Terrinoth: Heroes of Descent ist ein technisch sauber umgesetztes, taktisch überzeugendes Dungeon-Crawler-Erlebnis, das seiner brettspielerischen Herkunft treu bleibt. Wer taktische Rundenkämpfe, ein modulares Missionsdesign und kooperatives Spielen mit Freunden schätzt, findet hier einen durchaus spaßigen Vertreter seiner Zunft. Wem hingegen vor allem an einer tiefgründigen, emotional mitreißenden Fantasygeschichte gelegen ist, der wird das Spiel trotz seiner spielmechanischen Qualitäten eher als durchschnittlich empfinden. Terrinoth: Heroes of Descent ist damit weniger ein Spiel für alle, sondern ein gezielt ausgerichtetes Angebot für eine klar definierte Zielgruppe, die genau das bekommt, was sie sich wünscht: einen digitalen Brettspielabend mit taktischer Tiefe.

Positiv

  • Taktisch tiefes, zugängliches rundenbasiertes Kampfsystem
  • Modulares Missionsdesign, ideal für kurze, in sich abgeschlossene Spielsitzungen
  • Starker Koop-Modus für bis zu vier Spieler mit spontanem Einstieg

Negativ

  • Generische Handlung mit flachen Charakteren und hölzerner Sprachausgabe
  • Keine Interaktion mit den Helden außerhalb der Missionen
  • Nachlassende Qualität im weiteren Kampagnenverlauf
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Terrinoth - Heroes of Descent Daten
Genre Rollenspiel
Spieleranzahl 1 - 4
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 4K
Onlinefunktion Ja
Verfügbarkeit 2026-06-07 00:01:50
Vermarkter -
Wertung 8.3
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