
Die Geschichte selbst entspinnt sich langsam und methodisch. Sie beginnt damit, dass Daniel Noyer, ein Assistent von Husher, zum Anwesen des Schriftstellers geschickt wird, um nachzusehen, warum dieser nicht mehr erreichbar ist. Was als einfacher Besuch beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Albtraum, denn im Haus lauert eine unsichtbare, böswillige Präsenz – die namensgebende "Presence". Über die fünf Episoden hinweg erkundet man verschiedene Schauplätze, von der Villa Husher über ein verlassenes Antiquariat bis hin zu einer alten Benediktinerabtei. Dabei enthüllt sich Stück für Stück die Geschichte eines verfluchten Musikstücks und einer uralten Entität, die durch Klang und Melodie in unsere Welt eindringt.

Die Atmosphäre ist zweifellos die größte Stärke des Spiels. Protocol Games versteht es meisterhaft, eine beklemmende Stimmung zu erzeugen, ohne auf billige Jump Scares zurückzugreifen. Die Umgebungen sind detailliert und authentisch gestaltet, mit einer Liebe zum Detail, die an die klassischen Resident Evil und Silent Hill Spiele erinnert. Besonders beeindruckend ist das Sounddesign: Knarrendes Parkett, das Heulen des Windes, entfernte Schritte oder das unheimliche Summen einer Melodie – all diese Elemente verschmelzen zu einer akustischen Kulisse, die einen ständig auf der Hut hält. Die feste Kameraperspektive, die an alte Survival-Horror-Titel erinnert, trägt zusätzlich zur Desorientierung und zum Gefühl der Hilflosigkeit bei.

Was die technische Seite betrifft, zeigt Song of Horror einige Schwächen. Die Grafik ist solide, aber nicht überragend, und die Animationen wirken manchmal steif und unnatürlich. Die Lippensynchronisation in den englischen Dialogen ist häufig ungenau, was von der ansonsten starken Präsentation ablenkt. Auch gibt es gelegentliche Clipping-Probleme und kleinere Bugs, die das Spielerlebnis beeinträchtigen können. Die Ladezeiten zwischen Räumen können ebenfalls störend sein, besonders wenn man häufig zwischen Bereichen hin und her wechseln muss.
Die episodische Struktur des Spiels ist sowohl Segen als auch Fluch. Einerseits erlaubt sie es, die Geschichte in verdaulichen Häppchen zu präsentieren und verschiedene Szenarien und Schauplätze zu erkunden. Andererseits fühlen sich einige Episoden ungleichmäßig an, wobei die mittleren Episoden gelegentlich in die Länge gezogen wirken. Die fünfte und letzte Episode bietet einen befriedigenden Abschluss, auch wenn nicht alle Fragen restlos beantwortet werden. Ein weiterer Aspekt, der erwähnenswert ist, ist die Wiederspielbarkeit. Durch das Permadeath-System und die verschiedenen Charaktere, die jeweils einzigartige Fähigkeiten und Perspektiven mitbringen, gibt es einen Anreiz, das Spiel mehrmals zu spielen. Allerdings bleiben die Kernrätsel und Handlungsstränge gleich, was den Wiederspielwert etwas einschränkt.





Song of Horror ist letztendlich ein Spiel für Liebhaber des klassischen Survival-Horror-Genres. Es verzichtet bewusst auf moderne Action-Elemente und konzentriert sich stattdessen auf Atmosphäre, Spannung und psychologischen Horror. Die Permadeath-Mechanik ist mutig und verleiht dem Spiel eine einzigartige Identität, auch wenn sie nicht jedermanns Sache sein wird. Wer bereit ist, sich auf das langsamere Tempo und die altmodischen Gameplay-Elemente einzulassen, wird mit einer fesselnden Geschichte und einer unheimlichen Atmosphäre belohnt, die noch lange nach dem Ausschalten des Spiels nachhallt. Es ist kein perfektes Spiel und leidet unter einigen technischen Mängeln, aber seine Stärken überwiegen die Schwächen deutlich und machen es zu einer lohnenswerten Erfahrung für Horror-Fans.