Resident Evil im Test

GameCube

Vor etwas mehr als einem Jahr, am 13. September 2001, kündigte Capcom Japan ein Remake der in Nippon extrem beliebten Biohazard-Reihe an. Man wollte das original Resident Evil Game von 1996 erneut veröffentlichen. Kombiniert mit High End-Grafik, die das Blut in den Adern gefrieren lässt, um Shinji Mikamis Vision von echtem Survival Horror lebendig werden zu lassen ...

Resident_Evil_11Wenig später verkündete der Entwickler DEN Jahrhundertdeal: Die Resident Evil Reihe erscheint von jetzt an (vorerst) exklusiv für Nintendos brandneue NextGen-Konsole - dem Gamecube. Nach und nach sollen sämtliche Eskapaden der Biohazard-Saga für den violetten Würfel umgesetzt werden, vom kultigen ersten Teil bis zum Dreamcast-Thriller Code Veronica. Des Weiteren entwickeln die Macher das Prequel Resident Evil Zero und den offiziellen vierten Teil. Während dieses Bündnis einen mittelschweren Schock in der PS2 Community auslöste, profitierte Nintendo von höheren Absatzzahlen und Abschüttlung des bekannten „Kiddie Image“, unter dem der Hersteller seit Super Mario Bros. & Co. leidet. Doch auch Sony-Jünger haben keinen Grund zu verzweifeln, sie sollen mit exklusiven Lightgun Episoden und einer Onlinevariante des beliebten Survival Horrors bedient werden.

Die Veränderungen gegenüber der betagten 32Bit Variante werden bereits im spannend inszenierten Vorspann deutlich, wo normalerweise digitalisierte Schauspieler mit mangelhafter Synchro in das Spielgeschehen führen, bekommt ihr jetzt besser ins Spiel passende, gerenderte Konterfeis präsentiert. Ansonsten gibt sich die Storyline authentisch und weist keinerlei Modifizierungen auf: Seit Jahrzehnten werden in einem streng geheimen Labor biogenetische Experimente durchgeführt – versteckt vor der Öffentlichkeit im düsteren Racoon-Forest. Die Forschungseinrichtung gehört zur mächtigen Umbrella Corporation, einem multinationalen Firmenkonglomerat. Plötzlich mehren sich Berichte über bizarre Erscheinungen und grausige Mordfälle in den Randbezirken Racoon Citys – scheinbar lief etwas schief... Zwei S.T.A.R.S. Teams (Spezialeinheiten zur Bekämpfung von Terrorismus) erhalten Auftrag den unheimlichen Zwischenfällen auf den Grund zu gehen. Vom Alpha Team fehlt nach kurzer Zeit jede Spur. Die Reservetruppe bestehend aus den Hauptcharakteren Chris und Jill, dem Veteranen Barry, Joseph, Brad und ihrem Kommandanten Albert Wesker macht sich daraufhin auf den Weg, um nach ihren verschwundenen Kameraden zu suchen.

Resident_Evil_16In einer nebeligen Nacht finden sie in einer grauen Waldlichtung das verkohlte Helikopterwrack ihrer Kollegen. Nach der Landung bemerkt Joseph etwas Funkelndes auf dem Boden ... Kurze Zeit später entpuppt sich das Objekt als Magnum – an der noch die Reste einer abgetrennten Hand hängen! Erschrocken wirft er sie ins kniehohe Gras und prompt folgt der nächste Schocker: Ein blutrünstiges mutiertes Hunderudel stürzt sich auf das verdutzte S.T.A.R.S.-Mitglied und reißt es in Stücke. Verzweifelt rennen die übrigen Cops um ihr Leben, Brad flieht mit dem Helikopter und lässt seine Kameraden zurück. Mit letzter Kraft retten sie sich in ein riesiges und Kennern der Serie bekanntes Herrenhaus und entgehen so knapp den Bissen der hungrigen Meute. Doch der Horror beginnt erst!

Das Gameplay orientiert sich zu 100% an den Vorgängern (bzw. Nachfolgern :o). Veteranen werden sich auf Anhieb zurecht finden, Neulinge nach wie vor über die nach hakelige Steuerung schimpfen, die zudem unter dem etwas zu klein geratenen Steuerkreuz leidet. Ihr steuert euer Alter Ego aus der Third Person Perspektive durch vorberechnete Hintergründe und attackiert eure mutierten Zombiewidersacher mit einem ausgefeilten Sortiment an Ballermännern. Per Schultertaste müsst ihr die faulige Brut genau anvisieren, um durch einen beherzten Druck auf die A-Taste einen Schuss auszulösen. Nach und nach findet ihr in dem verwinkelten Gemäuer Shotgun, Bazooka & Co. die euch das Überleben merklich vereinfachen. Zur Heilung werden verschiedenfarbige Kräuter benötigt und um zu Speichern gilt es fleißig Farbbänder sammeln.

Resident_Evil_22Verwaltet werden sämtliche Items in einem übersichtlichen Statusmenü, das zudem Auskunft über euren Standort und Gesundheitszustand gibt. Ballern ist jedoch nur ein Teilaspekt eures spannenden Abenteuers, oft behindern einfallsreiche aber nicht zu schwer geratene Rätsel euer Weiterkommen. Besonders die aufmerksame Suche nach Schlüsseln wird euch von Anfang bis zum bitteren Ende begleiten. Kenner des Playstation-Erstlings können ihre mühsam auswendig gelernten Lösungswege getrost vergessen, für das Gamecube-Remake tauschten wichtige Items ihre Plätze und zusätzliche, vollkommen neue Kopfnüsse hielten Einzug. Auch das Kampfsystem erhielt zwei intelligente Neuerungen, ihr verfügt jetzt, wie in den Nachfolgern, die Möglichkeit eine schnelle 180° Drehung durchzuführen, um Feindesattacken gekonnt auszuweichen.

Des Weiteren könnt ihr in dem verwinkelten Gemäuer sogenannte „Verteidigungsitems“ finden, die euch vor dem einen oder anderen blutigen Biss der Untoten schützen können. Jill sticht in höchster Bedrängnis mit Messern um sich oder rammt dem Widersacher einen Stromschocker in den Hals, Chris schmettert dem aufdringlichen Zombie gar eine Granate ins faulige Maul. Denn nach wie vor wählt ihr vor eurem Abenteuer zwischen dem smarten Chris Redfield und der attraktiven Jill Valentine. Eure Entscheidung bringt eine leichte Veränderung der Hintergrundgeschichte mit sich, zudem haben beide Charaktere ihre Vor- und Nachteile. Während Jill mit einem größeren Inventar punktet, bietet euch Chris die höhere Zielgenauigkeit.

Resident_Evil_33Logischerweise kann die GameCube Version besonders in Sachen Präsentation die Ur-Episode überflügeln, dabei blieb kurioserweise die grundlegende Technik dieselbe! Obwohl Code Veronica bereits entzückend modellierte Echtzeitumgebungen mit tollen Lichteffekten und (dezenten) Kamerafahrten bot, besinnt sich der neueste Teil der gruseligen Saga wieder auf den Ursprung der Serie. Genau wie 1996 bewegt ihr von der Hardware berechnete Polygonfiguren durch vorgerenderte Hintergründe. Diese Kombinationen dürfte den meisten Zockern bereits von Final Fantasy VII bis IX oder auch aktuelleren Titeln wie Space Channel 5 Part 2 bekannt sein. Obwohl dieses Prinzip schon auf ein recht hohes Alter zurückblicken kann, gehört Resident Evil auf dem GameCube grafisch zur Creme de la Creme und bietet mehr Eye Candy als die bisherige Referenz Rogue Leader: Mit unzähligen Details geschmückte Protagonisten, die mit lebensechten Animationen, glaubhafter Gestik und extrem plastischen Schattenwürfen vor atmosphärischen, fotorealistischen Hintergründen agieren. Letztere wirken durch neue Kamerawinkel und dunkle Texturen erheblich düsterer als ihre Vorgänger, im Wind wehendes Gras und gleißend helles Blitzgewitter lassen sie dynamisch, „lebendig“ erscheinen.

Kurz: Das gesamte Game sieht aus wie ein vorberechneter Renderfilm höchster Qualität! Leider macht sich beim Wechsel der einzelnen Bitmap-Hintergrundbilder ein dezentes Stocken bemerkbar, eurer Bildschirm friert kurz ein. Störend wird das ganze aber nur in den ansonsten gut inszenierten Zwischensequenzen, die durch viele Kamerawechsel die Spannung gekonnt steigern. Dieses Manko hätte im Grunde genommen nicht sein müssen - die vielen Monate zwischen Japan- und EU-Veröffentlichung boten genug Zeit zum Feintuning, zumal das bald erscheinende Resident Evil Zero durchgängig flüssigen Spielgenuss bietet.

Resident_Evil_51Auch die akustische Untermalung wurde komplett überarbeitet, glückliche Besitzer des entsprechenden Equipments bekommen stimmungsvollen Surround-Sound auf die Ohren. Der neu eingespielte Soundtrack wirkt nochmals eine Spur epischer und pompöser als der (gelungene) des Playstation-Erstlings und wird gekonnt in besonders bedrohlichen Situationen geboten. Die weiteren Soundeffekte können ebenfalls auf ganzer Linie überzeugen, niemals jagte euch der erschütternde Schrei eines wütenden Zombies mehr Angst ein! Glücklicherweise ersetze man ebenso die Synchronsprecher durch wesentlich talentiertere und glaubwürdigere Kollegen. GameCube typisch wird euch eine perfekte Anpassung an die PAL-Norm geboten, 60 Hz Modus und keinerlei Balken zeigen, wie es richtig gemacht wird. Die Stimmen entstammen dem englischen Original, Untertitel und Text lest ihr wahlweise auf Deutsch.




Kai meint:

Kai

Im Großen und Ganzen ist Resident Evil für mich DER Blockbuster für Big Ns Würfel. Erstmals verdient ein Game die Bezeichnung „Survival Horror“, Silent Hill 2 und Dino Crisis werden vom neuestem Machwerk Capcoms zu Kiddie JumpN Runs degradiert. Unbedingt nachts mit aufgedrehten Boxen zocken ;o) 

Positiv

  • Neue Rätsel / Item Positionen
  • Fotorealistische Grafik
  • Überarbeiteter Sound

Negativ

  • Hakelige Steuerung
  • Vereinzeltes Ruckeln

Sebastian meint:

Sebastian
Wahnsinn! Das Grauen erreicht eine neue Stufe! Die gesamte Genre-Konkurrenz kann getrost einpacken, denn hier gibt es nichts zu holen. Neben der genialen Inszenierung sind auch Grafik und Sound auf allerhöchstem Niveau. Leider aber auch der Schwierigkeitsgrad und so werden gerade Genre-Neulinge zu Beginn mit einigen Problemen zu kämpfen haben, die mit einwenig Übung aber zu meistern sind. Für mich persönlich neben Super Mario Sunshine DER Hammer-GameCube Titel! 
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Forum
  • von Civilisation:

    Wie hat sich das Remake auf dem Cube geschlagen? Kai hat es herausgefunden. Sein Test liegt jetzt in überarbeiteter Form vor. Resident Evil Vor etwas mehr als einem Jahr, am 13. September 2001, kündigte Capcom Japan ein Remake der in Nippon extrem beliebten Biohazard-Reihe an....

  • von fab:

    Danke für die Rückmeldung!

  • von Rolanddc:

    Original von fab welche Resident Evil -Teile für den Gamecube indiziert wurden Indiziert sind 2, 3, 4 (nicht dt.) und Code Veronica...

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