Roguematch - The Extraplanar Invasion im Test

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Es gibt Spielideen, die man sofort versteht und trotzdem nicht hat kommen sehen. Roguematch: The Extraplanar Invasion ist eine davon. Das Konzept lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Was wäre, wenn man die Mechanik von Match-3-Spielen wie Puzzle Quest mit dem Dungeon-Crawling eines Roguelikes verbinden würde – und den Spielercharakter mitten ins Spielfeld stellt?

Roguematch-05Diese Idee ist so schlicht wie genial, und für die ersten Stunden fühlt sich Roguematch: The Extraplanar Invasion wie eine kleine Offenbarung an. Doch das Spiel des Entwicklers Starstruck Games weiß leider nicht, wann es aufhören soll, und verliert sich zunehmend in einer Flut von Systemen und Mechaniken, die das Erlebnis so oft bereichern wie erschweren. Die Geschichte ist schnell erzählt: Eine Nekromantikerin namens Sonya – hier liebevoll „Nekomancer" getauft – schleppt ihre Freunde, einen tollpatschigen Abenteurer und einen schildschwingenden Paladin, auf die Suche nach dem mysteriösen Nekonomicon. Dabei stoßen sie auf eine außerdimensionale Invasionsarmee, die ein gesamtes Schloss überrannt hat. Der Ton ist durchgehend verspielt und selbstironisch, die Charakterdesigns – ein Schwein als Zauberer, ein Vogel als Barbar, eine Katze als Nekromantikerin – haben unbestreitbaren Charme. Wer eine ernste High-Fantasy-Geschichte erwartet, ist hier falsch. Wer hingegen skurrilen Humor und eine bunt gemischte Heldentrupp mag, wird sich schnell wohlfühlen.

Das Herzstück des Spiels ist das Kampfsystem, und es ist wirklich brillant erdacht. Jeder Raum im Schloss ist mit einem Gitter aus farbigen Edelsteinen gefüllt, die verschiedene Mana-Elemente repräsentieren. Der Spielercharakter steht physisch auf diesem Gitter – nicht wie in Puzzle Quest oder Gems of War irgendwo außerhalb des Bildschirms, sondern mittendrin. Verbindet man drei oder mehr gleichfarbige Steine, die neben einem Feind liegen, erleidet dieser Schaden. Das klingt einfach, entfaltet aber eine erstaunliche taktische Tiefe: Jeder Gegner hat elementare Stärken und Schwächen. Manche Feinde werden von bestimmten Farben sogar geheilt. Ein falscher Zug kann den sorgfältig aufgebauten Vorteil in Sekunden zunichtemachen. Zusätzlich kann man Feinde direkt im Nahkampf angreifen, Zauber einsetzen oder ausweichen – jede Runde verlangt eine echte Entscheidung.

Roguematch-02Auf der Xbox Series X spielt sich das alles erfreulich flüssig. Die Steuerung mit dem Controller ist intuitiv, Charakterbewegung und Steinauswahl sind sauber auf Analog-Stick und Buttons abgebildet. Das Quick-Resume-Feature der Konsole passt hervorragend zur roguelike Struktur des Spiels: Man kann jederzeit unterbrechen und dort weitermachen, wo man aufgehört hat – ideal für längere Runs, die gut und gerne 45 Minuten dauern können. Die Optik ist farbenfroh und ausdrucksstark, die Sprites haben Leben und Persönlichkeit, und die verschiedenen Schloss-Etagen – von einer kryovulkanischen Zone, in der Lava Feinde und Spieler gleichermaßen verbrennt, bis zum elektrischen Sumpf – bringen angenehme visuelle und spielerische Abwechslung.

Sechs verschiedene Heldencharaktere stehen zur Wahl, jeder mit eigenem Spielstil. Der Boarlock lässt sich mit einem Zeitmanipulations-Kraftset kombinieren und kann dann mehrere Züge hintereinander ausführen. Die Sowceress entfaltet mit einem Fernkampf-Set verheerende Wirkung. Der Birbarian ist im Nahkampf kaum zu übertreffen, wenn er mit einem Bombenset ausgestattet wird. Die Kombinationsmöglichkeiten aus sechs Helden und sechs Mana-Sets ergeben bereits 36 Grundvarianten, die durch über 170 zufällig gefundene Zauber und Gegenstände weiter verfeinert werden. Wer sich auf dieses System einlässt, findet hier eine bemerkenswerte Spieltiefe – jeder Run fühlt sich anders an, Experimente werden belohnt, und der Reiz, die optimale Kombination für den eigenen Spielstil zu finden, treibt einen immer wieder zurück ins Schloss.

Roguematch-06Doch hier beginnt auch das zentrale Problem von Roguematch: The Extraplanar Invasion. Das Spiel hat schlicht zu viele Ideen und keinen Mut, auf manche davon zu verzichten. Neben dem Kernsystem aus Match-3-Kämpfen, Heldenfähigkeiten und Elementarschwächen gibt es ein Ausrüstungssystem, ein Zaubersystem, ein System zum Umwandeln von Ausrüstung in Zauber und umgekehrt, Raummodifikatoren, Umweltgefahren und weitere Variablen, die in den frühen Spielstunden wie ein ständig wachsender Regelkatalog wirken. Die Tutorials erklären manche dieser Systeme klar, andere lassen den Spieler im Regen stehen. Man lernt sie durch Scheitern – was im Roguelike-Genre grundsätzlich dazugehört, hier aber manchmal weniger nach organischem Entdecken als nach schlichter Unfertigheit der Spielerklärung anfühlt.

Das Ausrüstungssystem etwa begrenzt die Anzahl der Gegenstände, die man gleichzeitig tragen kann, ohne ein klares Ein-raus-ein-rein-Prinzip zu etablieren. Was passiert genau, wenn man ein Ausrüstungsstück in einen Zauber umwandelt? Die Antwort muss man sich oft selbst erschließen. Diese Unklarheit kostet Vertrauen, gerade in den Momenten, in denen ein langer Run durch eine scheinbar willkürliche Entscheidung endet. Im Endgame können Runs sich zudem zäh und abgehackt anfühlen, wenn die akkumulierte Komplexität aller Systeme den Spielfluss ausbremst statt zu beflügeln.

Die Gegner-Vielfalt mit über 70 Feinden und Bossen ist dennoch beeindruckend und sorgt dafür, dass die vier Schloss-Etagen trotz prozeduraler Generierung nicht schnell langweilig werden. Die Bosse verlangen echte taktische Überlegung und belohnen Spieler, die ihre elementaren Schwächen kennen und ausnutzen. Begleitet wird das Ganze von einem soliden, fröhlichen Soundtrack, der den verspielten Ton des Spiels gut trifft – wenngleich er selten besonders einprägsam ist.

 

Michael meint:

Michael

Unterm Strich ist Roguematch: The Extraplanar Invasion ein ambitioniertes, charmantes und im Kern brillant konzipiertes Spiel, das sich selbst gelegentlich im Weg steht. Die Grundidee – Match-3 als taktisches Kampfsystem im Roguelike-Dungeon-Crawler – ist frisch, originell und funktioniert wunderbar. Wer die Geduld aufbringt, sich durch die etwas holprigen ersten Stunden zu kämpfen und die vielen Systeme zu durchdringen, wird mit einem ungemein befriedigenden und wiederholbaren Spielerlebnis belohnt. Auf der Xbox Series X läuft das Spiel technisch sauber, die Steuerung sitzt, und der „noch einen Run"-Sog ist real. Doch ein klareres Tutorialsystem, etwas mehr Mut zum Weglassen und ein konsequenteres Spielfluss-Design hätten aus einem sehr guten Spiel ein herausragendes gemacht.

Positiv

  • cleverer Genremix
  • hoher Wiederspielwert
  • charmante Präsentation

Negativ

  • überwältigende Komplexität zu Beginn
  • unklares Ausrüstungssystem
  • nachlassender Spielfluss im Endgame
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Roguematch - The Extraplanar Invasion Daten
Genre Puzzle
Spieleranzahl 1
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 1080p
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 2025-07-24 00:01:35
Vermarkter -
Wertung 7.7
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