
Das eigentliche Herzstück von Halloween: The Game ist wie bei den Vorgängerprojekten des Studios der asymmetrische 1-gegen-4-Modus. Ein Spieler übernimmt die Rolle von Michael Myers, vier weitere schlüpfen in die Haut von Bewohnern Haddonfields, die in der Nacht des 31. Oktober 1978 irgendwie überleben müssen. Als Michael pirscht man durch nebelverhangene Vorgärten, dunkle Gassen und vertraute Wohnhäuser, beobachtet unbemerkt aus dem Schatten und schlägt zu, sobald sich eine Gelegenheit bietet. Besonders gelungen ist die Umsetzung von Michaels Fähigkeit, sich fast unsichtbar durch die Umgebung zu bewegen, solange niemand direkt hinsieht oder Licht auf ihn fällt. Dieses Mechanik-Detail ist direkt aus den Filmen entlehnt und sorgt für einige der besten Schreckmomente des Spiels, weil man als Überlebender ständig das Gefühl hat beobachtet zu werden. Wer als Michael unterwegs ist, hat einen klaren Auftrag: Es gibt in jedem Match drei Hauptziele, die man innerhalb von 20 Minuten Matchzeit erledigen muss. Das ist durchaus straff, will man ja nicht sofort von den Einwohnern erkannt werden, die zu Beginn noch ihren üblichen Aufgaben nachgehen. Ähnlich wie im Film schleicht man sich an ein Haus an, kappt erstmal die Telefonleitung und schaltet den Stromgenerator im Garten aus. Nun muss man sich nur ungesehen an seine potentiellen Opfer heranpirschen. Das hat durchaus das Flair von klassischen Horrorfilmen und macht durchaus Laune.

Atmosphärisch liefert das Spiel dagegen tatsächlich ab. Die Haddonfield-Karten sind liebevoll gestaltet und orientieren sich unverkennbar an den vertrauten Kulissen des Originalfilms und der Soundtrack greift die charakteristischen Synthesizer-Klänge auf. Auch das allgemeine Retro-Feeling der späten Siebziger wird glaubhaft eingefangen. Wer als Fan der Filmreihe kleine Details und Anspielungen liebt, wird hier an vielen Stellen fündig. Vom Design der Häuser bis zu Michaels charakteristischer Körperhaltung und seinem unheimlich ruhigen Gang. Die Geschwindigkeit ist auch ein Aspekt, an dem sich die Geister scheiden. Die Bewegungsgeschwindigkeit der Charaktere kann man durchaus als zu träge empfunden, was besonders in hektischen Fluchtsituationen den Spielfluss bremst. Fraglich, ob dies auch längerfristig so bleibt, denn solche und andere Kinderkrankheiten sind bei asymmetrischen Multiplayer-Titeln dieses Genres fast schon Tradition. Dies dürfte mit künftigen Patches womöglich etwas angepasst werden.





Als Fan der Filmreihe habe ich selten ein Spiel erlebt, das die Stimmung von Haddonfield so überzeugend einfängt: Das leise Knacken eines Astes im Vorgarten, das plötzliche Verschwinden Michaels aus dem Augenwinkel, die vertraute Musik im Hintergrund, all das funktioniert. Gleichzeitig merkt man dem Spiel an, dass es sich noch in einer frühen Phase befindet. Die Fokussierung auf NPC-Rettungsaufgaben ist eine mutige, aber nicht immer belohnende Designentscheidung und die Einzelspieler-Kampagne bleibt trotz netter Ansätze zu kurz und zu linear, um wirklich zu überzeugen. Wer bereits ein großer Anhänger asymmetrischer Horror-Multiplayer-Spiele ist und dazu noch Halloween-Fan, wird hier trotzdem viele Stunden Spaß finden, insbesondere mit einer eingespielten Gruppe von Freunden. Michael Myers ist zurück, nur sein digitales Zuhause braucht noch ein wenig Renovierung, bevor es wirklich furchteinflößend genug für die nächste Generation von Horrorfans wird.