
Anno 117: Pax Romana wurde schließlich im Juni 2024 angekündigt. Und von Anfang an beschritt Ubisoft Blue Byte dieses Mal einen neuen Weg, um für Aufmerksamkeit zu sorgen. Sie hatten die Community und namhafte Fans vom Beginn der Ankündigung mit eingebunden und denen unter anderem auch die Möglichkeit gegeben, einen frühen Einblick zu erhalten.
Das Spieljahr 117 ist das frühste Jahr eines Anno-Spiels. Der bisherige „Spitzenreiter“ war bisher Anno 1404. Das Setting ist dabei bewusst gewählt worden. Denn es war quasi inmitten einer ungefähr 200 Jahre alten Phase des Römischen Reiches, wo jenes Imperium durch eine Periode von innerem Frieden und Stabilität geprägt worden war.
Es gibt in diesem Spiel zwei Spielmodi: zum einen die Kampagne und zum einen der freie Modus. Bei der Kampagne selbst kannst du zu Beginn auswählen, welchen Charakter du wählst. Entweder Marcia Tertia, die an einen römischen Prätor, den sie noch nie zuvor gesehen hat, verheiratet wird. Oder aber du wählst Marcus Naukratius aus, der irgendwann vom Kaiser zum Statthalter einer neu zu gründenden Stadt auserwählt wird.

Und so fängt es auch an. Du bist auf einer großen, leeren Insel, voll mit Ruinen einer Stadt, die durch einen Vulkan ausgelöscht worden ist, und musst dich dann entscheiden, ob und wie sie baut. Die ersten Häuser sind schnell gesetzt, ebenso wie die ersten Produktionsgebäude, wie beispielsweise den Holzfäller. Schon bald haben deine Bewohner gewisse Bedürfnisse, die du stillen musst, wie zum Beispiel eine Taverne, wo sie essen und trinken können, oder später, dass sie bestimmte Kleidung haben möchten. Und sobald alle Anforderungen erfüllt sind, sind sie bereit, im sozialen Rang aufzusteigen, so das aus Liberti Plebejer werden. Wo sich dann das Spiel wiederholt, damit die Plebejer einen Rang höher steigen. Wobei natürlich gilt, je höher der soziale Rang, desto komplexer und herausfordernder ist es, die jeweiligen Bedürfnisse zu befriedigen. Was ja mit den Charme eines Annos ausmacht.
Es ist eben das typische Anno-Gameplay, dass diese Reihe auch so süchtig macht. Du bist ständig am Gucken, dass du genügend Arbeitskräfte hast, um die diversen Betriebe am Laufen zu halten. Derweil du gleichzeitig ebenfalls darauf achtest, dass du die unterschiedlichen Gebäude richtig platziert hast. Einen Holzköhler als Nachbar zu haben, ist etwas völlig anderes, als wenn du einen Marktstand in der Nachbarschaft hast. Jedem Bauwerk ist gleich, dass es einen gewissen Einflussbereich hat, der auch davon abhängig ist, ob und wie es mit der Stadt verbunden ist. Und so entsteht aus einfachen Beginnen im Laufe der Spielzeit eine riesige Metropole, vorausgesetzt, du planst entsprechend oder passt deine Planung auch wiederholt an. Denn du hast nicht unendlich Platz und musst schon bald jede Lücke ausnutzen, um das gewünschte zu errichten.
In der Kampagne kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo Marcia aus Latium verbannt wird. Ihre neue Heimat ist dann Albion, das heutige England. Und wo du zuvor Sonne und gutes Wetter hattest, hast du es jetzt auf ein Mal mit Regen, Sümpfen und Wasserfällen zu tun, die dir noch dazu kostbares Bauland wegnehmen. Es ist ein erheblicher Kontrast, der aber auch gut umgesetzt wird. Denn die Kelten haben völlig andere Bedürfnisse, die du erfüllen musst, als die Römer.

Auch wird nicht jede Funktion einleuchtend erklärt. So erhältst du irgendwann die Mission, dass du etwas erforschen sollst. Doch obwohl du einen Grammaticus errichtet hast, findest du nichts, wo du diese Forschung anstoßen kannst. Erst, als du einen Zweiten erbaust und so weitere Teile deiner Stadt abdeckst, schaltest du diese endlich frei. Und so etwas kommt leider vereinzelt wiederholt vor, dass du bestimmte Dinge nur durch selber ausklamüsern herausfindest, weil dir Anno 117 keine große Hilfe ist.
Doch am Ende ist dies Jammern auf hohem Niveau. Denn ich hatte mit dem Game meinen Spaß. Es sieht fantastisch aus. Und du verlierst nie den Überblick. So kannst du beispielsweise schon Gebäude platzieren, wo du noch nicht alle Rohstoffe zum Bauen hast. Die werden dann als Zeichnungen dargestellt, so dass du siehst, welche Gebäude du noch bauen musst und welche nicht. Es gibt auch umfangreiche Statistiken, die häufig nur einen Klick entfernt sind. Und die frei drehbare Spielewelt sieht umwerfend aus.
Einziger Wermutstropfen: Wenn du das Spiel startest und dann entweder eine neue Kampagne oder freies Spiel startest oder gar einen alten Spielstand lädt, werden über Sekunden hinweg Details nachgeladen. Das wirkt unschön.





Ich würde sagen, Ubisoft Blue Byte hat es wieder geschafft. Anno 117: Pax Romana ist ein Knaller. Das Game macht jede Menge Spaß und hat einige interessante Innovationen, wie beispielsweise Straßen, die auch im 45 Grand Winkel platziert werden können. Zwar ist die Story der Kampagne langweilig und nicht alles wird einleuchtend erklärt. Doch am Ende hatte ich meinen Spaß. Ich war ständig am Überlegen, wie ich was wo platziere, oder wie ich meine Pläne anpasse, damit alles weiterhin klappt. Und das ist ein gutes Zeichen!