Dark Quest 4 im Test

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Es gibt Spiele, die einen sofort in die Vergangenheit zurückwerfen – nicht weil sie altbacken wären, sondern weil sie ganz bewusst an etwas Vertrautes anknüpfen. Dark Quest 4 vom britischen Indie-Entwickler Brain Seal ist genau so ein Spiel. Es erinnert unweigerlich an HeroQuest, das kultige Brettspiel, das so mancher in den 1990ern stundenlang gespielt hat. Wer damals am Küchentisch über Gitterpläne gebeugt saß, Würfel warf und Plastikfiguren durch enge Korridore schob, der wird bei Dark Quest 4 ein merkwürdig wohliges Déjà-vu-Gefühl verspüren. Doch das Spiel ist mehr als bloße Nostalgie – es ist ein solides, rundenbasiertes Dungeon-Crawler-Erlebnis, das auf der Konsole eine echte Daseinsberechtigung hat.

Dark-Quest-4-04Dark Quest 4 wurde von Brain Seal entwickelt und veröffentlicht und erschien am 4. November 2025 als Nachfolger von Dark Quest 3 aus dem Jahr 2023. Es ist tatsächlich der vierte Teil der Reihe, aber wer die Vorgänger nicht kennt, braucht sich keine Sorgen zu machen. Jede Spielmechanik wird zu Beginn der Reise durch die 30 Dungeon-Missionen verständlich erklärt, sodass Neueinsteiger problemlos einsteigen können, ohne sich um Lore oder tiefgreifende Hintergrundgeschichten sorgen zu müssen. Die Geschichte selbst ist denkbar überschaubar: Ein böser Zauberer hat eine finstere Marionette namens Gulak erschaffen – halb Ork, halb Goblin, durch und durch unangenehm. Zehn Helden werden zusammengerufen, um sich durch eine Reihe von Dungeons zu kämpfen, Unterbossgegner zu besiegen und sich schließlich Gulak selbst zu stellen. Eine epische Erzählung ist das nicht, aber das muss es auch nicht sein. Dark Quest 4 hat nie den Anspruch, Tolkien zu sein. Die Handlung funktioniert als loser Rahmen, der den Spieler motiviert, von einer Mission zur nächsten zu ziehen – und das tut sie zuverlässig.

Zu Beginn wählt man drei von zehn Heldenklassen aus, wobei zwei davon anfangs noch gesperrt sind. Die Auswahl ist erfreulich vielfältig: vom klassischen Barbaren über einen Bogenschützen bis hin zum Zauberer.  Jeder Held bringt eigene Stärken und Schwächen mit, und die richtige Zusammenstellung des Dreiergespanns ist ein wesentlicher Teil der taktischen Überlegungen. Die Frage, ob man auf Nahkampf und rohe Stärke setzt oder lieber auf Bogenschützen und Magier, begleitet einen durch das gesamte Spiel. Das mag für erfahrene Rollenspieler simpel klingen, entfaltet im Verlauf der Kampagne jedoch eine angenehme Tiefe, da neue Fähigkeiten und härtere Dungeons immer anspruchsvollere Entscheidungen fordern. Das Kampfsystem ist simpel, macht aber Spaß: Jede Figur darf eine bestimmte Anzahl von Feldern pro Runde ziehen, und Aktionskarten bestimmen, was unternommen werden kann. Mit fortschreitender Spieldauer und neuen Fähigkeiten wird das System jedoch komplexer. Besonders lobenswert ist die Abwechslung beim Gegnerdesign. Untote Konstrukte, Skeletbogenschützen und – am nervenaufreibendsten – Hühner, die beim Tod explodieren, sorgen für echte Überraschungsmomente. Diese gefiederten Nervensägen haben so manchem Helden den Rest gegeben. 

Dark-Quest-4-06Das Spiel ist in 30 einzigartige Quests aufgeteilt, die jeweils interessante Eigenheiten mitbringen – von der Bekämpfung einer Zombie-Invasion bis hin zu einem kniffligen Gefängnisausbruch bietet das Game genug Abwechslung, damit das Vorankommen nie langweilig wird. Hinzu kommt ein Zufallselement in Form eines magischen Totenschädels, der gelegentlich auftaucht und einem Helden Lebensenergie schenkt oder raubt. Das kann eine ganze Runde kippen und ist gleichzeitig Fluch und Segen dieses Systems – es erzeugt echte Spannung, kann aber auch Frust auslösen, wenn man kurz vor dem Ziel doch noch scheitert. Dark Quest 4 unterscheidet sich von seinem Vorgänger merklich, indem es sich von zufälligen Begegnungen und glücksabhängigen Abschnitten entfernt und stärker in Richtung des klassischen HeroQuest-Stils bewegt. Diese Entscheidung kommt dem Spielgefühl zugute und macht taktische Planung relevanter als bloßes Würfelglück. 

Ein echter Höhepunkt ist der Mehrspielermodus. Der Koop-Modus funktioniert sehr gut und verleiht dem ohnehin schon geselligen Grundkonzept eine zusätzliche Dimension. Gemeinsam mit Freunden durch finstere Verliese zu ziehen, Strategien abzusprechen und sich gegenseitig aus der Klemme zu helfen, fühlt sich genau so an, wie es das Brettspiel-Vorbild einst tat – nur ohne den Streit ums letzte Stück Pizza. Auf der Konsole gibt es jedoch einen nennenswerten Wermutstropfen: Der Karten-Editor, der auf Steam verfügbar ist, fehlt auf der Konsole. Das schmälert den Wiederspielwert, da er Spielern die Möglichkeit genommen wird, eigene Quests zu erstellen. Das ist kein spielentscheidender Mangel, aber gerade für eine Plattform, auf der viele Spieler viel Zeit investieren, wäre diese Funktion ein willkommenes Sahnehäubchen gewesen.

Dark-Quest-4-02Optisch ist Dark Quest 4 kein Grafikwunder, aber das war es auch nie gewollt. Der 2,5D-Stil mit seinen liebevoll gestalteten Charakteren und atmosphärischen Dungeon-Umgebungen passt perfekt zur Spielidee. Die handgefertigten Level, das strategische Kampfsystem und das schlichte, aber eingängige Progressionssystem schaffen zusammen ein nostalgisches und kurzweiliges Erlebnis, auch wenn die Animationen gelegentlich etwas spärlich wirken und man sich an mancher Stelle etwas mehr visuellen Aufwand wünschen würde. Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich und funktioniert gut, könnte aber von einigen Komfortverbesserungen profitieren – etwa klareren Zielmarkierungen oder der Möglichkeit, Aktionen im Kampf rückgängig zu machen. Solche kleinen Unannehmlichkeiten fallen besonders Einsteigern in das Genre auf, trüben den Gesamteindruck aber nicht grundlegend.

 

Michael meint:

Michael

Am Ende ist Dark Quest 4 ein ordentlich herausforderndes Spiel mit viel Inhalt, das weder revolutionär noch bahnbrechend ist, aber genau das ist, was es sein will: eine herzliche Hommage an das klassische Brettspiel-Abenteuer in digitaler Form. Für knapp 17 Euro bietet es erstaunlich viel Spielzeit und einen ausgeprägten Charme, der schwer zu widerstehen ist. Wer HeroQuest in seiner Jugend geliebt hat oder einfach auf der Suche nach einem entspannten, aber durchdachten Taktikspiel für den Abend ist, wird mit Dark Quest 4 gut bedient. Kein Meisterwerk, aber ein rundes, liebevoll gemachtes Indie-Spiel, das seine Zielgruppe perfekt versteht.

Positiv

  • Abwechslungsreiche Missionen
  • Gut funktionierender Koop-Modus
  • Einsteigerfreundlich trotz taktischer Tiefe

Negativ

  • Kein Karten-Editor
  • Gelegentlich spärliche Animationen
  • Keine Möglichkeit, Aktionen im Kampf rückgängig zu machen
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Dark Quest 4 Daten
Genre Rollenspiel
Spieleranzahl 1
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 4K
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 2025-11-05 00:00:09
Vermarkter -
Wertung 7.9
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