Song of Horror im Test

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Song of Horror ist ein Survival-Horror-Spiel, das sich bewusst von den Mainstream-Konventionen des Genres abhebt und stattdessen eine Hommage an die klassischen Horror-Adventures der späten 90er und frühen 2000er Jahre darstellt. Entwickelt vom spanischen Studio Protocol Games, erschien das Spiel episodisch zwischen 2019 und 2020 und versammelt alle fünf Episoden zu einer zusammenhängenden Geschichte voller atmosphärischer Dichte und psychologischem Schrecken.

Song-of-Horror-02Was Song of Horror von Anfang an auszeichnet, ist sein ungewöhnlicher Ansatz bei der Charakterauswahl. Anders als bei den meisten Horror-Spielen steuert man hier nicht einen einzelnen Protagonisten durch die gesamte Geschichte, sondern wählt für jede Episode aus einem Pool von bis zu sechzehn verschiedenen Charakteren. Jeder dieser Charaktere hat seine eigene Verbindung zur zentralen Handlung, die sich um das mysteriöse Verschwinden des bekannten Schriftstellers Sebastian P. Husher und seiner Familie dreht. Das wirklich Bemerkenswerte dabei: Stirbt ein Charakter, ist er permanent tot und für den Rest des Durchgangs nicht mehr verfügbar. Diese Permadeath-Mechanik verleiht jeder Entscheidung echtes Gewicht und sorgt dafür, dass man jeden Schritt sorgfältig abwägt.

Die Geschichte selbst entspinnt sich langsam und methodisch. Sie beginnt damit, dass Daniel Noyer, ein Assistent von Husher, zum Anwesen des Schriftstellers geschickt wird, um nachzusehen, warum dieser nicht mehr erreichbar ist. Was als einfacher Besuch beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Albtraum, denn im Haus lauert eine unsichtbare, böswillige Präsenz – die namensgebende "Presence". Über die fünf Episoden hinweg erkundet man verschiedene Schauplätze, von der Villa Husher über ein verlassenes Antiquariat bis hin zu einer alten Benediktinerabtei. Dabei enthüllt sich Stück für Stück die Geschichte eines verfluchten Musikstücks und einer uralten Entität, die durch Klang und Melodie in unsere Welt eindringt.

Song-of-Horror-08Das Gameplay von Song of Horror ist bewusst old-school gehalten. Es gibt keine Kampfmechanik im herkömmlichen Sinne – man kann der Presence nicht mit Waffen begegnen. Stattdessen basiert das Spiel auf Erkundung, Rätseln und dem Versuch, der übernatürlichen Bedrohung zu entkommen oder sie in spielerischen Sequenzen abzuwehren. Diese Sequenzen sind kontextabhängig und reichen vom Lauschen an Türen, um herauszufinden, ob die Presence dahinter wartet, bis hin zu Versteckspielen in Schränken oder dem schnellen Schließen von Türen im richtigen Moment. Die KI der Presence ist dynamisch und adaptiv gestaltet, was bedeutet, dass sie nicht vorprogrammierten Mustern folgt, sondern auf das Verhalten des Spielers reagiert. Dies sorgt für eine konstante Spannung, da man nie genau weiß, wann und wo die nächste Begegnung stattfinden wird.

Die Atmosphäre ist zweifellos die größte Stärke des Spiels. Protocol Games versteht es meisterhaft, eine beklemmende Stimmung zu erzeugen, ohne auf billige Jump Scares zurückzugreifen. Die Umgebungen sind detailliert und authentisch gestaltet, mit einer Liebe zum Detail, die an die klassischen Resident Evil und Silent Hill Spiele erinnert. Besonders beeindruckend ist das Sounddesign: Knarrendes Parkett, das Heulen des Windes, entfernte Schritte oder das unheimliche Summen einer Melodie – all diese Elemente verschmelzen zu einer akustischen Kulisse, die einen ständig auf der Hut hält. Die feste Kameraperspektive, die an alte Survival-Horror-Titel erinnert, trägt zusätzlich zur Desorientierung und zum Gefühl der Hilflosigkeit bei.

Song-of-Horror-22Die Rätsel in Song of Horror sind größtenteils fair und logisch gestaltet, auch wenn sie gelegentlich etwas kryptisch ausfallen können. Sie fügen sich gut in die Umgebung ein und erfordern oft, dass man Dokumente und Notizen sorgfältig liest, um Hinweise zu finden. Die Schwierigkeit variiert, aber das Spiel gibt sich Mühe, die Balance zwischen Herausforderung und Frustration zu halten. Allerdings gibt es Momente, in denen die Lösung eines Rätsels nicht ganz intuitiv ist, was zu längeren Suchphasen führen kann.
Was die technische Seite betrifft, zeigt Song of Horror einige Schwächen. Die Grafik ist solide, aber nicht überragend, und die Animationen wirken manchmal steif und unnatürlich. Die Lippensynchronisation in den englischen Dialogen ist häufig ungenau, was von der ansonsten starken Präsentation ablenkt. Auch gibt es gelegentliche Clipping-Probleme und kleinere Bugs, die das Spielerlebnis beeinträchtigen können. Die Ladezeiten zwischen Räumen können ebenfalls störend sein, besonders wenn man häufig zwischen Bereichen hin und her wechseln muss.

Die episodische Struktur des Spiels ist sowohl Segen als auch Fluch. Einerseits erlaubt sie es, die Geschichte in verdaulichen Häppchen zu präsentieren und verschiedene Szenarien und Schauplätze zu erkunden. Andererseits fühlen sich einige Episoden ungleichmäßig an, wobei die mittleren Episoden gelegentlich in die Länge gezogen wirken. Die fünfte und letzte Episode bietet einen befriedigenden Abschluss, auch wenn nicht alle Fragen restlos beantwortet werden. Ein weiterer Aspekt, der erwähnenswert ist, ist die Wiederspielbarkeit. Durch das Permadeath-System und die verschiedenen Charaktere, die jeweils einzigartige Fähigkeiten und Perspektiven mitbringen, gibt es einen Anreiz, das Spiel mehrmals zu spielen. Allerdings bleiben die Kernrätsel und Handlungsstränge gleich, was den Wiederspielwert etwas einschränkt.

 

Michael meint:

Michael

Song of Horror ist letztendlich ein Spiel für Liebhaber des klassischen Survival-Horror-Genres. Es verzichtet bewusst auf moderne Action-Elemente und konzentriert sich stattdessen auf Atmosphäre, Spannung und psychologischen Horror. Die Permadeath-Mechanik ist mutig und verleiht dem Spiel eine einzigartige Identität, auch wenn sie nicht jedermanns Sache sein wird. Wer bereit ist, sich auf das langsamere Tempo und die altmodischen Gameplay-Elemente einzulassen, wird mit einer fesselnden Geschichte und einer unheimlichen Atmosphäre belohnt, die noch lange nach dem Ausschalten des Spiels nachhallt. Es ist kein perfektes Spiel und leidet unter einigen technischen Mängeln, aber seine Stärken überwiegen die Schwächen deutlich und machen es zu einer lohnenswerten Erfahrung für Horror-Fans.

Positiv

  • Exzellentes Sounddesign
  • Innovatives Permadeath-System
  • Adaptive KI der Präsenz

Negativ

  • Ungleichmäßige episodische Struktur
  • Störende Ladezeiten zwischen Räumen
  • gelegentliche technische Bugs
Userwertung
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Forum
  • von PatrickF27:

    So, doch jetzt mal gekauft und auf die to play Liste für den Herbst gesetzt, wenn ich damit dran bin, melde ich mich hier mal wieder.

  • von PatrickF27:

    Oh, ich hatte kurzzeitig gerade Interesse an dem Titel (ist in einem Fanatical Bundle enthalten), aber non-combat ist auch nicht meins. Das hat mir leider schon Remothered madig gemacht. Falls mir jetzt allerdings jemand sagen kann, dass Song of Horror trotzdem super toll ist und nicht allzu schwer,...

  • von Phill XVII:

    Non Combat Horror Games kann ich überhaupt nicht ausstehen. Ich will mich wehren können....

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Song of Horror Daten
Genre Actionadventure
Spieleranzahl 1
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 4K
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 2021-05-28 00:01:27
Vermarkter -
Wertung 7.3
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