Rivage im Test

PC WindowsPlayStation 5XboxSeriesSX

Zeitschleifen sind in Spielen längst kein Neuland mehr. Von Outer Wilds bis Deathloop haben mehrere Titel gezeigt, wie reizvoll das Prinzip sein kann, wenn Wiederholung nicht als Strafe, sondern als Werkzeug dient. Rivage, das erste Spiel des kleinen Studios Exnilo Studio aus Quebec und veröffentlicht von Raw Fury, greift diese Idee auf und das mit einem völlig eigenen Twist. Der Loop funktioniert hier eher wie ein Budget als wie ein Käfig. Das klingt zunächst unscheinbar, prägt aber das gesamte Spielgefühl. Das Ergebnis ist ein stimmungsvolles und durchdachtes Rätselabenteuer, das an seinen eigenen Ambitionen jedoch nicht ganz so souverän festhält, wie man es sich wünschen würde.

Rivage-03Die Ausgangslage ist schnell erzählt. Man schlüpft in die Rolle von Miranda, Mitglied eines wissenschaftlichen Teams an Bord der Forschungsstation A.R.E.S., die im 25. Jahrhundert den geheimnisvollen Planeten Vesta umkreist. Miranda erwacht allein auf der Station, die Besatzung ist verschwunden und ein rätselhaftes Phänomen hält alles in einer Zeitschleife gefangen. Aus der Ich-Perspektive erkundet man die Räume, repariert defekte Systeme, richtet fehlerhafte Mechanismen neu aus und löst Umgebungsrätsel, die mit Schwerkraft, Magnetismus und dem Fluss der Zeit spielen. Diese Verzahnung von Geschichte und Rätsel ist die große Stärke des Spiels. Kaum eine Aufgabe fühlt sich willkürlich an, weil sie sich fast immer aus der Welt selbst ergibt. Ein defekter Aufzug, eine gestörte Energieversorgung oder ein verriegeltes Labor sind nicht bloß Hindernisse, sondern Teil der Frage, was auf dieser Station geschehen ist.

Interessant ist vor allem der Umgang mit der Zeitschleife. Anstatt den Spieler bei jedem Fehlschlag mit Frust zu bestrafen, begrenzt Rivage die verfügbare Energie und macht Zeit damit zu einer Ressource, die man sich einteilen muss. Wer planlos herumprobiert, verschwendet seinen Vorrat und wer vorausschauend agiert und Wege sinnvoll kombiniert, kommt eher ans Ziel. In der Praxis sorgt dieser Ansatz für eine angenehme Spannung. Man denkt nicht nur über die Lösung eines Rätsels nach, sondern auch darüber, ob sie sich gerade lohnt oder ob man sich lieber erst einem anderen Problem widmen sollte. Das hebt das Spiel sich von viele Genrekollegen ab, bei denen Rätsel oft isolierte Einzelaufgaben bleiben. Auch die Atmosphäre ist durchweg gelungen. Rivage setzt auf eine melancholische, einsame Stimmung, die eher an klassische Abenteuerspiele erinnern. Verlassene Arbeitsplätze, persönliche Gegenstände, Forschungsdaten und Notizen erzählen von dem Leben, das hier einmal stattgefunden hat. Wer Tagebücher und Logeinträge liest, setzt nach und nach die Geschichten der Besatzungsmitglieder zusammen und versteht, welchen seelischen Preis die Isolation gefordert hat. Diese Form des Erzählens über die Umgebung ist nicht neu, funktioniert hier aber verlässlich und gibt den Rätseln ein emotionales Fundament. Man schaut sich die Räume genauer an, weil man wissen will ,wer dort gearbeitet hat und nicht nur, weil man einen Code braucht.

Rivage-10Optisch und akustisch bleibt das Spiel dabei eher zurückhaltend, was sich aber stimmig in das Gesamtkonzept einfügt. Die Station wirkt wie ein glaubwürdiger Arbeitsort, funktional und doch mit Spuren menschlichen Lebens. Für ein Zwei-Personen-Studio ist das eine bemerkenswerte Leistung, zumal das Spiel auf PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S erschienen ist und damit keine Nischenveröffentlichung ist. Hinzu kommt, dass Raw Fury als Publisher mit Blue Prince oder The Séance at Blake Manor bereits mehrfach bewiesen hat, ein Gespür für kluge, erzählerisch geprägte Rätselspiele zu haben. Rivage reiht sich in diese Linie ein, auch wenn es deren Spitzenreiter nicht ganz erreicht. Damit sind wir bei den Schwächen, die sich nicht wegdiskutieren lassen. Am deutlichsten fällt die Figurenzeichnung auf. Die Geschichte ist stark genug, um einen von Rätsel zu Rätsel zu ziehen, doch die Menschen darin wirken zum Teil etwas überzeichnet, fast schon cartoonhaft. Einige Besatzungsmitglieder passen kaum zu den Aufgaben, die sie angeblich an Bord erfüllt haben. Das schmälert die Glaubwürdigkeit etwas und steht im Widerspruch zur sonst so nüchternen Inszenierung der Station. Wo die Umgebung Ernsthaftigkeit ausstrahlt, brechen manche Dialoge und Charaktere diese Stimmung auf. 

Wer sich auf das Zusammenspiel von Erkundung, Logik und erzählerischer Entdeckung einlässt, bekommt ein stimmiges Spielerlebnis, das seine Ideen konsequent umsetzt. Die Begrenzung der Energie sorgt dafür, dass man Rätsel nicht nur löst, sondern abwägt, plant und priorisiert. Das erzeugt ein Gefühl von Verantwortung gegenüber der eigenen Zeit, das viele Zeitschleifenspiele vermissen lassen. Gleichzeitig verhindert dieser Ansatz, dass sich der Loop abnutzt, denn jede Runde bringt neue Erkenntnisse statt bloßer Wiederholung. Dieses Gleichgewicht zwischen Herausforderung und Fairness ist schwer zu treffen, und hier kann Rivage ganz klar punkten. Man spürt, dass hier ein kleines Team mit klarer Vision gearbeitet hat und nicht versucht, möglichst viele Genres gleichzeitig zu bedienen.

 

Michael meint:

Michael

Am Ende bleibt der Eindruck eines Spiels mit großem Herz und kleineren Haarrissen. Rivage überzeugt als atmosphärisches, intelligent konstruiertes Rätselabenteuer, das Zeit als Spielmechanik ernst nimmt und eine einsame, glaubwürdig wirkende Raumstation zum Schauplatz macht. Die Geschichte funktioniert und motiviert, auch wenn die Figuren hinter dem zurückbleiben, was die Kulisse verspricht. Wer Freude an Spielen hat, in denen man Zusammenhänge selbst entdeckt, statt sie vorgekaut zu bekommen, findet hier eine lohnende Reise von etlichen Stunden. Für Genrefans ist Rivage eine klare Empfehlung, für alle anderen ein interessanter Geheimtipp. Es zeigt, dass auch ein Zwei-Personen-Studio mit einem klugen Einfall und viel Sorgfalt ein Debüt abliefern kann, über das man noch eine Weile nachdenkt.

Positiv

  • Zeitloop als Ressource
  • Rätsel und Geschichte greifen ineinander
  • Dichte, einsame Atmosphäre

Negativ

  • überzeichnete Charaktere
Userwertung
0 0 Stimmen
Wertung abgeben:
senden
Forum
  • von Mistercinema:

    Systeme: PC, PS5, XBS, PC Xbox inkl. CloudNoch keinen Thread, dabei sieht das echt schick aus und wir sind im Hintergrund bereits an einem Test dran. Release ist bereits heute Externer Inhalt www.youtube.com Inhalte von externen Seiten werden ohne Ihre Zustimmung nicht automatisch geladen...

Insgesamt 0 Beiträge, diskutiere mit
Follow us
Rivage Daten
Genre Adventure
Spieleranzahl 1
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 4K
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 2026-09-22 00:01:29
Vermarkter -
Wertung 7.3
Anzeigen
neXGam YouTube Channel
Anzeigen