MotoGP 26 im Test

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MotoGP 26 ist der neueste Ableger der Motorradrennserie aus dem Hause Milestone, dem italienischen Studio, das mittlerweile seit rund drei Jahrzehnten Rennspiele entwickelt und mit diesem Titel bereits die fünfzehnte Ausgabe der offiziellen MotoGP-Reihe abliefert. Wer die letzten Jahre verfolgt hat, der weiß, dass sich die Serie stetig verbessert und zu einer festen Institution im Rennspielgenre entwickelt hat. Auch 2026 stellt sich wieder die Frage, ob Milestone diesmal den nötigen Mut für größere Veränderungen aufgebracht hat oder ob man auf Nummer sicher geht und sich auf den bisherigen Erfolg verlässt.

MotoGP-26-03Inhaltlich lässt das Spiel keine Wünsche offen. Alle drei Klassen, also MotoGP, Moto2 und Moto3, sind mit sämtlichen Teams, über siebzig Fahrern und dem kompletten Streckenkalender der laufenden Saison vertreten. Neu mit dabei ist die brasilianische Strecke in Goiânia, die zwar fahrtechnisch keine Offenbarung darstellt, aber mit ihrem schnellen und relativ simplen Layout gut ins Gesamtbild passt und den Rennkalender sinnvoll ergänzt. Die Streckenauswahl insgesamt wirkt liebevoll gepflegt, jede Strecke ist wie immer detailliert nachgebildet, verändert sich sichtbar mit Tageszeit und Wetter und beeinflusst dadurch auch das Fahrverhalten spürbar. Grafisch hat man den Sprung auf die Unreal Engine 5 vollzogen, was dem Spiel insgesamt gut steht. Die Fahrermodelle sind beeindruckend detailliert, die Motorräder glänzen mit feinen Reflexionen und die Präsentation drumherum erinnert stark an eine echte TV-Übertragung, inklusive stimmungsvoller Zuschauerkulissen und satter Motorengeräusche. Besonders die Regenrennen wissen zu gefallen, mit realistischen Spiegelungen auf nasser Fahrbahn und aufspritzendem Wasser, das packende Spannung in enge Positionskämpfe bringt. Allerdings ist der grafische Fortschritt gegenüber dem Vorgänger während des eigentlichen Renngeschehens nicht dramatisch, wer einen Generationssprung erwartet, wird eher enttäuscht. Auch bleibt man nicht vor gelegentlichen Rucklern an bestimmten Streckenabschnitten verschont, die aber mittlerweile durch Patches behoben sein sollten, aber beim Ersteindruck durchaus störend aufgefallen sind.

Das Herzstück von MotoGP 26 ist zweifellos das überarbeitete Fahrphysik-System. Milestone hat sich in dieser Ausgabe intensiv mit Fahrerbewegung und Gewichtsverlagerung auseinandergesetzt, wodurch sich das Fahrverhalten spürbar von früheren Teilen unterscheidet. Ein einfaches Bremsen und Einlenken in Kombination mit einer Schräglage reicht nicht mehr aus, um schnell und sicher, um die Kurve zu kommen. Stattdessen verlangt das Spiel ein deutlich feineres Gespür für Balance, Bremsdruck und Gewichtsverteilung. Das macht die sogenannte Pro-Physik zu einer der forderndsten Herausforderungen, die man aktuell in einem Controller-basierten Rennspiel finden kann. Wer sich auf diese Lernkurve einlässt, wird mit einem Fahrgefühl belohnt, das kaum ein anderes Rennspiel derzeit bietet: Der ständige Drahtseilakt zwischen voller Kontrolle und drohendem Sturz sorgt für ein Gefühl von Intensität und Authentizität, das dem echten Motorradrennsport erstaunlich nahekommt. Und Fans der Motorsportserie wissen wie schnell auch die Profis einen ungewollten Ausritt ins Kiesbett machen. 

MotoGP-26-04Gleichzeitig hat Milestone erkannt, dass nicht jeder Spieler diese Tiefe sucht, und bietet daher weiterhin einen Arcade-Modus an, der das Fahrverhalten deutlich zugänglicher gestaltet. Hier fühlt sich das Spiel eher wie ein klassisches Rennspiel wie die früheren MotoGP oder SBK Spiele an, bei dem aggressive Lenk-, Brems- und Gaseingaben verzeihlicher verarbeitet werden und Stürze seltener vorkommen. Diese Zweiteilung in Arcade und Pro-Physik ist nach wie vor eine der großen Stärken der Serie, weil sie sowohl Einsteigern als auch Serienveteranen ein an den Spielern angepasstes Erlebnis bietet. Ergänzt wird das Ganze durch eine beachtliche Auswahl an Zugänglichkeitsoptionen, darunter auch Hilfen, die Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit das Spielen erst ermöglichen. Das ist eine lobenswerte Geste, die zeigt, dass Milestone die Reichweite des Titels bewusst erweitern möchte, ohne dabei die Kernzielgruppe zu vernachlässigen.

Neu hinzugekommen sind in dieser Ausgabe dynamische Fahrerbewertungen, die sich im Laufe der Saison basierend auf tatsächlicher Leistung verändern, sowie ein Sammelkartensystem, das zusätzliche Motivation für den Langzeitspaß liefern soll. Der Karrieremodus selbst wurde ebenfalls überarbeitet und bietet den Spielern spürbar mehr Einfluss auf die eigene Fahrerlaufbahn, von Teamverhandlungen bis hin zu Entwicklungsentscheidungen am Motorrad. Hier wird dem Spieler viel Handlungsspielraum eingeräumt, was dem Modus ein angenehm rundes und stimmiges Gefühl verleiht. Gleichzeitig ist die Struktur der Karriere sehr nah an den Vorgängern angelehnt. Wer also auf grundlegend neue Ideen im Karrieremodus gehofft hatte, dürfte daher leicht enttäuscht werden. Auch die Gegner KI ist nicht frei von Kritik. Die adaptive künstliche Intelligenz der computergesteuerten Fahrer überzeugen durch ihr unvorhersehbares und intensives Fahrverhalten, das jedes Rennen spannend halten. Allerdings ist ihr Verhalten manchmal etwas inkonsistent, das mal überraschend clever, mal seltsam unlogisch wirkt, inklusive teils bizarr anmutenden Sturzanimationen der Fahrer und sorgen mitunter für unfreiwillig komische Momente inmitten ansonsten ernsthafter Renndramatik. Solche kleinen Unstimmigkeiten trüben den insgesamt positiven Gesamteindruck zwar nicht grundlegend, zeigen aber, dass an manchen Ecken noch Feinschliff nötig gewesen wäre.

MotoGP-26-09Insgesamt zeichnet sich ein Bild ab, das für die MotoGP-Serie mittlerweile fast schon typisch ist: Ein technisch und inhaltlich solides, stellenweise sogar herausragendes Rennspiel, das aber nur selten den Mut aufbringt, wirklich große Risiken einzugehen. Die neue Physik ist zweifellos das Highlight der diesjährigen Ausgabe und sorgt für ein Fahrgefühl, das intensiver und fordernder ist als je zuvor. Die schiere Menge an offiziellem Inhalt, von jedem Fahrer über jedes Team bis zu jeder Strecke der aktuellen Saison, macht MotoGP 26 zudem zur einzigen wirklich authentischen Option für Fans der echten Meisterschaft. Wer bereits ein treuer Anhänger der Serie ist, bekommt hier eine klare Empfehlung: Die spürbaren Verbesserungen im Fahrverhalten rechtfertigen den Kauf ohne Umschweife. Wer hingegen noch unentschlossen ist und nach einem Spiel sucht, das ihn völlig neu für die Serie begeistert, wird möglicherweise enttäuscht, da MotoGP 26 eher in bekannten Bahnen bleibt, statt einen echten Sprung nach vorn zu wagen.

Michael meint:

Michael

Unterm Strich bleibt MotoGP 26 damit ein zuverlässiger, in vielen Belangen sogar beeindruckender Titel, der die Faszination des Motorradrennsports großartig einfängt, gleichzeitig aber auch die typischen Schwächen jährlicher Sportspiel-Reihen offenbart: begrenzte Innovation, kleinere technische Schwächen und eine gewisse Vorsicht bei größeren Veränderungen. Für Fans der Serie und der Sportart dürfte das kein großes Hindernis darstellen, denn spielerisch bietet MotoGP 26 in seinem Kern ein enorm befriedigendes und forderndes Erlebnis, das den Titel als die aktuell umfassendste und authentischste Umsetzung der MotoGP-Weltmeisterschaft auszeichnet.

Positiv

  • Überarbeitete Fahrphysik mit realistischem, forderndem Fahrgefühl
  • Vollständiger Umfang: alle Fahrer, Teams und Strecken aus MotoGP, Moto2 und Moto3, inklusive neuer Strecke in Goiânia
  • Starke Präsentation und Zugänglichkeit

Negativ

  • wenig echte Innovation
  • Inkonsistente KI-Gegner und teils merkwürdige Sturzanimationen
  • Technische Kleinigkeiten wie gelegentliche Ruckler an bestimmten Streckenabschnitten
Userwertung
8.7 1 Stimmen
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MotoGP 26 Daten
Genre Racing
Spieleranzahl 1 - 22
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 4K
Onlinefunktion Ja
Verfügbarkeit 2026-04-29 00:01:28
Vermarkter -
Wertung 8.2
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