King of Fighters: Heat of Battle im Test

GameBoy

Zugegebenermaßen stellte sich das Prügelspiel-Lineup auf tragbaren Systemen vor der Zeit des NeoGeo Pocket für gewöhnlich als Trauerspiel dar. Armselige bis nicht vorhandene Hintergründe und Animationen, sowie unterirdische Spielbarkeit waren eher Regel als Ausnahme. Einige ernstzunehmende Anläufe gab es aber trotz allem unter dem ganzen Müll, und hierzu zählt ebenfalls Takaras Umsetzung von King of Fighters '96 für Nintendos (damaligen) kleinsten.

King_of_Fighters_Heat_of_Battle_neXGam_11Natürlich kann man nichts erwarten, was auch nur annähernd an eine 1:1 Adaption des gut 360 MEGS starken Heimmoduls heranreicht. Und so wurde gleich der halbe Kader des Originals gestrichen. Übrig geblieben sind: Kyo, Daimon, Terry, Andy, Ryo, Robert, Athena, Leona, Mai, Iori, Mature, Geese, Krauser, Mr Big und Chizuru (die, anders als auf dem NeoGeo, von Anfang an frei spielbar ist).

Über die Auswahl kann man sich im Grunde genommen nicht streiten, da jeder ohnehin andere Charaktere vermissen wird und Kürzungen einfach unvermeidlich waren. Löblich ist auf jeden Fall, dass Takara hier nicht den bequemen Weg des größtmöglichen Spriterecyclings gegangen ist, sondern im Vergleich zu King of Fighters ’95 (auch für den Game Boy) relativ viele der Stammgäste austauschte. Damit ist das Spiel für Besitzer des Vorgängers ebenfalls interessant. Neben den Endgegnern Goenitz und Mr. Karate(!) kann man noch zusätzliche Versionen von Chizuru, Iori und Leona per Cheat freischalten, was einen bei großzügiger Zählweise auf immerhin 20 Charaktere bringt. Diese sind dafür auch komplett, mit allen Specialmoves, Sprungvarianten, Taunts und Siegesanimationen aus dem Original. Selbst das Combosystem schaffte es auf die Keksdose. Allerdings funktionieren viele Moves und Combos aufgrund des Maßstabs anders, wobei das Balancing der Charaktere leider litt, sodass manche Moves jetzt übermäßig effektiv geworden sind. Weiterhin wurden einige wenige Specials vereinfacht, zum Beispiel muss man für Ioris »Type 127 Deadly Flower« die Bewegung nur noch einmal ausführen, und er lässt gleich die ganze 3er-Combo vom Stapel.

Wie auch schon die NeoGeo-Fassung spielt sich King of Fighters: Heat of Battle flott und dynamisch, was nicht zuletzt daher rührt, dass hier erstmals der bekannte Hopser nach vorne durch Rennen, sowie das Ausweichen durch ein Abrollen ersetzt wurde, wodurch man sich wesentlich flüssiger durch die Arena bewegen kann. Das Vier-Tasten System der King of Fighters Serie wird (wie später ebenso auf dem NeoGeo Pocket) durch das Unterscheiden zwischen Antippen und kurzem gedrückt halten der Buttons emuliert. Dies erfordert einige Übung und Feingefühl, was einen Trainingsmodus schmerzlich vermissen lässt.

King_of_Fighters_Heat_of_Battle_neXGam_16Zur Verfügung Stehen nur Team und Single Modi jeweils für 1 oder 2 Spieler. Bei den Einzelspielermodi wird immer so lange gespielt, bis alle im Spiel enthaltenen Kämpfer besiegt sind, was den Single Modus zum längsten Spielmodus der ganzen Serie macht. Belohnt wird diese Mühe leider nur durch ein einheitliches Ending. Zwar gibt es für manche Teamzusammenstellungen noch spezielle Ereignisse nach dem Bosskampf, was aber fast ausschließlich durch Auseinandersetzungen zwischen den Teammitgliedern und nur minimal durch neue Storyelemente zum Ausdruck kommt. Leider vergaß man, die Endgegner unmenschlich schwer zu designen, was sie im Team Mode lächerlich einfach macht.

Die Grafik ist für Game Boy Verhältnisse exzellent. Zwar sind die Kämpfer klein geraten. Wenn man aber bedenkt, dass vergleichbare Spiele große Sprites stets mit miserablen Animationen und/oder Framerates erkaufen, fällt einem die Entscheidung, wo man denn hier seine Prioritäten zu setzen hat, nicht mehr allzu schwer, denn diese sind angenehm flüssig. Die Hintergründe basieren auf den NeoGeo-Originalen, nur wurden sie natürlich um viele Details und sämtliche Animationen und Varianten erleichtert. Leider musste man auch hierbei Einsparungen treffen, sodass man weder den Koreanischen Tempel, noch das drehende Café finden wird (wobei Letzteres ohne die Grafikpower des NeoGeo sowieso nicht viel Sinn gemacht hätte). Die Verbleibenden sind jedoch gelungen und Klassen besser als die öden Kulissen des Vorgängerspiels, sowie fast jeden anderen Game Boy Classic Titels.

Das Spiel nutzt die erweiterte Palette für den Super Game Boy, allerdings hat man davon aufgrund der technischen Beschränkungen dieser Hardware nur im Charakterauswahlbildschirm und bei den Energie- und Power-Leisten etwas, das eigentliche Kampfgeschehen muss auch hier mit 4 Farben auskommen. Wünschenswert wäre es gewesen, die Charaktere farblich vom Hintergrund abzusetzen. Kurioserweise erzielt man genau diesen Effekt, wenn man das Spiel in den GameBoy Advance einlegt. DAS nenne ich vorausschauende Programmierung!

King_of_Fighters_Heat_of_Battle_neXGam_8Zusammen mit den Varianten bei den Backgrounds sind leider auch viele der Musikstücke auf der Strecke geblieben. Die besten Kompositionen sind aber dabei und den Möglichkeiten entsprechend vorbildlich arrangiert. Das klassische SNK-Feeling kommt schon beim Intro sofort auf. Außerdem bringt Takara auf dem Game Boy etwas zustande, was die PlayStation und der SEGA Saturn nicht schafften. Richtig, die Musik fängt nach einer Runde nicht von vorne an, sondern spielt weiter. Zwar mit einer kurzen (verschmerzbaren) Unterbrechung von etwa 0,5 Sekunden, aber dieses Feature steuert nichtsdestotrotz einen wichtigen Beitrag zur Dynamik der Teamkämpfe bei, die bei den oben genannten Heimumsetzungen wiederholt gedämpft wurden. Die Soundeffekte halten bei diesem Niveau leider nicht mit, aber andererseits KÖNNEN sie auf dem Game Boy bestenfalls zweckmäßig sein. Wenn man das Spiel per Super Game Boy am TV spielt, geht einem der Dumpfe Sound beim Blocken allerdings gehörig auf die Nerven. Und zumindest auf dem hohen Schwierigkeitsgrad hört man den oft.




Team neXGam meint:

Team neXGam

Sicher, King of Fighters: Heat of Battle ist nicht perfekt. Das Balancing schwächelt, die Figuren sind winzig und wie zu erwarten muss man mit einer ganzen Reihe an Kürzungen leben, die die Freude am Spiel immer ein klein wenig dämpfen. Besonders wenn gerade die Lieblingscharaktere es nicht auf das Modul schafften. Nichtsdestotrotz muss es als eindeutige Referenz auf dem klassischen Game Boy gelten. Es ist einfach so viel umfangreicher, flüssiger, schöner und vor allem Spielbarer als alle Konkurrenzprodukte, und selbst auf dem Game Boy Color kann ihm allein Street Fighter Alpha das Wasser reichen.

Positiv

  • Hervorragende Musik
  • Umfangreich
  • Flüssig spielbar

Negativ

  • Schwaches Balancing
  • Winzige Figuren
Userwertung
7.38 5 Stimmen
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Forum
  • von khaos:

    Das ist ja schrecklich gesielt -.- Es sieht auch so aus, als wäre die Kollisionsabrage sehr dürftig (wie auch bei vielen SNES Hacks, die ansonsten vom Thema recht cool sind). Würde stattdessen eine originale Umsetzung der Real Bout Reihe vorschlagen Ansonsten Danke für euer Lob ...

  • von suicider:

    Danke auch von meiner Seite. Finde die SNK-Ports für Game Boy Verhältnisse auch nicht schlecht. Fun Fact am Rande: Wer Interesse daran hat, sollte mal nach diversen China Hacks Ausschau halten. Gibt sogar Mark of the Wolves für Game Boy Color ...

  • von Azazel:

    Klasse Test. Werde mal die Augen nach dem Spiel offen halten.

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King of Fighters: Heat of Battle Daten
Genre 2D Beat ‘em Up
Spieleranzahl 1 - 2
Regionalcode PAL
Auflösung / Hertz -
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 1998
Vermarkter Infogrames
Wertung 8
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neXGam YouTube Channel
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