Ritual of Raven im Test

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Manchmal trifft man auf eher ungewöhnliche Spiele, die einen gleich ins Auge fallen. Sei es durch ein originelles Artdesign oder einem Twist in bekannten Gameplaymustern, die einem als altgedienten Zocker doch noch neugierig machen. So geschehen bei Ritual of Raven, das spontan zu uns in die Redaktion flatterte. Zeit, dem Titel besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Ritual-of-Raven-03Ritual of Raven von Spellgarden Games, veröffentlicht unter dem Label von Team17, ist eine erfrischend andere Interpretation des Farming-Simulator-Genres. Das Spiel bietet eine gemütliche, storybasierte Farming-Simulation mit einem entscheidenden Twist: Man übernimmt die Farmarbeit nicht selbst, sondern sammelt und verzaubert stattdessen sogenannte Konstrukte, um einen magischen Kräutergarten anzulegen. Diese innovative Herangehensweise hebt das Spiel deutlich von der Masse der Genrekollegen ab und verbindet Farming-Mechaniken mit Elementen, die an Programmierung erinnern.

Die Geschichte beginnt damit, dass der Spieler durch eines der mysteriösen Portale in die magische Welt Leynia gezogen wird. In einer Welt, in der verschiedene Traditionen der Magie nebeneinander existieren, wurden ehrgeizige Pläne gemacht, Portale zwischen Welten zu öffnen. Doch das Ritual ging furchtbar schief. Alle Beteiligten verloren etwas, das ihnen am kostbarsten war, und die Portale wurden instabil und spucken nun zufällig neue Ankömmlinge in die Welt. Man trifft auf die örtliche Hexe Sage, die beschließt, einen als Lehrling aufzunehmen, um ihre verschwundene Vertraute Flufferstoop zu suchen. An der Seite des frechen Vertrauten Raven – einem sprechenden Raben – sammelt man Wissen und Zutaten, um mächtige Rituale durchzuführen. Die Erzählung ist charmant geschrieben und entwickelt sich über die gesamte Spielzeit hinweg organisch weiter, wobei besonders der sarkastische Rabe für unterhaltsame Dialoge sorgt.

Ritual-of-Raven-08Das Herzstück des Gameplays bildet das einzigartige Farming-System. Da das Ernten von Hand die magischen Eigenschaften der Pflanzen zerstören würde, muss man auf die Konstrukte zurückgreifen. Mit Hilfe eines mystischen Kartendecks kann man sie verzaubern, damit sie pflügen, säen, gießen und ernten. Es gibt insgesamt 22 verschiedene Konstrukte zu sammeln. Die Steuerung dieser magischen Helfer erfolgt über Befehlskarten, die man kaufen oder freischalten kann. Das Besondere: Man programmiert quasi die Konstrukte, indem man ihnen spezifische Anweisungen gibt, etwa nur Pflanzen in einem gewissen Wachstumsstadium zu ernten oder nur bei bestimmten Bedingungen zu gießen. Diese Pseudo-Programmierung erfordert logisches Denken und macht den Spielablauf deutlich strategischer als klassische Farming-Sims. Jeder Teil einer Pflanze kann verwendet werden, was zusätzliche Tiefe in die Ressourcenverwaltung bringt.

Die Welt von Leynia ist überschaubar, aber liebevoll gestaltet. Man trifft auf eine skurrile Gemeinschaft von Außenseitern, mit denen man Freundschaften aufbauen kann. Jeder Charakter hat seine eigene Hintergrundgeschichte und bietet wertvolle Zutaten zum Tausch an. Die soziale Komponente ist solide umgesetzt, auch wenn sie nicht ganz die Tiefe von Genre-Größen wie Stardew Valley erreicht. Die Charakterdesigns sind durchweg charmant und die Dialoge unterhaltsam geschrieben, wobei besonders der Humor des Spiels überzeugt. Man kann die Welt nach eigenem Geschmack dekorieren, nicht nur die eigene Farm, sondern auch andere Bereiche der magischen Umgebung. Diese Anpassungsoptionen verleihen dem Spiel eine persönliche Note.

Ritual-of-Raven-09Ein weiteres interessantes Feature ist die Möglichkeit, den Mond zu kontrollieren. Man kann die Mondphasen nach Bedarf ändern, was für bestimmte Rituale und Pflanzenwachstum relevant ist. Die Portale, die über das Land verteilt sind, bieten zusätzliche Interaktionsmöglichkeiten und sind zentral für die Hauptstory. Das Book of Shadows fungiert als Nachschlagewerk und dokumentiert alle Rituale, Zutaten und deren Wachstumsbedingungen. Diese Elemente fügen sich nahtlos in die magische Atmosphäre ein und geben dem Spieler das Gefühl, tatsächlich eine Hexenlehre zu durchlaufen.

Visuell präsentiert sich Ritual of Raven im charmanten Retro-Chibi-Stil mit einer gemütlichen Farbpalette. Die Pixelart ist detailliert und liebevoll animiert, wobei besonders die verschiedenen Konstrukte und magischen Effekte ins Auge stechen. Die Gestaltung der Charaktere ist durch die Bank adorable, und die Umgebungen vermitteln eine warme, einladende Atmosphäre. Der Soundtrack ist eine perfekte Ergänzung – launig, sphärisch und entspannend untermalt er das Geschehen, ohne aufdringlich zu werden. Die Musik sorgt dafür, dass man problemlos stundenlang im Spielfluss versinken kann.

Ritual-of-Raven-04Technisch zeigt die Nintendo Switch-Version allerdings einige Schwächen. Bei der Überprüfung auf der Nintendo Switch wurden sowohl im Dock- als auch im Handheld-Modus merkliche Framerate-Einbrüche festgestellt. Während diese nicht spielentscheidend sind, fallen sie doch auf und werfen die Frage auf, warum ein Spiel mit relativ fokussierter Ausrichtung und verhältnismäßig kleiner Welt Schwierigkeiten hat, eine stabile Framerate zu halten. Diese Performance-Probleme sind bedauerlich, zumal das Spiel ansonsten technisch solide wirkt. Team17 und Spellgarden Games haben bereits einen Quality-of-Life-Patch veröffentlicht, der einige von der Community gemeldete Bugs behebt. So etwa ein Problem, bei dem Spieler nach dem Verschieben von Truhen oder Feldern die Interaktionsfähigkeit verloren, wie auch Fehler, die nach bestimmten Cutscenes zu Softlocks führten. Der Patch verbesserte ebenso das Tutorial und die Inventarverwaltung mit verbessertem Item-Stacking.

Die Spielzeit liegt bei etwa 30 Stunden bis zum Abspann, wobei es danach noch einiges zu tun gibt. Man kann nach den Credits einen neuen Dorfbewohner kennenlernen und lose Enden zusammenführen. Der Wiederspielwert ist durch die verschiedenen Anpassungsoptionen und das entspannte Gameplay gegeben, auch wenn die Hauptstory beim zweiten Durchgang natürlich bekannt ist. Die Zugänglichkeit wird durch unterschiedlichen Optionen zur Barrierefreiheit und umfangreiche Charakteranpassung zu Beginn unterstützt – von Hautfarbe über Frisur bis hin zu Kleidung lässt sich vieles individualisieren.

 

Michael meint:

Michael

Ritual of Raven ist ein innovativer und charmanter Beitrag zum Farming-Sim-Genre, der sich durch seine einzigartige Programmier-Mechanik deutlich von der Konkurrenz abhebt. Die Verbindung von Magie und Automatisierung ist clever umgesetzt und macht Spaß, auch wenn das Spiel gelegentlich etwas mehr Anleitung hätte vertragen können. Die Switch-Version ist spielbar und eignet sich gut für entspannte Sessions unterwegs, leidet aber unter Performance-Problemen, die hoffentlich durch zukünftige Patches weiter verbessert werden. Für Fans des Genres, die nach etwas Neuem suchen und bereit sind, über technische Schwächen hinwegzusehen, bietet Ritual of Raven eine bezaubernde Erfahrung mit viel Herz. Das Spiel beweist, dass es auch im übersättigten Farming-Sim-Markt noch Raum für frische Ideen gibt. Und die hexenhafte Atmosphäre in Kombination mit dem cleveren Gameplay-Twist macht es zu einer empfehlenswerten Alternative für alle, die Stardew Valley und Co. bereits in- und auswendig kennen.

Positiv

  • Programmier-Mechanik ist spannend
  • gemütliches Gameplay nach eigenem Tempo
  • charmant erzählte Geschichte

Negativ

  • gelegentliche Performanceprobleme auf der Switch
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Ritual of Raven Daten
Genre Genremix
Spieleranzahl 1
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 1080p
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 2025-08-07 00:01:05
Vermarkter Team17
Wertung 7.6
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neXGam YouTube Channel
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